E-Book, Deutsch, 416 Seiten
Reihe: Diablo
Odom Diablo - Der dunkle Pfad
Neuauflage 2020
ISBN: 978-3-7367-9900-4
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 416 Seiten
Reihe: Diablo
ISBN: 978-3-7367-9900-4
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seit Anbeginn der Zeit führen die geflügelten Streiter der himmlischen Sphären und die Dämonenhorden der Brennenden Höllen einen erbitterten Kampf um das Schicksal der Schöpfung. Dieser infernale Konflikt hat sich nun auf die Ebene der Sterblichen verlagert und weder Mensch noch Dämon noch Engel werden sich dieser Schlacht entziehen können ... DIABLO Darrick Lang ist Marineoffizier des Königs von Westmarch. Eine blutrünstige Piratenbande macht die Küsten des Landes unsicher und scheint immer genau zu wissen, wann und wo es die größten Schätze zu erbeuten gibt. Als die Piraten den Neffen des Königs kidnappen, erhält Darrick den Befehl, die Geisel zu befreien. Doch tief unter dem Schlupfloch der Seeräuber lauert das absolut Böse in Form des Dämonen Kabraxis, der nur darauf wartet, in die Welt der Sterblichen zu gelangen, um dort ein Königreich des Dunklen Pfads zu errichten. Willige Diener ebnen der Ausgeburt der Brennenden Höllen bereits den Weg. Als Darrick den Piraten eine vernichtende Niederlage beibringt, ahnt er noch nicht, dass sich die Pforten der Finsternis weit für ihn geöffnet haben ... DER DUNKLE PFAD Ein spannender Roman aus der Welt der Magie, der finsteren Mächte und der epischen Schlachten zwischen Gut und Böse! Basierend auf dem preisgekrönten Videogame-Bestseller von Blizzard Entertainment.
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EINS
Darrick Lang zog am Ruder, während er die von der Nacht umhüllten Klippen absuchte, die den Fluss Dyre zu beiden Seiten säumten. Er hoffte, dass die Piraten sie noch nicht entdeckt hatten. Sicher würde er dies jedoch erst wissen, wenn ein Angriff der Freibeuter erfolgte – und diese waren berüchtigt dafür, wenig zimperlich mit Angehörigen der Marine von Westmarch umzuspringen. Vor allem mit solchen, die sie auf Befehl des Königs von Westmarch jagten. Der Gedanke, in ihre Gewalt zu geraten, war dementsprechend alles andere als erfreulich.
Obwohl sich die Barkasse gegen die sanfte Strömung bewegte, durchschnitt ihr Bug das Wasser so glatt, dass es kaum merklich gegen den niedrigen Rumpf schwappte. Die Wachtposten, die entlang der Klippen zu beiden Uferseiten positioniert waren, hätten sofort Alarm geschlagen, wenn sie die Barkasse bemerkt hätten. Dann wäre die Hölle losgebrochen. Sollte es dazu kommen, würde es – dessen war sich Darrick sicher – keiner von ihnen zurück zur Lonesome Star schaffen, die draußen im Golf von Westmarch ankerte. Kapitän Tollifer, Herr über das Schiff, war einer der fähigsten Strategen von ganz Westmarch und unmittelbar dem König unterstellt. Er würde in See stechen, auch wenn Darricks Trupp nicht, wie vereinbart, bis zum Morgengrauen zurückkehrte.
Darrick beugte sich nach vorn, um das Ruder aus dem Wasser zu ziehen. Dann sagte er leise: „Ruhig, Männer, ganz ruhig. Nur weiter so, dann schaffen wir es. Wir sind hier wieder weg, bevor die Piraten überhaupt begreifen, dass wir bei ihnen waren.“
„Ja, falls uns das Glück gewogen bleibt“, flüsterte Mat Hu-Ring.
„Ich vertraue darauf“, erwiderte Darrick. „Ich habe noch nie etwas gegen Glück einzuwenden gehabt, und so wie es aussieht, hast du davon mehr als genug für uns alle.“
„Du hast dich doch noch nie aufs Glück verlassen“, warf Mat ein.
