E-Book, Deutsch, Band 2473, 144 Seiten
Reihe: Julia
O'Neil Der Bad Boy und die schöne Erbin
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1462-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2473, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1462-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Zeit mit der bezaubernden Esme ist für Dr. Max Kirkpatrick wie ein Wintermärchen. Während sie sich auf ihrem Herrensitz in den verschneiten Highlands gemeinsam um einen Patienten kümmern, weckt die wohltätige Erbin mehr in Max als nur pure Leidenschaft: Sie gibt dem ehemaligen Bad Boy den Glauben an die Liebe zurück! Doch mit diesem Glauben kehrt auch seine alte Angst wieder, alles zu verlieren. Und so trifft Max schweren Herzens eine Entscheidung, die ihn zu zerreißen droht.
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2. KAPITEL
Max wusste nicht, wer nervöser war, der zappelige Zwölfjährige neben ihm oder er selbst. Er warf Euans Mutter einen Blick zu. Eingeschüchtert biss Carly auf einem Fingernagel herum, während ihre Blicke im Büro umherirrten.
Die Frau sah aus, als hätte sie ewig nicht durchgeschlafen. Ein bisschen wie seine eigene Mutter, bevor sie den Diktator getroffen hatte. Carly hierherzubekommen war schon nicht leicht gewesen. Wie sie es schaffen wollte, sich zwei Wochen freizunehmen, war ihm ein Rätsel.
„Alle bereit?“
Er war es ja selbst nicht. Mit schlaflosen Nächten konnte er umgehen. Derart erotische Träume war er allerdings nicht gewohnt. Und dann noch das schlechte Gewissen. Er wusste, er hätte Esme erklären sollen, warum er sich bei ihrem plötzlichen Auftauchen letzte Woche so schlecht benommen hatte. Aber dazu hätte er sich ihr anvertrauen müssen, und niemand wusste so gut wie er, wie gefährlich es war, sich verletzlich zu machen.
Er schenkte Euan und Carly ein aufmunterndes Lächeln. Die beiden erinnerten ihn daran, dass alles einen Sinn hatte. Ohne Max’ schlechte Erfahrungen gäbe es kein „Plants to Paws“, und Euan bekäme nicht diese Chance, sein Leben zu verändern.
„In kleinen Schritten zum großen Ziel“ war einer der Lieblingssprüche seiner Mutter gewesen. Eindeutig besser als ihr sonst so gern wiederholtes „Verzeih ihm, Max …“. Gavin Henshall verdiente keine Vergebung.
Carly nestelte am Saum ihrer Supermarktuniform herum. „Wissen Sie, wie das gleich ablaufen soll?“
„Natürlich. Genau so, wie morgen auch für Fenella …“
„Das ist die arme Frau mit der Epilepsie?“
Max nickte. Zum ersten Mal hatte er Fenella in der Notaufnahme getroffen, bewusstlos nach einem schrecklichen Autounfall. Seither kam die Einundvierzigjährige fast regelmäßig mit Wunden und Prellungen zu ihnen, die sie sich bei schweren epileptischen Anfällen zuzog, einer Nachwirkung ihrer Kopfverletzung. Die Ärmste verließ kaum noch das Haus.
„Sie bekommt einen Hund, der speziell für ihre Bedürfnisse trainiert ist.“
„Und Euans Hund? Der ist trainiert für … seine Bedürfnisse?“ Carly brachte es einfach nicht über sich, „posttraumatische Belastungsstörung“ zu sagen.
„Es geht um mein verrücktes Hirn, Mum!“, polterte Euan, schnitt eine Grimasse und wedelte irr mit den Händen.
Betroffen wandte Carly den Blick ab. Wie viele Eltern gab sie sich selbst die Schuld, obwohl Euan einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war.
