E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Ransmayr / Wilke Bericht am Feuer
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-10-400689-5
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Gespräche, E-Mails und Telefonate zum Werk von Christoph Ransmayr
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-10-400689-5
Verlag: S.Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Christoph Ransmayr wurde 1954 in Wels/Oberösterreich geboren und lebt nach Jahren in Irland und auf Reisen wieder in Wien. Neben seinen Romanen »Die Schrecken des Eises und der Finsternis«, »Die letzte Welt«, »Morbus Kitahara«, »Der fliegende Berg«, »Cox oder Der Lauf der Zeit«, »Der Fallmeister. Eine kurze Geschichte vom Töten« und dem »Atlas eines ängstlichen Mannes« erscheinen Spielformen des Erzählens, darunter »Damen & Herren unter Wasser«, »Geständnisse eines Touristen«, »Der Wolfsjäger« (gemeinsam mit Martin Pollack) und »Arznei gegen die Sterblichkeit«. 2022 erschien die Sammlung von Gedichten und Balladen »Unter einem Zuckerhimmel« (illustriert von Anselm Kiefer), 2024 der Erzählband »Als ich noch unsterblich war« sowie der Band »Egal wohin, Baby« mit Fotografien des Autors. Zum Werk Christoph Ransmayrs erschien der Band »Bericht am Feuer«. Für seine Bücher, die in mehr als dreißig Sprachen übersetzt wurden, erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen, unter anderem die nach Friedrich Hölderlin, Franz Kafka, Bertolt Brecht und Heinrich von Kleist benannten Literaturpreise, den Premio Mondello und, gemeinsam mit Salman Rushdie, den Prix Aristeion der Europäischen Union, den Prix du meilleur livre étranger und den Prix Jean Monnet de Littérature Européenne, zuletzt im Jahr 2023 den südkoreanischen Park-Kyung-ni-Preis. Literaturpreise: Anton-Wildgans Preis der österreichischen Industrie (1989), Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1992), Franz-Kafka-Preis (1995), Franz-Nabl-Preis der Stadt Graz (1996), Aristeion-Preis der Europäischen Union (1996, gemeinsam mit Salman Rushdie), Solothurner Literaturpreis (1997), Premio Letterario Internazionale Mondello (1997), Landeskulturpreis für Literatur des Bundeslandes Oberösterreich (1997), Friedrich Hölderlin Preis der Stadt Bad Homburg (1998), Nestroy-Preis (Bestes Stück - Autorenpreis) für »Die Unsichtbare« (2001), Bertolt-Brecht-Literaturpreis der Stadt Augsburg (2004), Heinrich-Böll-Preis (2007), Premio Itas (2009), Premio La voce dei lettori (2009), Premio Gambrinus (2010), Ernst-Toller-Preis (2013), Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau (2013), Franz-Josef-Altenburg-Preis (2014), Donauland Sachbuchpreis (2014), Fontane-Preis für Literatur (2014), Prix Jean Monnet de Littératures Européennes (2015), Prix du Meilleur livre étranger (2015), Marieluise-Fleißer-Preis (2017), Würth-Preis für Europäische Literatur (2018), Kleist-Preis (2018), Nominierung für den Man Booker International Prize (2018), Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten (2018), Ludwig-Börne-Preis (2020), Premio Navicella d'Oro der Società Geografica Italiana (2023), Park-Kyung-ni-Literaturpreis (2023)
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
II Fragen Sie meine Übersetzer
Drei Lebensberichte über Wege ins Werk Christoph Ransmayrs
Von der Musik entlegener Landschaften
Ein Gespräch mit John E. Woods über Fremdes und Wunderbares im Werk Christoph Ransmayrs und über die unwahrscheinlichen Glücksfälle eines Übersetzerlebens
opus magnum
Das hat ja im neolithischen Zeitalter stattgefunden!
Also, ich war im Jahr 1975/76 verheiratet. Meine Frau arbeitete am Goethe-Institut und wurde als Deutschlehrerin an die University nach Massachusetts versetzt. Ich kam einfach mit. Im Gepäck, als Winterlektüre: Arno Schmidts schönstes Buch, »Abend mit Goldrand«. Wir waren beide Schmidt-Fans und saßen abends auf der Couch und haben laut gelesen.
Ich hatte gerade mein Theologiestudium abgebrochen, um mich als Schriftsteller zu versuchen. Zwei Romane, die jetzt längst verbrannt sind, hatte ich zur Welt gebracht und saß nun da mit . Plötzlich fing ich an, in meiner Muttersprache mit Schmidts Geschichte zu spielen. Nach zwanzig Seiten Übersetzung habe ich der Vertreterin des S. Fischer Verlags in New York geschrieben. Sie hat meinen Text nach Frankfurt geschickt. Damals war Ernst Krawehl Lektor und eigentlich auch Verleger von Arno Schmidt. Und Krawehl hat gesagt: »Das machen wir.«[34]
Krawehl wollte bei »Inter Nationes« [1952 gegründet, fusionierte im Jahr 2000 mit dem Goethe-Institut, IW] versuchen, Geld zu beantragen. Das war 1976. Erst zwei Jahre später hatte ich auf der Frankfurter Buchmesse einen Termin mit Helen Wolff, der Königin der europäischen Literatur in den USA …
Helen Wolff ging nie auf die Messe. Sie hielt Hof in ihrem Hotelzimmer. Ich wurde eingeladen und glücklicherweise hatten wir sofort eine . »Wir machen das«, sagte auch sie. So wurde ich Übersetzer. Deshalb Arno Schmidt.
