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E-Book, Deutsch, 256 Seiten, GB

Nielsen Optimisten sterben früher


Novität
ISBN: 978-3-8251-6241-2
Verlag: Urachhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten, GB

ISBN: 978-3-8251-6241-2
Verlag: Urachhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Alle sagen Petula, dass sie keine Schuld am Tod ihrer kleinen Schwester hat. Aber so einfach ist das nicht. Petula ist nun überzeugt, dass das Schicksal hinter jeder Ecke mit einer bösen Überraschung auf sie lauert. Als sie Jacob kennenlernt, kann Petula ihre maßlosen Ängste Schritt für Schritt hinter sich lassen. Bis zu dem Tag, als sie erfährt, dass Jacob nicht der ist, für den sie ihn gehalten hat. Susin Nielsen erzählt die Geschichte einer Handvoll Jugendlicher, die alle Schweres durchgemacht haben und sich, jeder auf seine Weise, schuldig fühlen. Wie schon in Adresse unbekannt gelingt es ihr auch hier, ein ernstes Thema mit großartigem Humor zu vereinen.

Susin Nielsen (geboren 1964 in Hamilton, Ontario) begann mit elf Jahren, ein Tagebuch zu führen, und zwar mit dem Hintergedanken, dass daraus eine Biografie entstehen könnte, wenn sie einmal eine bekannte Schriftstellerin geworden wäre. In der Tat hat sie zahlreiche Kinder- und Jugendbücher geschrieben, die mit Preisen überhäuft und in viele Sprachen übersetzt wurden. Manche nennen sie auch den 'John Green von Kanada'. Sie lebt mit ihrer Familie und zwei frechen Katzen in Vancouver.
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Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 Kapitel 16 Kapitel 17 Kapitel 18 Kapitel 19 Kapitel 20 Kapitel 21 Kapitel 22 Kapitel 23 Kapitel 24 Kapitel 25 Kapitel 26 Kapitel 27 Kapitel 28 Kapitel 29 Kapitel 30 Kapitel 31 Kapitel 32 Kapitel 33 Kapitel 34 Kapitel 35 Kapitel 36 Kapitel 37 Kapitel 38 Kapitel 39 Kapitel 40 Kapitel 41 Kapitel 42 Kapitel 43 Epilog Dank Die Autorin Impressum


Der Weg nach Hause dauerte eine Viertelstunde. Das waren ganze acht Minuten mehr als üblich, denn zwischen der Schule und unserer Wohnung war im Dezember ein Gebäude abgerissen worden, und nun befand sich dort eine Baustelle, die fast den gesamten Block einnahm. Also musste ich einen Umweg gehen, um sie zu meiden.

Ein Stück die Straße runter sah ich das Mädchen, das früher mal meine beste Freundin gewesen war, und ihre Clique an der Baustelle vorbeilaufen. Beinahe hätte ich gerufen, um sie zu warnen. Aber ich wusste, sie würde mich bloß genervt und mitleidig anschauen, also ließ ich es bleiben. Anstatt geradeaus zu gehen, bog ich nach links ab und ging im Kopf meine Checkliste durch.

Der Angstknoten löste sich, als ich unsere Straße erreichte, eine ruhige Einbahnstraße im West End von Vancouver.

Es ist eine schöne Straße. Kastanien zu beiden Seiten und die Häuser sind niedrig. Unseres steht in der Mitte des Blocks, vier Stockwerke, gelbe Backsteine, über der Eingangstür der Schriftzug . Wir wohnen ganz oben oder, wie Dad gern witzelt, im Penthouse.

Unsere Straße und unser Haus waren nicht gefahrenfrei. Aber ich hatte meine Sicherheitszonen, und dies war eine davon. Zum einen hatte ich gebührende Sorgfalt walten lassen, als wir vor über einem Jahr eingezogen waren. Ich hatte anonym alle möglichen Bauaufsichtsbeauftragten angerufen. Dank mir sind die elektrischen Leitungen jetzt ordnungsgemäß und jede Wohnung verfügt über eine neue Sprinkleranlage. Man könnte meinen, der Hauseigentümer sei darüber erfreut gewesen, doch stattdessen schickte er einen Brief an sämtliche Mieter und drohte damit, »die Ratte auffliegen zu lassen«.

Hat er nicht.

Allerdings bekam er eine Antwort auf seinen Brief. Eine Postkarte ohne Absender mit einer kurzen Nachricht auf der Rückseite:

Als ich in die Wohnung kam, machte ich zuallererst die Geruchsprüfung. Auf einer Skala von eins bis zehn lagen wir heute bei drei. Das Auswechseln der Streu in den Boxen hatte Zeit bis morgen.

