E-Book, Deutsch, 352 Seiten
Owens In Love with a Star
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-641-30271-9
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman - Spicy Summer - Eine Romance mit Suchtfaktor für die Fans von Ali Hazelwood
E-Book, Deutsch, 352 Seiten
ISBN: 978-3-641-30271-9
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Journalistin Georgia Ross sitzt nach einer Recherchereise völlig erschöpft am Flughafen, als auch noch ihr Flug nach Los Angeles auf den nächsten Tag verschoben wird. Doch dann sieht sie ein bekanntes, unglaublich attraktives Gesicht in der Menge: den älteren Bruder ihrer besten Freundin aus Kindheitstagen. Alec Kim bietet ihr spontan an, seine Luxussuite mit ihr zu teilen. Und es wird eine unvergessliche Nacht – die leidenschaftlichste, die Gigi je erlebt hat. Bis sie am nächsten Tag erkennt, warum ihr Alec nach all den Jahren so vertraut vorkam: Am Flughafen warten Scharen von Fans auf den begehrten neuen Hollywoodstar …
Ivy Owens lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und zwei Hunden in Kalifornien und ist auf Instagram unter @HelloIvyOwens zu finden. Ivy Owens ist das Pseudonym von Lauren Billings, die gemeinsam mit Christina Hobbs unter dem Namen Christina Lauren weltweite Romance-Bestseller wie »The Unhoneymooners« veröffentlicht.
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1
Namen kann ich mir super merken, Gesichter hingegen überhaupt nicht. Aber ich weiß, dass ich dieses schon einmal gesehen habe.
Er sitzt allein am Ende einer Reihe und blickt auf sein Handy. Ich lebe jetzt lange genug in L. A., um an seiner Haltung zu erkennen, dass er nicht in irgendeine Lektüre vertieft ist, sondern vor allem ungestört bleiben will. Und ich bin lange genug Journalistin, um zu wissen, dass dieser Typ unter keinen Umständen auffallen will.
Es funktioniert nicht. Sogar seine Frisur wirkt teuer, so akkurat und ordentlich, wie seine Haare nach hinten gekämmt sind. Und mir ist klar, dass ich ihn irgendwoher kenne. Ein Kinn, mit dem er Stahl schneiden könnte, Wangenknochen wie aus Stein gemeißelt, dazu ein perfekter Schmollmund. Dieses Gesicht verursacht eine Art Juckreiz in meinem Gehirn, ein neckisches Kribbeln.
Im Geist höre ich die Stimme meiner Mutter. Sie fordert mich auf, höflich zu sein, aufzustehen und ihn zu begrüßen. Aber ich befinde mich am Flughafen, und nachdem ich in London vierzehn Tage damit verbracht habe, Fremden wegen Informationen nachzujagen, die sie nicht rausrücken wollen, bin ich ziemlich müde. Ich kannte dort niemanden außer einem kettenrauchenden britischen Kollegen mit der Alkoholtoleranz eines Nilpferds, der wie eine gesengte Sau durch die Stadt raste, was mich dazu brachte, mehrmals täglich zu einem Gott zu beten, an den ich nicht glaube. Ich habe mich acht Stunden im Flugzeug und weitere vier an diesem Gate aufgehalten, um einen Sturm auszusitzen und auf den Anschlussflug nach L. A. zu warten, der immer wieder verschoben wurde.
Fairerweise muss ich zugeben, dass ich nicht das Gefühl habe, das Gesicht dieses Mannes in den letzten zwei Wochen gesehen zu haben. Was ich empfinde, geht tiefer als der plötzliche Energieschub auf der Jagd nach einer Story. Diesmal dringt mir das Adrenalin bis in die Knochen. Der flüchtige Blick in sein Gesicht, als er den Kopf hebt, auf die Anzeigetafeln späht und dann ein kleines frustriertes Knurren von sich gibt, wirkt auf mich wie ein Song, den ich ewig nicht gehört habe. Bei seinem Anblick zieht sich mein Herz sehnsuchtsvoll zusammen.
Paradoxerweise wirkt er gleichzeitig aufrecht und in sich zusammengesunken, sehr edel in seiner maßgeschneiderten dunkelblauen Hose, den polierten braunen Schuhen und dem weißen Button-down-Hemd, das nach dem langen Flug von London nach Seattle immer noch frisch wirkt. Er sieht fantastisch aus.
