E-Book, Deutsch, Band 012022, 144 Seiten
Reihe: Julia
Morgan Geborgen in deinen Armen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-0943-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 012022, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-0943-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
An den Märchenprinzen glaubt die hübsche Miranda nach einer schweren Enttäuschung längst nicht mehr. Bis sie bei einer Wanderung in einen schrecklichen Schneesturm gerät und von dem umwerfend gut aussehenden Bergretter Jake Blackwell vor dem Erfrieren bewahrt wird. Als Jake sie mit zu sich nach Hause nimmt und vorm heißen Kamin mit einem erregenden Kuss überrascht, fühlt sie sich für einen Moment wie verzaubert. Doch so sehr sie Jake begehrt, muss sie leider auch fürchten, dass er nichts mehr von ihr wissen will, sobald er ihr Geheimnis entdeckt ...
Sarah Morgan ist eine gefeierte Bestsellerautorin mit mehr als 21 Millionen verkauften Büchern weltweit. Ihre humorvollen, warmherzigen Liebes- und Frauenromane haben Fans auf der ganzen Welt. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von London, wo der Regen sie regelmäßig davon abhält, ihren Schreibplatz zu verlassen.
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1. KAPITEL
Ihr Leben war ein Chaos!
Frierend und frustriert saß Miranda auf dem kalten Felsen und blickte finster vor sich hin. Durch die Kälte fühlten sich ihre Finger und Zehen fast taub an, doch sie nahm es im Moment kaum wahr. Auch an der Schönheit der Natur, den schneebedeckten Bergen des Lake District, konnte sie sich nicht erfreuen. Sie war hierhergekommen, um dem Weihnachtstrubel zu entfliehen, wovon hier oben auf dem Berg nichts mehr zu spüren war.
Zornig wischte sie die Tränen weg, die ihr über die Wangen liefen. Sechs Monate hatte sie nun Zeit gehabt, um sich an ihre Lage zu gewöhnen und sich ihren Fehler zu verzeihen, dass sie einem Mann vertraut hatte.
Miranda lachte bitter auf. Ausgerechnet sie, die die dunklen Seiten der menschlichen Natur nur allzu gut kannte, war auf das Werben und die netten Worte eines Mannes hereingefallen. Sie hasste sich dafür, weil sie sich so hatte täuschen lassen.
Sie atmete tief ein und versuchte, sich auf ihre Stärken zu besinnen, doch stattdessen kamen nur noch mehr Tränen. Verdammt, warum war sie bloß so emotional? Wahrscheinlich lag das nur an Weihnachten, denn da war bekanntlich alles anders. An den Feiertagen gaben sich die Menschen Mühe, nach außen ein perfektes Bild von sich zu zeigen. Ein Bild, das nicht der Wirklichkeit entsprach. Sie wusste, dass es keine heilen oder gar perfekten Familien gab, und deshalb wollte sie auch keine haben. Unabhängig und allein war sie einfach besser dran.
Leider hatte sie das wohl vergessen, als sie Peter kennenlernte. Ausgerechnet sie, die schon als Kind erfahren hatte, dass man keinem Menschen trauen konnte. Doch was passiert war, ließ sich nicht mehr ändern, und nun musste sie sich auf die Zukunft konzentrieren und vor allem darauf achten, dass sie nicht noch einmal in eine solche Falle tappte.
Miranda wischte sich erneut die Tränen weg und straffte ihre Schultern. Sie musste endlich damit aufhören, sich Hoffnungen und Träumen hinzugeben, die sich nie erfüllen würden, und stattdessen der Realität ins Auge sehen. Es existierten keine Prinzen in strahlender Rüstung, die auf einem edlen Pferd angeritten kamen und sie zu ihrem Märchenschloss mitnahmen. Normale Menschen gewannen auch nicht in der Lotterie, und Familien waren immer problematisch und gewiss nicht zu beneiden.
Und Weihnachten? Für Miranda war das Fest nichts Besonderes, also machte es auch keinen Sinn, auf diesem kalten Stein zu sitzen und sich zu bemitleiden, weil sie so allein war und sich etwas wünschte, was im Grunde gar nicht existierte. Stattdessen musste sie versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen.
