Puhlfürst | Der Tätowierer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 449 Seiten

Reihe: Lara Birkenfeld ermittelt

Puhlfürst Der Tätowierer

Psychothriller. Ein Fall für Lara Birkenfeld 3 | Hochspannung für Fans von Chris Carter
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96148-979-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Psychothriller. Ein Fall für Lara Birkenfeld 3 | Hochspannung für Fans von Chris Carter

E-Book, Deutsch, Band 3, 449 Seiten

Reihe: Lara Birkenfeld ermittelt

ISBN: 978-3-96148-979-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Seine Kunst soll nur besondere Körper zieren ... Der abgründige Psychothriller »Der Tätowierer« von Claudia Puhlfürst jetzt als eBook bei dotbooks. Scheinwerfer, Blitzlichtgewitter, ein Laufsteg ... und eine Leiche! Journalistin Lara Birkenfeld soll von einer Modenschau berichten, doch stattdessen findet sie sich am Tatort eines grausamen Verbrechens wieder: Dem jungen Model wurde brutal die Kehle durchgeschnitten, ihr Rücken mit mysteriösen Tätowierungen überzogen. Wenig später tauchen weitere Tote auf, deren Körper von den Nadelstichen des Wahnsinnigen gezeichnet wurden. Nur Lara besitzt die besondere Intuition, die es braucht, um sich in den Kopf des Killers hineindenken zu können. Aber je näher sie ihm kommt, desto mehr wird er auch auf sie aufmerksam ... und ihre makellose Haut, auf der er sich verewigen will! »Puhlfürst hat ein Händchen für die Abgründe der menschlichen Psyche.« NDR Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der Psychothriller »Der Tätowierer« von Claudia Puhlfürst, auch bekannt unter seinem alten Titel »Sündenkreis«, ist der dritte ihrer Reihe um die findige Journalistin Lara Birkenfeld. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Claudia Puhlfürst, Jahrgang 1963, wurde in Zwickau geboren. Nach dem Studium der Biologie und Chemie war sie lange Zeit als Lehrerin und Dozentin tätig. Zu ihren Spezialgebieten gehören nonverbale Kommunikation und die Humanethologie, die menschliche Verhaltensforschung. Für ihre Thriller ist sie deutschlandweit bekannt. Sie ist Organisatorin der Ostdeutschen Krimitage und Mitglied bei den »Mörderischen Schwestern«, einem Verein, der von Frauen verfasste deutschsprachige Kriminalliteratur fördert. Die Website der Autorin: www.puhlfuerst.com Claudia Puhlfürst veröffentlicht bei dotbooks alle drei Thriller der Reihe um die Journalistin Lara Birkenfeld, »Der Totschneider«, »Der Tätowierer« und »Der Sensenmann«.
Puhlfürst Der Tätowierer jetzt bestellen!

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Kapitel 1


»Tu Buße!«

Die Stimme klang barsch und mitleidslos. Nina Bernstein fror. Ihre Augen schmerzten hinter dem kratzigen Stoff, der fest um ihr Gesicht gewickelt war und nur Mund und Nase freiließ. Sie schniefte leise. Die eingeatmete Luft roch modrig. War der Stoff verschimmelt? Oder kam der Geruch aus dem Raum, in dem sie sich befand?

»Du hörst mir gar nicht zu?« Ein Stoß traf Ninas Schläfe, und sie spürte, wie ihr Hinterkopf an etwas Hartes prallte. »Du sollst büßen!« Der Ton hatte sich verschärft, Worte hallten wider, die Gedanken sprangen wie Flipperkugeln durch Ninas Kopf. Was erwartete die Stimme von ihr, welche Antworten wären die richtigen? Und wofür sollte sie büßen?

»Denk nach!« Noch ein Stoß, fester jetzt. »Ich gebe dir ein bisschen Zeit dazu.« Der Mann mit der barschen Stimme räusperte sich und fuhr fort. »Du hast gesündigt. Und dafür wirst du bestraft werden. Wenn du einsichtig bist, kannst du dir viel Leid ersparen.«

Etwas quietschte, und Nina dachte, dass es sich wie ein rostiges Scharnier anhörte. Gleich darauf hörte sie etwas klicken – ein Schloss? – und danach Schritte, die sich entfernten. Dann war alles still. Zu still.

Nina Bernstein zwang sich, noch ein paar Augenblicke zu warten. Womöglich war der Typ noch im Raum und machte sich einen Spaß daraus, sie zu beobachten. Ihre übrigen Sinne schienen durch die Augenbinde, die das Sehen verhinderte, sensibler geworden zu sein. Schnüffelnd sog sie die Luft ein und versuchte, den Geruch zu analysieren. Kälte, Feuchtigkeit, ein Hauch von Schimmel mit einer Beimengung von Salpeter. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie sich in einer sitzenden Position befand, die Beine gerade ausgestreckt, den Rücken an eine Wand gelehnt. Ihre Hände waren hinter dem Rücken fixiert. Dünne, harte Streifen schnürten die Gelenke ab.

