E-Book, Deutsch, 272 Seiten
Peter / Seltenreich Lachen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-99100-374-8
Verlag: Braumüller Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fakten zu Humor, Fröhlichkeit und Lebensfreude
E-Book, Deutsch, 272 Seiten
ISBN: 978-3-99100-374-8
Verlag: Braumüller Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Norbert Peter, geboren 1967 in Wien, ist studierter Kommunikationswissenschaftler und Politologe, seit 1995 erfolgreicher Kabarettist und Kabarett-Programm-Schreiber (Kabarett-Duo Peter & Teutscher, später Peter & Tekal), Journalist, Verfasser von satirischen Kolumnen in Zeitschriften und auf Websites sowie Co-Autor von Ich lass mich doch nicht verarzten! (2013) und Autor von Mailbox voll, Akku leer. Müssen wir jetzt reden? (2014). Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Wien. Bei Braumüller erschienen: Ich lass mich doch nicht verarzten! (2013) Mailbox voll, Akku leer. Müssen wir jetzt reden? (2014) Die letzte Rolle (2020) Marco Seltenreich wurde 1973 in Wien geboren und hat seine Wurzeln im Journalismus. Der Vater von zwei Kindern hat eine Vielzahl von Büchern in verschiedenen Genres und Gattungen veröffentlicht: Fachliteratur zu Storytelling, Karrierehilfe und Medizin, Satire, Psychologie sowie Selbstdenk- und Alltagsgeschichten. Marco Seltenreich lebt und arbeitet als Experte für ansprechendes Storytelling.
Autoren/Hrsg.
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Nirgends ist Lachen schöner, unverfälschter und willkommener als im täglichen Leben. Egal ob bei der Partnersuche, im Beruf oder in der Gesellschaft von Menschen, die uns viel bedeuten: Gemeinsam zu lachen ist eine Lebensqualität, die wir oft für selbstverständlich halten und deren wahren Wert wir erst erkennen, wenn sie einmal nicht mehr vorhanden ist.
Menschen, mit denen wir regelmäßig lachen, werden uns schneller vertraut. Wir verbinden uns mit ihnen auf einer zusätzlichen, innigen, intimen Ebene. Lebenspartnerinnen und -partner, mit denen wir oft, gerne und herzlich lachen, geben uns Geborgenheit und Sicherheit – auch in schwierigen Situationen und Lebensphasen. Das Lachen mit Freundinnen und Freunden und vor allem das Lachen über uns selbst hilft uns dabei, uns selbst aufrichtiger und klarer zu erkennen und uns zu entwickeln.
Und das Beste: Lachen zählt zur Grundausstattung des Menschen. Wir werden nicht nur damit geboren, sondern lachen sogar schon im Mutterleib. Trotzdem kann uns das Lachen im Alltag auch in Schwierigkeiten bringen. Wer mit seinem Lachen tiefe Einblicke in seine Seele gewährt, kann leichter verletzt werden oder öffnet Missverständnissen Tür und Tor.
Dennoch wäre unser Alltag ohne Lachen nicht nur halb so lustig und erfüllt, sondern unsere Persönlichkeit nur halb so facettenreich und interessant.
Grundlos unwiderstehlich: Lachen bei Babys
Was sind die Gründe, dass sich Millionen Menschen auf Social Media Clips von wildfremden, lachenden Babys ansehen? Ganz einfach. Babylachen ist herzig, unschuldig und echt – und es berührt uns auf eine Art und Weise, die wir nicht erklären können. Wie wir schon in Kapitel 1 gezeigt haben, entwickelt sich das Lachen eines Menschen im Laufe seines Lebens ständig weiter. Doch ganz am Beginn dieser Entwicklung hat es etwas beinahe Magisches.
Die spezielle Wirkung des Babylachens bewegt und bezaubert Menschen interessanterweise auch dann, wenn es sich nicht um das eigene Kind handelt. Es ist eine Universalsprache, die einfach funktioniert und die Erwachsene rund um den Erdball verzückt.
Selbst Charles Darwin (1809-1882), den wir aufgrund seiner vorliegenden Portraitfotografien als etwas griesgrämigen Greis mit Rauschebart vor Augen haben, konnte sich der Faszination des Kinderlachens nicht entziehen. In seinem Werk „Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren“62 aus dem Jahr 1872 widmete er sich unter anderem dem Lachen von Kleinkindern und griff dabei auf die Beobachtung seines Sohns Doddy zurück.
Wie viele Wissenschaftler nach ihm stellte Darwin fest, dass Babys bis zum Alter von sechs Wochen reflexartig lachen und erst ab dann anlassbezogen lächeln. Er unterschied also zwischen einer reinen Muskelreaktion, die erwachsenen Beobachterinnen und Beobachtern lediglich wie ein Lächeln erscheint, und einem Lächeln aus Erheiterung oder Fröhlichkeit.
Hätte Darwin damals schon auf die Technik des 21. Jahrhunderts zurückgreifen können, wäre ihm noch weitaus Erstaunlicheres aufgefallen: Die Muskelreaktionen, mit denen Babys jene Gesichtspartien , die sie später zum Lachen (und Weinen) benötigen, finden bereits im Mutterleib statt. Per 4D-Ultraschall-Videos lässt sich dieses ab dem Ende des zweiten Schwangerschaftsdrittels – also nach ca. 6 Monaten – bei ungeborenen Kindern beobachten.
Aber Babylachen birgt noch viele weitere Geheimnisse und Eigenheiten. Spoileralarm: Keine/r von uns lacht jemals wieder so wie er/sie als Baby gelacht hat!
