Oppel | Die Knigge-Kur | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 254 Seiten

Reihe: Beck Professionell

Oppel Die Knigge-Kur

So befreien Sie sich von unsinnigen Benimmregeln und falschen Karrierehelfern
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-406-68115-8
Verlag: Verlag C. H. Beck GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

So befreien Sie sich von unsinnigen Benimmregeln und falschen Karrierehelfern

E-Book, Deutsch, 254 Seiten

Reihe: Beck Professionell

ISBN: 978-3-406-68115-8
Verlag: Verlag C. H. Beck GmbH & Co. KG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Selbstbestimmer statt Businessmarionette:
Wir arbeiten so schnell wie nie, so viel wie nie und sehen dabei so gut aus wie nie. Scheinbar. Denn die Beschleunigung reißt uns mit. Jede zusätzliche App, jeder weitere Schritt zu mehr Effizienz und jeder neue Erfolg machen uns im Berufsleben nicht freier – sondern abhängiger. Immer mehr fühlen sich fremdbestimmt – von E-Mails, von Terminen, von Zwängen. Die Folgen sind Stress, Burnout und sogar Mobbing. Was hätte wohl Freiherr von Knigge dazu gesagt? Denn: Knigge ist mehr als Krawatte binden, Sakko korrekt knöpfen, galant E-Mails jonglieren. Business-Knigge ist mehr als mit Etikette Karriere machen. Knigge heißt: Frei sein. Souverän sein. Man selbst sein. Diese Knigge-Kur zeigt, was wirklich wichtig ist. Sie zeigt, wie Sie die Strippen der Business-Marionette, zu der viele mutiert sind, durchschneiden. Die Knigge-Kur zeigt, wie wir im Berufsalltag mit Werten wie Nachhaltigkeit, Fairness und Mündigkeit wieder die Kontrolle zurückgewinnen. Ein Manifest und Ratgeber in Zeiten digitaler, beschleunigter und mobiler Herausforderungen.

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49Miese Stimmung, Stress, Burn-out: Warum Etikette krank und kaputtmachen kann


„Ärzte warnen vor Smartphone-Nacken“, titelte im November 2014 die Süddeutsche Zeitung. Darunter zu sehen war eine Grafik, die ähnlich dem Bild der Evolution vom gebückten Affen zum aufrecht gehenden Homo sapiens einen Menschen zeigt, der am Anfang gerade steht und am Ende gebückt. Der Artikel beginn mit dem Satz: „Wer sagt eigentlich, dass mit dem aufrechten Gang bereits das Ende unserer evolutionären Verwandlung erreicht sein soll?“ In dem Text warnt der New Yorker Chirurg Kenneth Hansraj davor, dass der permanente Blick auf das Smartphone die Anatomie verändern könne. Der Durchschnittshandynutzer starrt aufs Jahr gerechnet bis zu 1.400 Stunden auf sein Smartphone. Je schiefer dabei der Kopf gehalten wird, desto größer die Belastung für die Halswirbelsäule.

Ich wage die Behauptung aufzustellen, dass ein Großteil der heutigen erlebten Unaufmerksamkeit darauf zurückzuführen ist, dass wir schlicht unsere Umwelt nicht mehr wahrnehmen. Die Mehrheit starrt unentwegt auf ihr Handy. Der Handyblick als Tunnelblick. Und falls wir doch einmal versehentlich vom Display aufschauen und etwas bemerken, eine ältere Frau etwa, die den Sitzplatz vielleicht besser gebrauchen könnte als man selbst, dann kann uns der verstohlene Blick zurück auf das Smartphone sogleich die Entschuldigung liefern, doch nicht handeln zu müssen; ganz nach dem Motto – „Ich muss noch schnell die E-Mails checken. Da bleibt jetzt keine Zeit für andere.“

Doch nicht nur unser Skelett scheint in Gefahr, sondern ebenso unsere Denkzentrale. „Wischen auf dem Smartphone verändert das Gehirn“, heißt es in einer Veröffentlichung der Tageszeitung „Die Welt“. Schweizer Forscher haben demnach herausgefunden, dass das 50Wischen über Smartphone- und Tabletbildschirme messbare Spuren im Gehirn hinterlässt, besonders in der Großhirnrinde. Das Resümee der Forscher lautet, dass die digitale Technik, die wir im Alltag nutzen, die Sinnesverarbeitung im Gehirn formt.

