Riedling Bergkristall - Folge 264
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-3535-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Als Schwiegertochter unerwünscht
E-Book, Deutsch, Band 264, 64 Seiten
Reihe: Bergkristall
ISBN: 978-3-7325-3535-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ausgerechnet in Renate Dünninger hat sich der fesche Ammendörfer-Sohn verliebt. Dabei sind sich beider Familien schon seit Jahren spinnefeind. Aber für Andreas ist das kein Hindernis. Er fasst sich ein Herz und geht zum Dünninger-Hof, um den Familienzwist zu schlichten und um Renates Hand anzuhalten.
Wider Erwarten hat Renates Vater nichts gegen die Heirat einzuwenden. Nur eine Bedingung stellt er: Der Ammendörfer-Hof soll noch vor der Hochzeit auf Andreas überschrieben werden.
Die anfängliche Freude der beiden Liebenden verwandelt sich bald in großes Leid, als sie erkennen, dass diese Bedingung eine Falle ist ...
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Es war schon spät, als Renate Dünninger sich auf den Weg zum Marterl am Brandwand-Steg machte.
Hoffentlich ist der Andreas noch net heimgegangen, dachte das Dirndl und beschleunigte seinen Schritt, obwohl der schmale Pfad, den es als Abkürzung gewählt hatte, sehr steil bergan führte.
Seit über einem Jahr trafen sie sich heimlich: Andreas, der Erbe vom Ammendörfer-Hof, und Renate, die einzige Tochter des reichen Dünninger-Bauern.
Sie liebten sich, und sie wollten nicht mehr voneinander lassen. Aber bisher hatten sie es noch nicht gewagt, über diese Gefühle mit ihren Eltern zu sprechen, denn die beiden Familien waren seit Generationen verfeindet.
Völlig außer Atem erreichte die Hoftochter den oberen Waldweg. Von hier aus war die Bank am Marterl schon zu sehen. Aber Andreas saß nicht dort, wie Renate betrübt feststellen musste.
Dann kann ich mir jetzt Zeit lassen, dachte das Madel und schritt langsam weiter. Im nächsten Moment gab es ihr einen Ruck, als sie den Burschen doch erblickte. Er stand auf einem Baumstumpf und schaute ins Tal hinab.
„Andreas!“ Renate begann zu laufen.
Der Bursch fuhr herum, sprang von dem Baumstumpf und eilte dem Dirndl entgegen.
„Renate!“ Er hob sie hoch und schwenkte sie herum. Dann bedeckte er ihr Gesicht mit zärtlichen kleinen Küssen. „Ich dachte schon, du würdest net kommen“, murmelte er.
„Früher konnt ich net vom Hof weg“, entgegnete das Dirndl. „Ich muss ja immer aufpassen, dass niemand merkt, wohin ich geh.“
„Ewig kann das net so weitergehen mit diesen Heimlichkeiten“, sagte Andreas. Er richtete sich auf und schaute das Madel ernst an. „Sollen wir alles auf eine Karte setzen?“, fragte er.
„Wie meinst du das?“, fragte Renate.
„Wir sagen unseren Eltern, dass wir uns lieb haben. Und dann sehen wir ja, wie sie reagieren“, antwortete der Bursch.
„O mein Gott! Das trau ich mich net“, stieß die Hoftochter entsetzt hervor. „Außerdem steht ja noch gar net fest, ob du mich überhaupt heiraten darfst.“
„Ich bin volljährig und brauch niemanden um Erlaubnis zu fragen. Zweifelhaft ist eher, ob deine Eltern dir die Heirat mit mir erlauben.“ In den Augen des Burschen war ein zärtliches Leuchten, als er fortfuhr: „Soll ich einfach kommen und um deine Hand anhalten?“
Renate legte die Arme um den Hals des Burschen. Wie hingezaubert stahl sich in ihr Gesicht ein Lächeln, und ihre Augen waren voller Wärme.
„Würdest du das wagen?“, fragte sie.
