Peters | Der Wandler | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Peters Der Wandler

Die Hoffnung der Paladine
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-0420-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Hoffnung der Paladine

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

ISBN: 978-3-8192-0420-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eigentlich lebt der junge, noch namenlose Elf glücklich in seiner versteckten Waldstadt im Einklang mit der Natur und den anderen Elfen. Aber plötzlich spricht sein alter Mentor von der Suche nach seinem Wahren Namen, seiner eigentlichen Identität und schickt ihn alleine auf eine Reise ins Ungewisse. Zuerst widerwillig bricht der junge Elf auf, ausgerüstet mit seinen Jagdwaffen und seinen wachsenden magischen Kräften. Er verlässt bald seine kleine vertraute Welt im Titanenwald und entdeckt mehr und mehr von der Welt, die die Urkräfte Chaos und Kosmos erschufen, um ihre Kräfte zu messen. Schließlich wird ihm völlig unerwartet seine eigene Beteiligung in diesem Machtkampf klar. Sie prägt so unausweichlich sein Leben, wie sie schon seine vergangenen Leben geprägt hat. Diese recht klassische Fantasy-Geschichte bedient sich zeitweise einer etwas poetischen Sprache, um der tiefen Naturverbundenheit eines jungen, melancholischen Waldelfen gerecht zu werden. Kaum ein Detail der lebendigen Natur entgeht ihm in Wigreda, einer Welt der Nature Fantasy!

Aufgewachsen auf einem Bauernhof im Westen von NRW, prägten Thomas Peters Naturverbundenheit und Kreativität seit seiner Kindheit. Neben Studium und Arbeit blieb die Leidenschaft für Fantasy ein wichtiger Teil seines Lebens. Die Veröffentlichung der Wigreda-Bücher erfüllt für ihn einen lebenslangen Traum, diese Leidenschaft auszudrücken.
Peters Der Wandler jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


Abschied


Die Sonne versinkt warm zwischen den Wipfeln. Die letzten ihrer Blicke färben die Blätter rot und golden. Sanfter Wind fährt durch die Kronen der Bäume und entkommt ihren streichelnden Ästen. Er trägt den süßen, milden Duft des alten Sommers mit sich. Leiser, wehmütiger Gesang mischt sich in den Wind und begleitet ihn ein Stück weit. Er stammt von entspannten Wesen, die sich in ihren leichten, fließenden Gewändern kaum vom weichen Waldboden abheben.

Ihre Glieder sind schlank und sehr ebenmäßig. Die großen, eleganten Ohren laufen spitz zu. Ihre Augenfarben spiegeln die umgebende Natur wider. Sie strahlen endlose Gelassenheit aus und sind unergründlich. Ihr leiser Gesang schwingt melancholisch im Rhythmus des Windes mit und verliert sich in ihm.

Die Waldelfen von Silváhedon. Sie leben fast unberührt im Fluss der Zeit. Alles um sie herum verändert sich, wächst und gedeiht, oder verliert sich bereits wieder im Niedergang. Besonders die Menschen, die ihnen an Gestalt noch am ähnlichsten erscheinen, sind mit ihrer Kultur in ständigem Wandel. Diese Elfen jedoch leben ihre uralte Lebensweise abseits aller anderen Völker. Ich erkenne kaum Veränderungen bei ihnen. Sie sind ein fast zeitloser Bestandteil der sie umgebenden Natur. Mein Blick ruht gerne auf ihnen.

Gerade noch in Hörweite steht ein alter, knorriger Baum. Schon seit vielen Äonen scheint sein zerfurchter Stamm die mächtigen Arme stolz der Sonne entgegenzurecken. Knöcherne, grünbraune Rindenschuppen schützen ihn wie einen Drachen. Der Baum ist gerade so gewachsen, dass er einen guten Unterschlupf bietet. Unregelmäßigkeiten im Stamm dienen als Stiegen, und das dichte Blätterdach schützt vor Regen. Die zuerst beinahe waagerecht verlaufenden, rauen Äste ermöglichen einen sicheren Stand. In seiner prächtigen Krone sitzen sich ein junger und ein alter Elf gegenüber:

„Mórak. Gehe zuerst nach Mórak.“ Die müden Augen des alten Elfen ruhen ganz auf dem Gesicht des jungen Elfen. Seine leisen Worte klingen erschöpft.

