Nygårdshaug | Das Teufelspergament | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 200 Seiten

Nygårdshaug Das Teufelspergament


1. Auflage 2021
ISBN: 978-87-26-79188-4
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 200 Seiten

ISBN: 978-87-26-79188-4
Verlag: SAGA Egmont
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der beliebte norwegische Hobbydetektiv, Weinkenner und Gourmet Fredric Drum löst dieses Mal in Italien einen mysteriösen Fall: Als Dechiffrierungsexperte soll er in Ofanes bei Neapel im Auftrag der Universität Rom eine geheimnisvolle alte griechische Schrift untersuchen. Doch schon bald befindet er sich inmitten eines Spiels auf Leben und Tod, bei dem ein Mörder sein Unwesen treibt und Drum scheinbar an seiner Arbeit hindern will. Ein Roman voller Spannung, teuflischer Kodexe und exotischer Mysterien!-

Gert Nygårdshaug, geboren 1946 in Tynset, ist ein norwegischer Schriftsteller, der vor allem für seine Kriminalromane um den Hobbydetektiv und Gastronomen Fredric Drum bekannt ist, jedoch hat er auch Lyrikbände, Erzählungen, Romane und Kinderliteratur veröffentlicht. Zum Schreiben kam Nygårdshaug 1966, nachdem er zunächst als Zimmermann gearbeitet hatte. Ab 1980 konzentrierte er sich hauptberuflich auf die Schriftstellerei. Sein Öko-Thriller 'Mengele Zoo' (1989) wurde 2007 auf dem Literaturfestival in Lillehammer zum 'besten norwegischen Buch aller Zeiten' gekürt.

