E-Book, Deutsch, 280 Seiten
Milz / Prollius Geld
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-6546-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine kleine Ideengeschichte
E-Book, Deutsch, 280 Seiten
ISBN: 978-3-7519-6546-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hubert Milz (Jahrgang 1956) studierte Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und hat rund 35 Jahre in der Energiewirtschaft gearbeitet. Als Anhänger der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre setzt er sich für Selbstverantwortung, Unternehmertum, freie Marktwirtschaft, Freihandel und ein sinnvolles Maß an staatlichen Aktivitäten ein.
Autoren/Hrsg.
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II. Geld – Entstehung und Wert
1) Aristoteles: Ware gegen Ware – Warengeld
Geld ist nach als Folge von Tauschgeschäften – Ware gegen Ware – entstanden. Im Laufe der Zeit haben die Menschen Geld als Tauschmittel eingeführt, aufgrund einer Vereinbarung, deshalb der Name Geld (Nomisma von Nomos, „alles, was zugewiesen wurde, eine Verwendung, Sitte, Gesetz, Verordnung“).
Diese Vereinbarung resultiere aus einem Entwicklungsprozess; denn ursprünglich seien nur Güter gegen Güter getauscht worden, aber irgendwann hätten die Menschen vereinbart, das Metall (Eisen, Silber, Gold) als allgemeines Tauschmittel, als Wertmesser, einzuführen, um den Handel reibungsloser und einfacher zu gestalten11.
2) Sakrale Wurzeln des Geldes
(1884-1974)12 entwickelte 1924 in seinem Buch ‚Heiliges Geld‘13 die These, dass das Geld, insbesondere das Münzgeld, sakralen Ursprungs ist.
Mittels der Überlieferungen der altgriechisch-römischen Kultur versuchte die Entstehung von Geld (speziell von Münzgeld) im religiösen altgriechischen Tempel-Kultus zu verorten: Das Geld hat nach im Sakralen seine eigentliche Wurzel, seine Ursache14. Entgegen der Meinung, dass das Geld sich aus Gütertausch entwickelte und einer der frühen „Wertmesser“ das „Rind“ gewesen sei, meinte , aus den Epen ableiten zu können, dass das Rind nie „Wertmesser“ für den Warentausch, für den Handel, gewesen ist, sondern nur der höchste „Wertmesser“ im Opferritus15. Das Rind sei nur der Oberschicht verfügbar gewesen, somit habe es allgemein im täglichen Tauschhandel des gemeinen Volkes keine Rolle spielen können. zeigte leider nicht, welchen „Wertmesser“ es vor der Einführung von Metallgeld gab. Er behauptete nur, dass beim Handel zwischen dem Land (Bauern) und der Stadt nicht das „Rind“ der „Wertmesser“ gewesen sein kann16.
erläuterte anschließend, wie die Metalle (Gold, Silber, Kupfer) mehr und mehr in den Kultus des Tempels einströmten und durch von Priestern – analog zur Hierarchie des Tempels – festgelegten Normen einen für alle erkennbaren Wert darstellten; folglich sowohl Wertmesser (Recheneinheit, Wertaufbewahrung) und Zahlungsfunktion sein konnten. Dabei unterschied zwischen einer Zahlungsfunktion des Geldes und einer Tauschfunktion des Geldes17.
Dass der Tempelkult ein Transformationsriemen für die Verbreitung von Metallgeld gewesen sein wird, ist meines Erachtens unbestritten. So vermerkte bspw. , dass die alten griechischen Tempel auch Depositenbanken gewesen sind18. Die Menschen hätten zum Tempel einfach Vertrauen gehabt, weil der Tempel an und für sich unantastbar war, außerdem habe der Tempel seine eigenen Milizen besoldet, so dass er auch gegen räuberische Gewalt oder den Begehrlichkeiten weltlicher Herrscher geschützt war19.
3) Geldwert
Nach ist der Wert des Geldes eine Vereinbarung, deshalb – wie erwähnt – der Name Geld (Nomisma): Als Folge eines Entwicklungsprozesses hätten die Menschen vereinbart, das Metall (Eisen, Silber, Gold) als allgemeines Tauschmittel einzuführen.
Daraus ist zu folgern, dass , weil er Geld ursprünglich als eine stoffliche Ware sah, dem Geld einen ursprünglichen Gebrauchswert beimaß. Wobei nicht ausschloss, dass dieser Gehalt des Geldes auch wertlos werden kann, bspw. können Gelder durch das Verhalten, durch die Handlungen der Menschen entwertet werden. Aus den Ausführungen bei ist ebenfalls zu schließen, dass dieser gemeinsame Wertmesser Geld das Zusammenleben dadurch vereinfacht, weil jedermann den Wert seines Eigentums berechnen kann und somit seine eigene Stellung kennt20. Der Wert des Geldes an und für sich wurde allerdings von nicht näher bestimmt. Die eigentliche Ware (Eisen, Silber, Gold) hat einen stofflichen Wert, aber das Geld offensichtlich keinen Wert von Natur aus, sondern durch die Vereinbarung, und zwar durch eine gesetzliche Vereinbarung21.