In einem anderen Artikel dürfen wir erfahren, welchen Sehstress Smartphones verursachen. Das menschliche Auge sei nicht für die digitale Welt gemacht. Der häufige Blickwechsel zwischen nah und fern strenge die Augen an, was nicht ohne Folgen bleibe. Auch das Arbeitsgedächtnis leide. Christian Montag ist Professor für molekulare Psychologie an der Universität Ulm und erklärt: „Unser Gehirn ist überlastet.“ Das Gehirn könne die zahlreichen Informationen nicht alle gleichzeitig verarbeiten.

Das ist ja alles furchtbar, mögen Sie sich jetzt vielleicht denken! Das haben Sie doch schon immer gewusst! Weg mit den Smartphones! Weg mit den Tablets! Weg mit dem Internet überhaupt! Doch so einfach geht das leider nicht. Warum? Versuchen Sie einmal, einem Süchtigen seine Droge wegzunehmen. Die schlimmsten Ergebnisse der aktuellen Forschungslage habe ich Ihnen nämlich bis jetzt vorenthalten: Ein Prozent der Deutschen gelten als internetsüchtig. Das Abrufen von E-Mails stimuliert ähnliche Hirnareale wie Sex, weshalb viele immer mehr wollen. Mindestens eine halbe Million Deutsche surfen nach einer anderen Erhebung des Gesundheitsministeriums mehr, als ihnen guttut. Die Businessmarionetten von heute hängen nicht an dünnen Fäden, die sich einfach so durchschneiden lassen. Meist sind es schon ziemlich dicke Stricke.

Im ersten Kapitel haben wir einen Blick auf sieben aktuelle Strömungen in Alltag und Berufsleben geworfen. Sieben Strömungen, die nicht nur einen erheblichen Anteil daran haben, dass wir die Tage im Büro als zunehmend kälter wahrnehmen. Die beschriebenen Knigge-Feinde wie Beschleunigung oder Effizienzwahn führen noch zu einem ganz anderen Problem: Sie können uns krank machen. Wohl dem, der das hektische Berufsleben einfach als krank bezeichnen kann, aber noch irgendwie mithält im Hamsterrad. Viele Menschen schaffen das nicht mehr. Sie haben Etikette mit Umgangsformen verwechselt und vor allem den gesunden Umgang mit sich selbst verlernt. Die Folgen sind Stress, Burn-out und Mobbing.

51Mit Benimmregeln in die Stressfalle


Kniggefeinde wie Effizienz oder die Informationsflut führen besonders in ihrer Kombination dazu, dass sich die Menschen im Berufsleben immer gestresster fühlen. Diverse Arbeiten zeigen dabei, dass es sich um ein alles andere als kurzfristiges Phänomen handelt. Wie aus dem jüngsten Stressreport hervorgeht, der in Deutschland seit 1979 durchgeführt wird und für den 2012 zuletzt knapp 20.000 Arbeitnehmer befragt wurden, haben sich die Belastungswerte zwischen den 90er-Jahren und dem neuen Jahrtausend deutlich erhöht. „Topvariablen sind wie zuvor Multitasking sowie Termin- und Leistungsdruck“, heißt es in dem mehr als hundertseitigen Papier.

Gerade das smarte Multitasking hat einige Kehrseiten. „Was Multitasking auf alle Fälle erfordert, ist hohe Konzentrationsfähigkeit. Wer sich mit dem Konzentrieren schwer tut, wird auch nicht besonders multitaskingfähig sein. Multitasking fördert aber auch Stress und mit der Stressbelastung steigt die Fehlerquote. Deshalb ist Multitasking ein zweischneidiges Schwert und nur die wenigsten arbeiten dadurch effizienter“, sagt der österreichische Trainer und Autor des Buches „Wie Sie Ruhe und Entspannung in Ihren Alltag bringen“, Burkhard Heidenberger.

Eine andere Studie aus den USA untermauert den Befund. Demnach ist das Stressempfinden über alle sozialen Schichten hinweg zwischen 1983 und 2009 um bis zu 30 Prozent angestiegen. Eine andere Studie kommt zum Schluss, dass letztendlich bis zu 90 Prozent aller Arztbesuche auf Stress zurückzuführen sind. Denn: Stress führt in vielen Fällen zu Diabetes oder Herzerkrankungen und sogar Krebs.