Ich ziehe meinen Schal hoch und vergrabe das Gesicht darin, aber er riecht nach der abgestandenen Luft im Flieger, und ich ziehe ihn wieder herunter. Der Drang, vor Erschöpfung zu schreien, steigt in mir auf. Ich möchte mich nach Hause und in mein Bett teleportieren. Ich möchte den ganzen Selbstfürsorge-Kram überspringen, einfach ungeduscht und in Klamotten ins Bett schlüpfen. Mir ist sogar egal, wie abstoßend ich wirke. Nachdem ich tagsüber vierzehn Stunden damit verbracht habe, den flüchtigen Türsteher eines Nachtklubs aufzuspüren, gefolgt von acht schlaflosen Stunden im Flugzeug, ist nur noch das grundlegende animalische Selbst von mir übrig.
Ich schaue mich um. Ein paar Leute haben sich über vier Sitze hinweg ausgestreckt und schlafen, während andere auf dem Boden Platz finden müssen. Mein Körper schreit förmlich danach, sich irgendwo hinzulegen, egal, wo. Aber ich höre nicht auf ihn, denn ich weiß: Selbst wenn wir innerhalb der nächsten fünf Minuten an Bord gehen und starten sollten, werde ich erst weit nach Mitternacht in ein Taxi steigen und die lange Fahrt nach Hause antreten können. Und ich muss mich so bald wie möglich an die Arbeit machen. Diese Story ist die Chance meines Lebens, und von diesem Moment an bleiben mir nur noch zwei Tage, um sie fertig zu schreiben.
In der Nähe des Gates vermeiden es die Mitarbeiter der Fluggesellschaft sorgfältig, hinter das Pult zu treten. Sobald sie sich auch nur in dessen Nähe aufhalten, bildet sich sofort eine Schlange von genervten Menschen. Stattdessen halten sie sich im Hintergrund und starren einander finster an, wenn das Haustelefon an der Gangway mit einem Update zu dem sintflutartigen Unwetter draußen klingelt. Endlich geht eine Mitarbeiterin tapfer auf die Sprechanlage zu, und als ich sehe, wie sie die Schultern sinken lässt und auf das Display starrt, als müsste sie etwas ablesen, weiß ich Bescheid.
»Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass der Flug United 2477 annulliert wurde. Sie sind alle auf einen Flug umgebucht, der für morgen angesetzt ist. Die Tickets erhalten Sie auf die E-Mail-Adresse, die Sie bei der Buchung angegeben haben. Bitte setzen Sie sich bei Fragen mit unserer Kundenhotline in Verbindung, oder besuchen Sie das Kundendienstbüro neben der Gepäckaufgabe. Wir können hier vor Ort keine Umbuchungen vornehmen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.«
Instinktiv hebe ich den Kopf, um zu sehen, wie der Typ auf die Neuigkeit reagiert.
Er hält sich bereits das Handy ans Ohr und nickt. Als er sich im Raum umsieht, ohne etwas wahrzunehmen, begegnen sich unsere Blicke. Er erstarrt, schaut kurz weg und richtet den Blick dann erneut in unbewusstem Erkennen auf mein Gesicht. Es dauert nur eine Sekunde, aber in dieser kurzen Zeitspanne breitet sich eine wilde, unkontrollierte Hitze in mir aus, ehe er blinzelt und stirnrunzelnd den Blick abwendet.
Und nun frage ich mich, woher kennt.
In einer perfekten Welt wäre ich bereits zu Hause. Ich wäre auf einen Direktflug von London nach Los Angeles und nicht auf diese Strecke über Seattle umgebucht worden. In einer perfekten Welt säße ich längst ausgeruht an meinem Computer und würde die Informationsflut aus meinem Gehirn, meinem Handy und meinem Notebook einfach zu einer zusammenhängenden Geschichte zusammenfügen. Auf keinen Fall stände ich in einem Hotel in Seattle hinter diesem perfekten Mann, während ich mich wie ein heruntergekommener Waldschrat fühle.
