Prem | Stationen meines Lebens | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 202 Seiten

Prem Stationen meines Lebens

Krankenstation USA Sibirien Irland
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-1707-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Krankenstation USA Sibirien Irland

E-Book, Deutsch, 202 Seiten

ISBN: 978-3-8192-1707-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vier Stationen im Leben von Monika Prem (*1939), wobei die erste eine Krankenstation im Klinikum Neuperlach ist, auf die sich die Autorin wegen einer Unterleibserkrankung begibt. Die drei weiteren Stationen sind Länder, die sie besucht, weil dort Verwandte von ihr leben: In die USA reist Monika Prem, um ihren Bruder Manfred und dessen Frau Ingelore zu besuchen. Nach Sibirien/Russland reist sie, um ihren Sohn Boris und dessen Familie zu besuchen. Nach Irland reist sie, um ihren Sohn Leander und dessen Familie zu besuchen. Wie gewohnt kleidet Monika Prem ihre Beobachtungen, Gedanken und tiefem Gottvertrauen entsprungenen Einsichten in eine ganz schlichte, ja karge Sprache.

1939 Geboren in Hamburg, Kriegsjahre mit der Familie in Tirol, Vater in Russland vermisst 1945 Rückkehr nach München, Grundschule, ab der dritten Klasse Rudolf Steiner Schule, München 1956 Mittlere Reife, für zwei Semester Besuch der Fachschule für Schaufenstergestaltung, München 1957 Zweijährige Fotolehre mit Gesellenprüfung vor der Industrie- und Handelskammer, München 1959 Studium am Institut für Bildjournalismus, München 1961 Bekanntschaft mit dem Kunstmaler Heimrad Prem (Gruppe SPUR); freiberufliche Tätigkeit als Bildjournalistin, Veröffentlichungen von Fotos in der SZ und in anderen Zeitungen 1964 Heirat mit Heimrad Prem, sieben Kinder, fünfundzwanzig Enkelkinder, sehr lange Berufspause 1978 Tod des Ehemanns 2002 Beginn der literarischen Tätigkeit, Veröffentlichung von pädagogischen und autobiografischen Schriften
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Meine drei Flugreisen


in die Vereinigten Staaten von Amerika (2005, 2016, 2019)

Den Entschluss, die Nacht vor meinem Abflug in die USA in Unterföhring zu verbringen, fasste ich deshalb, weil es von dort aus näher zum Flughafen ist und mein Sohn Leander, der dort wohnte, sich bereit erklärt hatte, mich mit dem Auto hinzubringen.

Am 23. August 2005 stand ich um 3.40 Uhr auf. Leander und Miriam, seine Freundin, weckte ich um 4.30 Uhr. Ihr Handywecker hatte nicht geklingelt. Wenig später befanden wir uns auf dem Weg zum Franz-Joseph-Strauß-Flughafen. Da Leander den Weg nicht kannte und Miriam nur spärlich Auskunft erteilen konnte, fuhren wir im Dunkeln durch unbekannte Gegenden. Wir mussten mehrmals umkehren, da Leander den Weg nicht fand. Die Zeit verrann. Wir sahen den hellen Schein am Horizont, den die unzähligen Lichter des Flughafens erzeugen, aber wie konnten wir hingelangen?

Schließlich fand Lee den Stadtplan im Kofferraum, nachdem er Miriam immer wieder beschworen hatte, nachzusehen, da dieser auf dem Rücksitz liegen müsse.