Plötzlich fiel Miranda auf, dass es deutlich stärker schneite als noch vor einer halben Stunde. Dazu war noch dichter Nebel aufgekommen, der die Sicht derart verschlechterte, dass die Gipfel nicht mehr auszumachen waren. Das Wetter war perfekt gewesen, als sie von zu Hause weggegangen war – wenn man ihre winzige und schäbige Wohnung überhaupt als solche bezeichnen konnte. Wo waren nur der blaue Himmel und der Sonnenschein geblieben?
Miranda wurde es nun etwas mulmig zumute, denn sie hatte keine Ahnung, wo sie sich befand. Sie hatte nur die weihnachtlich geschmückten Häuser mit den bunten Lichtern hinter sich lassen wollen, war auf ihr altes Fahrrad gestiegen und in Richtung Berge losgeradelt. Das Fahrrad hatte sie auf einem leeren Parkplatz abgestellt und war dann einfach in den Wald gelaufen. Da sie allerdings erst vor einer Woche hierhergezogen war, kannte sie sich in der Gegend überhaupt nicht aus.
Hier oben auf dem Berg war alles ruhig und still und von Weihnachten nichts zu merken. Ja, hier hatte sie nicht das schmerzliche Gefühl, der einzige Mensch in der ganzen Stadt zu sein, der Weihnachten allein verbringen musste. Ausgerechnet jetzt, da sie so verletzlich war …
Miranda verdrängte die Gedanken, denn im Moment hatte sie ein anderes Problem: Sie wusste nicht, wie sie zurück zum Parkplatz finden sollte. Bald würde es auch dunkel werden und sie würde die Wege vor ihr gar nicht mehr erkennen können.
Sie blickte auf ihre Sportschuhe, die völlig ungeeignet für so ein Wetter waren. Warum hatte sie nicht ihre warmen Stiefel angezogen? Dann wären ihre Füße jetzt wenigstens nicht so kalt.
Miranda überlegte, aus welcher Richtung sie gekommen war, doch sie konnte sich nicht mehr erinnern. Sie befand sich an einer Kreuzung, und alle Wege sahen irgendwie gleich aus. Auch ließ sich von ihrem Standpunkt nicht erkennen, welcher Weg bergauf und welcher bergab führte. Inzwischen war schon so viel Schnee gefallen, dass kaum ein Weg mehr zu erkennen war.
Miranda sah sich um, und Angst stieg in ihr auf. Sie hatte sich verirrt, und niemand wusste, wo sie war. Ihr Herz begann zu hämmern, denn jetzt wurde ihr der Ernst der Lage erst so richtig bewusst. Es schneite immer stärker und dämmerte bereits, und Miranda hatte keine Ahnung, wie weit es bis zum Parkplatz war.
Was sollte sie jetzt machen? Wenn sie einfach irgendeinen Weg einschlug, konnte es passieren, dass sie sich vom Parkplatz immer mehr entfernte und noch tiefer in den Wald ging. Doch hierzubleiben in der Hoffnung, dass sie jemand finden würde, wäre sicher sinnlos. Wer in aller Welt stapfte ausgerechnet jetzt im Wald herum, anstatt zu Hause gemütlich Weihnachten zu feiern?
Also musste sie den Rückweg finden, irgendwie. Ja, irgendwie würde sie’s schon schaffen …
Tief in Gedanken versunken stapfte Jake Blackwell durch den Schnee. Das Wetter hatte umgeschlagen, doch das machte ihm nichts aus. Er zog Regen oder starken Schneefall sogar Sonnenschein und blauem Himmel vor, denn dann war er meist allein im Wald und konnte die Natur noch mehr genießen.
Der Schnee knirschte unter seinen Sohlen, und dicke Flocken wirbelten um sein Gesicht. In der Ferne hörte er die Kirchenglocken zum ersten Weihnachtsfeiertag läuten. Ein Tag, an dem die meisten Menschen glücklich waren.
