Niklas | Einmal Traumfrau, bitte | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 160 Seiten

Reihe: Stefan Roggenkämp

Niklas Einmal Traumfrau, bitte


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95530-201-6
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 1, 160 Seiten

Reihe: Stefan Roggenkämp

ISBN: 978-3-95530-201-6
Verlag: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die große TV-Serie mit Heikko Deutschmann in der Hauptrolle mit den Geschichten aus dem heiter-turbulenten Studentenleben waren ein riesiger Publikumserfolg! Der angehende Student und 'trainierte' Untermieter Stefan Roggenkämp kann im Umgang mit diversen Zimmervermieterinnen sein Weltbild erstaunlich schnell erweitern. Das Studium der Kommilitoninnen macht ihm offensichtlich mehr Spaß als sein eigentliches Spezialgebiet. Doch wenn Amor Schicksal spielt und obendrein bei der Wohnungssuche behilflich ist, dann findet sich auch bald die richtige Frau fürs Leben.Aber mit der temperamentvollen Christina fangen die Komplikationen erst an...

Niklas Einmal Traumfrau, bitte jetzt bestellen!

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Der erste Umzug in meinem Leben war ein Auszug.

Und er war längst überfällig – meiner Meinung nach.

Während Mutter feuchten Auges noch rasch eine Dose mit Schuhputzzeug zu den Koffern und Kartons auf dem Rücksitz meines alten Volkswagens steckte, erklärte ich ihr noch einmal selbstbewußt, daß neunzehn Jahre im Kinderzimmer genug seien. Sie unternahm einen letzten verzweifelten Versuch.

»Sturmfrei kannst du auch bei uns wohnen«, sagte sie, »das weißt du ja. Und wenn dich als Student die alte Anrichte von Tante Hetty stört und das Schrankbett …«

Ich gab ihr einen Kuß, während mein Vater mir zuzwinkerte.

»Laß ihn endlich fahren«, sagte er, »sonst ist die Bude wieder vergeben, bis er da ist.«

Der Wagen war so vollgestopft mit Hausrat, daß ich mich kaum auf den Fahrersitz zwängen konnte. Bücher, eine große Stehlampe, Geschirr, ein Elektrokocher und mehr Unterwäsche, als ich überhaupt jemals zu wechseln bereit war – Großstadt, ich komme! Ich winkte noch einmal kurz durch das heruntergekurbelte Seitenfenster, hupte zweimal fröhlich und gab Gas. Der Abschied sollte kurz und schmerzlos werden. Im Rückspiegel sah ich, daß Mutter ihren Kopf wehmütig an Vaters Schulter gelegt hatte.

Sie winkten unangenehm lange. Irgend etwas flog mir plötzlich ins Auge.

Aus dieser Stunde rührt meine erste Erfahrung, daß Umzüge leider meist mit Emotionen verbunden sind.

Ein Stück Herz bleibt immer zurück – ob man es zugibt oder nicht. Als Nestflüchter gibt man natürlich überhaupt nichts zu, jedenfalls nicht, solange der Schnabel noch gerade hängt und ein neues hübsches Nest in Aussicht ist.

Es dauerte genau vier Stunden und fünfunddreißig Minuten, bis mein stolzer Höhenflug jäh endete, nein, genauer: beendet wurde. Ich machte Erfahrung Nummer zwei: Vertraue niemandem, der dir eine Wohnung verspricht!

Mein Freund Ulrich, schon im ersten Semester Medizin, hatte das Zimmer, in dem ich als Untermieter einziehen wollte, für mich geortet. Nach seiner telefonischen Schilderung sollte es am Rande des Stadtparks liegen und über zwei verlockende Eigenschaften verfügen. Einmal war es erstaunlich billig, zum anderen stand es im Ruf, so sturmfrei zu sein, daß man das Zimmer nach Ulrichs Schilderungen als ›Miezenfalle‹ bezeichnete. Das gefiel mir. Ich hatte zwar keine Mieze, aber ich war fest davon überzeugt, daß kein Student allein vom Lernen glücklich werden konnte.