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2.
Er bestreitet jegliche Kenntnis vom Kalabrischen
Falken, genießt ein Glas »Taurasi Riserva 1982«
und fällt in tiefe Gedanken Fredric Drum öffnete die Tür und gelangte in einen kleinen Raum, in dem es einen großen Schreibtisch mit einem Telefon, einen Stuhl und eine Bank direkt neben der Tür gab. Sonst nichts. Das also war die Polizeiwache dieses Ortes. Auf dem Stuhl saß ein dicker, kleiner Mann mit einer Glatze und müden, geröteten Augen. Er sah aus, als habe er sich in aller Eile angezogen. Das Hemd war nicht zugeknöpft, und an den Füßen, die unter dem Tisch hervorragten, trug er Pantoffeln. Das war nicht weiter erstaunlich, denn schließlich war es mitten in der Nacht. Fredric ahnte schon, dass es mit der Laune des Polizeichefs nicht zum Besten stand, aber das galt auch für seine eigene. Er mochte nicht stehen. Deshalb setzte er sich ungefragt auf die Bank. »Verdammter Eierdieb!« Die Einleitung des Gesprächs war in einem schroffen und zischenden Ton gehalten, und Fredric schüttelte den Kopf, um Klarheit in sein Hirn zu bekommen. Hatte er richtig gehört? »Sì, Signor straniero, Eierdieb! Glauben Sie vielleicht, wir wüssten nicht, was Sie da unten auf den Klippen wollten? Ha! Wir haben dieses Jahr schon Deutsche, Niederländer, Schweden und Dänen dabei erwischt. Sie wollten Eier von unserer seltenen Falkenart, dem Falco calabrese, stehlen. Der ist vom Aussterben bedroht, verstehen Sie?« Der Polizeichef zündete sich eine Zigarette an und bekam einen heftigen Hustenanfall. »Signor poliziotto …« Drum konnte nur noch flüstern. Er fühlte sich plötzlich vollkommen leer, hatte keine Lust, irgendetwas zu erklären. Keine Diskussion. »Ich bin mit ganz anderen Absichten nach Ofanes gekommen, als Sie glauben. Ich will zwei Wochen lang hier bleiben. Im Albergo Anziano Ofani, dem einzigen Hotel hier am Ort, ist ein Zimmer für mich reserviert. Ich könnte morgen alles erklären, wenn ich nur meinen Koffer fin …« »Erst mal unterschreiben Sie hier!« Der kleine, dicke Mann sprang von seinem Stuhl auf, vor ihm auf dem Schreibtisch lag plötzlich ein Blatt Papier. Fredric dachte gar nicht daran, es durchzulesen. Er nahm einen Stift und unterschrieb mit einer unleserlichen Signatur. »Passaporto! «, zischte der Polizeichef. Fredric schüttelte bedauernd den Kopf. » Der ist im Koffer«, sagte er. »Ich komme morgen wieder.« Er ging zur Tür. »Können Sie mir sagen, wo ich den Albergo Anziano Ofani finde?« Der Polizeichef schob ihn auf die Straße hinaus und zeigte mit einem fleischigen Finger auf einen dunklen Schatten, der ein paar hundert Meter oberhalb der einzigen Straße des Ortes, einer Sackgasse, lag. »Buona notte«, sagte Fredric zum Dank und taumelte in die Dunkelheit. Dreimal musste er sich ausruhen auf dem kurzen Weg zu dem Gebäude, das angeblich sein Hotel sein sollte. Seine Beine fühlten sich wie Gelee an. Er konnte an nichts anderes denken als an Essen und Trinken. Sein Durst war unerträglich. Endlich erreichte er die Tür. Das Gebäude war dunkel, nirgendwo ein Licht. Müde registrierte er, dass es sich um ein sehr altes Bauwerk handeln musste. Nach langer Suche fand er zu guter Letzt etwas, das an eine Türglocke erinnerte: Eine Schnur mit einem Schild darunter, das zum Ziehen aufforderte. Irgendwo da drinnen hörte er eine Glocke läuten. Er wartete. Nichts passierte. Daraufhin zog er noch mehrmals kräftig an der Schnur. Endlich sah er Licht in einem Fenster und hörte tapsende Schritte. Die Tür wurde einen Spaltbreit geöffnet. Fredric erblickte einen älteren Mann in einem Schlafrock. Er trug einen dunklen Vollbart, der an einen griechischorthodoxen Bischof erinnerte, und hatte eine lächerliche hellblaue Nachtmütze auf dem Kopf. Der Mann starrte den Gast verschreckt an. Fredric stellte sich vor und erklärte, dass er ab vorgestern für zwei Wochen hier ein Zimmer reserviert habe. Dass ihm leider unterwegs ein kleines Unglück widerfahren sei und es ihm äußerst leidtue, zu dieser nächtlichen Stunde hier anzukommen. Der Mann, dessen Alter irgendwo zwischen vierzig und sechzig liegen mochte, lächelte plötzlich und öffnete die Tür sperrangelweit. Dann winkte er Fredric herein. »Sì, Signore«, sagte er, » wir haben Sie schon erwartet. Die schöne, junge Dame hat sich Sorgen gemacht. Sie brachte Ihren Koffer vom Busbahnhof hierher. Sie ist doch Patientin in Dr. Umbros Klinik, nicht wahr?