„Nein, das stimmt – verlassen nicht“, stimmte Darrick ihm zu und fühlte sich trotz der Gefahr, die auf sie lauerte, angenehm verwegen. „Aber ich habe auch nichts dagegen es auszusetzen – und vergesse nie Freunde, denen es treu ist.“
„Hast du mich deswegen auf dieses ‚kleine Abenteuer‘ mitgenommen?“
„Aye. Aber wenn ich mich nicht irre, habe ich dir beim letzten Mal das Leben gerettet. Ich würde also sagen, ich habe bei dir noch etwas gut.“
Mat grinste. Trotz der Finsternis schimmerte das Weiß seiner Zähne. Genau wie Darrick hatte er sein Gesicht, das von Natur aus schon nussbraun war, rußgeschwärzt, um mit der Nacht zu verschmelzen. Darricks Haut war bronzefarben. Sein Haar war rötlich, das von Mat schwarz.
„Hm, aber heute Nacht willst du das Glück ernsthaft auf die Probe stellen, nicht wahr, alter Freund?“, fragte Mat.
„Der Nebel hält an.“ Darrick wies mit einer Kopfbewegung auf die wallenden Schwaden, die silbergrau über dem Fluss trieben. Wind und Wasser arbeiteten heute Nacht Hand in Hand, und der Nebel dräute langsam in Richtung Meer. Auf Grund dieses Nebels wirkte die Strecke, die sie zu überwinden hatten, noch gewaltiger. „Vielleicht können wir uns noch mehr auf das Wetter als auf dein Glück verlassen.“
„Und wenn ihr noch länger so weiterquasselt“, mischte sich Maldrin mit schroffer Stimme ein, „werden euch vielleicht die Wachen da oben hören, die nicht weggenickt sind. Und dann werden sie ein paar von den Abwehrschlägen eröffnen, die dieses verdammte Piratengesindel stets vorbereitet hält. Ihr wisst, dass euer Gequatsche über Wasser weiter getragen wird als an Land!“
„Aye“, pflichtete Darrick ihm bei. „Und ich weiß auch, dass unser ‚Gequatsche‘ nicht von hier unten bis nach oben zu den Klippen getragen wird. Die Wachen befinden sich gut und gerne vierzig Fuß über uns.“
„Dämlicher Outlander aus Hillsfar“, knurrte Maldrin. „Du bist noch viel zu rotznasig und zu feucht hinter den Ohren, um so einen Auftrag zu erledigen. Wenn du mich fragst, dann ist der alte Kapitän Tollifer nicht mehr ganz bei Trost!“
„Und genau das ist der Punkt, Schiffsmaat Maldrin“, sagte Darrick. „Niemand hat dich verdammt noch mal gefragt!“
Ein paar andere Männer an Bord der Barkasse lachten über den alten Maat. Auch wenn Maldrin den Ruf eines grimmigen Seemanns und Kriegers hatte, betrachteten die jüngeren Mitglieder der Besatzung ihn eher als Glucke und Schwarzmaler.
Der Erste Maat war ein kleiner Mann, doch seine Schultern waren fast so breit wie der Griff einer Axt lang war. Seinen grau melierten Bart hielt er immer kurz geschnitten. Zwar hatte er eine hufeisenförmige kahle Stelle auf dem Kopf, doch ansonsten war sein Haar so voll und lang, dass er es zu einem Zopf geflochten hatte. Nebelnässe glitzerte auf der mit Teer bestrichenen Hose und durchtränkte das dunkle Hemd.
Darrick und die anderen Männer auf der Barkasse waren ähnlich gekleidet. Sie alle hatten ihre Klingen in Fetzen aus Segeltuch gewickelt, so dass sie vor Wasser geschützt waren und der Mondschein nicht von ihnen reflektiert werden konnte. Der Dyre führte zwar Süßwasser und enthielt kein aggressives Salz, doch die Gewohnheit war den Angehörigen der Königlichen Marine in Fleisch und Blut übergegangen.
„Arroganter Jüngling“, murrte Maldrin.
„Ach ja, und genau deshalb liebst du mich, auch wenn du es nicht so richtig zeigen kannst, Maldrin“, spöttelte Darrick. „Wenn du glaubst, in übler Gesellschaft zu sein, dann überleg mal, wie es dir wohl erginge, wenn ich dich auf der Lonesome Star zurückgelassen hätte. Ich sage dir, Mann, ich halte dich für unfähig, eine Nacht lang Armdrücken mit der Mannschaft durchzustehen. Ist das nun der Dank, dass ich dir das erspart habe?“
„Die Sache hier wird nicht halb so einfach werden, wie du es dir offenbar vorstellst“, erwiderte Maldrin.
