E-Book, Deutsch, 105 Seiten
Rain All I feel is heaven
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7546-4466-9
Verlag: Letterotik
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
Collectors Edition
E-Book, Deutsch, 105 Seiten
ISBN: 978-3-7546-4466-9
Verlag: Letterotik
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz
Eliza Rain erzählt vier prickelnde Geschichten die einen den Alltag vergessen lassen. Verbringe Zeit mit Katja und Philipp am Haus am See oder fliege mit Nora und Tristan in die USA und erfahre mehr über deren Geheimnisse. Lass dich entführen in die Welt des Jonas Miller und finde heraus, ob er tatsächlich ein Mr. Grey ist.
Eliza Rain ist Jahrgang 1985 und lebt mit ihrer Familie in Rheinland-Pfalz. Mit ihren Geschichten entführt sie den Leser in die Welt der Sinnlichkeit und Begierde. Eine Welt, in die man eintauchen und sich treiben lassen kann.
Autoren/Hrsg.
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Es ist bereits nach 22 Uhr, als ich es endlich geschafft habe, das leicht feuchte Holz im Kamin im Ferienhaus meiner Tante zum Brennen zu bringen. Leise knisternd flackert er vor sich hin, taucht den Raum in wohlige Wärme und verleiht ihm einen rötlich goldenen Schimmer. Ja, das Haus am See, hier am wunderschönen Waldrand, mochte ich schon immer. Als Kind war ich oft mit meinen Eltern und Geschwistern hier. Dieser Platz, der für mich voller Magie steckt, hat es schon immer geschafft, mich zu beruhigen und mich wieder zu mir selbst zu führen. Seit Marcel die Verlobung mit Marie verkündet hat, schwebe ich in völliger Dunkelheit. Undurchdringbar und pechschwarz umhüllt sie mich. Tja, Marcel ist mein Exfreund, der mich nach drei Jahren verlassen hat, wegen meiner ehemals besten Freundin. Das klingt wie in einem schlechten Kitschfilm, aber so ist es. Und nun hat er sie nach nur drei Monaten gefragt, ob sie ihn heiraten will und sie hat „Ja“ gesagt. Es muss die große Liebe sein. Ich kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wann er mir zuletzt gesagt hatte, dass er mich liebt. Und jetzt das ... Die sozialen Medien waren voll gewesen von Bildern, Videos vom Antrag mit der Überschrift „I said yes“. Von Ring bis Kniefall, es wurde nichts ausgelassen. Und ich? Ich musste kotzen und das meine ich nicht im übertragenden Sinne, sondern tatsächlich. Mir war speiübel geworden und ich rannte zur Toilette. Die ersten Wochen war ich ein regelrechtes Wrack gewesen. So konnte das nicht weitergehen, also musste eine Auszeit am Haus am See her. Hier fühle ich mich wenigsten wieder etwas wie ich selbst. Am nächsten Morgen werde ich durch laute Geräusche aus der Einfahrt geweckt. Die Morgendämmerung schickt leichte Sonnenstrahlen über den See, der so friedlich wirkt. Gestört von diesem Krach gehe ich vor das Haus, um zu gucken, wo er herkommt. Dort steht ein Mann ... groß, muskulös, seine braunen, kurzen Haare sind etwas verschwitzt und zerzaust. Kleine Strähnen fallen in sein Gesicht, das vor Schweiß glänzt. Er hackt Holz. Er blickt auf, als er die Tür hört und ich schaue auf sein weißes, durchgeschwitztes Shirt, durch das ich seine Bauchmuskeln sehen kann. Unwillkürlich beiße ich mir auf die Unterlippe ... Er sieht gut aus! „Katja?“ Der dunkelhaarige Typ steht da und starrt mich an. Ich ziehe verwundert die Augenbrauen hoch, als der Groschen fällt und ich ihn erkenne. Es ist Philipp, der Sohn des Försters. Seit Jahren schon kümmert er sich darum, dass immer genug Brennholz für den Kamin da ist. Früher haben wir immer zusammen am See gespielt. „Philipp! Du meine Güte, ich hätte dich fast nicht erkannt! Wir haben uns ewig nicht gesehen. Wie geht es dir?