Robb Süßer Ruf des Todes
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-17389-0
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 29, 544 Seiten
Reihe: Eve Dallas
ISBN: 978-3-641-17389-0
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der kaltblütige Mord an der sechzehnjährigen Deena McMasters, Tochter des Chefs der New Yorker Drogenfahndung, schockiert das gesamte Polizeipräsidium. Das Mädchen wurde brutal vergewaltigt und erwürgt, und ausgerechnet ihre Eltern fanden sie in ihrem Schlafzimmer. Ein entsetzliches Video von der Tat weist auf ein Verbrechen aus McMasters Vergangenheit hin. Eve Dallas und ihr Team beginnen sofort mit der Spurensuche, und schnell wird klar: Deenas Tod war nur Mittel zum Zweck. Jemand aus McMasters Vergangenheit ist zurück – und will Rache üben …
J. D. Robb ist das Pseudonym der international höchst erfolgreichen Autorin Nora Roberts. Nora Roberts wurde 1950 in Maryland geboren und veröffentlichte 1981 ihren ersten Roman. Inzwischen zählt sie zu den meistgelesenen Autorinnen der Welt: Ihre Bücher haben eine weltweite Gesamtauflage von 500 Millionen Exemplaren überschritten. Auch in Deutschland erobern ihre Bücher und Hörbücher regelmäßig die Bestsellerlisten. Nora Roberts hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.
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1
Sie war gestorben und im Himmel. Aber gab es dort oben wirklich guten Sex und faule, freie Vormittage? Wahrscheinlich war sie doch noch quicklebendig.
Nun, auf jeden Fall war sie himmlisch vergnügt. Vielleicht etwas verschlafen, ganz sicher durch und durch befriedigt und in höchstem Maße froh, dass man auch noch beinahe vierzig Jahre nach Beendigung der Innerstädtischen Revolten den internationalen Friedenstag als Feiertag beging.
Vielleicht hatte man den Junisamstag willkürlich und symbolisch zu diesem Feiertag gemacht, und vielleicht verschandelten die Überreste dieser grauenhaften Zeit selbst im Jahre 2060 noch weltweit die Landschaft, aber sie fand, die Menschen hatten einen Anspruch auf ihre Paraden, Grillpartys, pompösen Reden und ein Wochenende, an dem man sich ordnungsgemäß betrank.
Sie persönlich war ganz einfach froh, wenn es, egal aus welchem Grund, zwei freie Tage nacheinander für sie gab. Vor allem, wenn der zweite dieser beiden Tage derart angenehm begann.
Eve Dallas, hartgesottene Mordermittlerin, lag nackt auf ihrem Ehemann. Er hatte ihr gerade eben ein hübsches Stückchen Himmel offenbart, und sie ging davon aus, dass das auch andersherum der Fall gewesen war, da er unter ihr lag und langsam mit der Hand ihren Hintern streichelte, während sein Herz im Rhythmus eines Presslufthammers schlug.
Sie spürte, dass ihr fetter Kater Galahad, nun, da die Show vorüber war, zu ihnen auf die Matratze sprang.
Unsere glückliche, kleine Familie an einem faulen Sonntagvormittag, dachte sie. Na, wenn das nicht erstaunlich war. Sie hatte eine glückliche, kleine Familie, ein Heim, einen faszinierenden und geradezu absurd prachtvollen Ehemann, der sie auf Händen trug, und, was nicht zu unterschätzen war, er bot ihr wirklich guten Sex.
Ganz zu schweigen von dem freien Tag, der vor ihr lag.
Sie schnurrte beinahe so selig wie der Kater und vergrub die Nase an Roarkes Hals.
»Alles ist gut«, erklärte sie.
»Wenn nicht sogar noch besser«, antwortete er und schlang ihr seine wunderbaren Arme um den Leib. »Was würdest du gern als Nächstes tun?«
Sie lächelte vor lauter Glück über den herrlichen Moment, den Singsang Irlands, der in seiner Stimme schwang, und das warme Gefühl des Katzenfells an ihrem Arm, während der Kater in der Hoffnung, dass sie ihn liebkosen würde, seinen Schädel an ihr rieb.
Wahrscheinlich ging es ihm eher um sein Frühstück.
»Am liebsten nichts.«
»Das kriegen wir problemlos hin.«
Sie spürte, dass sich Roarke bewegte, und hörte, dass das Schnurren ihres Katers sich verstärkte, weil jetzt er von den Händen gekrault wurde, von denen eben noch sie selbst gehätschelt worden war.
Sie stützte sich auf ihren Ellenbogen ab, sah ihm ins Gesicht, und er schlug die Augen auf.
Gott, das strahlende und durchdringende Blau, die dichten, dunklen Wimpern und das Lächeln, das nur ihr alleine galt, brachten sie beinah um den Verstand.