Affengeil: Babys lachen wie Schimpansen – aber nicht lange
Wenn Sie sich selbst beim Lachen beobachten, werden Sie feststellen, dass Sie dabei ausatmen. Warum ist das an dieser Stelle erwähnenswert? Weil Babys anders sind: Neugeborene lachen erstaunlicherweise ab der sechsten Lebenswoche beim Ein- UND Ausatmen, verlieren diese Fähigkeit aber nach und nach, wie ein Forscherteam der Universität von Amsterdam 2018 herausfand.63
Das Kuriose dabei: Lachen beim Ein- und Ausatmen ist ein Verhalten, das die Verhaltensforschung ansonsten von Schimpansen kennt. Tatsächlich ist der Mensch nach den ersten Lebensmonaten der einzige Primat, der nur beim Ausatmen lacht. Wissenschaftliche Erklärung gibt es dafür bislang keine. Obwohl die veränderte Physiologie des Lachens mit keinem konkreten Entwicklungsstadium eines Kleinkindes einhergeht, vermutet die Wissenschaft aber einen Zusammenhang mit der zunehmenden Stimmkontrolle.
Warum uns Babys beim Kitzeltest problemlos in die Tasche stecken
Kleinkinder sind uns auch noch in anderer Hinsicht voraus: Wenn Erwachsene die Beine überkreuzen und blind erkennen sollen, an welchem Fuß sie gekitzelt werden, haben sie Koordinationsschwierigkeiten. Babys meistern bis zum Alter von vier Monaten diesen Test problemlos (indem sie einen Reflex mit dem richtigen Fuß zeigen). Das funktioniert übrigens auch mit überkreuzten Armen.
Die Vermutung der Forscherinnen und Forscher der Universität London, die dieses Phänomen 2015 im Rahmen einer wissenschaftlichen Anordnung entdeckten: Babys registrieren Kitzeln bis zum Alter von vier Monaten nicht als Reiz der Außenwelt, während Erwachsene darauf geeicht sind, Impulse mit ihrem gewohnten Blickfeld abzugleichen und zuzuordnen.64
Sprich: Der erwachsene Berührungssinn ist bereits untrennbar mit dem Sehen, Hören und Riechen verbunden, während Babys die Welt noch wahrnehmen. Auch hier stellt sich etwas im Kleinkind ab einen gewissen Zeitpunkt auf einen komplett anderen Modus um und ist danach nie wieder so wie vorher.
Ab wann Kinder wirklich lachen
Ab der sechsten Lebenswoche passiert bei Babys etwas Bemerkenswertes: Sie halten mehr Blickkontakt, werden insgesamt bewusster und lachen anlassbezogen. Die Fachwelt spricht von der Umstellung von einem unbewussten „Engelslächeln“ auf ein „soziales Lächeln“. Das Kind reagiert ab da nachvollziehbarer auf die Mimik seines Gegenübers. Es reagiert insgesamt interessierter auf die Umwelt, besonders auf die Gesichter der Eltern als seinen wichtigsten Bezugspunkt.
Auch für die Medizin ist diese frühe Phase des Kindes ein wichtiger Zeitpunkt. Bei der Untersuchung zwischen dem 3. und 4. Lebensmonat stellt das „soziale Lächeln“ ein wichtiges Indiz für eine unauffällige Entwicklung des Säuglings dar.
Eine der Fragen, die die Kinderärztin oder der Kinderarzt den Eltern stellt, betrifft also das Lächeln des Kindes und auch, welche Geräusche es dabei macht. Denn parallel zur Veränderung des Lächelns signalisiert das Kind mit den ersten bewussten Lauten so etwas wie Gesprächsbereitschaft – und macht dadurch seine Entwicklung nachvollziehbar.
Evolutionstechnisch ist dies ein Zeitpunkt, der durchaus Sinn ergibt. Denn nach 6-8 Wochen mit einem Neugeborenen stellt sich bei den meisten Eltern die erste Erschöpfung aufgrund der neuen Alltagssituation ein, auf die man sich (egal, wie viele Bücher über Elternschaft man zuvor gelesen hat) nicht wirklich vorbereiten konnte. Das bewusstere Lächeln und das erste Kommunizieren des eigenen Kindes sind also eine willkommene für jede Mama und jeden Papa.
Babylachen macht Mütter high
Auch wenn sich jeder Vater über die sich entwickelnde Bewusstwerdung seines Kindes freut – auf Mütter hat Babylachen eine besonders intensive Wirkung. Das zeigt eine Versuchsanordnung, die 2008 im Baylor College of Medicine in Houston/USA durchgeführt wurde:
28 Müttern wurden Fotos von ihren eigenen und fremden Kindern vorgelegt, die verschiedene Emotionen zeigten. Dabei überwachte man den Blutfluss im Gehirn der Frauen mittels Magnetresonanztomografie.
Überraschendes Ergebnis: Der Anblick des eigenen lachenden Kindes wirkte auf eine Mutter wie eine Droge. Er aktivierte Belohnungszentren im Gehirn und schüttete das Glückshormon Dopamin aus. Auf ähnliche Weise entstehen Suchterkrankungen. Glückliche Babys machen ihre Mütter also auf gewisse Art und Weise .
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass bei neutralen oder traurigen Fotos die Gehirne der Mütter kaum Unterschiede zwischen eigenen und fremden Kindern aufwiesen und generell eine weitaus schwächere Reaktion zeigten als bei den glücklich lachenden Aufnahmen.65
Zähne zeigen (oder auch nicht): Was Lachen offenbart
Mit jedem herzhaften Lachen präsentieren wir sie: Unsere Zähne stehen bei Heiterkeit, Flirt und Fotos unweigerlich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Umgekehrt lassen uns weniger perfekte Zähne weniger breit Grinsen und machen uns insgesamt scheuer und zurückhaltender. Kein Wunder, dass die optische...