« Fredric nickte und atmete erleichtert auf. Jetzt schienen die Dinge endlich wieder ins Reine zu kommen. Ein Hotel, in dem er willkommen war, sein Koffer war bereits eingetroffen, und Geneviève wartete auf ihn. »Signor Gianfranco Garrofoli. « Der Hotelbesitzer stellte sich mit einem festen Händedruck vor. »Sie sehen müde und mitgenommen aus. Möchten Sie etwas zu essen und zu trinken haben, bevor wir Ihnen Ihr Zimmer zeigen?« Fredric nahm das Angebot dankend an und wurde in einen kleinen Salon mit schweren Möbeln geführt, der nach Kampfer und Bienenwachs roch. Die Beleuchtung war spärlich. Der Hotelier drückte ihm das Gästebuch in die Hand und verschwand. Während Fredric sich umständlich eintrug, hörte er Rufe und Befehle aus dem Inneren des Hauses. Eine zornige Frauenstimme versuchte aufzubegehren, wurde aber gebieterisch zusammengestaucht vom tiefen und entschiedenen Bass des Hausherrn. Fredric blätterte im Gästebuch. Er war der einzige Gast. Die letzten Gäste waren vor mehr als einer Woche abgereist. Liegt ja nicht gerade an einer touristischen Hauptroute, dachte er. Nur Eiersammler. Falco calabrese. Eine magere, faltige Frau mit schwarzer Schürze über einem weißen Nachthemd servierte ihm Brot, Schinken, Melone und Ei sowie einen großen Krug Wasser und eine frisch geöffnete Weinflasche. Sie lächelte nicht und zuckte zusammen, als Signore Garrofoli ihr zurief: » Das Zimmer, Andrea. Du musst den Priester anfeuern, während unser Gast sein Essen zu sich nimmt! Siehst du nicht, dass er müde ist? Den Priester, hörst du!« Fredric aß kleine Portionen des hellen Brots. Trank Wasser. Nahm etwas Schinken und Ei zu sich. Er aß langsam und kaute gründlich. Der Priester? Wovon sprachen die eigentlich? Es war ihm letztlich egal. Jetzt würde er bald schlafen, jetzt würde er bald unter einer weichen Bettdecke liegen und gut träumen. Sein Magen rumorte unwillig, doch behielt er das Essen bei sich. Fredric wagte es, ein Glas halb mit Wein zu füllen. »Taurasi Riserva 1982«, las er auf dem Etikett. Er wusste, dass dieser Wein aus Gaglioppo-Trauben gekeltert wurde. Merkwürdige Trauben, merkwürdiger Wein. Er schnupperte, rollte einen Schluck im Mund herum und trank. Der Wein war gut. Der Geschmack war wunderbar. Mit Hilfe des Weins beruhigte der Magen sich schließlich völlig. Fredric spürte, wie sich allmählich ein gutes, warmes Gefühl in seinem Körper ausbreitete. Die Augen fielen ihm zu. »Signor Drum!« Der Hotelbesitzer beugte sich über ihn. »Sie dürfen nicht hier einschlafen. Das Zimmer ist bereit. Folgen Sie mir.« Fredric schenkte sich das Weinglas noch einmal halb voll, nahm es mit und folgte dem Hotelier. Sie gingen mehrere Korridore entlang und eine breite Steintreppe hinauf in den ersten Stock. Hier war der Gang so schmal, dass man sich beinahe seitlich vorwärtsbewegen musste. Überall war es schummrig. Signore Garrofoli öffnete eine Tür. »Kommen Sie, Signore. Alles ist bereit. Wie Sie sicher merken, ist es hier etwas feucht, aber diese Feuchtigkeit verschwindet, wenn der Priester erst mal ein Weilchen gebrannt hat. Ihr Koffer steht da drüben.« »Grazie.« »Das Bad liegt am Ende des Korridors. Wir werden dafür sorgen, dass Sie morgen nicht vor elf Uhr gestört werden. Wünschen Sie ein Frühstück?« Der Hotelier zog sich in Richtung Tür zurück. »Nein danke, Signore. Kein Frühstück.« Fredric stellte das Weinglas auf dem Nachttisch ab. Der Hotelier ging. Fredric rieb sich die Augen. Dieses Zimmer konnte nicht der Gegenwart angehören. Ein solches Hotelzimmer hatte er noch nie gesehen! Das Bett war ein Monstrum, eine Art Himmelbett mit schweren Balken als Himmel, das mitten im Zimmer stand. Unter der Matratze, mit hinreichendem Abstand zum Fußboden, befand sich ein Rost. Auf diesem Rost konnte er ein flaches Becken mit schwelender Glut erkennen, die einen gelblichen Schimmer verströmte. Das also war der Priester! Es schien äußerst riskant, sich über dieses Glutbecken zu legen, aber er beruhigte sich damit, dass es sich hierbei bestimmt um eine alte und lange erprobte Heizmethode handelte. Die Wände des Raumes bestanden aus grobem...



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