E-Book, Deutsch, 120 Seiten
Reynolds Selig schlafen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-03848-724-1
Verlag: Fontis
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Weisheit der Bibel zur guten Nacht
E-Book, Deutsch, 120 Seiten
ISBN: 978-3-03848-724-1
Verlag: Fontis
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Traum von einem Buch. Irgendwo zwischen hellwach und tiefenentspannt. Wenn Morpheus erwacht, können wir endlich schlafen. Ein Buch für Genießer und Schlafverweigerer, die die Weisheit der Bibel kennen lernen möchten. Na dann, gut' Nacht. Zum Schlaf haben wir die verschiedensten Einstellungen. Ist er nur ein lästiges Hindernis, das mich davon abhält, in meinem vielbeschäftigten Leben mehr zu bewältigen? Etwas, wovon wir mit stolzgeschwellter Brust behaupten, darauf verzichten zu können? Etwas, das uns mit Sorge erfüllt, weil wir es immerzu suchen und nicht finden? Und interessiert sich Gott überhaupt dafür? In Wirklichkeit zeigt sich an unserer Haltung zu diesem erheblichen Teil unseres Lebens, wo wir geistlich stehen. Einfühlsam eröffnet uns Reynolds eine biblische Perspektive auf den Schlaf. Und ein paar tolle praktische Ratschläge hat er auch parat.
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1
Gute Nacht!
Schlafen. Jeder braucht es. Jeder tut es. Jeder hat – hin und wieder – seine Not damit.
Diesen drei Aussagen dürfte kaum jemand widersprechen. Ich gehöre vielleicht noch zu den Glücklichen. Die meiste Zeit meines Lebens war ich ein guter Schläfer. Ich musste nie Nachtschichten arbeiten und hatte meist einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus. Dennoch habe auch ich schmerzliche Zeiten durchlebt, in denen ich nicht schlafen konnte. Und ich weiß, dass ich damit nicht allein bin. Am Rande bemerkt, alle meine Freunde haben – von Zeit zu Zeit (und manche häufiger als andere) – Probleme mit dem Einschlafen gehabt.
«Der wesentlichen Fakten des Lebens sind fünf», sagt der Romanschriftsteller E.M. Forster. «Geburt, Essen, Schlafen, Liebe und Tod.»2 An Geburt und Tod können wir wenig ändern. Sie haben ihre festgesetzten Zeiten und treten bei jedem Mitglied der Menschheit nur einmal auf. Das Essen und die Liebe liegen – bis zu einem gewissen Grad – in unserer Hand. Zumindest denken wir das. Aber was ist mit dem Schlaf?
Instinktiv wissen wir, dass wir ihn brauchen (und ich hoffe, Ihnen zeigen zu können, dass dieser Instinkt sowohl medizinisch als auch biblisch angemessen ist). Und wir wissen auch, wie frustrierend es ist, wenn wir zu wenig Schlaf bekommen, oder schlimmer noch, wenn wir überhaupt nicht schlafen können.
Die Schafe, die gemach in Reih' und Glied
des Weges ziehn, des Regens Klang, der Immen
Plausch, der Flüsse, Winde, Meere Stimmen,
Kräuseln, das übers stille Wasser zieht,
all dies bedacht' ich schon, und dennoch flieht
der Schlaf!
William Wordsworth: «An den Schlaf», 1806
Vielleicht hätten wir unsere Schwierigkeiten nicht in ganz so lyrische Worte gefasst wie der gute alte Willie. Dennoch bestätigen Studien immer wieder, was er hier so romantisch beschreibt: Wir haben unsere liebe Not mit dem Schlaf.
Ganz ehrlich, es ist ein Problem
2011 führte die britische Mental Health Foundation eine der größten Schlafstudien aller Zeiten durch.3 Die Teilnehmer wurden aufgefordert, ihren Schlaf auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent zu bewerten, wobei 100 Prozent für einen perfekten Nachtschlaf stehen. Die Resultate waren alarmierend.