Max blickte ihn direkt an. „Esme weiß, was dir passiert ist. Du bekommst einen Hund, mit dem es sehr viel leichter wird, allein zu Hause zu sein.“ Er warf einen Blick auf Esmes Mail und versuchte, sich dabei nicht ihr schönes Gesicht vorzustellen. „Sie hat schon mit deinem Direktor telefoniert. Wenn du ihn brauchst, darf dein Therapiehund sogar mit zur Schule.“
Bei diesen Worten wurde Euan ganz still. Die letzten Male, dass er in die Ambulanz gekommen war, hatte er blaue Augen und Prellungen gehabt. Obwohl der Schulleiter alles versuchte, war die Schule definitiv nicht Euans sicherer Rückzugsort.
Dabei war das Schicksal schon grausam genug gewesen. Vor ungefähr achtzehn Monaten war Euan auf dem Heimweg gewesen, als eine Straßengang ihn verwechselt und anstelle eines anderen krankenhausreif geschlagen hatte.
Selbst in Krisengebieten hatte Max kaum einen Jungen gesehen, der so schlimm zugerichtet worden war. Seither quälte ihn eine posttraumatische Belastungsstörung. Euan schwänzte die Schule, litt unter Panikattacken, und mit seinen nächtlichen Albträumen weckte er die ganze Nachbarschaft.
Als alleinerziehende Mutter im Schichtdienst konnte Carly nicht genug für ihn da sein. Euan war ein verängstigtes Kind ohne Rückhalt und wusste seine Angst nicht anders zu ertragen als mit Wut. Die Wartelisten für einen guten Therapeuten waren lang, und er brauchte jetzt jemanden, auf den er sich verlassen konnte. Jemanden, der so bedingungslos loyal war wie ein Hund.
Max schaute auf die Uhr. „In Ordnung. Der Anruf wird nicht lange dauern. Du lernst deinen Hund kennen und erfährst seinen Namen.“
„Ich hoffe, es ist ein Rüde. Am liebsten eine riesige Bulldogge!“ Euans Augen glänzten bei dieser Vorstellung.
„Das werden wir gleich herausfinden.“ Max klickte den entsprechenden Button an und machte sich darauf gefasst, dass Esmes schönes Gesicht auf dem Bildschirm erschien.
Beim Anblick von Max Kirkpatrick kamen all die Emotionen zurück, die Esme eine Woche lang erfolgreich verdrängt hatte.
Okay, er ist heiß. Na und? Viele Menschen sahen gut aus … zum Beispiel … Schauspieler, Models und … Exsoldaten, die in städtischen Notaufnahmen arbeiteten und ausgesprochen unzugänglich wirkten …
Ihr Herz schlug bis zum Hals, und ein Schwarm Schmetterlinge hatte von ihrem Magen Besitz ergriffen. Max Kirkpatrick war umwerfend. Sie zwang sich, den Blick von ihm zu lösen und sich dem Jungen an seiner Seite zuzuwenden.
Euan Thurrocks Geschichte ging zu Herzen. Er war sehr dünn und hatte eine Stoppelfrisur. Sein Gesichtsausdruck wirkte streitlustig, aber es war allzu offensichtlich, dass hinter dem Gehabe nur ein verängstigter Junge steckte. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie es sein musste, noch immer in der Gegend zu wohnen, wo er beinahe ums Leben gekommen war. Als ihr Leben in Glasgow zerbrochen war, hatte sie Heatherglen als Rückzugsort gehabt. Euan hingegen musste sich täglich seinen größten Ängsten stellen. Esme war nicht sicher, ob sie das jemals getan hatte.
Sie warf Max einen kurzen Blick zu und wandte sich dann an Euan: „Hast du Lust, Ajax kennenzulernen?“
Euan boxte in die Luft. „Ajax klingt gut! Wie ein Kampfhund. Ist er ein Rottweiler? Ein Dobermann?“
Esme lächelte. „Weder noch.“ Sie pfiff den Hund herbei und beobachtete, wie Euans Gesicht weich wurde, sobald der Golden Labrador seine flauschige Schnauze ins Bild schob. „Euan, das ist Ajax.“
Obwohl sie die „Vorstellungszeremonie“ schon unzählige Male durchgeführt hatte, füllten sich Esmes Augen doch wieder mit Tränen. Nicht nur, weil dieser Hund besonders liebenswert war mit seinen dunkelbraunen Augen, der schwarzen Schnauze, dem kuscheligen goldenen Fell und den neugierigen Ohren, die sich bei jedem Geräusch sofort aufstellten. Nein, es war Euans Gesicht, das ihr zu Herzen ging.