Er hatte darum gebeten, daß ich ihn nach meiner Ankunft im ›Salon Monique‹ abholte, wo er sich nach seinen Worten einmal in der Woche abends aufzuhalten pflegte. Ich wagte nicht zu fragen, was er dort trieb. Insgeheim bewunderte ich seinen neuen Lebensstil, aber er hatte ja einen reichen Vater. Und ein Casanova war er schon als Abiturient gewesen.

Um Punkt achtzehn Uhr ruckelte ich mit meinem vollbeladenen Käfer die angegebene Straße entlang, um nach dem unzweideutig eindeutigen Salon Ausschau zu halten. Wilde Gedanken schossen mir durch den Kopf. Was passierte, wenn Ulrich mich hineinlockte? Wenn er mich gar drängte … Plötzlich, zu spät, fiel mir der große Koffer mit frischer Unterwäsche ein.

Angespannt suchte ich weiter nach dem Salon. Mein Herz schlug höher, als ich endlich die bunte Leuchtschrift ›Monique‹ vor mir sah. Langsam fuhr ich näher, bis ich unmittelbar davor stand und jetzt das ganze Neonschild lesen konnte.

Dort stand völlig unmißverständlich:

WASCHSALON MONIQUE
TAG & NACHT SELBSTSERVICE

Durch die riesigen Fensterscheiben konnte ich Ulrich sogar schon sehen. Emsig hantierte er an einer von schätzungsweise zwanzig nebeneinander aufgereihten Waschmaschinen.

Schlimmer noch: Er trug eine kleine Schürze. Die frisch getrocknete Wäsche legte er ordentlich in eine große Plastiktüte.

Ich war entsetzt. Was war aus ihm geworden? Daß es sich bei Salon Monique nicht um ein Rotlicht-Etablissement handelte, erleichterte mich zwar, mein Bild von Ulrich hatte jedoch einen Knacks bekommen.

Ich klopfte an die Scheibe. Als er mich entdeckte, winkte er zurück, band seine Schürze ab, klemmte sich die Wäschetüte unter den Arm und kam auf die Straße. Sein schwarzer Lockenkopf war noch von den Waschdünsten zerzaust. Er roch nach Persil.

»Entschuldigung«, sagte er, »ich habe heute Waschtag. Frau Wiedemayer erlaubt leider nicht, daß ich das zu Hause erledige.«

Frau Wiedemayer war seine Vermieterin.

»Kann sie das denn verbieten?« fragte ich naiv.

»Du bist gut«, sagte Ulrich mitleidig, weil ich so wenig Ahnung hatte. »Sie kann alles verbieten, was sie will. Ich muß mich aber nur dran halten, wenn ich nicht rausfliegen möchte.«

»Dann nimm dir doch einfach eine andere Bude.«

Er lachte entnervt.

»Und woher? Es gibt doch keine in dieser Stadt!«

Jetzt staunte ich wirklich über ihn. Seine Freundschaft zu mir mußte ihm sehr wichtig sein, wenn er selbst bei Frau Wiedemayer wohnen blieb und die freiwerdende Miezenfalle mir gab.

»Wirklich nett von dir, daß du wenigstens für mich ein Zimmer besorgen konntest«, sagte ich ehrlich beeindruckt.

Er sah mich verständnislos an.

»Was für ein Zimmer?«

»Du sagtest doch neulich am Telefon, du hättest eine Bude für mich!«

»Habe ich das gesagt?«

»Ja. Diese … Miezenfalle.«

Er schüttelte den Kopf.

»Unsinn, die Miezenfalle ist ja längst vergeben. An einen Franzosen aus der Philosophischen.«

»Wie bitte?«

Ich konnte nicht glauben, was er da mit der größten Selbstverständlichkeit sagte. Wenn es stimmte, daß ich buchstäblich auf der Straße. Ich suchte in seinen Augen nach einem Fünkchen Schalk.