Durchschnittlich bewerteten Männer ihren Schlaf mit 61 Prozent; bei den Frauen lag der Wert bei 57. Bei den über Sechzigjährigen sanken diese Werte unter 50 Prozent. Nur 38 Prozent aller Befragten wurden als «gute Schläfer» eingestuft. Der Anteil derer, denen eine mögliche chronische Schlaflosigkeit attestiert wurde – ein Zustand schweren Schlafmangels «über einen Zeitraum von vier Wochen oder mehr» –, lag verblüffend hoch bei 36 Prozent.4
Interessanterweise sprachen diejenigen, die über Schlafmangel klagten, häufig von den Auswirkungen, die dies in einer Reihe von Lebensbereichen hatte, zum Beispiel:
• Schwierigkeiten mit der Pflege gesunder Beziehungen.
• Stimmungstiefs während des Tages.
• Mühe mit dem Wachbleiben während des Tages.
Diese Befunde werden Sie nicht überraschen. Welche Folgen diese Schwierigkeiten haben, ist sicherlich unterschiedlich: Jemand, der am Schreibtisch arbeitet, wird vielleicht nach einer schlaflosen Nacht keine Höchstleistungen erbringen, aber dass dabei etwas Schlimmeres passiert, als dass er oder sie am Schreibtisch einschläft, ist kaum anzunehmen. Ein Pilot oder Busfahrer hingegen …
Sie sehen schon, worauf das hinausläuft. Schlaflosigkeit ist mehr als nur lästig. Sie kann tödliche Folgen haben.
SleepCottage, eine Website, die sich mit Schlafproblemen befasst, berichtet, dass in den USA zwanzig Prozent aller Verkehrsunfälle dadurch verursacht werden, dass Leute am Steuer einschlafen. Ärzte, die zwischen Operationen weniger als sechs Stunden Schlaf bekommen, so heißt es dort, machen so viele Kunstfehler.5
Es geht hier nicht um die Frage, wie genau diese Daten zutreffen; den dass sie stimmen, teilen wir alle.
Warum? Weil vermutlich die meisten von uns diese Schlaflosigkeit und ihre Auswirkungen irgendwann schon einmal erlebt haben. Jeder war schon einmal mies gelaunt, nachdem er sich die ganze Nacht im Bett herumgewälzt hat, ohne ein Auge zuzumachen. Und das ist noch der mildeste Fall.
Natürlich kann man einen Mangel an Schlaf leicht mit einem Lachen abtun. Vielleicht ist das unsere Standardhaltung. Manche Leute tragen ihn sogar wie ein Ehrenzeichen vor sich her. Der große britische Essayist Bertrand Russel sagte einmal:
«Männer, die schlecht schlafen … sind fast immer stolz darauf.»6
Das ist vielleicht ein wenig übertrieben. Aber wir sind alle schon Leuten begegnet, die gerne jeden wissen lassen, wie schlecht sie geschlafen haben, als wäre das so etwas wie ein Leistungsmerkmal für Machos.
Tatsächlich erfüllt es uns oft mit Ehrfurcht, wenn Leute wenig Schlaf brauchen. Die BBC berichtet, dass Napoleon, Florence Nightingale und Margaret Thatcher mit vier Stunden Schlaf pro Nacht auskamen.7 (Das dürfte ihre einzige Gemeinsamkeit gewesen sein!) Angesichts dessen könnte es einem ein bisschen … nun ja, schwächlich und jämmerlich vorkommen, wenn jemand sich über Schlafmangel beklagt. In der Zeitschrift «The Spectator» schilderte ein Artikel dies kürzlich als besonderes Problem im modernen Amerika:
Unser Krieg gegen den Schlaf ist kaum zu übersehen. Fernsehinterviewer fragen die unermüdlichen Innovatoren von heute, wie lange sie schlafen … Ist der Gast dann gegangen, diskutieren die Moderatoren weiter über die Frage, rühmen sich ihrer «durchgemachten Nächte» auf dem College oder versuchen, sich gegenseitig mit Behauptungen wie «Fünf Stunden reichen mir» zu unterbieten. Falls die Standardempfehlung von acht Stunden pro Nacht erwähnt wird, behandelt man sie mit milder Verachtung und beharrt darauf, jeder Mensch sei nun einmal anders.8
Kann das richtig sein? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein wenig tiefer graben und uns klarmachen, was genau Schlaf eigentlich ist.
