Moncomble | A Spring to Hope | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 509 Seiten

Reihe: Seasons

Moncomble A Spring to Hope


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7363-2139-7
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 509 Seiten

Reihe: Seasons

ISBN: 978-3-7363-2139-7
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



»WENN DU ERST EINMAL JA GESAGT HAST, LASSE ICH DICH NICHT MEHR GEHEN«

Mit ihrem eigenen Blumenladen hat sich Magnolia ihren großen Traum erfüllt. Doch als das Geld knapp wird, wendet sie sich an ihre Familie. Diese hat für ihre Hilfe allerdings eine Bedingung: Sie soll ihren Ex-Freund heiraten! Für Nolia kommt das nicht infrage, aber das Ultimatum bringt sie auf eine Idee: eine Fake-Ehe - und der Partner ist schnell gefunden. Camille Levesque ist Gründer einer Escort-App und Milliardär, doch der attraktive Playboy sorgt regelmäßig für Skandale in der Presse und benötigt eine Frau an seiner Seite, um seinen Ruf zu bereinigen. Der Plan scheint perfekt, aber können sie ihr Versprechen halten, sich auf keinen Fall ineinander zu verlieben?

»Morgane Moncomble enttäuscht mich nie mit ihren Geschichten, und ich kann es kaum erwarten, die nächste in den Händen zu halten.« ZEILENSCHLOSS

Band 3 der SEASONS-Reihe



Morgane Moncomblehat in Paris Literatur studiert. Ihr Debüt veröffentlichte sie mit großem Erfolg aufWATTPAD. Sie mag es zu verreisen und liebt Disneyland, Lee Tae-yong und unabhängige Held:innen.

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2


Camille

Amsterdam, April 2024

Sie hat mich im Visier. Ich sehe es in den azurblauen Augen der Journalistin, die mir gegenübersitzt, die Finger über ihrer Computertastatur schwebend, bereit, sich auf mich zu stürzen. Sie will mich am Boden sehen.

»Du musst Werbung für diese App machen, komme, was da wolle«, hämmert mir Ruby, meine Pressesprecherin, ständig ein. Und dazu: »Nun lächle mal ein bisschen, verflixt noch mal!« – »Nein, nicht so …« – »Spiel doch mal den netten Kerl, okay?« – »Wenn ich noch einmal ein Schwanzfoto von dir aus dem Internet löschen muss, kündige ich!«

Bla, bla, bla.

Ich muss mich unbedingt ins Zeug legen.

»Camille Levesque, neunundzwanzig Jahre alt, geboren in Frankreich, derzeit wohnhaft in Amsterdam«, fasst Julia Evans zusammen, ohne einen Blick auf ihre Notizen zu werfen. »Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen. Wunderkind, Studienabschluss als Jahrgangsbester, Blitzkarriere als Leiter der Google-Technologieabteilung. Korrekt?«

»So weit ja«, bestätige ich mit gelangweiltem Blick. »Gut gemacht, Wikipedia.«

Wäre Ruby hier, müsste ich mir jetzt anhören: »Genau wegen so was mag dich niemand. Versuch doch einfach mal, dich nicht wie ein Arschloch zu benehmen.«

»Aber das macht am meisten Spaß«, antworte ich darauf für gewöhnlich.

Ich bin mir bewusst, dass mich niemand ausstehen kann, aber was sollte mir das ausmachen? Ich bin nicht auf der Welt, um neue Freunde zu finden. Ich habe bereits zwei, das erscheint mir völlig ausreichend.

»Anschließend haben Sie Projekte geleitet, die das Potenzial hatten, den ganzen Markt umzukrempeln«, fährt die Journalistin fort, ohne auf meinen Kommentar zu reagieren. »Aber Sie haben gekündigt, bevor diese realisiert wurden, und eine eigene Liefer-App für Lebensmittel entwickelt, SpeedFood. Ein Riesenerfolg, der Sie in kürzester Zeit zu einem der jüngsten Milliardäre der Welt gemacht hat. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens betrug zum Zeitpunkt des Börsengangs mehr als zwei Milliarden Euro, das war im Jahr …«

»Entschuldigung«, unterbreche ich sie höflich, die Hände auf dem Schreibtisch gefaltet. »Wird die nächste Stunde mit dem Abspulen meiner Berufslaufbahn vergehen, oder kommen irgendwann auch noch Fragen?«

Julia kneift verärgert die Lippen zusammen. Ich weiß jetzt schon, dass ihr Artikel nicht schmeichelhaft ausfallen wird, ich habe mich über sie informiert. Sie ist eine feministische Journalistin, hat in Utrecht studiert und engagiert sich in verschiedenen Organisationen gegen Prostitution. So einer wie ich ist ihr natürliches Feindbild.