Nach wurde der sakrale (und damit auch profane) Wert des Geldes durch die Normen der Tempelpriester festgelegt. Erst durch diesen hoheitlichen Akt des Tempels, durch das Siegel des Tempelpriesters, wird für aus der Münze ein allgemein zu akzeptierendes Zahlungsmittel22.
Welchen Wert hat nun das Geld an und für sich? Wie ist der intrinsische Wert? Mittels der Preise, die für Waren und Dienstleistungen verlangt werden, kann jeder Kaufwillige den objektiven Wert sehen: Der Preis der Ware ist gleich dem derzeitigen Wert des Geldes23. Wenn ein guter Herrenanzug eine Unze Gold kostet, dann ist eine Unze Gold einen Herrenanzug wert.
Es bleibt jedoch die Frage, ob Geld einen subjektiven Wert – einen inneren, eigenen Wert hat. Da der subjektive Gebrauchswert und der subjektive Tauschwert des Geldes beim Geld zusammenfallen, weil beide Begriffe auf dem objektiven Tauschwert des Geldes basieren, wurde dem Geld lange Zeit ein subjektiver Gebrauchswert abgesprochen24.
Erst (1881-1973) löste dieses geldtheoretische Problem in seiner Habilitationsschrift von 1912 durch das Regressionstheorem25:
- Menschen ordnen echtem Geld einen „Wert“ zu, weil sie Vertrauen in die künftige Kaufkraft haben.
- Dieses Vertrauen in die künftige Kaufkraft ist das Resultat einer Erfahrung, man benutzt heute Geld zum Kauf, weil man es gestern benutzen konnte.
- Und gestern benutzte man das Geld, weil man das Geld auch vorgestern zum Kaufen nutzen konnte; und so weiter und so fort.
dazu26:
führte dann weiter aus, dass nach den Bestimmungsgründen des ersten Geldwerts zu fragen ist27:
- Folglich hat man bis zu jenem Zeitpunkt zurückzugehen, als die Geldgüter noch nicht monetisiert waren, sondern wegen ihrer stofflich bedingten anderweitigen Verwendbarkeit begehrt wurden.
- Dieser Zeitpunkt, als die Geldgüter allgemeines Tauschmittel wurden, ist der älteste historische Geldwert.
- Dieser älteste historische Geldwert ist der Wert, den das Geld ursprünglich als Ware hatte.
- Dabei ist es von grundlegender Bedeutung, dass die Benutzer des Geldes Vertrauen in die Kaufkraft des Geldes haben. Ohne Vertrauen und ohne einen Bezug zu einem bereits vorhandenen Tauschwert kann auch kein Zeichen- oder Kreditgeld entstehen29
11 Siehe Aristoteles: Die Nikomachische Ethik V,8 (1133a), S. 165 und (1133b) S. 166 und Aristoteles: Politik I, 9 (1257a), S. 60.
Bei Carl Menger ist Geld durch das Handeln der Menschen spontan aus den Tauschakten entstanden; siehe Menger, Carl: Gesammelte Werke Band 4. Tübingen 1970 S. 1-116, das 1. Kapitel 1: Geld; dort ist auch abgedruckt der Artikel Geld aus dem Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 3. Auflage, Band 4, Jena 1909, S. 556-564.
Wolfram Engels merkte an, dass in der Bronzezeit auch Zinn als Geld galt, da Zinn damals seltener und teurer als Kupfer war; siehe Engels, Wolfram: Der Kapitalismus und seine Krisen. 2. Auflage, Düsseldorf 1997, S. 103.
Wilhelm Gerloff meinte, dass es Gegenstände mit Geldfunktionen schon vor der wirtschaftlichen Arbeitsteilung gab. Wilhelm Gerloff versuchte eine gesellschaftliche Theorie des Geldes zu entwickeln, indem sich „Geldgegenstände“ aus Geschenken, Opfern und Riten zum Geld-Tauschverkehr entwickelt haben; siehe Kruse, Alfred / Lechner, Hans H.: Geld und Kredit. Stuttgart 1970, S. 55 und S. 75-81.
12 Laum war ursprünglich Alt-Philologe und Altertumswissenschaftler. Nach der Habilitation lehrte er Altertumswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften, ab 1936 war er Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Marburg, siehe Deutsche Wikipedia (de.wikipedia.org): Artikel – Bernhard Laum.
13 Siehe Laum, Bernhard: Heiliges Geld. Berlin 2006. In der Einleitung erarbeitete Laum kurz die Unterschiede zwischen der damaligen historischen Geldforschung und der damaligen Geldtheorie; danach untersuchte er in fünf Kapiteln die sakralen Wurzeln des Geldes.
14 Siehe Laum, Bernhard: Heiliges Geld. Berlin 2006, S. 23.
15 Hülsmann zeigte in seiner Dissertation, dass Laum – entgegen seiner erklärten Absicht – sehr wohl das Rind als...