Schlaf ist wie eine … Schlange
Während unseres letzten Familienurlaubs besuchten wir den Cotswold Wildlife Park. Ich muss gestehen, dass mich das Reptilienhaus (das sich doch immer so verheißungsvoll anhört) ein wenig enttäuscht hat. Besonders die Schlangen. Der Park besitzt einen riesigen Netzpython. Und wenn ich sage, dann meine ich es auch so. Sein Leibesumfang war dicker als die Taille meiner jüngsten Tochter, weshalb ich über die schützende Glasbarriere ziemlich froh war.
Aber die Sache mit diesem Python war die: Es war ziemlich langweilig, ihn zu beobachten. Natürlich war ich von seiner Größe beeindruckt. Aber er lag die ganze Zeit nur reglos zusammengerollt in der Ecke. Bei den Recherchen zu diesem Buch habe ich inzwischen herausgefunden, woran das lag. Der Python schläft jeden Tag achtzehn Stunden. Damit ist die Chance, dass man ihn bei einem Besuch in Bewegung erlebt, relativ klein.
Giraffen dagegen brauchen jeden Tag nur zwei Stunden Schlaf. Und wie zu erwarten, waren die Giraffen eine viel bessere Attraktion für die Zuschauer. Für Ihren nächsten Zoobesuch empfehle ich Ihnen, als Erstes dorthin zu gehen.
Jedes lebendige Geschöpf muss schlafen. Die Vielfalt dabei ist groß (wobei Pythons und Giraffen so ziemlich die äußersten Enden der Skala repräsentieren). Manche Tiere treiben die Sache natürlich noch weiter. Winterschlaf ist die Bezeichnung für einen reduzierten Stoffwechselzustand, in den manche Tiere eintreten, um über den Winter ihren Laden dichtzumachen. Auf diese Weise lassen sich die Bedürfnisse des Körpers nach den Dingen, die ihn normalerweise am Leben erhalten, äußerst wirkungsvoll reduzieren.
Wer sich nach Schlaf sehnt, wird vielleicht enttäuscht sein zu hören, dass Winterschlaf bei Menschen nicht normal ist, wenn auch im Jahr 1900 das «British Medical Journal» über einen seltsamen Fall unter der Landbevölkerung in der Umgebung der russischen Stadt Pskow berichtete:
Beim ersten Schneefall versammelt sich die ganze Familie um den Herd, legt sich nieder, hört auf, mit den Problemen des menschlichen Daseins zu ringen, und schläft still ein. Einmal am Tag wachen alle auf und essen ein Stück hartes Brot. Die Familienmitglieder wechseln sich darin ab, zu wachen und das Feuer in Gang zu halten. Nach sechs Monaten solch ruhigen Daseins erwacht die Familie, schüttelt sich, geht hinaus, um zu sehen, ob das Gras noch wächst, und macht sich nach und nach an die Arbeit an den Aufgaben des Sommers.9
Der «New Statesman» merkte sarkastisch dazu an: «Der Autor hat eine ziemlich sonnige Sicht der Dinge. […] Ich kann nicht glauben, dass die Russen tatsächlich so vergnügt wieder aufsprangen.»10 Ein derartiger Winterschlaf ist nicht normal. Schlaf hingegen schon.
Auch beim Menschen ist die Schlafmenge von Person zu Person unterschiedlich, aber diese Variationen richten sich hauptsächlich nach dem Alter. Neugeborene Babys brauchen im Durchschnitt etwa sechzehn bis achtzehn Stunden Schlaf. Nach etwa einem Jahr sinkt der Bedarf auf dreizehn bis vierzehn Stunden. (Ich höre schon manche Mütter protestieren: «Warum schläft denn mein Timmy nicht so viel?» Die Antwort ist: Er tut es vermutlich doch, wenn Sie einmal alles zusammenrechnen. Nur fühlt es sich oft nicht so an.)
Ältere Kinder brauchen weniger Schlaf – ungefähr neun bis zehn Stunden –, und Teenager wiederum eine Stunde weniger (auch wenn...