Stress hebelt die Umgangsformen aus


An dieser Stelle geht es mir wie gesagt nicht darum, die böse neue Welt zu verteufeln. Mir geht es darum, das Thema „Knigge“ zu Anfang des 21. Jahrhunderts zeitgemäß zu beleuchten. Und hier schiene es mir vor den beschriebenen Hintergründen grob fahrlässig, nicht auf stressauslösende Faktoren wie Digitalisierung oder Informationsflut einzugehen. Denn der Stress ist es, der Manieren zwangsläufig aushebelt.

Wenn wir uns in stressigen Situationen befinden, und in denen befinden wir uns laut diverser an dieser Stelle zitierter und nicht zitierter Studien immer häufiger, werden wir zum Säbelzahntiger. Weder unser adrettes Businessoutfit noch die tollsten elektronischen Gadgets aus dem Silicon Valley können unseren Körper davon abhalten, in 52den Steinzeitmodus zu verfallen. Unser Gehirn signalisiert dem Körper bei Stress durch die Ausschüttung diverser Botenstoffe: Gefahr! Unsere Pupillen weiten sich. Ein schneller Herzschlag peitscht Blut in unsere Adern. Kämpfen oder Flüchten lautet die Devise. Wenn Stress ins Spiel kommt, können wir oftmals nicht anders, als mutmaßliche Kniggeregeln auf ein Minimum zu reduzieren – auf das Überleben. Auf das Überleben im Büro und im Geschäftsalltag. Und da sich wie beschrieben viele Menschen nur noch über beruflichen Erfolg definieren beziehungsweise definiert werden, geht es letztendlich ums tatsächliche Überleben.

Tipps und Kniggeratschläge, wie Sie die E-Mail-Flut meistern, wie Sie im Stress freundlich bleiben, wie Sie in der digitalen Welt blendend aussehen und so weiter sind quasi allesamt kosmetische Kniggehinweise. Es handelt sich um eine oberflächliche Etikette-Lehre, wenn sie losgelöst von den wirklichen Faktoren angewandt wird, die Stress verursachen. Solche Kniggetipps sind deswegen nicht falsch, weshalb sie auch in diesem Buch ihren Platz finden. Die Grundlage muss jedoch sein, dass wir trotz der beschriebenen sieben Kniggefeinde zunächst einmal die Kontrolle über uns selbst gewinnen müssen. Die nachfolgenden Tipps zeigen, wie das garantiert nicht gelingt.

Fünf Tipps, wie gut gemeinte Benimmregeln garantiert für Stress sorgen


  1. Ob beim Dinner oder im Büro: Versuchen Sie immer, gegenüber anderen eine gute Figur zu machen. Für Tischmanieren gilt dasselbe wie bei Besprechungen: Treten Sie niemals in ein Knigge-Fettnäpfchen.
  2. Perfekte Frisur und perfektes Outfit: Investieren Sie möglichst viel Zeit und Geld in Ihr Äußeres. Ihre inneren Werte interessieren keinen Menschen!
  3. Erledigen Sie alles sofort: Versuchen Sie, eingehende E-Mails und Anweisungen sofort zu beantworten beziehungsweise zu erledigen. Falls es zu viel ist – versuchen Sie schneller zu arbeiten!
  4. Denken Sie bei allem, was Sie tun, daran: Es geht nur um den Erfolg. Der Weg ist niemals das Ziel. Setzen Sie sich mit dem Gedanken unter Druck, dass Scheitern absolut keine Option ist.
  5. Denken Sie niemals an sich selbst! Fremdwahrnehmung und Image sind alles. Achten Sie daher darauf, stets im gesellschaftlichen Sinne ordentlich, pünktlich und fleißig zu sein.

53Mit Benimmregeln in die Burn-out-Falle


Um Deutschland ist es besonders schlecht bestellt. Die statistischen Zahlen zeichnen ein Bild, nach dem ausgerechnet jenes Land am Rande des Zusammenbruchs steht, das wirtschaftlich am besten durch die Krise gekommen ist. Rund jeder dritte Berufstätige leidet demnach unter massiver Erschöpfung oder Burn-out. Rund jeder vierte Deutsche leidet unter depressiven Symptomen. Die Menge der verschriebenen Antidepressiva hat sich zwischen 2007 und 2011 um fast 50 Prozent erhöht. Pro Jahr gibt es in Deutschland mehr als 60 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen. Mit Blick auf die jährlich rund zehn Milliarden Euro, die Burn-out verursacht, scheint es nur eine Frage der Zeit, wann...



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