E-Book, Deutsch, Band 3, 288 Seiten
Reihe: Moonlit Nights
Mueller Moonlit Nights 3: Gefährlich
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-646-61043-7
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Romantischer Werfwolf Liebesroman für Fantasy-Fans
E-Book, Deutsch, Band 3, 288 Seiten
Reihe: Moonlit Nights
ISBN: 978-3-646-61043-7
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Carina Mueller wurde 1984 im schönen Westerwald geboren, wo sie heute immer noch lebt und arbeitet. Neben ihrem Hund und ihren Pferden zählte das Lesen schon immer zu ihren größten Hobbies, woraus sich dann die Idee entwickelte, eigene Romane zu schreiben. Sie selbst liebt Jugendbücher und auch Fantasy-Romane, vor allem die ganz spannenden, weshalb sie auch in diesen Genres schreibt.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
Eine Stunde war bereits vergangen und ich saß immer noch zusammengekauert vor der Mülltonne, der Zeitungsbericht über den Tod des jungen Mannes lag zu meinen Füßen.
Fassungslos starrte ich vor mich hin, die Knie fest an meinen Oberkörper gezogen und mit ganzer Kraft umklammert, als könnten sie mir irgendeine Art von Halt geben, doch das taten sie nicht.
Mit zittrigen Händen wischte ich mir die Tränen weg, die langsam, aber stetig aus meinen Augen quollen und meinen Blick immer wieder verschwimmen ließen, doch sofort kamen neue nach. Um mich selbst zu beruhigen, begann ich sanft hin- und herzuschaukeln und dabei tief ein- und auszuatmen, doch es nutzte nichts.
Das konnte einfach nicht wahr sein! Nein: Das durfte einfach nicht wahr sein! Ich war doch kein Monster?!
Eine kleine Stimme meldete sich in meinem Kopf zu Wort und begann mir Vorwürfe zu machen.
Ich konnte nichts dafür, antwortete ich in Gedanken.
Sicher nicht mit Absicht.
Hab ich nicht!, wehrte ich mich innerlich dagegen.
höhnte die freche Stimme.
Liam wird ihr helfen!
Er wird ein Gegenmittel finden!
Amilia ist kein Problem!
Aber doch nicht so!
Ich habe sie nicht umgebracht!
Vollkommen entnervt legte ich die Stirn auf meine Knie und raufte mir mit beiden Händen die Haare.
Es war ein Unfall!
tadelte die Stimme weiter.
Ich konnte nichts dafür!, beteuerte ich erneut. Wer hätte denn ahnen können, dass mein Biss einem Werwolf so schadet? Ein leiser Schluchzer entwich meiner Kehle.
höhnte die Stimme, als wollte sie mich an den jungen Kerl aus der Zeitung erinnern.
Verzweifelt vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen.
Ich war doch extra weit weggebracht worden!
Hör auf! Liam hat gesagt, ich wäre viel zu weit weg gewesen, um es nach Hause schaffen zu können.
Hör auf, habe ich gesagt! Das hätte auch ein anderer Werwolf gewesen sein können. Oder wirklich ein wildes Tier.
mäkelte die Stimme weiter.
Ich hielt mir mit beiden Händen die Ohren zu und presste sie so fest gegen meinen Kopf, dass es schon wehtat, doch ich wollte die Stimme endlich aus meinem Kopf verbannen.
Ich bin kein Killer! Außerdem würde ich doch nie einen Menschen umbringen. An sowas habe ich niemals auch nur einen Gedanken verschwendet!
reizte die Stimme weiter.
Natürlich nicht!
Nein! Das bin ich nicht!
Hör auf damit!
Hör sofort auf damit und sei endlich still!, schrie ich.
Ich sprang auf und schlug wie wild mit den Armen um mich, da prallte ich plötzlich gegen etwas Hartes. Starke Arme umschlossen mich und hielten mich fest, während ich mit aller Kraft immer weiter um mich schlug und versuchte, mich zu befreien.
»Emma … sch … beruhige dich. Ich bin’s doch nur.«
Doch ich wehrte mich weiter.
»Emma! Bitte! Hör jetzt auf!«
Liam musste richtig energisch werden, bis mein Gehirn seine Worte registrierte und mein Körper seine Abwehrhaltung aufgab. Völlig verängstigt sackte ich in seinen Armen zusammen und begann jämmerlich zu schluchzen.
»Sch … ist doch gut. Alles wird gut. Sch … beruhige dich.«
Sein monotoner Singsang machte die Situation keinen Deut besser, doch allein die Tatsache, dass er einfach dastand und mich festhielt, tröstete mich.
