E-Book, Deutsch, 270 Seiten
Prem Lebenserinnerungen - Lebenseinsichten
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-5899-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 270 Seiten
ISBN: 978-3-7693-5899-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Monika Prem beschreibt in dem vorliegenden Band den zweiten Teil ihres Lebens (der erste Teil liegt in 'Erste Kinderjahre - Zweiter Weltkrieg' vor), beginnend im Jahr 1957. Die Autorin absolviert bei ihrer Mutter eine Lehre zur Fotografin, die sie mit der Gesellenprüfung abschließt, und besucht später das Institut für Bildjournalismus in München. Eine sich anbahnende Karriere als Fotografin wird vorzeitig abgebrochen durch Bekanntschaft mit dem SPUR-Künstler Heimrad Prem, den sie 1964 heiratet. Sieben Kinder gehen aus der Beziehung hervor. Auf der Suche nach seiner Verwirklichung als Künstler muss Prem mit seiner Familie immer wieder umziehen. Wir folgen der Familie auf ihrer Reise nach Venedig und nach Schweden. Beginnend im Jahr 1968 bis zu seinem Tod im Jahr 1978 veranstaltet Prem die 'Weißen Feste'. Die nun folgende Zeit bis zum Jahr 2024 wird nur noch punktuell behandelt. Monika Prem will nicht nur ihr äußeres Leben beschreiben. Das für sie wichtigste Ereignis in ihrem Leben ist ihre in fortgeschrittenem Alter erfolgte Bekehrung zum Glauben an Jesus Christus. Die damit verbundenen Einsichten prägen von nun an ihr Leben und haben in dieser ganz schlicht geschriebenen Autobiographie ihre Spuren hinterlassen.
1939 Geboren in Hamburg, Kriegsjahre mit der Familie in Tirol, Vater in Russland vermisst 1945 Rückkehr nach München, Grundschule, ab der dritten Klasse Rudolf Steiner Schule, München 1956 Mittlere Reife, für zwei Semester Besuch der Fachschule für Schaufenstergestaltung, München 1957 Zweijährige Fotolehre mit Gesellenprüfung vor der Industrie- und Handelskammer, München 1959 Studium am Institut für Bildjournalismus, München 1961 Bekanntschaft mit dem Kunstmaler Heimrad Prem (Gruppe SPUR); freiberufliche Tätigkeit als Bildjournalistin, Veröffentlichungen von Fotos in der SZ und in anderen Zeitungen 1964 Heirat mit Heimrad Prem, sieben Kinder, fünfundzwanzig Enkelkinder, sehr lange Berufspause 1978 Tod des Ehemanns ab 2002 Autobiographische Aufsätze: ein Krankenhausaufenthalt, Reisen in die USA und nach Russland 2006 Einige veröffentlichte Aufsätze in einer Oster-Anthologie im Verlag Haag + Herrchen, Frankfurt am Main 2007 Veröffentlichung des Buches 'Aufbruch zur bewährten Familie mit Zukunft. Mündige Eltern erziehen ihre Kinder zu mündigen Erwachsenen', Literareon Verlag, München 2013 Herausgabe der 'Tagebuchnotizen' von Heimrad Prem, Hirmer Verlag, München 2020 Veröffentlichung des Buches 'Erste Kinderjahre - Zweiter Weltkrieg', Verlagshaus Schlosser, Kirchheim bei München (jetzt BoD, Norderstedt)
Autoren/Hrsg.