»Ist das ein Jux?«

»Hör mal zu, Stefan«, antwortete Ulrich feierlich, »das kannst du gleich lernen: Zimmersuche ist uns allen etwas Heiliges. Darüber macht man keine Witze. Im übrigen hatte ich dir die Miezenfalle nur als Beispiel genannt. Ehe da jemand auszieht, studiert er lieber fünf Semester mehr. Natürlich helfe ich dir aber gern, irgendwo was zu finden.«

»Und heute nacht? Soll ich etwa im Auto schlafen?«

»Quatsch«, sagte er, »du kommst auf mein Notbett.«

Das klang beruhigend.

Eilfertig räumte er sich eine Ecke auf dem Beifahrersitz frei, quetschte sich zu mir in den Wagen und lotste mich durch die Stadt, die mir unendlich groß und geheimnisvoll schien. Die erste Dämmerung senkte sich bereits über die Straßen und in den Wohnungen und Häusern gingen die Lichter an. Mir wurde plötzlich klar, daß ich zum erstenmal in meinem Leben kein Zuhause besaß, während um mich herum ein paar hunderttausend Menschen ihren Spaß in den eigenen vier Wänden hatten. Ich empfand tiefes Bedauern mit mir.

Ulrichs Zimmer, das in einer alten Villa lag, war klein und so wundervoll unordentlich, wie ich mir meinen Raum zu Hause mit Tante Hettys Anrichte und dem Schrankbett immer erträumt hatte. Nur ein Gästebett sah ich nicht.

Ich sagte es ihm verwundert.

Er öffnete die schmale Tür zum Bad und wies mit einer eleganten Bewegung auf seine Badewanne.

»Voilà«, sagte er, »dies ist mein Gästezimmer. Tritt ein.«

Als er meinen entsetzten Blick wahrnahm, fügte er grinsend hinzu: »Wenn du willst, kann ich dir auch ein frisches Laken reinlegen.«

Ich nickte und rieb mir unbewußt schon meine Knochen.

Endlich offenbarte mir das Schicksal, was es mit mir vorhatte: Mein Leben als Untermieter nahm seinen bitteren Anfang.

Mehr als zwei Wochen mußte ich mich gedulden, bis ein freies Zimmer für mich gefunden war.

Inzwischen hatten meine ersten Literatur-Vorlesungen längst begonnen, und ich pendelte ständig zwischen den Hörsälen, der studentischen Zimmervermittlung und meiner Badewanne. Es fiel mir nicht leicht zu verbergen, wie und wo ich meine Nächte verbrachte. Während der Vorlesungen konnte ich kaum noch gerade sitzen. Mein Rücken kam mir vor wie ein Stück weichgeklopftes Filet. Fragen meiner Kommilitonen, welches Syndrom ich denn hätte, wich ich geschickt mit dem Hinweis aus, ich sei schon seit Jahren Hochleistungssportler. Das machte Eindruck.

Im übrigen begriff ich schnell, worauf es bei der Zimmersuche ankam.

Einmal galt es, ständig alle verfügbaren Informationsquellen anzuzapfen. Dazu gehörten die Tageszeitung, die Zettelaushänge auf dem Universitätsgelände und in Kneipen sowie die mündliche Überlieferung jahrzehntealter zuverlässiger Adressen.

Bei einer Frau Kruse beispielsweise hatten sich ganze Juristengenerationen durch ein Zimmer geschlafen, andere Vermieter wieder hatten sich ausschließlich auf katholische Nichtraucher spezialisiert.

Am gesuchtesten freilich sind bis heute Medizinstudenten, von denen man erwartet, daß sie ihre Miete nicht bar bezahlen, sondern sie durch medizinische Hilfeleistung im Haushalt und Familie entgelten. Was an geldwerter Leistung von einem Untermieter sonst noch verlangt werden konnte, erfuhr ich fast täglich, wenn ich irgendwo vorsprach. Gartenarbeit war das mindeste. Am zweitliebsten ließ man die Untermieter Nachhilfe geben, für ›unseren Jüngsten, der in Deutsch ein wenig hängt‹, oder die Dame des Hauses verlangte lächelnd, man müsse ihr hin und wieder ein wenig bei der...



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