Zwar ziert keine Falte das Gesicht des alten Elfen, doch seine weiche Stimme und seine langsamen Augen zeugen von den vielen Hundert Wintern, die seit seinem ersten Erwachen vergangen sind. Lange, silbern glänzende Haare umschmeicheln noch immer dicht das schlanke Haupt.

Die unruhigen Augen des jungen Elfen suchen noch den Sinn der Worte. „Zur Zwergenfestung Mórak, Seher?“ Verblüfft richtet er den schlanken Oberkörper auf. Ohne den Blick abzuwenden, streicht er sich eine weißblonde Strähne aus dem Gesicht. „Wir haben schon so lange nichts mehr von den Zwergen gehört oder sie besucht. Ich kenne sie nur aus alten Erzählungen. Vielleicht gibt es sie gar nicht mehr“, setzt er leise aber erregt fort.

Die Züge des alten Elfen verhärten sich. Er beugt sich leicht vor und fixiert die Augen seines Gegenübers. Sein Gesicht taucht in einen breiten, hellen Lichtstrahl ein, der durch das Blätterdach bricht. Er lässt die klatschmohnroten Augen des alten Elfen aufleuchten.

„Dein Weg führt über Mórak!“ Große Kraft schwingt in seinen Worten mit. Sein ganzes Wesen liegt in ihnen. Sie dulden keinen Widerspruch.

„Du weißt, dass du deinen Wahren Namen und seine Bedeutung nicht hier in Silváhedon finden kannst“, setzt er sanft aber auch bestimmt fort. „Du musst gehen und alleine herausfinden, wer du in Wahrheit bist.“

Schließlich bricht er den Blick ab und gibt seinen alten Augen Ruhe. „Das Ziel ist noch so fern. Und es ist sehr wichtig für uns alle, dass du es erreichst. Brich morgen früh auf. Es ist alles vorbereitet.“ Die Stimme erstirbt. Sein Haupt sinkt langsam auf die Brust. Seine Anspannung löst sich in langsamen, schweren Atemzügen. Sein Geist schweift ab.

Er gleitet in Erinnerungen, die so alt sind, dass sie ihm wie ein früheres Leben erscheinen. Auch nach so vielen Wintern treiben sie ihn unerbittlich auf sein unsichtbares Ziel zu. Doch bald schon wird sein langes, übervolles Leben ihn zur Ruhe zwingen.

Der junge Elf betrachtet den alten Seher noch eine Weile stumm. Dieser lebt schon so lange bei den Elfen der versteckten Waldstadt Silváhedon, ohne dass erkennbar geworden wäre, auf was der Seher wartet oder was er vorbereitet. Tatsächlich erinnert sich niemand unter den Elfen mehr an den Tag seiner Ankunft in Silváhedon. Oder ist er doch einst hier geboren? Er war schon immer für alle der Seher am Rande ihrer Siedlung, eine Quelle der Ruhe und der Weisheit.

Hin und wieder hat er den einen oder anderen Rat gegeben, sich aber sonst sehr zurückgehalten. Erst kurz vor seiner Geburt soll der Seher in ungewohnte Aufregung geraten sein. Er soll seine Mutter mehrmals am Tag besucht haben. Erst nach seiner Geburt soll er sich beruhigt und seinen gewohnten Gleichmut wiedergefunden haben. Fortan fragte der Seher regelmäßig nach ihm und nahm ihn manchmal für einige Monde lang mit sich in einen abgelegenen Teil des Waldes. Diese Zeiten waren so angefüllt mit tiefen Gedanken und altem Wissen, dass er nach seiner Rückkehr immer etwas Zeit brauchte, um über all das nachzudenken, was ihm der alte Seher erzählt hatte.

Er erfuhr von der Urkraft des Kosmos, der Ordnung der Dinge. Ihr Symbol ist die leuchtende Sonne, die vollkommen ebenmäßig und unveränderlich ist, und jeden Tag in immer gleicher Weise bestimmt. Er erfuhr auch von der Urkraft des Chaos, dem Fehlen jeder Ordnung. Ihr Symbol ist der bleiche Mond, der im ständigen Wandel ist und jede Nacht auf eine andere Weise beeinflusst. Sein Einfluss ist umso größer, je mehr von ihm zu sehen ist.