„Für unser Glück riskier ich alles“, behauptete Andreas. Er presste das Madel so fest an sich, dass ihr die Rippen schmerzten. „Oh, verzeih“, sagte er, als Renate leise stöhnte. Er lockerte den Griff und murmelte: „Bei dem Gedanken, dass wir wirklich heiraten dürfen, könnt ich verrückt werden vor Freude.“
„Es ist noch net so weit“, erinnerte Renate ihn. „Wenn unsere Eltern wenigstens schon bereit wären, miteinander zu reden und den Streit zu vergessen, der vor Generationen einmal entstanden ist. Dann wär es einfacher, mit ihnen über unsere Zukunftspläne zu sprechen.“
„Ich werd kommen und deinem Vater zur Versöhnung die Hand geben“, entschied Andreas spontan.
„Und wenn er net einschlägt, was dann?“, fragte die Hoftochter unsicher.
Die Züge des Burschen verfinsterten sich.
„Dann wirst du ohne den Segen deines Vaters mit mir vor den Traualtar treten müssen“, lautete die Antwort. „Und wenn ich meinen Vater auch net umstimmen kann, dann soll er mir mein Erbe auszahlen und den Hof meinem jüngeren Bruder geben. Irgendwo wird sich ein kleiner Bauernhof finden, den wir für uns kaufen. Dort werden wir miteinander glücklich sein, und unseren Kindern werden wir einimpfen, dass sie keinen Streit bis in alle Ewigkeit ausdehnen sollen.“
„Es ist ja auch unsinnig, dass zwei Familien einander spinnefeind sind, weil vor Jahrzehnten irgendetwas zum Unfrieden geführt hat. Ich weiß bis heut net, was es gewesen ist. Du vielleicht?“
Fragend blickte das Dirndl den Burschen an.
„Es ging um ein Madel, das der Dünninger einem Ammendörfer-Buben ausgespannt haben soll“, antwortete Andreas.
„Aber das kann ja ohne den Willen des Madels net funktioniert haben“, äußerte Renate. „Ich würd meinen, dass dann das Madel schuld war.“
„Freilich. Sie ist Dünninger-Bäuerin geworden. Seit der Zeit besteht die Feindschaft zwischen den Familien.“
„Nur zwischen uns net.“ Renate schmiegte sich zärtlich an den Burschen. „Vielleicht gelingt es uns mit unserer Liebe, den Frieden wiederherzustellen.“
„Wir wollen es versuchen. Morgen komm ich und sag deinem Vater, dass ich die Versöhnung wünsch. Ich werd ihn ganz herzlich darum bitten, mitzuhelfen, dass die Feindschaft zwischen uns beseitigt wird.“
Das Dirndl begann zu zittern.
„Ich hab Angst, Andreas. Was soll werden, wenn mein Vater mir verbietet, dich wiederzusehen?“
„Zunächst weiß er ja gar net, dass es in Wirklichkeit um dich geht, wenn ich ihm die Hand zur Versöhnung reich“, antwortete der Hof-Sohn.
Renate holte tief Atem und stieß dann einen kleinen, glücklichen Laut aus. Ihre Augen strahlten.
„Wenn erst der Frieden hergestellt ist“, sagte sie, „kommt alles andere von selbst. Dann ist mir net mehr bang um unser Glück.“
***
Der Dünninger-Bauer schien besonders gut geschlafen zu haben, denn er war in glänzender Laune, als er mit seiner Familie am Frühstückstisch saß. Renate hatte nicht so gut geschlafen. Solange sie mit Andreas zusammen war, hatte sie seine Zuversicht geteilt. Doch nachher, als sie in ihrer Kammer allein war, kamen ihr wieder Zweifel, ob es richtig war, ihren Vater mit dem Friedensangebot einfach zu überfallen.
„Du machst ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter“, neckte der Bauer seine Tochter. „Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen, Madel?“
„Net, dass ich wüsste.“ Renate schüttelte hastig den Kopf. „Bei dem herrlichen Sonnenschein …“
Sie wandte das Gesicht ab und schaute zum Fenster hinaus, denn ihr Vater sollte nicht sehen, dass sie rot wurde. Wenn ich nur net schon vorher alles verderbe, dachte Renate bedrückt. Aber gottlob wurde der Bauer durch die eintretende Magd abgelenkt. So fand die Hoftochter Zeit, sich wieder zu fangen.