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Unterdessen war es Abend geworden. Markus stand auf einem Stuhl, sah aus dem Fenster, während Boris seine Stoffpuppe auf der Decke hin und her warf. Es war friedlich, eine brauchbare Ordnung hatte ich hergestellt, die Lebensmittel waren in der Küche untergebracht. Zwei Eimer mit Wasser hatte mein Mann bereitgestellt, aber zuvor hatte er das eine Ende des Schlauches in den Seitenarm des Wasserfalls tauchen und das andere Ende im Vorraum in die dazu bestimmte Wanne legen und mit einem Kochlöffel verschließen müssen. Die Bezeichnung „mein Mann“ hatte ich bisher vermieden; sie hatte für mich immer etwas Besitzergreifendes an sich. Da andere Frauen sie jedoch häufig benutzten, beschloss ich nun, sie mir auch anzugewöhnen. Die erste Nacht war vorbei. Heimrad war ausgeruht, gut gelaunt, was daran lag, dass der Schlaf ohne Störung verlief. Dank Heimrad prasselte im Ofen bereits das Feuer, was Markus anlockte, aber er hielt sich in gebührendem Abstand, was seinem vorsichtigen Naturell entsprach. Nach dem Frühstück ging Papa mit „Marqui“, wie Markus seit längerer Zeit genannt wurde, nach draußen und hinauf zu unserem geliebten Wasserfall. „Wenn ich mit Borilein fertig bin, komme ich nach“, rief ich hinterher. Boris strampelte lachend, was ich für Vorfreude hielt. Ein Baby von sieben Monaten, fühlt also schon, was bald kommen wird. Wahrscheinlich dadurch, dass ich mich auch darauf freute, den Wasserfall zu erleben. Wie bescheiden ist unser Leben hier, denke ich, dieses kleine Glück erscheint uns ganz groß. Das sage ich Boris auch, was bewirkt, dass er sehr aufmerksam zuhört und nicht mehr strampelt. Also beides auf einmal geht nicht. Papa steht mit Markus am Geländer. Sie hören uns nicht. Das Rauschen ist zu laut. Plötzlich stehen wir neben ihnen, und Boris streckt seine Ärmchen dem brausenden, schäumenden Bach entgegen. Wir lachen alle vier. Es ist Frühling, die Bäume erblühen. Besucher beginnen sich anzukündigen, wie wir es so ähnlich erwartet hatten. Meine Mutter würde ja eine Hilfe sein, aber zu viele Unterbrechungen wollte Heimrad nicht haben. Mutti kam wirklich als erste, ging mit den Kindern spazieren, Boris schob sie im Kinderwagen herum, was eine harte Arbeit in dieser Landschaft war. Oft nahm sie ihn auch heraus und trug ihn auf dem Arm herum. Sie wollte einige Wochen blei - ben und hatte sich in einem Gasthof in Fusch einquartiert. Im Laufe der nächsten Wochen folgten in zeitlichen Abständen weitere Gäste. Die Schwester von Heimrad mit ihrem Sohn und einer Freundin. Heide de la Ossa mit ihrer Tochter Tanja, die ein halbes Jahr älter als Boris war. Später kam Heides Mann Juan, der viel vom Handwerk verstand und zusammen mit Heimrad Arbeiten verrichtete, die am und im Haus dringend getan werden mussten. Meine Schwiegermutter erschien auch, war mit meiner Mutter zusammengetroffen, was sehr schön war, denn so konnten sie gemeinsam mit ihren Enkeln kurzweilige Tage verbringen. Mein Bruder und seine Frau Ingelore (Warum bekam sie kein Kind? Die Frage stand manchmal unausgesprochen in der Luft.) wollten nur kurze Zeit bleiben, ihre großen Zukunftspläne drängten zu baldigem Aufbruch. Zum Malen nahm sich Heimrad dennoch Zeit. Nun konnte er hier auch in Öl malen, hatte aber zwischendurch immer wieder Lust zu Papierarbeiten. Auch Unterbrechungen in Form von Männerarbeiten warteten oft genug auf ihn. Wie lange würden wir in Fusch bleiben können? Spätestens im November mussten wir von hier weg. Es würde ungemütlich kalt werden, und bei Frost lauerte die Gefahr, dass unser Wasserzulauf einfriert. Aber wo würden wir dann wohnen? Die Zukunft lag ungeklärt vor uns. Nachts hörten wir gelegentlich die Mäuse auf dem Dachboden umhertoben. An warmen Tagen und Nächten waren sie Gott sei Dank draußen unterwegs. Heimrad kündigte an, dass er für zwei oder drei Tage nach München fahren müsse, da Unterschiedliches zu besorgen und zu erledigen sei. Vor seiner Abreise befestigte er ein festes Schloss an der Zimmertüre. Eine Pistole hatte er schon für mich gekauft, für den Fall, dass … Er würde fahren, das war sicher, und ich fühlte mich wie die Frau eines Indianerhäuptlings, die die Ranch zu verteidigen hat. Der „Colt“ war wirklich hübsch, und das Schießen nicht schwer. Markus wollte ihn auch mal haben. Danach versteckte ich ihn neben dem Bett, während mein Mann sich zärtlich von seinen Söhnen verabschiedete. Bevor er das Auto startete, kam ich mit Abschiedsküssen dran. Wir winkten, langsam bewegte sich das Auto den Berg hinab und verschwand vor unseren Augen. Markus sah mich groß an, sogar sehr ernst, Boris war vielleicht noch zu klein, aber was innerlich ein Kind erlebt, wer kann das wissen. In der Nacht nahm ich die Buben zu mir ins große Bett, wo wir alle drei gut und ruhig bis zum frühen Morgen durchschliefen. Nun war es an mir, den Ofen zu heizen. Nicht nur wegen der morgendlichen Kälte, sondern auch wegen des warmen Wassers, das ich benötigte. Holz war genug da, was Markus dazu veranlasste, mir einen Scheit nach dem anderen vor die Ofentüre zu legen. „Nicht so viele!