Hin und wieder spottet der Mond auch seiner eigenen, vermeintlichen Ordnung, indem sich in einzelnen Nächten sein Licht eintrübt und in verschiedene Gelbtöne färbt. Dieser Mond wird Fiebermond genannt, denn dann ist seine Macht viel stärker und unberechenbarer.

Erzählt wird auch von den unheilvollen Nächten mit einem roten Blutmond. Dieser ist zwar viel seltener als der Fiebermond, aber auch fast unbegrenzt in seiner Macht auf ganz Wígreda.

Die Kalender der großen Reiche der Vergangenheit waren alle auf den Zyklus des Mondes ausgerichtet. Jeder Mond endet nach 28 Tagen mit der Mondblüte, wenn der Mond ganz rund ist. Die Stationen seines immer wiederkehrenden Lebens werden so genannt, wie sie am Himmel zu sehen sind. Nach der Mondblüte kommt die Zeit des Alternden Mondes, danach die Zeit des Sterbenden Mondes. Die Nacht, in der er gar nicht zu sehen ist, heißt Mondwiedergeburt. Danach folgen Wachsender Mond und Reifender Mond. Am Ende ist wieder die Nacht der Mondblüte. Nach 13 Monden endet das Jahr dann mit der Langen Nacht, der Nacht vor Frühlingsanfang. Sie ist tatsächlich länger als jede andere Nacht und wird von der Mondblüte des letzten Mondes beherrscht. In dieser Nacht sterben mehr Alte, Kranke oder Verletzte, als zu jeder anderen Zeit.

Sie ist eine Prüfung für jedes lebende Wesen. Deshalb gibt es bei den meisten Völkern keinen bedeutenderen Festtag als Frühlingsanfang, den ersten Tag nach der Langen Nacht.

Die Urkräfte haben unsere Welt Wígreda für ihre Zwecke erschaffen und beherrschen sie noch immer. In jedem Wesen wirken sie anders und bisher bleibt Wígreda im tobenden Machtkampf der Urkräfte stabil. So ist es schon seit langer Zeit und damit es so bleibt, ist Návayot von den Páladinen vor sehr vielen Wintern zu den Waldelfen von Silváhedon gegangen. Als Seher hat er den wiedergeborenen Dritten Geist, Taladán, auf seine große Aufgabe vorbereitet. Ich wünschte, ich könnte seinen Weg vollständig sehen, aber vor dem Willen anderer Gottheiten endet mein Blick. Allerdings werden wir uns bald begegnen. Das sehe ich ganz klar.

Schließlich richtet sich der junge Elf ganz auf und steigt langsam mit sicherem Tritt den Baum hinunter. Sein Blick geht ins Leere. Doch auch dort ist kein Sinn zu finden. Mórak. Nach Mórak geht doch kein Elf, wenn er nicht muss. Erst recht geht er nicht alleine.

Die Sonne ist nicht mehr zu sehen. Sie zieht ihren hellen Schleier mit sich, und im Osten blitzen die ersten Sterne darunter hervor. Der Wind trägt gerade wieder einmal den traurigen Gesang der Elfen zu ihm herüber. Er schüttelt traurig den Kopf. „Sie haben so recht! Warum verlasse ich mein schönes Silváhedon, um alleine zu einer trostlosen Zwergenfestung zu wandern?“.

Das Lied der Elfen erreicht seinen Höhepunkt, als in ihm die Hitze der Rebellion aufsteigt. Einzelne Tränen, die seine Wangen herabrinnen, können sie nicht abkühlen. Er lässt sein schweres Haupt in die Hände sinken. „Aber hier bleiben kann ich auch nicht“, schließt er resignierend.

Langsam geht er zu seinem Baum und legt sich in seinen starken Armen zur Ruhe. Sein Baum sieht dem Baum, auf dem der Seher schläft, sehr ähnlich. Er ist jedoch viel jünger und weniger knorrig. Stumm lauscht der junge Elf in die Nacht hinein. Kein ungewöhnlicher Laut ist zu hören. Doch noch erlöst der Schlaf ihn...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.