Palmatier | Sturm der Magie | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 685 Seiten

Reihe: Ley-Reihe

Palmatier Sturm der Magie

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-7833-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, Band 3, 685 Seiten

Reihe: Ley-Reihe

ISBN: 978-3-7325-7833-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Welt liegt in Trümmern, und verheerende Naturkatastrophen fordern viele Opfer, seitdem das Ley-Netz zusammengebrochen ist. Die Lumagierin Kara versucht alles, um das Kraftnetz zu heilen und so das Gleichgewicht der Welt wiederherzustellen. Doch der Schaden ist groß, und Kara braucht die Macht aller auffindbaren Lumagier - inklusive derer, die sich ihren Feinden, den radikalen Weißmänteln, angeschlossen haben. Kann sie ihnen vertrauen oder werden sie die Welt noch tiefer ins Chaos stürzen?



Joshua Palmatier wurde in Coudersport, Pennsylvania, geboren und lebte als Jugendlicher in diversen Staaten der USA, da sein Vater beim Militär war. Er ist promovierter Mathematiker und unterrichtet an einer Universität in New York. Palmatier schreibt seit seiner Jugend und hat bereits viele Fantasy-Romane veröffentlicht, darunter seine erfolgreiche "Geisterthron"-Trilogie.
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Zwei


Allan zögerte und löste den Blick nicht von dem des Temeriten. Er wusste, was immer er als Nächstes sagte, würde über die Reaktion des Mannes entscheiden. Allerdings war ihm auch klar, dass die Temeriten zumindest eine Ahnung haben mussten, wer sie waren und woher sie kamen, wenngleich ihr Anführer etwas verwirrt schien.

Schließlich räusperte Allan sich und antwortete vorsichtig: »Wir kommen von der Nadel.«

»Weißmäntel«, zischte einer der Betas hinter dem Anführer. Seine Hand schnellte hoch, und die Bogenschützen hinter ihm spannten mit dem leisen Ächzen von Holz die Sehnen ihrer Waffen.

Der Anführer jedoch brüllte: »Halt! Nicht schießen!«

Der Beta starrte ihm finster in den Rücken und senkte den Arm nicht. Die Bogenschützen blieben in Bereitschaft.

Der Anführer hob das Kinn. Allan fiel eine kleine Narbe an der Wange auf, die der Verlauf seines Bartes beinah überdeckte. Außerdem sprenkelte Grau sein Haar, weshalb Allan die Schätzung seines Alters höherschraubte, näher zu den Vierzigern. »Du behauptest, ihr kommt von der Nadel, aber ich sehe keine Weißmäntel bei euch, wenngleich ihr offensichtlich einen Lumagus habt.«

»Es hat einen Machtwechsel in der Nadel gegeben.«

»Einen Machtwechsel?«, wiederholte der Temeriten-Anführer. »Der Vater und seine Weißmäntel haben nicht länger das Sagen? Wer ist ihnen nachgefolgt?«

»Vater Dalton führt die Menschen immer noch an. Er dient aber lediglich als Galionsfigur. Die Lumagier haben den Knoten unter der Leitung von Kara Tremain übernommen. Sie war es, die hier die Verkrümmung geheilt und die Beben beendet hat. Sie und Befehlshaber Ty leiten die Nadel jetzt.«

Bei den Worten ging ein Raunen durch einige der Bogenschützen.

»Er lügt«, murmelte der Beta hinter dem Anführer. »Niemand könnte die Verkrümmung geheilt haben, geschweige denn, die Beben beendet.«

»Sie hat es nicht allein vollbracht«, erklärte Allan. »Sie hatte die Hilfe der anderen Lumagier. Und des Knotens.«

»Warum seid ihr dann hier in Erenthrall in unserem Gebiet?«

»Es war noch nicht euer Gebiet, als wir das letzte Mal hier waren, sondern das der Tunnler. Was ist aus denen geworden?«

»Du meinst die Unterweltler? Nach den Beben ist die Ley in die meisten der Ley-Linien zurückgekehrt. Dadurch wurden die Unterweltler an die Oberfläche gedrängt. Sie haben die Universität übernommen. Die Überlebenden von ihnen.«