»Sie haben recht, kommen wir zum eigentlichen Thema, vor Kurzem haben Sie CharmMate herausgebracht, eine Escort-App. Auf dieser Plattform können Nutzer und Nutzerinnen Profile erstellen, Fotos posten, ihre Dienstleistungen vorstellen und ihre Preise angeben. Sie werden sogar in Kategorien eingeteilt, um es den Kunden und Kundinnen leichter zu machen, das Gewünschte zu finden: Date unter Kumpels, Fake Date, One-Night-Stand und so weiter und so fort.«

Ich nicke, ohne ihren Redeschwall zu unterbrechen. Ich bin nicht der Erste, der so etwas versucht, trotzdem hat sich ein ziemlicher Medienrummel entwickelt. Die Meinungen sind gespalten. Während einige die Idee begrüßen, die Verteufelung von Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen zu beenden, werfen mir andere vor, diese Art Tätigkeit zu bagatellisieren und für junge Menschen unter dem falschen Versprechen schnellen Geldes attraktiv zu machen.

Beide Seiten haben gute Argumente. Das vereinfacht nicht gerade die Debatte.

»Mein Artikel konzentriert sich auf Folgendes: Ist die Dienstleistung, die Sie anbieten, Teil einer positiven Entwicklung von Sexarbeit oder fördert sie bezahlte Vergewaltigung?«, fragt Julia todernst. »Über achtzig Prozent der Prostituierten sind weiblich, Frauen sind also besonders von der Einführung von CharmMate betroffen. Daher meine erste Frage, Herr Levesque: Sind Sie Feminist?«

Wenigstens verschwendet sie keine Zeit und setzt mir gleich das Messer an die Kehle. Ich wusste, was ich mit dieser App riskiere, alle haben mir geraten, die Finger davon zu lassen, aber ich wollte es durchziehen. So bin ich eben.

»In der Tat halte ich mich trotz meines privilegierten Status als Mann für einen Feministen. Wie steht’s da mit Ihnen, Frau Evans?«

»Ich dachte, ich führe hier das Interview, nicht Sie.«

»Und ich dachte, wir wollten uns in einer ernsthaften Diskussion über ein komplexes Thema versuchen. Bisher habe ich eher das Gefühl, ich soll auf die Anklagebank gesetzt werden.«

Julia lässt sich einige Sekunden Zeit mit der Antwort, beantwortet die Frage dann aber mit Ja. Ich erkundige mich, was das für sie heißt, denn schließlich gibt es sehr verschiedene Formen von Feminismus, manche sind ruhig und diskret, andere laut und extrem. Einige betrachten es als Rückschritt, wenn Frauen ihren Körper für die Befriedigung männlicher Lust verkaufen, für andere ist es eine Art Rache oder ein Zeichen der Kontrolle über die eigene Sexualität.

»Gleichberechtigung der Geschlechter«, antwortet sie, ohne meinem Blick auszuweichen. »In allen Bereichen.«

»In diesem Punkt sind wir uns also einig. Aber was bedeutet das dann für den Grundsatz Mein Körper gehört mir

Sie lacht verdutzt auf. »Sie wollen sich wirklich einen Slogan zu eigen machen, der für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch steht?«

»Warum nicht? Es ist dasselbe Prinzip: Niemand sollte darüber urteilen, was jemand mit seinem eigenen Körper tut. Er gehört jedem persönlich, soviel ich weiß.«

»Genau hier liegt das Problem: Können wir davon ausgehen, dass Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter wirklich eine Wahl haben? Wir wissen, dass für viele der Einstieg in diese Branche die letzte Möglichkeit darstellt, ihr Überleben zu sichern.«

Ich verkneife mir den Hinweis, dass achtzig Prozent der CharmMate-Nutzer aus der Mittelschicht und gut situierten Kreisen stammen. Sie benötigen diese App eindeutig nicht für ihr Überleben, und selbst wenn: Wer könnte es sich anmaßen, sie deswegen zu verurteilen? Warum sollte man sie daran hindern, etwas zu tun, um ihren Kühlschrank zu füllen?