Fred Rotblatt …
Grove Press
Fred kaufte »Die letzte Welt« für Grove-Weidenfeld und rief mich an, ob ich es übersetzen möchte.[35]
Einige Jahre später hätte ich das nicht mehr so einfach machen können, aber das ist eine andere Geschichte …
Ich konnte damals schon vom Übersetzen leben, weil ich einen Coup gelandet hatte. Nur deswegen kann ich es mir als Übersetzer leisten, bald in Rente zu gehen. Für »Abend mit Goldrand« hatte ich zwar Preise bekommen, wollte aber diese Hudelei mit den kleinen Verträgen nicht mehr haben. Ich ging zu Helen Wolff, und sie hat mir einen Job als Lektor bei Harcourt Brace Jovanovic verschafft, unter dessen Dach Pantheon Books 1961 geschlüpft war.
Nein, ich habe nur vier Jahre als Lektor gearbeitet, merkte aber schnell: Ich will Übersetzer sein. Mein Schutzengel damals war Annebeth Suter. Sie war die Vertreterin des Schweizer Verlags Diogenes in New York. Nachdem sie meine Übersetzung von »Abend mit Goldrand« gelesen hatte, nahm sie 1985 Kontakt mit mir auf: »Wir haben gerade Patrick Süskinds ›Parfum‹ an Alfred A. Knopf verkauft. Ich habe dich als Übersetzer vorgeschlagen.« – Wunderschön! Carol Brown Janeway, Lektorin bei diesem wichtigen literarischen Verlag Alfred A. Knopf, war inzwischen die Helen Wolff unter den amerikanischen Verlagsleuten. Sie stimmte zu.
Annebeth Suter hat sich noch einmal eingeschaltet: Ich hatte ihr erzählt, dass ich auf dem Weg in den Italien-Urlaub die Frankfurter Buchmesse besuchen wollte. Sie sagte: »Da ist doch auch Jan Philipp Reemtsma, der Gründer der Arno-Schmidt-Stiftung. Ihr solltet euch kennenlernen.« Sprach’s und vermittelte ein Treffen. Im Flugzeug kam ich auf die Idee, Reemtsma vorzuschlagen, sämtliche Werke von Arno Schmidt zu übersetzen. Als wir auf der Messe in einem dieser Kabuffs saßen, machte ich meinen Vorschlag. Reemtsma antwortete, er müsse sich das überlegen. Ich solle an dem und dem Tag auf die Stufen des Kölner Doms kommen. Auf dem Rückweg aus Italien stieg ich also in Köln aus dem Zug. Da war der Dom, auf den Stufen stand Reemtsma mit seinem Anwalt und streckte die Hand aus: »Abgemacht.«
Es geht noch weiter! Ich konnte mich nun als Übersetzer in San Diego etablieren, hatte aber weiter Kontakt mit Carol Janeway. Eines Tages im Jahr 1988 war ich in New York bei einem dieser berühmten in der 2nd Avenue.
Die wurden von den Verlegern veranstaltet, als alle noch in Midtown waren. Heute sind die Verlage eher in Downtown. Ich sagte zu Carol: »Helen Wolff hat mir einmal erzählt, dass in den 1920er und 30er Jahren jedes wichtige Verlagshaus eigene Übersetzer für die fünf großen Sprachen Französisch, Deutsch, Russisch, Spanisch und Italienisch beschäftigt hat. Wie wäre es, wenn ich ausschließlich für Knopf arbeiten würde? Arno Schmidt natürlich ausgenommen.« Eine Woche später der Anruf: »Machen wir.« Da hatte ich zwei feste Verträge und Arbeit bis Oberkante Unterlippe. Aber nie mehr Gehudel mit kleinen Verträgen.
Christoph Ransmayr kam, bevor ich diesen Vertrag mit Knopf hatte. Fred Rotblatt hatte Kontakt zu mir aufgenommen, als er »Die letzte Welt« bei einer der großen Auktionen ersteigert hatte.
Grove-Weidenfeld hatte, ich glaube, durch Onassis, unheimlich viel Geld und hatte den Zuschlag für »Die letzte Welt« bekommen. Fred hat mir dann auch »Die Schrecken des Eises und der Finsternis« geschickt. Inzwischen war sein Verlag verkauft worden, Fred war zu Random House gegangen, zu denen auch Knopf gehörte. »Morbus Kitahara« habe ich also im Rahmen meines Vertrags mit Carol Janeway übersetzt.
Das Adjektiv, das ich immer für Christophs Prosa benutze, ist . Die Wörter trommeln auf dich. Diese großen Phrasen, der Rhythmus! Arno Schmidt hat einmal gesagt, große Prosa sei eine Sache von Vokalharmonie und Rhythmus. Sie ist mehr, aber auch das. Und bei Ransmayr ist beides in ganzer Fülle vorhanden. Ich lese seine Texte am liebsten laut. Diese Kraft![36]
Denken Sie an »Der fliegende Berg«. Das ist Dichtung. Ich habe versucht, Zeile für Zeile genauso zu übersetzen. Gleichzeitig ist Ransmayr dabei nicht so weit weg von Thomas Mann. Nicht gedanklich, meine ich. Beide sind Meister der...