»Und die Flussratten?«

Der Beta grinste, ein entschieden unangenehmer Gesichtsausdruck. »Wir haben sie vertrieben.«

»Du hast meine Frage noch immer nicht beantwortet«, merkte der Anführer an. Dann fügte er mit Nachdruck hinzu: »Warum seid ihr hier?«

Allan seufzte. »Wir sind hergekommen, um diese Familie aus der Scherbe zu befreien und herauszufinden, wie sich Erenthrall seit der Heilung der Verkrümmung verändert hat. Außerdem wollten wir sehen, ob wir in der Stadt Verbündete finden können.«

Alle Temeriten erstarrten, sogar der Beta.

»Verbündete?« Die Stimme des Anführers klang zurückhaltend.

Allan breitete die Arme mit den Handflächen nach oben aus. »Warum sollen wir kämpfen? Wir beobachten euch schon seit der Zersplitterung. Wir haben dieselben Feinde und dieselben Ziele. Wir alle brauchen Nahrung und sonstige Vorräte. Beides ist schwieriger zu finden, wenn man ständig auf der Hut sein muss.« Allan verlagerte die Aufmerksamkeit auf den Beta. »Meine Vermutung ist ja, dass ihr die Flussratten zwar vertrieben habt, sie aber nicht weg sind. Die stecken hier noch irgendwo und verursachen Schwierigkeiten. Und dann wären da noch die Gorrani, die sich zu den südlichen Felsen zurückgezogen haben. Die plündern nach wie vor in der Stadt, nicht wahr? Und stellen immer noch eine Gefahr dar. Außerdem muss es weitere Gruppen im Osten und im Norden geben.«

Allan beobachtete den Anführer aufmerksam und sah, wie der Mann bei der Erwähnung des Nordens sein Gewicht verlagerte. Damit bestätigte er Allans Vermutung, dass Anfurt als Bedrohung nicht weggefallen war. Er verbarg seine Enttäuschung, obwohl ihn die Erkenntnis nicht überraschte, und kehrte zu seiner ursprünglichen Frage zurück. »Warum also sollen wir uns gegenseitig bekämpfen? Warum legen wir nicht stattdessen unsere Mittel zusammen und helfen uns gegenseitig, zu überleben?«

Der Temeriten-Anführer hob den Kopf, während er überlegte. Hinter ihm meldete sich sein Beta zu Wort. »Wir brauchen die nicht, Hauptmann. Wir sind bisher gut ohne sie zurechtgekommen.«

»Das haben nicht wir zu entscheiden, Leutnant.«

Der Anführer fixierte Allan. In der Nähe der Narbe des Mannes zuckte ein Muskel. »Ihr habt gute Absichten gezeigt, indem ihr die Familie aus der Scherbe befreit habt. Dafür gewähre ich euch eine Audienz bei unserer Matriarchin. Sie wird entscheiden, ob wir das Wagnis eines Bündnisses mit der Nadel eingehen. Ich geleite dich mit deinen Männern zu ihr. Aber eure Halbwölfe« – sein Blick schwenkte zu Grant und dessen Rudel – »müssen zurückbleiben. Die lassen wir nicht hinter unsere Mauern.«

»Verstanden.«

»Leutnant Boskell, wenn ich bitten darf …«

Langsam senkte der Beta den Arm. Die Bogenschützen ließen ihre Waffen gleichzeitig sinken. Er rief einen Befehl auf Temerisch, und die Bogenschützen entspannten sich. Sie traten nach links und rechts beiseite, als eine weitere Gruppe der Temeriten aus den Gebäuden hinter ihnen kam, diesmal Männer mit Schwertern. Sie verteilten sich vor den Häusern, dem Platz und Allans Gruppe zugewandt, bildeten geordnete Ränge. Zusammen mit den Bogenschützen mussten es mindestens vierzig Fußsoldaten sein. Zwar ließen sie keine bedrohlichen Bewegungen gegenüber Allans Gruppe erkennen, aber sie beäugten sowohl sie als auch die Halbwölfe mit argwöhnischen Blicken.