Als wir schließlich am Flughafen angekommen waren und Leander eine Parkmöglichkeit gefunden hatte und meine schwere, dunkelblaue Reisetasche, die ich zum ersten Mal benützte, ins Flughafengebäude gerollt war, suchten wir nach den Ticketschaltern der Fluggesellschaft Air France. An den beiden Schaltern standen viele Reisende, und ich war erstaunt über die großen Mengen an Gepäck, die einige bei sich hatten. Manche schoben Wägen vor sich her, auf denen sich die Gepäckstücke türmten. Aber sie sahen nicht aus wie Auswanderer, die ihre ganzen Habseligkeiten eingepackt hatten. Als ich schließlich am Schalter angekommen war, Miriam und Leander standen ein wenig abseits, und meinen Pass und die beiden Tickets dem Uniformierten aushändigte, gab mir dieser die eine gleich wieder zurück, denn es war die Rückflugkarte. Meine große Reisetasche auf Rollen wurde mir hier abgenommen, mit einem weißen bedruckten Papierstreifen am Riemen umklebt und auf ein Förderband gestellt. Hier verschwand sie mit vielen anderen Taschen, Koffern und sperrigen Gegenständen nach einigen Metern hinter einem Gummivorhang. Erleichtert, diese Last los geworden zu sein, aber auch ein wenig besorgt, schulterte ich meinen Rucksack und war froh, wenigstens die zweite Kamera nicht in die jetzt verschwundene Reisetasche gepackt zu haben. Leander machte mich darauf aufmerksam, dass das Filmfach der Kamera bei der Kontrolle geöffnet werden würde, und so begannen wir uns gegenseitig, bis der Film beinahe voll war, zu fotografieren.

Aus einem mir unbekannten Grund war Miriam plötzlich verschwunden, und ich war bekümmert, dass ich ohne von ihr Abschied genommen zu haben, eine so lange Reise antreten solle. Leander lachte nur und versicherte mir, dass das ganz normal sei und sie gewiss wieder auftauchen würde – und so war es dann auch. Die restlichen Aufnahmen verwendete ich dafür, das Geschehen am Flughafen, das nicht besonders spannend war, festzuhalten.

Ich stand in der Warteschlange, und nun war es bald soweit, dass ich mich in den Bereich des Sicherheitstraktes begeben musste. Das bedeutete, sich von Miriam und Leander zu verabschieden, denn sie durften nicht dort mit hinein. Es war ein Abschied anderer Art und nicht nur deshalb, weil es für lange Zeit war, sondern auch, weil viele Flüge und ein so großes Land vor mir lagen und alles irgendwie neu und fremd war. Wir wünschten uns gegenseitig alles Gute und ich dachte an Lena, die kleine Tochter von Leander, meinem jüngsten Sohn, und wünschte ihnen noch Gottes Segen. Nun musste ich mich beeilen, um die Sach- und Körperkontrolle über mich ergehen zu lassen. Die Jacke und meinen Rucksack legte ich auf das Förderband und beides wurde durch ein metallenes Gerät gezogen, in dem Lichter aufblitzten. Ich erschrak und dachte an mein Negativfilmmaterial, das im Rucksack steckte. Die höher empfindlichen Filme hatte ich vorsorglich in die große Reisetasche gepackt. Der Beamte beruhigte mich und sagte, es handele sich um eine Art Röntgenlicht und schade den Filmen nicht. Auf der anderen Seite des Lichtkastens bekam ich meine Sachen wieder, musste zuvor jedoch durch eine Art Schranke gehen, wo auch wieder etwas mir Unbekanntes kontrolliert wurde.

Nun stand eine Dame mittleren Alters vor mir und begann, mich von oben bis unten abzutasten. Ich nahm an, dass sie nach Waffen oder anderen kriminellen Gegenständen suchte. Sie sagte, obwohl ich vor dem Betreten der Sperrwand meine Kamera, die ich umhängen gehabt hatte, eingepackt hatte: „Sie haben zwei Kameras dabei, würden Sie diese bitte öffnen?“ Ich gehorchte, und sie sah, dass in beide kein Film eingelegt war. Sie lachte, bedankte sich und entließ mich.

Ich drehte mich um und freute mich, dass Leander und seine Freundin Miriam noch hinter der Sperrwand standen, und wir winkten uns zu. Ich stellte meinen Rucksack auf eine Bank und sah, dass mir Leander mit kräftigen Armbewegungen andeutete, dass ich in die linke Richtung verschwinden solle, um zum Abflugterminal der Fluggesellschaft Air France zu gelangen.

Ein letzter Blick zurück. Sobald ich meinen Rucksack wieder auf dem Rücken hatte, wanderte ich los.

Nun war der Moment gekommen, in dem mir klar wurde, dass ich ab jetzt auf mich alleine gestellt sein würde, aber der Gedanke beflügelte mich auch.