„Und worüber müssen wir uns Sorgen machen, Maldrin? Über ein paar Piraten?“ Darrick zog sein Ruder an sich. Dabei achtete er darauf, dass sämtliche Mitrudernde im gleichen Takt arbeiteten. Sein Blatt tauchte wieder in den Fluss ein, und er zog kraftvoll. Das Boot durchpflügte das Wasser und kam zügig voran. Vor einer Viertelmeile hatten sie das Lagerfeuer des ersten Wachpostens entdeckt. Der Hafen, den sie suchten, lag nun nicht mehr allzu weit entfernt.
„Das sind nicht nur einfache Piraten“, erwiderte Maldrin.
„Nein“, meinte Darrick. „Da muss ich dir zustimmen. Diese Piraten hier sind diejenigen, zu denen Kapitän Tollifer uns geschickt hat, um ihnen ein wenig Ärger zu machen. Nach diesem klaren Befehl wäre es mir regelrecht unangenehm, wenn du denkst, ich würde mich mit irgendwelchen Piraten zufrieden geben.“
„Mir auch“, warf Mat ein. „Ich bin inzwischen richtig wählerisch geworden, wenn es darum geht, gegen Piraten zu kämpfen.“
Einige der anderen Männer stimmten ebenfalls zu und lachten gedämpft.
Darrick fiel auf, dass niemand auch nur mit einem Wort den Jungen erwähnte, den die Piraten entführt hatten. Da dessen Leichnam am Schauplatz des letzten Angriffs nirgends gefunden worden war, waren sie zu der Überzeugung gelangt, dass man ihn verschleppt hatte, um ein fettes Lösegeld zu erpressen.
Der Gedanke an den Jungen wirkte ernüchternd.
Maldrin schüttelte den Kopf und konzentrierte sich wieder aufs Rudern. „Oh, du bist ein verdammtes Ärgernis, Darrick Lang. Das schwöre ich bei allem, was aus Licht und heilig ist. Aber wenn es einen Mann auf Kapitän Tollifers Schiff gibt, der das hier durchziehen kann, dann wohl du.“
„Das klingt schon verteufelt besser. Ich würde meinen Hut vor dir ziehen, Maldrin, wenn ich einen hätte“, versetzte Darrick grinsend.
„Sieh einfach zu, dass du den Kopf auf den Schultern behältst“, brummte Maldrin.
„Allerdings“, gab Darrick zurück. „Das habe ich vor.“ Er veränderte ein wenig den Griff um sein Ruderholz. „Also Männer, ziehen! So lange der Fluss noch ruhig ist und der Nebel uns umgibt.“ Sein Blick wanderte hinauf zu den Bergen, und er wusste, dass sich ein wilder Teil seines Ichs auf den bevorstehenden Kampf freute.
Die Piraten würden den Jungen nicht kampflos herausgeben. Und außerdem verlangte Kapitän Tollifer einen Blutzoll – im Namen des Königs von Westmarch.
„Verdammte Nebelsuppe!“, fluchte Raithen aus vollem Herzen.
Die ungestüme Art des Piratenkapitäns riss Buyard Cholik aus seinen Gedanken. Der alte Priester zwinkerte ein paar Mal, um gegen die Müdigkeit anzukämpfen, die ihn fest im Griff hielt. Dann sah er hinüber zu dem stämmigen Mann, der vom Schein der Fackeln, die hier im Inneren des Gebäudes brannten, eingerahmt wurde. „Was ist los, Käpt’n?“
Raithen stand reglos wie ein Fels an der steinernen Balustrade des Bauwerks. Es überragte die Ruinen der kleinen Hafenstadt, in der sie sich seit Monaten einquartiert hatten. Der Kapitän zupfte an dem Ziegenbärtchen, der sein kantiges Kinn bedeckte, und strich gedankenverloren über die hässliche Narbe an seinem rechten Mundwinkel, die seiner Miene etwas permanent Gehässiges verlieh.
„Der Nebel. Man kann kaum den Fluss sehen.“ Der fahle Mondschein glitzerte schwach auf dem schwarzen Kettenhemd, das Raithen über einem grünen Hemd trug. Der Kapitän war immer makellos gekleidet, selbst zu dieser frühen Morgenstunde. Oder zur späten Nacht, berichtigte sich Cholik, der nicht wusste, welche Auslegungsart für den Anführer der Piraten eher zutraf.
Raithen hatte die schwarze Hose sorgfältig in seine Stulpenstiefel geschoben. „Und ich glaube auch immer noch,...