Handschellen waren das nicht. Nina wusste, wie sich Handschellen anfühlten. Schließlich war sie nicht zum ersten Mal in ihrem Leben gefesselt.

Vorsichtig bewegte sie die Hände. Sie konnte mit den Fingerspitzen kalten Stein ertasten. Oder zumindest glaubte sie, dass es Stein war. Auch die Füße waren verschnürt.

Nina fühlte, wie sie wütend wurde. Was hatte dieser Typ eigentlich mit ihr vor? Ob es Sinn hatte, um Hilfe zu rufen? Aber hätte er ihr dann nicht zusätzlich einen Knebel verpasst? Wahrscheinlicher war, dass niemand sie würde hören können. Stattdessen sollte sie lieber darüber nachdenken, was sie tun konnte, um sich zu befreien, oder was der Mann von ihr als »Buße« erwartete. Sie kramte in ihrem Gedächtnis nach längst vergessenen Liturgien, suchte nach Floskeln, die reumütige Kinder vor einem gestrengen Pfarrer verwenden würden, aber ihr Kopf gab nichts frei.

Wie war sie eigentlich hierhergekommen? Nina kniff die Lider hinter dem derben Stoff fest zusammen, so als sei es nicht sowieso schon stockfinster, und versuchte, Erinnerungen heraufzubeschwören.

Das letzte Ereignis, welches ihr einfiel, war der Besuch im Nachtwerk. Samstagabend. Nina ging jeden Samstag ins Nachtwerk. Die riesige Diskothek im Süden Leipzigs war ein beliebter Treffpunkt für Leute, die sich amüsieren wollten. Sie war also im Nachtwerk gewesen, so viel war sicher.

Wie lange mochte das her sein? Wenn sie ihren Körper prüfte, ihr Durstgefühl, den Drang, pinkeln zu müssen, konnte es nicht länger als einen halben Tag zurückliegen. Es sei denn, zwischen dem Besuch in der Disco und Dem Hier lag eine Zeit, die ihr Gedächtnis nicht gespeichert hatte. Nina sah im Moment keine Möglichkeit, das herauszufinden. Also weiter: War der Abend in der Disco wie immer verlaufen?

In ihrem Kopf tauchte ein unscharfes Bild auf. Dieser gutaussehende Bursche mit den blauen Augen, die im Dunkeln geleuchtet hatten wie die Xenonscheinwerfer einer Nobelkarosse. Er war ihr sofort aufgefallen, und Nina hatte sich behutsam an ihn herangepirscht. Bloß nicht zu aufdringlich wirken! Das mochten die begehrten Typen nämlich gar nicht. Man musste es so aussehen lassen, als seien sie von selbst auf einen aufmerksam geworden. Und Nina Bernstein beherrschte das Spiel perfekt. Wenn man die Kerle einmal an der Angel hatte, konnte man mit ihnen machen, was man wollte.

Und Nina wollte nur eins: richtig guten Sex. Danach konnte der Typ sich schleichen. Manche checkten das nicht und wollten hinterher ihre Telefonnummer oder am nächsten Tag mit ihr essen gehen. Nina fand das spaßig. Was bildeten sich diese Typen eigentlich ein? Sie wollte keine Beziehung, sie wollte Sex. Harten Sex. Manche von den One-Night-Stands sah sie später im Nachtwerk oder in irgendeiner anderen Disco wieder. Wenn sie richtig gut gewesen waren – aber nur dann –, gab Nina ihnen eine zweite Chance. Oft war das jedoch noch nicht geschehen. Die, die am attraktivsten aussahen, brachten es oft nicht. Es war wie mit holländischem Obst: sah super aus, schmeckte nach nichts. Die besten waren die Unscheinbaren, die kleinen dürren oder auch die untersetzten. Und doch fiel sie immer wieder auf diese Strahlemänner herein, die mit den gutgebauten Körpern und den blauen Augen. Nina lächelte kurz, bis ihr einfiel, in welcher Lage sie sich befand. Schnell zwang sie ihre Gedanken wieder zurück zu dem Typen mit den Xenonaugen. Sie hatte ihn gesehen und sich angeschlichen.

Nicht lange, nachdem sie ihn wie zufällig angerempelt und sich dafür entschuldigt hatte, hatte er schon mit ihr getanzt und ihr einen Drink spendiert. Einen Gimlet. Und eine halbe Stunde später einen zweiten. Gimlets trank Nina am liebsten. Schön trocken, mit reichlich Gin. Beim vierten oder fünften Tanz hatte er ihre Hand ergriffen und sie auf seine Hüfte gelegt. Nina hatte nichts dagegen gehabt. So lief es immer. Die Typen taten irgendwas, aber sie steuerte das Ganze unbemerkt.