“ Ich gehe ohne Schuhe und in meinem Pyjama in die Einfahrt, um ihn zu begrüßen. Plötzlich schießt ein stechender Schmerz durch meinen Fuß. Ich schreie laut auf: „Aua! Scheiße, was ist das?“ Ich blicke nach unten zu meinen Zehen, doch ich kann nichts entdecken. Philipp stürzt zu mir und stützt mich. „Komm, ich helfe dir, du bist bestimmt in einen Holzsplitter vom Hacken getreten.“ Mit diesen Worten hebt er mich hoch, bringt mich zurück zum Haus und trägt mich wie eine Braut über die Schwelle. Er riecht so verdammt männlich, eine Mischung aus Schweiß und After Shave. Unwillkürlich lege ich meine Stirn an seinen Hals und schließe kurz die Augen. In mir beginnt ein Feuer zu lodern ... Vorsichtig setzt er mich auf dem Sofa vor dem Kamin ab und schaut sich sofort prüfend meine Fußsohle an. Seine weichen Hände streichen zaghaft über meine Haut, sodass ich nur mühsam ein tiefes Seufzen unterdrücken kann. „Ja, es ist ein Splitter. Er hat sich tief in deine Haut gebohrt, den bekomme ich so nicht raus. Ich gehe schnell zu meinem Auto und hole meine Tasche. Schön sitzen bleiben, nicht aufstehen.“ Geschwind läuft er zur Haustür raus. Nach ein paar Minuten kommt er wieder und hat eine große rote Tasche dabei. Er stellt sie ab und packt medizinische Instrumente aus, die mir ein wenig Angst machen. Vorsichtig besprüht er meinen Fuß mit Desinfektionsmittel. „Der sitzt ziemlich tief drin, das könnte etwas wehtun. Hältst du das aus oder soll ich es betäuben?“, fragt er und sieht mich besorgt an. Ich kneife etwas skeptisch die Augen zusammen. „Ähm ... Was machst du nochmal beruflich?“, will ich wissen. „Oh, weißt du das nicht? Ich bin Tierarzt“, lacht er. „Tierarzt ... nein, das wusste ich nicht. Und du behandelst auch öfter mal ... ähm ... Menschen?“, stammele ich. Er schüttelt den Kopf und grinst. „Eigentlich eher selten, aber dennoch bin ich absolut dazu fähig, diesen Splitter zu entfernen. Die Frage ist nur: mit oder ohne Betäubung?“ Er sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Seine tiefgrünen Augen strahlen eine solche Wärme aus, dass ich sie in meinem Herzen spüren kann. Das Haus am See hat mir schon jetzt geholfen. Ich senke meinen Blick und denke kurz nach. „Okay, ohne Betäubung.“ „Das ist mein tapferes Mädchen“, sagt er grinsend und öffnet die Verpackung eines sterilen Skalpells. Mein tapferes Mädchen ... Bei dieser Bezeichnung huscht eine wohlige Wärme durch meine Glieder. So hat mich noch nie jemand genannt. „Das kann jetzt kurz mal wehtun“, murmelt er und setzt konzentriert einen kleinen Schnitt, der wie Feuer brennt. Ich muss mich dazu zwingen, den Fuß nicht wegzuziehen. Mit einem scharfen, zischenden Geräusch ziehe ich Luft durch die Zähne. „Autsch!“ Plötzlich wird der Schmerz stärker, als er mit einer Pinzette den Splitter aus meinem Fuß zieht. Er schaut auf und hält mir die Pinzette mit dem Splitter vors Gesicht. Er ist riesig. „Da ist der Übeltäter. Also klein ist er nicht gerade, das ist ein ganz schöner Brummer. Bist du eigentlich gegen Tetanus geimpft?“, fragt er, als er meinen Fuß schließlich mit einem Pflaster versorgt und anschließend seine warmen Hände um ihn legt. Diese Berührung bereitet mir Gänsehaut. Ich erschaudere und blicke zu Boden. „Geht es dir gut? Hat es doch zu viel wehgetan?