Als ich am Gate der Air France angekommen war, konnte ich während der Wartezeit das Treiben in diesem Bereich des Flughafengebäudes beobachten und auch durch die riesigen Fenster sehen, was außerhalb geschah. Als einige Zeit vergangen war, standen plötzlich die beiden Bediensteten, die an einem Tisch saßen, auf, öffneten die Tore und forderten per Lautsprecher die Reisenden auf, in den wartenden Airbus zu steigen. Dass es einer bestimmten Ordnung unterlag, in welcher Reihenfolge die Passagiere einsteigen sollten, begriff ich erst nach einigen weiteren Flügen. Ich hielt mein Bordticket bereits in Händen, musste aber warten, bis ich an der Reihe war. Hier sprach man noch deutsch mit französischem Akzent. Schließlich schritt ich frohen Herzens durch die Rampe, was ein schlauchartiger Gang ist, durch den man ins Innere des Flugzeuges gelangt. Gut gelaunte Stewards verlangten erneut die Tickets, und der Steward, welcher ein wenig deutsch sprach, zeigte mir meinen Platz. Der Herr, der meinetwegen aufstehen musste, da ich den Fensterplatz bekam, beachtete mich während des ganzen eineinhalbstündigen Fluges nicht. Er las ohne Unterbrechung in der Süddeutschen Zeitung.

Mit Verspätung begann sich die Maschine endlich in Bewegung zu setzen, rollte in Schleifen und Bögen über die Rollbahn und blieb wieder stehen. Es dauerte lange, bis endlich die Motoren lauter wurden, das Flugzeug beschleunigte und sich unter ohrenbetäubendem Lärm immer schneller bewegte und schließlich, nachdem es eine rasende Geschwindigkeit erreicht hatte, von der Startbahn abhob. Ich wurde in meinen Sessel gedrückt und hatte, Gott sei gedankt, nur ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.

Der Dauerregen, der München seit Tagen einhüllte, verursachte, dass ich ringsumher nichts sah als ein weißgraues Nichts. Aber wie staunte ich, als die Wolkendecke plötzlich unter uns lag und sich mir ein wunderbarer Anblick bot: ein strahlend blauer Himmel, an dem der blasse Mond hing, gleißendes Sonnenlicht, das die Wolken, die wie weiße Wollknäuel aussahen, in ein schimmerndes Licht tauchte! Es war mir, als hätten wir, nachdem wir die düstere, unwirtliche Welt dort unten verlassen hatten, hier oben eine schöne, ganz andere, reine und helle Welt gefunden.

Mich berührte die zurückhaltende Liebenswürdigkeit und die beinahe demütige Haltung der Flugbegleiter, mit der sie ihre Fluggäste behandelten. Sie wussten wie gewiss jeder hier, dass wir eine Art Schicksalsgemeinschaft bildeten und dass es im Ernstfall für niemanden mehr ein Entrinnen geben würde. Es war ja nicht wie bei Auto- oder Zugreisen, wo man, falls etwas passieren sollte, mit heiler Haut davon kommen konnte. Ich betete leise und gedachte der liebevollen Fürsorge Gottes und dass alles Geschehen zwischen Himmel und Erde in seiner Hand liegt.

Jemand des Flugpersonals bot uns Croissants und anderes französisches Gebäck und allerlei Getränke an. Ich nahm ein Croissant und trank Wasser dazu, eigentlich unpassend, aber ich hatte am frühen Morgen schon eine Kanne schwarzen Tees getrunken.

Durch den Lautsprecher wurde die in Bälde zu erwartende Landung in Paris angekündigt. Und das nicht nur auf Französisch und Englisch, sondern auch auf Deutsch mit dem wohlklingenden französischen Akzent. Ich holte eine kleine Plastiktüte aus meinem Rucksack, den ich vor mir auf dem Boden stehen hatte, um das Nasenspray zu benützen, das man mir gegen die zu erwartenden Ohrenschmerzen empfohlen hatte. Ich begann zu schlucken und Kaugummi zu kauen und bediente mich des Nasensprays. Trotzdem verspürte ich allmählich den Druck in den Ohren. Im rechten Ohr begannen sich die Schmerzen anzukündigen, die ich von der Landung bei meinem Romflug vom vergangenen Jahr her kannte. Meine Schwägerin Ingelore, die Frau meines Bruders Manfred, hatte mir damals den Tipp gegeben, die Nase zuzuhalten und die Luft fest durch die Ohren nach außen zu pressen. Ich...



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