Ninas Unterleib erinnerte sich noch daran, wie scharf sie geworden war, als sich Körper an Körper schmiegte. Geil auf diesen blauäugigen Casanova und seinen festen kleinen Hintern unter ihren Händen. »Ich heiße Timo«, hatte der Typ zu ihr gesagt.

Sie wollte ihre Namen gar nicht wissen, aber meist ließ es sich nicht vermeiden. »Timo« hatte gut gerochen. Dann hatte er ihr ins Ohr geflüstert, ob sie Lust hätte, etwas zu rauchen, und sie waren auf den Parkplatz gegangen, auf dem sich schon viele junge Leute herumdrückten. Seit man in den Discos keine Zigaretten mehr rauchen durfte, hielt sich die Hälfte der Besucher draußen auf.

Nina hatte ihn in eine unbeleuchtete Ecke gelotst und dabei gehofft, er würde es ihr gleich hier besorgen, auf diesem riesigen asphaltierten Platz – sie an die Rückwand des Gebäudes gepresst, die Beine um ihn geklammert, er vor ihr, der feste kleine Hintern heftig stoßend –, aber er machte keine Anstalten dazu. Sie musste wohl noch weiter an ihm graben. Manche von den Typen waren aber auch zu tugendhaft. Vielleicht würde es ihm die Sache erleichtern, wenn sie zuerst ein bisschen Gras mit ihm rauchte. Timo hatte ewig gebraucht, um zwei Joints zu drehen. Oft hatte er das anscheinend noch nicht gemacht.

Als Nina spürte, wie ihre Gedanken begannen, Karussell zu fahren, hatte sie ihn ein bisschen angeheizt. Daran erinnerte sie sich noch zu gut. Er war allmählich munter geworden und hatte mitgemacht, sodass ihre Hoffnung, den Richtigen für diese Nacht ausgewählt zu haben, wuchs. Schließlich wollte sie nicht das ganze Wochenende hier zubringen.

Nina rutschte ein bisschen an der, Wand nach unten und zog die Beine an. Ihr Rücken schmerzte. Und es war bitterkalt. Fast genauso kalt, wie auf diesem dämlichen Parkplatz vor dem Nachtwerk am Sonnabend. Nachdem sie eine ewige Viertelstunde an dem Typen herumgemacht hatte, gab Nina ihre Hoffnung, er würde gleich hier über sie herfallen, auf. Der Kerl war anscheinend zu feige dazu. Allmählich kroch ihr die Kälte auch unter die Klamotten. Aber einen Versuch hatte er noch. Sie würde ihm das Auto anbieten. Wie immer hatte Nina in einer abgelegenen Ecke geparkt, wo es schön dunkel war. Und wenn jemand ihr beim Ficken zusehen wollte – auch gut. Das törnte sie an. Sie nahm die Typen nie mit zu sich nach Hause, nie seit mindestens zwei Jahren. Schlechte Erfahrungen. Wenn sie erst wussten, wo sie wohnte, klebten manche von ihnen an ihr wie Kletten. Der Parkplatz, eine von den Toiletten im Nachtwerk oder das Auto taten es genauso gut.

Aber zuerst hatte sie dringend pinkeln gemusst, und weil sie trotz der Kälte zu faul gewesen war zurückzugehen, hatte sie beschlossen, sich gleich in das dunkle Gestrüpp des Wäldchens am Rande des Parkplatzes zu begeben. In der Finsternis konnte sie eh keiner sehen. Und den Rest Schamgefühl erledigte der Joint, den sie vor ein paar Minuten geraucht hatte. »Ich komme gleich wieder, lauf nicht weg«, hatte sie mit ihrer heiseren Stimme zu dem Typen gesagt und war über den glatten Asphalt in Richtung der Sträucher getaumelt. Sie war nicht weit in das Wäldchen hineingelaufen, nur ein paar Meter, und hatte sich dann umgedreht, sodass sie den Parkplatz und die dunkelgelben Lichtkreise der Bogenlampen sehen konnte. Nachdem sie vor dem Herunterlassen der Hose die Hosenbeine bis zu den Waden hochgewurstelt hatte, damit sie nicht aus Versehen nass wurden, hatte Nina sich hingehockt. Ihr »Date« stand brav an der seitlichen Ecke und wartete. Ab und zu hob er eine Zigarette – oder war es ein neuer Joint? – und sog daran.

Nina erinnerte sich an das Geräusch ihres Urinstrahls auf den vertrockneten Blättern. Gleichzeitig hatte sie gesehen, wie der Typ einer Dampflok gleich weiße Wölkchen in die Nacht blies. Sie erinnerte sich auch noch daran, wie sie sich mit zwei Tempotaschentüchern abgewischt hatte...



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