Zorn steigt in mir auf, doch ich beherrsche mich. Ich muss professionell bleiben und darf mich nicht von meinen Emotionen hinreißen lassen.

Auch wenn ich es ihr nicht erklären werde, ich weiß, warum ich das mache.

»Ich habe mir Ihre App angeschaut. Sie behaupten, sie sorge für mehr Sicherheit«, sagt Evans. »Worauf beruht dieses Versprechen eigentlich?«

»Das ist richtig, mein Ziel ist es, Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern einen sicheren Ort zu bieten. Zu diesem Zweck werden sämtliche CharmMate-Profile – der Anbietenden wie der Suchenden gleichermaßen – sorgfältig geprüft. Sie sind nicht nur alle volljährig und in der Lage, aus freien Stücken Entscheidungen zu treffen, sondern auch mental stabil, wie ein psychologischer Vorabtest belegt.«

»Sie verlagern also die Prostitution vom Straßenstrich in die sozialen Netzwerke. Glauben Sie nicht, dass Sie damit den Zugang zu Praktiken erleichtern, die – selbst in den Niederlanden, einem der wenigen europäischen Länder, die sich für eine Legalisierung entschieden haben – noch marginal vorhanden sind? Sie verleihen ihnen sogar eine glamouröse Aura, indem einige auf TikTok für diesen Beruf werben und mit sagenhaften Geldversprechungen Träume verkaufen, ohne jemals über die Risiken und Folgen zu sprechen …«

Ich runzle verwirrt die Stirn. Die ist wohl gerade aus ihrem hundertjährigen Dornröschenschlaf erwacht?

Mir wird auf einen Schlag klar, dass ich hier auf verlorenem Posten kämpfe. Julia Evans wird nicht von ihrer Position abweichen. Sie hat sich längst ein unverrückbares Bild von mir und meiner Arbeit gemacht. Ich bin für sie der Bösewicht, so wie für die gesamte Weltpresse. Sie denkt vielleicht, das würde mir etwas ausmachen … Sie weiß eben nicht, dass meine Kindheit von Figuren wie Loki und Cruella De Vil geprägt wurde – all den unverstandenen Schurkinnen und Bösewichtern, die mich schon immer angezogen haben.

Sollen sie mich doch hassen, wenn es ihr Gewissen beruhigt.

»Es mag Sie vielleicht überraschen: Ich bin nicht derjenige, der die Prostitution in die sozialen Netzwerke bringt«, argumentiere ich ganz ruhig. »Die war im Internet schon immer zu finden. Sie müssen nur mal fünf Minuten auf Twitter verbringen, um das zu merken.«

Julia wirft mir einen vernichtenden Blick zu, aber ich lasse mich nicht aus der Reserve locken. Warum kann sie nicht begreifen, dass ich ebendieses Übel anprangere? Illegale Prostitution über Apps wie Twitter und Instagram, zugänglich für jedermann.

»Meine App bietet Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern Sicherheit, eine Sicherheit, die sie sonst in den sozialen Netzwerken und anderswo nicht finden. Hier sind sie vor Missbrauch und gefährlichen Personen viel besser geschützt. Kurz gesagt, CharmMate lässt keine Klientel mit zweifelhaftem Verhalten zu – und...


Moncomble, Morgane
Morgane Moncomble hat in Paris Literatur studiert. Ihr Debüt veröffentlichte sie mit großem Erfolg auf WATTPAD. Sie mag es zu verreisen und liebt Disneyland, Lee Tae-yong und unabhängige Held:innen.

Morgane Moncomble hat in Paris Literatur studiert. Ihr Debüt veröffentlichte sie mit großem Erfolg auf WATTPAD. Sie mag es zu verreisen und liebt Disneyland, Lee Tae-yong und unabhängige Held:innen.



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