“, sagte ich. Nun musste Markus aufs Töpfchen gehen, danach bekam er sein Frühstück. Füttern und Wickeln von Boris, selbst frühstücken, vorlesen und Bilder anschauen mit Markus aus dem schönen Buch. Abends beteten wir schon längere Zeit, vor dem Essen hatte ich es nun auch eingeführt. Ich dachte, das würde bestimmt wertvoll sein für die Kinder. Der Tag war vorüber, alles war gut gegangen, wieder lagen wir alle drei müde im Bett. Die Kinder schliefen fest, ich auch, bis etwa um Mitternacht mit lautem Knall die Zimmertüre, die ich am Abend abgeschlossen hatte, aufsprang. Ich fuhr in die Höhe, völlig verwirrt tastete ich nach der Pistole, zitternd spannte ich sie. Die Türe stand offen, aber es war nichts zu hören. Und es blieb ruhig. Nur das Plätschern des Wasserfalles vernahm ich wie immer. Endlich getraute ich mich aufzustehen und zur Türe zu gehen. Wie konnte es sein, dass die Türe, die ich doch abgesperrt hatte, von alleine aufgesprungen war? War sie vielleicht doch nicht fest verschlossen gewesen? Würde ich wieder einschlafen können? Ja, das konnte ich, meine beiden Engelchen waren ja da. Die Nacht war herum, ich war froh, heute Abend würde mein Mann zurückkehren. Noch am selben Abend kam Heimrad wieder, ich erzählte ihm alles, auch, dass ich hier keine Nacht mehr alleine sein wollte. Während er mich an sich drückte, lachte er nur und äußerte seine Zweifel daran, dass die Türe überhaupt vorschriftsmäßig zugesperrt war. Das beteuerte ich nachdrücklich, aber beweisen konnte man da jetzt nichts mehr. Seine Botschaft war jetzt wichtiger, nämlich die, dass die gesamte Gruppe SPUR, eventuell noch einige WIR-Leute (die beiden Gruppen hatten sich inzwischen zusammengeschlossen) zu Besuch kommen würden. Heimrad sah diesem Ereignis mit zwiespältigen Gefühlen entgegen. Würde es zu einer Aussprache darüber kommen, ob das gemeinsame Arbeiten in einer Künstlergruppe weiter sinnvoll ist? Eine Frage, die auch Heimrad immer wieder gedanklich beschäftigte. Nun aber spielte er mit den Kindern, herzte sie, scherzte mit ihnen, bis ich sie in ihre Betten brachte. Diese Nacht würde gut werden, ohne Furcht und Schrecken. Heimrad zog etwas aus seiner Tasche und sagte: „Ich habe dir etwas mitgebracht.“ „Oh was für ein hübscher Pullover! Rosa, grüne und schwarze Streifen an den Ärmeln. Alles andere graue Wolle. Ein so süßer Pulli! Heimrad hatte wirklich Geschmack. Ich bedankte mich voll Freude und wir umarmten uns. Die Nacht war herum. Heute wollte Heimrad eine große Flasche Wein kaufen. Wir hatten bereits festgestellt, dass wir zu wenige Gläser besaßen. Also mussten diese auch noch besorgt werden. Der Tag kam, die Künstler stapften hörbar die Treppe herauf und schon standen sie im Raum. Boris hielt ich auf dem Arm, Markus saß mit großen Augen auf seinem Stühlchen. Lachend, Witze machend, gestikulierend redeten alle auf einmal. Die Gläser und der Wein standen auf dem aufgeräumten Tisch, gekauftes Gebäck lag daneben. Die Stimmung ist schwer zu beschreiben. Obwohl wieder viel geredet wurde, war doch eine Veränderung seit dem Zusammenschluss der beiden Gruppen eingetreten. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bietet dem einzelnen Mitglied vielerlei Entfaltungsmöglichkeiten, aber irgendwann kann sie auch zum Hemmschuh werden. Dann nützt es auch nichts, Gruppen zusammenzulegen, dann braucht der Künstler wieder das Alleinsein. War Heimrad an diesem Punkt angelangt? Diskutiert, gefrotzelt, gelacht wurde bis zum Nachmittag. Bevor die Künstler zurück nach München fuhren, besuchten sie noch ein Wirtshaus, wohin Heimrad sie begleitete. Das Dorfwirtshaus hatte geöffnet, was nicht selbstverständlich war. Heimrad kam zurück, es war spät, die Kinder schliefen. Er wirkte deprimiert und befreit zugleich. „Wir werden uns von der Gruppe WIR trennen...