Die Magd hatte die Briefe hereingebracht, die ihr vom Postboten übergeben worden waren. Vom Hof-Sohn, der zurzeit die Landwirtschaftsschule besuchte, war auch ein Schreiben dabei. Der Bauer las schmunzelnd die Zeilen vor. Die Freude darüber, dass der Sohn wieder von guten Zensuren berichtete, stand dem Hofbesitzer ins Gesicht geschrieben. Die Bäuerin vergoss gerührt ein paar Tränen. Renate fragte sich im Stillen, was wohl ihr Bruder dazu sagen würde, wenn er wüsste, dass der Ammendörfer-Andreas sein Schwager werden sollte?
Aber noch war es nicht soweit. Zuerst musste Frieden zwischen den verfeindeten Familien einkehren. Nach elf Uhr wollte Andreas kommen. Und bis dahin tat Renate alles, um ihre Eltern bei guter Laune zu halten. Doch gegen elf zog sich die Hoftochter in ihre Schlafkammer zurück.
Hinter der Gardine verborgen beobachtete das Dirndl dann die Hofeinfahrt. Und als der Ammendörfer-Andreas endlich vorfuhr, schlug Renate das Herz bis zum Hals hinauf. Jetzt ging es um Sein oder Nichtsein!
Das dachte auch Andreas, als er auf die Haustür zuging. Die Großmagd kam ihm im Flur entgegen, und Andreas bat sie, ihn beim Hofbauern anzumelden. Es sei sehr wichtig, und der Dünninger-Bauer möge so freundlich sein, ihn anzuhören. Wie jeder andere im Ort wusste auch die Großmagd von dem Zerwürfnis zwischen den Familien Dünninger und Ammendörfer. Darum starrte sie Andreas zunächst an, als habe sie kein Wort verstanden.
„Jesses!“, stieß sie dann hervor. Im nächsten Moment eilte sie zum Büro des Bauern und schrie so laut, dass Andreas es hören konnte: „Der Bub vom Ammendörfer-Bauern ist da. Er will mit dir sprechen, Bauer. Soll ich ihn reinlassen?“
„Wer ist da?“, fragte der Dünninger-Bauer.
„Na, der Andreas – der vom Ammendörfer-Bauern“, antwortete die Magd.
Der Hof-Sohn war ihr gefolgt und stand schon in der offenen Tür, als der Dünninger-Bauer gerade antworten wollte.
„Grüß Gott“, sagte Andreas freundlich und trat über die Schwelle. „Bitte, schmeiß mich net wieder raus, Dünninger-Bauer“, bat der Bursch.
Mit einer Handbewegung scheuchte der Hofbauer die Großmagd hinaus. Dann wandte er sich an Andreas.
„Was willst du?“, fragte der Bauer, und seine Stimme klang gar nicht mal unfreundlich.
Der Bursch nahm allen Mut zusammen, ging hin und streckte dem Bauern die Hand entgegen.
„Ich möchte, dass die Feindschaft zwischen unseren Familien begraben wird. Deshalb bin ich gekommen.“
„Donnerwetter!“ Der Dünninger-Bauer drückte die Hand des Besuchers. „Grüß dich Gott, Andreas.“ Er räusperte sich und bekannte dann: „Die Überraschung ist dir wahrlich gelungen. Wie bist du auf die Idee gekommen, dass du die Feindschaft begraben willst? Dein Vater steckt doch bestimmt net dahinter, oder?“
„Nein, es war mein Entschluss“, antwortete der Bursch. „Ich mein, was vor langer Zeit einmal zwischen unseren Familien zum Streit geführt hat, das brauchen wir Jüngeren doch net weiter zu pflegen.“
„Hast du das deinem Vater auch schon gesagt?“, fragte der Dünninger-Bauer.
Andreas schüttelte den Kopf.
„Ich hab gehofft, dich eher...