Bevor er aufgebrochen war, war Jake bei seinen Freunden Alessandro und Christy zum traditionellen Truthahnessen eingeladen gewesen, danach hatten sie gemeinsam deren beiden Kindern beim Öffnen der Geschenke zugesehen. Jake freute sich für Alessandro und Christy, dass sie es geschafft hatten, ihre Eheprobleme zu lösen, und nun wieder eine glückliche Beziehung führten.
Jake hatte das Zusammensein mit seinen Freunden sehr genossen, und als er schließlich weggefahren war, hatte sich ein beklemmendes Gefühl der Leere in ihm breitgemacht. Dass er allein war, spürte er an Weihnachten ganz besonders.
Es war jedoch nicht so, dass es ihm an Interesse von Frauen fehlte, im Gegenteil. Jake wusste, dass es unter seinen Kolleginnen im Krankenhaus mehr als eine gab, die sein Junggesellendasein nur zu gern beendet hätte. Doch keine von ihnen interessierte oder faszinierte ihn so sehr, dass er sich eine ernsthafte Beziehung mit ihr vorstellen konnte.
Natürlich kam es hin und wieder vor, dass er sich mit einer Frau traf und einen netten Abend mit ihr verbrachte, schließlich hatte er Bedürfnisse wie jeder andere Mann in seinem Alter auch, und er wollte nicht so leben wie ein Mönch. Letztendlich kam es jedoch immer so, dass er Weinachten allein verbrachte. Keine seiner diesbezüglichen Bekanntschaften hatte es bisher geschafft, sein Interesse dauerhaft zu wecken und sein Herz zu erobern.
Keine außer Christy, doch die hatte sich für seinen besten Freund entschieden. Alessandro war ein echter Glückspilz, eine Frau wie sie zu haben und noch dazu zwei tolle Kinder …
Jake fluchte unterdrückt und forcierte seinen Schritt. Was war denn so schlimm daran, dass er keine feste Freundin hatte? Nichts. Er mochte sein Singleleben und fühlte sich momentan nur etwas einsam, weil Weihnachten war und sich alles um die Familie drehte. Da er keine eigene Familie hatte und nicht allein in seinem großen Haus sein wollte, hatte er beschlossen, eine Wanderung im Wald zu machen.
Er hätte auch zur Klinik fahren und den ganzen Tag arbeiten können, doch warum hätte er das tun sollen, da er ohnehin schon zu viel Zeit im Job verbrachte? Tatsächlich war sein Beruf wahrscheinlich auch der Hauptgrund, weshalb er keine Freundin hatte. Es war nicht leicht, genügend Zeit für eine Partnerin zu finden, wenn man als Chirurg in der Wöchnerinnenstation tätig war, Schichtdienst hatte und häufig Überstunden machen musste.
Während Jake durch die weiße Landschaft wanderte, besserte sich seine Laune. Wie schön es doch hier draußen war! Der Winter hüllte seinen weißen Mantel um die Bäume, und die Stille ließ Jake immer mehr entspannen.
Nein, er hatte wirklich keinen Grund zum Klagen. Er war gesund, hatte einen tollen Job und liebte seine Arbeit bei der Bergrettung. Und wenn er sich tatsächlich hin und wieder einsam fühlte, fiel es ihm nicht schwer, irgendeine Frau zu finden, die ganz unverbindlich mit ihm ausging und seine Einsamkeit vertrieb.
Jake mochte es, wenn es um ihn her so ruhig war, dass er nur den Schnee unter seinen Stiefeln knirschen hörte. Als die Sicht jedoch immer schlechter wurde, weil Nebel aufgekommen war, beschloss er, den Rückweg anzutreten. Er kannte sich zwar sehr gut in den Bergen aus und war entsprechend ausgerüstet, doch bei starkem Schnellfall und dichtem Nebel konnte man leicht in Gefahr geraten. Keinesfalls wollte Jake seinen Kollegen von der Bergrettung zumuten, an Weihnachten ausrücken zu müssen, weil er in Bedrängnis geraten war und ihre Hilfe brauchte.
Als er gerade umkehren wollte, nahm er plötzlich etwas aus den Augenwinkeln wahr. Etwas oder jemand hatte sich bewegt. Es war nur ein kurzer Augenblick gewesen, doch...




