Murakami | Der Elefant verschwindet | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Murakami Der Elefant verschwindet

Erzählungen
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8321-8602-9
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erzählungen

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-8321-8602-9
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Stories, die Haruki Murakamis Ruhm im Westen begründet haben. Das Gitter ist geschlossen, doch der Elefant ist verschwunden, zur Bestürzung der ganzen Stadt. Nur einer ahnt, was passiert ist. Ein junger, einsamer Mann, der in der Werbeabteilung eines Küchenherstellers arbeitet und einer Journalistin seine Wahrnehmungen mitteilt. - Ein nächtlicher Anfall von Heißhunger und ein übermütig geplantes Verbrechen enden ganz anders als vorgesehen: so anders, dass sie Jahre später eine unvermutete Auferstehung erleben. - Eine Frau in den besten, ödesten Verhältnissen erkennt in der eigenen Schlaflosigkeit ein berauschendes Geschenk. Immer wieder tut sich für Murakamis melancholische Gestalten im Gewebe des Alltags eine Leerstelle auf, in die ein tiefer, lebensverändernder Sinn einzusickern scheint. Erzählungen von unerhörten Ereignissen und betörenden Zufällen, wie von unsichtbarer Hand gesandt. »Wir haben alle Bücher von Murakami gelesen, wir haben das Telefon klingeln lassen und sind lesend gegen Laternenpfähle gelaufen.« SPIEGEL ONLINE Dieser Band enthält die folgenden Erzählungen: >Der Aufziehvogel und die Dienstagsfrauen< >Der Bäckereiüberfall< >Der zweite Bäckereiüberfall< >Schlaf< >Der Untergang des Römischen Reiches, der Indianeraufstand von 1881, Hitlers Einfall in Polen und die Sturmwelt< >Scheunenabbrennen< >Frachtschiff nach China< >Der Elefant verschwindet< Die Erzählung »Scheunenabbrennen« (Original »Barn Burning«) wurde 2018 von Lee Chang-dong verfilmt unter dem Titel »Burning« (Besetzung: Ah-in Yoo, Steven Yeun, Jong-seo Jeon, Joong-ok Lee) und war für den Oscar als bester ausländischer Film 2019 nominiert. Die Erzählung >Der Bäckereiüberfall< wurde 1982 von Naoto Yamakawa verfilmt.

HARUKI MURAKAMI, 1949 in Kyoto geboren, lebte längere Zeit in den USA und in Europa und ist der gefeierte und mit höchsten Literaturpreisen ausgezeichnete Autor zahlreicher Romane und Erzählungen. Sein Werk erscheint in deutscher Übersetzung bei DuMont. Zuletzt erschienen die Romane >Die Ermordung des Commendatore< in zwei Bänden (2018), in einer Neuübersetzung >Die Chroniken des Aufziehvogels< (2020), der Erzählband >Erste Person Singular< (2021), >Murakami T< (2022) und >Honigkuchen< (2023).
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(S. 88-89)

Ich hatte sie auf der Hochzeitsfeier eines Bekannten kennengelernt und mich mit ihr angefreundet. Das war vor drei Jahren. Wir waren fast zwölf Jahre auseinander, sie war zwanzig, ich einunddreißig. Aber das war nicht weiter wichtig. Es gab genug andere Dinge, über die ich mir damals den Kopf zerbrach, und ehrlich gesagt, hatte ich nicht die Muße, über so etwas wie Alter nachzudenken. Auch sie machte sich von Anfang an keine Gedanken darüber.

Ich war verheiratet, aber auch das spielte keine Rolle. Dinge wie Alter, Familie und Einkommen schienen für sie genauso angeboren zu sein wie Schuhgröße, Stimmlage und Fingernägel. Es war nichts, woran man durch Denken irgendetwas ändern konnte. Da hatte sie recht. Sie nahm bei irgendeinem berühmten Meister Pantomimenunterricht und verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Mannequin in der Werbung. Allerdings fand sie die Angebote der Agenten anstrengend und schlug sie immer wieder aus, sodass dieses Einkommen tatsächlich minimal war. Der restliche Teil schien vom Wohlwollen ihrer Liebhaber abgedeckt zu werden. Natürlich weiß ich nichts Genaues darüber. Ich schloss es aus verschiedenen ihrer Bemerkungen.

Damit will ich allerdings nicht andeuten, dass sie für Geld mit Männern geschlafen hätte. Möglicherweise gab es ab und zu Situationen, die dem nahekamen. Aber selbst wenn es sie gab, war das für sie nicht wesentlich. Ihr Wesen war sehr, sehr einfach. Und ihre arglose, nicht der Vernunft gehorchende Einfachheit faszinierte bestimmte Leute.

Konfrontiert mit dieser Einfachheit wollten sie die eigenen komplizierten Gefühle dieser anpassen. Ich kann es nicht besser erklären, aber so schien es mir jedenfalls. Ihr Leben beruhte gleichsam auf dieser Einfachheit. Natürlich hielt diese Wirkung nicht ewig an. Wenn so etwas ewig dauerte, würde es den Lauf der Welt auf den Kopf stellen. Es kann nur an bestimmten Orten und in bestimmten Momenten geschehen. Genauso wie beim »Mandarinenschälen«.



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