“ Er setzt sich neben mich, hebt mit zwei Fingern mein Kinn an und blickt mich mit seinen sanften, grünen Augen an. Augenblicklich breche ich in Tränen aus und lasse schluchzend mein Gesicht in meine Hände fallen. Philipp legt seinen Arm um mich. „Mein Gott, Katja, das tut mir leid. Ich wollte dir nicht wehtun. Ich bin so ein Trottel! Hätte ich es doch nur betäubt!“ „Das ist es ... nicht“, stammele ich und blicke auf. Heiße Tränen laufen über meine Wange. „Was ist es dann?“ Philipp sieht mich verwirrt an. „Es ist nur schon lange her, dass sich jemand so um mich bemüht hat. So ehrlich und aufrichtig. Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wie sich so etwas anfühlt“, flüstere ich und wende meinen Blick ab. „Okay, was hat er dir angetan?“ Philipps Blick ist voller Sorge, als er sich vor mich kniet, mein Gesicht in seine Hände nimmt und meinen Kopf anhebt, sodass ich ihn ansehen muss. „Was hat er dir angetan?“, fragt er noch einmal und schnaubt. Sein Gesicht ist nur Zentimeter von meinem entfernt. Ich spüre die Wärme, die er ausstrahlt. „Wer?“ „Der, mit dem du zusammen warst oder es noch bist, was ich nicht hoffe, denn sonst wird er mich kennenlernen. Was hat er dir angetan, dass du glaubst, du wärst es nicht wert, dass man sich um dich bemüht?“, entgegnet er und schüttelt den Kopf. Mit seinem Daumen wischt er mir eine Träne von der Wange. Wieder beginne ich zu schluchzen und vergrabe mein Gesicht in meine Hände. Die ganze Anspannung der letzten Wochen, die Demütigungen, die Lieblosigkeit, in der ich all die Jahre gefangen war, all das scheint raus zu wollen und ich lasse meinen Gefühlen freien Lauf. Mein Körper bebt, ich zittere und lasse mich in seine Arme sinken. „Schhh ... ist schon gut. Das kriegen wir schon wieder hin“, flüstert Philipp, streichelt mir sanft über den Rücken, gibt mir einen Kuss auf den Scheitel und legt sein Kinn auf meinen Kopf. „Ganz bestimmt“, fügt er kaum hörbar hinzu. Am Abend, nachdem ich Philipp meine Lebensgeschichte der letzten drei Jahre erzählt habe, sitzt er leicht sprachlos am Tisch in meiner Küche und runzelt die Stirn. „Unfassbar! Ich kann es gar nicht glauben. Wie unfassbar schlecht kann man einen Menschen behandeln, den man doch eigentlich liebt?“, schimpft er nach einer Weile und schüttelt den Kopf. „Tja, das mit der Liebe war genau das Problem. Sie war eher einseitig. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wann Marcel mir das letzte Mal gesagt hat, dass er mich liebt und ob er es überhaupt jemals wirklich gesagt hat. Da bin ich mir heute nicht mehr so sicher. Und ich blöde Kuh habe es nicht erkannt. Ich habe nicht erkannt, dass er mich nur benutzt hat wegen der Firma meines Vaters.“ „Was meinst du damit? Hat er durch deinen Vater einen Job bekommen?“, möchte Philipp wissen. „Ja genau. Mein Vater ist ja, wie du weißt, ein Bauunternehmer. Er hat auch das Haus am See für seine Schwester, meine Tante, gebaut. Marcel war nur scharf auf einen Sitz im Vorstand, den hat er dann auch bekommen. Nun ist er seit vier Monaten beim größten Konkurrenten meines Vaters. Dort ist er, so wie Corinna mir erzählt hat, jetzt auch im Vorstand. Tja, und vor drei Monaten hat er dann auch mich ausgetauscht“, erzähle ich mit monotoner Stimme. „Was für ein Idiot!“, schnaubt Philipp und sieht mich an. Wir sehen uns einen Moment zu lange tief in die Augen. Die Wärme in seinem Blick, die Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit bringen mich zum...