Moms rote Gummistiefel standen im Flur. Ich stellte meine lilafarbenen daneben und zog meine Jacke aus. Pippi Langstrumpf, Stuart Little, Mumin-Mama und Ferdinand umzingelten mich. »Ich bin zu Hause!«, rief ich.

»Hallo, Tula. Ich bin im Schlafzimmer.«

Die Katzen miauten und rieben sich an meinen Beinen. »Schon gut, schon gut, gebt mir eine Sekunde«, sagte ich so streng wie nur möglich, was aufgrund ihres alarmierend hohen Niedlichkeitsgrades nahezu unmöglich war. Ich konnte nicht einmal besonders wütend werden, als ich meine Stofftasche im Wohnzimmer ablegte und sah, dass eine von ihnen – ich wette, Pippi Langstrumpf – ein erschreckend großes Häufchen mitten auf dem Teppich hinterlassen hatte. fragte ich mich, nicht zum ersten Mal.

Ich zog Gummihandschuhe an und putzte die Sauerei weg, hörte den Anrufbeantworter ab, hoffentlich vor Mom. Natürlich hatte die Schulkrankenschwester eine Nachricht hinterlassen. Ich löschte sie. Dann holte ich eine Tüte Leckerli aus der Küche und gab jeder Katze zwei. »Damit schafft ihr’s bis zum Abendessen.«

Mit unserer ältesten Katze Ferdinand auf dem Arm, wie ein pelziges, orangenes Kleinkind, ging ich zum Schlafzimmer meiner Eltern. Mom saß in Arbeitsklamotten am Computer und tippte eine E-Mail. Ihr welliges, kastanienbraunes Haar hatte sie zu einem Dutt aufgezwirbelt. Maxine hatte auch solche weichen Locken gehabt, und ich hatte sie immer ein bisschen darum beneidet. Meine Haare sind langweilig und glatt. Einen Monat zuvor hatte ich sie abgeschnitten, um wie Lena Dunham auszusehen. Stattdessen wurde Beaker von den Muppets draus. Tatsächlich ist meine Augenfarbe das einzige kompensierende äußerliche Merkmal, das ich von meiner Mutter habe, die viel schöner ist als ich. Wir haben beide haselnussbraune Augen, eher grün als braun.

»Hallo, Mom. Wie war dein Tag?«

»Ach, gut. Ich habe mehr Bücher als Kerzen verkauft, und das ist immerhin erfreulich.« Mom arbeitet in einer Buchhandelskette in einem Einkaufszentrum in Burnaby, und die Geschäftsführer lieben sie, weil sie, anders als andere Angestellte, tatsächlich liest.

Sie schickte ihre E-Mail ab und drehte sich um.

Mein Gesichtsausdruck entgleiste. »Du hast doch nicht …«

Auf ihrem Schoß eingerollt lagen zwei pechschwarze Katzen. »Hab ich wohl.«

»Du hast es versprochen.«

»Ich weiß, ich weiß, aber was hätte ich denn tun sollen? Angie rief mich an, weil sie Hilfe brauchte.« Angie leitet die städtische Katzennothilfe, bei der Mom sich ehrenamtlich engagiert. »Sie haben die beiden herrenlos und halb verhungert unter einer Veranda gefunden. In den anderen Tierheimen gibt es keinen freien Platz. Angie hat sie vor einer Stunde hergebracht. Es ist ja nur so lange, bis wir ein richtiges Zuhause für sie finden.«

»Das hast du auch bei Pippi Langstrumpf, Stuart Little und Mumin-Mama gesagt.«

»Es ist schwieriger, eine Bleibe für die älteren zu finden. Die beiden hier sind noch jung, also sollte es nicht so schlimm werden.« Mom hielt mir eine der schwarzen Katzen hin. Ferdinand fauchte. »Den hier nenne ich Stanley, nach Und das ist Alice, aus

Ich liebe Katzengesichter. Ich kraulte Stanleys Ohren und er schnurrte in einer Tour, wirkte friedfertig und sanftmütig. Aber das änderte nichts an den kalten, harten Fakten, zum Beispiel, dass wir uns kaum die vier Katzen leisten konnten, die wir schon hatten. »Dad bringt dich um.«

»Ich regle das mit ihm«, sagte sie leichthin. Als sei es die einfachste Sache auf der Welt.

Zum Abendessen kochte Mom eine Tofupfanne. Ich machte einen Salat, entfernte die äußeren Blätter und warf sie weg, wusch die übrigen mit ein wenig Spülmittel. Mom war der felsenfesten Überzeugung, dass sie das rausschmecken konnte, aber ich erinnerte sie daran, dass ein bisschen Spülmittel besser war als eine Infektion mit Kolibakterien. Nachdem wir uns je eine Portion genommen hatten, machte ich einen Teller für Dad zurecht, in Form eines Smiley-Gesichts, und stellte ihn mit Plastikfolie abgedeckt in den Kühlschrank.