Die Hoffnung in den Augen dieses toughen Kindes. Er ahnte, dass er endlich jemanden hatte, der unmissverständlich auf seiner Seite war.
Sie gab Ajax eine Belohnung und befahl ihm, sich neben sie zu setzen. „Euan, stellst du mich deiner Mum vor? Sie wird dich begleiten, wenn du zu uns nach Heatherglen kommst, oder?“
Euans Mutter winkte nervös, während Max und Euan ihre Stühle auseinanderzogen, damit sie ein wenig vorrücken konnte. „Das ist Carly“, antwortete Max für Euan. Auch seine Stimme klang belegt. „Sie hat sich schon freigenommen.“
„Ehrlich gesagt …“ Carly schlug eine Hand vor den Mund und ließ sie langsam sinken. „Ich hab da ein kleines Problem …“
Max blickte sich besorgt nach ihr um. „Alles in Ordnung?“
Sie schüttelte den Kopf. „Meine Chefs haben mir zu verstehen gegeben, dass ich nicht wiederzukommen brauche, wenn ich sie so kurz vor Weihnachten hängen lasse.“
Das schockierte Esme. Sie sorgte dafür, dass alle Kosten gedeckt waren, und hatte selten Schwierigkeiten mit Arbeitgebern. „Möchten Sie, dass ich einmal anrufe?“
Carly schüttelte den Kopf und sah dabei genauso verängstigt aus, wie Euan sich vermutlich fühlte. „Ich will keinen Ärger. Ich fürchte, der Job ist wichtiger als ein Hund.“
Unzufrieden biss Esme auf ihrer Lippe herum. Hätte sie doch nur das Trainingszentrum in Glasgow aufgebaut, wie sie es vor Jahren vorgehabt hatte!
Wäre die Welt nur ein Ort voller netter, ehrlicher Männer, die den Treuhandfonds ihrer jungen Braut nicht in Nachtclubs investierten!
Bevor sie einen Vorschlag machen konnte, kam Max ihr zuvor: „Dann fahre eben ich mit.“
Euans dankbarer Blick brach Esme das Herz. Als Euan und Max miteinander abklatschten, schien keiner dem anderen in die Augen sehen zu können.
Esme presste sich gerührt eine Hand vor den Mund.
Sobald Max wieder auf den Bildschirm sah, war es, als blicke er ihr direkt in die Seele. „Geht das in Ordnung? Ich möchte Ihre Pläne nicht durcheinanderbringen.“
Natürlich hörte sie die Spitze heraus, aber sie erkannte auch den Grund. Max würde nicht zulassen, dass Euan noch einmal enttäuscht wurde.
Hätte er ihr nicht ohnehin schon zu gut gefallen, dann jetzt erst recht … Aber sie musste aufhören, ihn anzuschmachten. Offensichtlich wollte dieser Mann warmherzig und offen sein, aber er konnte es nicht – aus welchem Grund auch immer.
Letzte Woche hatte sie ihn instinktiv auf Abstand gehalten. Doch unter dem fantastischen Aussehen, den schönen Händen, in die sie nur zu gerne einen Welpen gelegt hätte, und dem Haar, durch das sie mit den Fingern fahren wollte – unter alldem verbarg sich ein zuverlässiger, vertrauenswürdiger Mann.
Was ganz wunderbar war, solange er am anderen Ende einer Videoschaltung blieb. Aber doch nicht bei ihr auf Heatherglen. Gerade um diese Jahreszeit war sie verletzlicher als sonst.
Merke: Nicht Hals über Kopf in Max Kirkpatrick verlieben!
„In Ordnung …“ Sie kritzelte...