Vor mir stehen drei Leute in der Schlange, hinter mir vier. Alle kommen wir von demselben gestrichenen Flug, alle brauchen wir Zimmer, und ich habe das beunruhigende Gefühl, dass es schlauer gewesen wäre, mich weiter in die City hineinzuwagen. Ich komme mir vor, als nähme ich ungeplant an einem Rennen teil, und zwar an einem, das ich definitiv verlieren werde.
Der Mann, an dessen Namen ich mich immer noch nicht erinnern kann, hat den Kopf gesenkt und scheint hektisch eine Textnachricht zu tippen, aber als am Hoteleingang Unruhe entsteht – jemand hupt, eine Frau ruft einen Namen –, dreht er sich erschrocken um, und ich kann sein Profil aus der Nähe betrachten.
Auf einmal fällt mir ein, woher ich sein Gesicht kenne: Ich habe eine jüngere Version davon gesehen, als er im Hochsommer auf einer von der Hitze aufgeworfenen Straße in Los Angeles über die Schulter blickte. Als er lachend mit Freunden auf einer Wohnzimmercouch saß, ohne wahrzunehmen, dass ich hinter ihnen durchs Zimmer ging. Geduckt ist er mir spätabends auf dem Flur bei sich zu Hause ausgewichen, als ich auf dem Weg zur Toilette war und er endlich ins Bett gehen wollte.
»Alec?«, sage ich laut.
Erschrocken dreht er sich um, seine Augen sind geweitet. »Wie bitte?«
»Bist du nicht Alec Kim?«
Ein Lachen löst sich aus seiner Kehle, und das Lächeln enthüllt eine Reihe perfekter Zähne. Sein Gesicht offenbart immer wieder neue faszinierende Merkmale. Grübchen. Einen Adamsapfel, der sich beim Lachen auf provozierend männliche Art hebt und senkt. Eine Haut wie Seide. Ich war in den letzten zwei Wochen ständig von schönen Menschen umgeben, aber dieser Mann ist eine ganz andere Liga. Er muss Model sein, alles andere wäre ein Verbrechen.
»Ja, aber …« Mit gerunzelter Stirn sieht er mich fragend an. »Entschuldigung, kennen wir uns?«
Ich habe ihn seit vierzehn Jahren nicht mehr gesehen, und er spricht mit einem neuen, auf hinreißende Art vielschichtigen Akzent.
»Ich bin Georgia Ross«, sage ich, und nun dreht er sich ganz zu mir um, wobei er eine Hand in die Hosentasche schiebt. Die Tatsache, dass er mir seine volle Aufmerksamkeit widmet, wirkt auf mich, als hätte ich einen Sauger in der Brust, der mir die Luft aus der Lunge zieht. »Deine Schwester Sunny und ich waren in der Schule miteinander befreundet. Nach der achten Klasse ist eure Familie nach London gezogen.«
Alec ist sechs Jahre älter als wir, und damals habe ich so heftig für ihn geschwärmt, dass es beinahe wehtat. Jahrelang war er nur der Bruder meiner besten Freundin gewesen: gelegentlich da, immer höflich, meistens unauffällig. Aber dann, wenige Wochen nach meinem dreizehnten Geburtstag, bin ich eines Nachts hinuntergegangen, um mir ein Glas Wasser zu holen, und ertappte ihn dabei, wie er im Kühlschrank nach einem Mitternachtsimbiss suchte – neunzehn Jahre alt, schlaftrunken und ohne Hemd. Danach konnte ich wochenlang an nichts anderes denken als an seinen nackten Oberkörper.
Ich denke an die muskulösen Jungs zurück, die auf der Couch um den Gamecontroller kämpften, an den Jungen mit der nackten Brust, der sich von der Straße abstieß, um seinem Skateboard Schwung zu geben.
Nach der Hälfte seines Studiums an der UCLA zog seine Familie wegen Mr Kims Job nach London, und Alec ging mit. Sunny und ich schrieben uns ungefähr drei Briefe, ehe wir unsere wohldurchdachten Pläne einfach fallen ließen. Sie war von der zweiten bis zur achten Klasse meine beste Freundin gewesen, aber nach dem Umzug habe ich sie nie mehr wiedergesehen.
Alec Kim lässt den Blick über meine Züge wandern. Offensichtlich versucht er das Gesicht, das er vor sich sieht, mit dem des Kindes in Verbindung zu bringen, das er...