Der Hauptmann trat vor, den rechten Arm auf Schulterhöhe ausgestreckt – eine traditionelle Temeriten-Begrüßung, bei der Männer gleichen Ranges einander die Hand auf die Schulter legten, statt sich die Hände zu schütteln. Allan hatte das bei Veranstaltungen des Barons zwar schon gesehen, sich jedoch nie daran beteiligt.

Ihm war bewusst, dass ihn Leutnant Boskell und die Männer des Hauptmanns – sowie seine eigenen Leute – aufmerksam beobachteten, als er die Hand ausstreckte und auf die Schulter des Hauptmanns legte. Es gelang ihm, die Geste nur geringfügig unbeholfen wirken zu lassen.

Der Mann lächelte verhalten. »Hauptmann Lienta mit Stellvertreter Leutnant Boskell von der hier in Erenthrall verbliebenen Temeriten-Enklave.«

»Allan Garrett.«

Lienta drückte Allans Schulter, bevor er die Hand sinken ließ. Allan tat es ihm gleich. »Was hältst du davon, mich deiner Gruppe vorzustellen?« Über die Schulter sagte er: »Leutnant, schick jemanden los, der die Enklave und die Matriarchin vorwarnt. Du bleibst hier bei der Einheit.«

»Zu Befehl, Hauptmann.«

Lienta winkte Allan vorwärts und reihte sich neben ihm ein. Zusammen überquerten sie den Platz zu Bryce und den anderen. Der Rüde beobachtete, wie sie sich näherten. Die Vollstrecker hinter ihm spannten verunsichert die Körper an. Alle anderen kauerten bei den vier Wagen, abgesehen von den Halbwölfen, die bei Grant blieben und nach wie vor Abstand wahrten.

Unterwegs meinte Lienta leise: »Du hast eine interessante Sammlung von Leuten dabei, Allan Garrett. Halbwölfe, Lumagier, Vollstrecker und Rüden. Ich freue mich schon darauf zu erfahren, wie eine so bunte Truppe zusammengefunden hat. Vorausgesetzt, unsere Matriarchin ordnet nicht eure Hinrichtung an.«

Die Beiläufigkeit der letzten Äußerung jagte Allan einen Schauder über die Schultern. Doch ihm blieb keine Gelegenheit, etwas zu erwidern, denn Bryce trat vor und fragte: »Was geht hier vor?« Seine Stimme klang misstrauisch.

»Bryce, das ist Hauptmann Lienta. Er geleitet uns zum Wall der Temeriten, damit wir mit der Matriarchin sprechen können.«

Lienta hatte bei der Vorstellung steife Haltung angenommen und nickte knapp. »Wir werden von euch nicht verlangen, dass ihr etwaige Waffen ablegt, aber wir werden die meisten von euch auf dem äußeren Hof behalten. Nur drei von euch dürfen zur Matriarchin.«

Bryce fragte Allan: »Bist du sicher, dass du das tun willst?«

»Es ist Karas Wunsch.«

Bryces verärgerter Blick sprach Bände, dennoch befahl er den Vollstreckern und dem Rest seiner Leute, um die anderen in Position zu gehen. Allan winkte Grant näher.

»Wir gehen zur Enklave der Temeriten, aber sie wollen die Halbwölfe nicht dabeihaben.«

»Ist nichts Persönliches«, warf Lienta ein. Sein Unbehagen über die Nähe des halbverwandelten Mannes ließ sich nicht übersehen. Sein Blick löste sich keinen Herzschlag lang von Grants Gesicht, sein gesamter Körper blieb steif vor Anspannung.

Grant zog die Lippen zurück und entblößte dabei zu viele Zähne. Seine Nasenflügel blähten sich. »Wir gehen in Grass jagen und suchen nach den Halbwölfen, die euch vor der Entfaltung angegriffen haben. Wir stoßen später zu euch, nachdem euch die Temeriten entlassen haben. Und falls sie das nicht tun« – in seinen Augen flammte ein wilder gelber Funke auf – »dann jagen wir als Nächstes in der Enklave der Temeriten.«

Damit wandte sich der breitschultrige Rudelführer ab und ließ ein tiefes Knurren in Richtung seiner Halbwölfe vernehmen. Alle sprangen in die Seitengassen des Platzes davon und verschwanden in den einziehenden Schatten der Abenddämmerung.

Lienta...



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