Beim Essen schauten wir ein Katzenvideo auf Moms Laptop an. Alle sechs Katzen lagen bei uns im Wohnzimmer. Ferdinand machte den Neulingen klar, wer der Herr im Haus war. Alice tippelte erst zögerlich auf meinem Rock hin und her, rollte sich dann auf meinem Schoß zusammen und schlief ein. Mom lächelte. »Du musst doch zugeben, es ist schon schön, ein paar neue Babys zu haben.«

Ja, meine Mutter nennt die Katzen ihre Babys. Und ja, es ist nicht schwer, darin einen tieferen Sinn zu entdecken. Die Katzen – besonders Ferdinand – halfen ihr, sich nach Maxines Tod aus ihrem schwarzen Loch der Verzweiflung herauszuziehen, was sonst niemandem – weder mir noch Dad noch ihrem Therapeuten – geglückt war.

Auf dem Bildschirm versuchte Maru, die japanische Katze, in immer noch kleinere Kisten zu kriechen. Ich kannte das Video schon, aber es brachte mich jedes Mal wieder zum Lachen.

»Weißt du noch, als Opa und Oma Maxine den Spielzeugherd geschickt haben?«, fragte Mom. »Und sie den Karton viel interessanter fand?«

»Ich hab ihr geholfen, ein Spielhaus daraus zu machen.«

»Sie liebte diesen Karton.« Mom fing immer wieder mit solchen Erinnerungen an meine kleine Schwester an. Manchmal machte es mir nichts aus; manchmal wünschte ich, sie würde einfach die Klappe halten.

Heute wünschte ich, sie würde einfach die Klappe halten.

Als ich den Geschirrspüler eingeräumt und die Arbeitsplatte mit antibakteriellem Reiniger geschrubbt hatte, duschte ich, nicht ohne vorher zu prüfen, ob die Gummimatte rutschfest war. Die Statistiken zu Verletzungen und Todesfällen aufgrund eines Sturzes in der Badewanne sind alarmierend.

Nach dem Duschen war ich froh über den beschlagenen Spiegel, denn so musste ich meinen langen, dürren Körper nicht nackt sehen. »Du hast die Größe eines Supermodels ohne das Aussehen eines Supermodels«, hatte ein Junge namens Carl mir in der sechsten Klasse sachlich erläutert, als ich den ersten von vielen Wachstumsschüben hatte und alle anderen Kinder überragte. »Na ja, bis auf deine Möpse. Das sind Supermodelmöpse. Winzig klein.« Ich war nicht traurig, als Carl und seine Familie nach Moose Jaw, Saskatchewan, zogen.

Ich flitzte nackt durch den Flur in mein Zimmer, schmiss meine getragenen Klamotten auf den Haufen auf dem Boden und zog meinen Hausanzug an, einen Pinguineinteiler. Rachel, das Mädchen, das mal meine beste Freundin gewesen war, hatte genauso einen; wir hatten sie zusammen...


Herre, Anja
Anja Herre, geboren 1979 in Thüringen, übersetzt, lektoriert und schreibt seit 2009 in Stuttgart und auf Reisen. So hat sie beispielsweise das Kinderbuch "Adresse unbekannt" von Susin Nielsen in Tadschikistan übersetzt, wo sie zu Beginn der Corona-Krise strandete.

Nielsen, Susin
Susin Nielsen, geboren 1964 in Hamilton/Ontario, begann mit elf Jahren, ein Tagebuch zu führen, und zwar mit dem Hintergedanken, dass daraus eine Biografie entstehen könnte, wenn sie einmal eine bekannte Schriftstellerin geworden wäre. In der Tat hat sie zahlreiche Kinder- und Jugendbücher geschrieben, die mit Preisen überhäuft und in viele Sprachen übersetzt wurden. Susin Nielsen lebt mit ihrer Familie und zwei frechen Katzen in Vancouver.
susinnielsen.com

Susin Nielsen (geboren 1964 in Hamilton, Ontario) begann mit elf Jahren, ein Tagebuch zu führen, und zwar mit dem Hintergedanken, dass daraus eine Biografie entstehen könnte, wenn sie einmal eine bekannte Schriftstellerin geworden wäre. In der Tat hat sie zahlreiche Kinder- und Jugendbücher geschrieben, die mit Preisen überhäuft und in viele Sprachen übersetzt wurden. Manche nennen sie auch den "John Green von Kanada". Sie lebt mit ihrer Familie und zwei frechen Katzen in Vancouver.



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