Nachdem ich mich etwas beruhigt hatte, ergriff Liam erneut das Wort: »Was ist denn überhaupt los, Emma?«
Ich hob den Kopf und blickte in dunkle Augen, die erschrocken zurückstarrten. Ich überlegte kurz, dann antwortete ich: »Nichts.«
Liam riss ungläubig die Augenbrauen nach oben. »Nichts?!«
Ich zögerte kurz. »Es ist nichts. Ich hab nur … schlecht geträumt.«
Nun wurde sein Blick skeptisch. »Danach sah es aber ganz und gar nicht aus.«
Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern, als wüsste ich nicht, auf was er hinauswollte, doch so schnell ließ er sich nicht abwimmeln.
»Emma, ich habe dich reden hören.«
Jäh wich mir die Farbe aus dem Gesicht. Was sollte ich ihm sagen? Die Wahrheit? Doch was war überhaupt die Wahrheit? Dass ich anfing verrückt zu werden? Dass ich jetzt nicht nur eine Mörderin war, sondern auch noch eine verrückte Mörderin? Was, wenn er dann nichts mehr mit mir zu tun haben wollte?
»Komm, ich bring dich erst mal in dein Zimmer. Danach reden wir.«
Während ich noch krampfhaft darüber nachdachte, was ich ihm gleich sagen sollte, schob er mich gezielt vor sich her, bis wir die Haustür erreicht hatten. Da ich zu keiner Reaktion fähig war, klingelte Liam für mich.
»Guten Morgen, Liam«, begrüßte mein Dad uns überrascht. »Müsst ihr nicht zur Schule? Ich dachte, Emma sei schon längst unterwegs?«
Liam sah mich bekümmert an, dann wieder zu meinem Vater. »Doch, Mr Forsyth. War sie auch. Emma ist auf dem Weg zur Schule zusammengeklappt und da habe ich sie wieder nach Hause gebracht.«
Mein Dad musterte mich, doch ich starrte nur leer vor mich hin.
»Was ist denn los, Spätzchen? Warum weinst du denn?«
Als ich nicht antwortete, ergriff Liam erneut das Wort. »Vermutlich hat sie sich vorhin wehgetan, als sie hingefallen ist«, log er.
Mein Vater grinste. »Ach Spätzchen, so schlimm wird das doch nicht gewesen sein«, sagte er fürsorglich und klopfte mir auf die Schulter.
Als ich wieder nicht antwortete, brachte mich Liam hoch in mein Zimmer.
Dort angekommen setzte ich mich kommentarlos auf mein Bett und eine Träne nach der anderen kullerte über meine Wangen.
Liam kniete sich vor mich und hielt meine Hände.
»Emma, was ist denn nur los?«
Wieder keine Reaktion.
»Bitte, sag doch endlich was!«, flehte er.
Da fasste ich mir ein Herz. »Ich … bin …«, begann ich, doch meine Stimme brach weg. »Ich bin …«, setzte ich erneut an, doch auch dieses Mal kam ich nicht weiter.
»Du bist?«, versuchte Liam mir zu helfen. Doch plötzlich machte sich wieder diese schreckliche Unsicherheit in mir breit. Sollte ich ihm wirklich sagen, dass ich die Mörderin des jungen Mannes war? Dass ich plötzlich Stimmen in meinem Kopf hörte und vorhin mit mir selbst gesprochen hatte? Wie viel konnte eine junge Liebe verkraften? Würde Liam zu mir halten? Oder stattdessen nie wieder ein Wort mit mir wechseln? Das wäre immerhin möglich oder sogar noch wahrscheinlicher, denn: Wer wollte schon eine geistesgestörte Mörderin als Freundin haben?
Selbstzweifel überfielen mich und ich machte einen Rückzieher.
»Ich bin einfach so schrecklich besorgt um Amilia. Ich wollte ihr nichts tun …«, wich ich aus und zu meiner Überraschung hörte sich das weitaus glaubwürdiger an, als ich selbst gedacht hatte. Vermutlich, weil ich mir tatsächlich Sorgen um Amilia machte.
, meldete sich wieder die fiese, kleine Stimme in meinem Inneren zu Wort, doch ich versuchte sie zu ignorieren.
Liam nahm meine Hand und küsste sie zärtlich. »Ich weiß, dass das schwer für dich ist, aber wir kriegen das schon hin, Emma. Glaub mir.«
Er setzte sich neben mich und nahm mich fest in seine Arme. Ich kuschelte mich hinein und fühlte mich auf einmal so geborgen. Solange er mich festhielt, hatte ich wirklich das Gefühl, dass alles wieder in Ordnung kommen könnte, doch als er mich irgendwann wieder losließ, fühlte ich mich verlassen und die nackte Wahrheit begann erneut an mir zu nagen.
Ich wischte mir die Tränen weg, aber sie wollten einfach nicht versiegen.