Sie beugte sich zu ihm herab und presste einen warmen, träumerischen Kuss auf seinen zauberhaften Mund.
»Tja nun, das ist aber von Nichtstun weit entfernt.«
»Ich liebe dich.« Sie küsste seine Wangen, die aufgrund des Bartwuchses während der letzten Nacht ein wenig kitzlig waren, und fügte gut gelaunt hinzu: »Denn du bist einfach ein hübscher Kerl.«
Das war er tatsächlich, dachte sie, während sich der Kater unter ihrem Arm hindurch zwischen sie beide schob. Der wie von einem Bildhauer geformte Mund, die Augen eines Hexenmeisters, das von einer seidig weichen Mähne schwarzen Haars gerahmte, fein gemeißelte Gesicht und der straffe, durchtrainierte Körper bildeten ein prächtiges Gesamtpaket.
Es gelang ihm, sich an Galahad vorbeizudrängeln und ihre Lippen erneut auf seinen Mund zu ziehen, plötzlich aber atmete er zischend aus.
»Warum in aller Welt geht er nicht einfach runter und nervt Summerset, wenn er was fressen will?« Roarke schob den Kater fort, der ihm schmerzhaft seine Krallen in den Oberkörper trieb.
»Ich werde ihm was holen. Ich will sowieso einen Kaffee.«
Eve rollte sich vom Bett und lief schlank, geschmeidig, nackt zum AutoChef.
»Du hast mich um meinen Spaß gebracht«, raunte Roarke dem Kater zu.
Das schien das gemeine Tier zu freuen, denn als es sich von der Matratze plumpsen ließ, blitzten seine zweifarbigen Augen schadenfroh.
Eve bestellte Katzenfutter und wegen des Feiertags ein Stück Thunfisch für das Biest. Während sich der Kater völlig ausgehungert auf das Fressen stürzte, zog sie noch zwei Becher starken, schwarzen Kaffees aus dem Gerät.
»Ich hatte überlegt, ob ich noch ein bisschen trainieren gehen soll, aber da wir bereits unser gemeinsames Gymnastikprogramm absolviert haben, dusche ich stattdessen einfach nur.« Auf dem Weg zurück zu dem Podest, auf dem ihre überdimensionale Schlafstatt stand, trank sie den ersten Schluck des lebensspendenden Getränks.
»Ich komme mit.« Als sie ihm seinen Becher reichte, blickte er sie lächelnd an. »Eine zweite Trainingsrunde wäre nämlich sicher nicht verkehrt. Und vor allem unglaublich gesund. Danach gibt es was Irisches.«
»Bist du nicht schon irisch genug?«
»Ich dachte dabei an Frühstück, aber mich kriegst du natürlich auch.«
Sie sah glücklich, ausgeruht und einfach köstlich aus. Das zerzauste, braune Haar fiel wirr um ihr Gesicht, ihre großen, dunklen Augen funkelten vergnügt, und wenn sie lächelte, vertiefte sich das kleine Grübchen in der Mitte ihres Kinns, das er so sehr liebte.
Derartige Augenblicke, in denen sie vollkommen in Einklang miteinander waren, kamen ihm noch immer wie das reinste Wunder vor.
Die Polizistin und der, zugegebenermaßen geläuterte, Kriminelle – inzwischen war das so verdammt normal wie Kartoffelsalat mit Würstchen, die es am Friedenstag überall gab.
Er sah sie über den Rand von seinem Becher durch den wohlriechenden Dampf des Kaffees hindurch an. »Ich finde, du solltest dieses Outfit öfter tragen. Es ist eins von meinen Lieblingsoutfits.«
Sie legte ihren Kopf ein wenig schräg und trank den nächsten Schluck Kaffee. »Ich finde, eine ausgedehnte Dusche wäre jetzt nicht schlecht.«
»Hervorragend. Genau das will ich auch.«
Sie trank den letzten Schluck. »Dann fangen wir am besten sofort damit an.«
Später war sie immer noch zu faul, um sich richtig anzuziehen, und so hüllte sie sich kurzerhand in einen Morgenmantel ein, während Roarke frischen Kaffee und ein irisches Frühstück für zwei in Auftrag gab. Das alles war so unglaublich gemütlich, dachte sie. Noch vor zwei Jahren hatte sie in einer Bruchbude gelebt, die kleiner als das Zimmer war, durch dessen Fenster jetzt die Morgensonne fiel. Im nächsten Monat hatten sie bereits den zweiten Hochzeitstag, ging es ihr durch den Kopf. Roarke war in ihr Leben getreten und hatte es vollkommen auf den Kopf gestellt. Er hatte sie gefunden und sie ihn, all die dunklen Seiten ihrer Seelen waren seither etwas geschrumpft und hatten sich ein wenig aufgehellt.
»Was willst du als Nächstes tun?«, fragte sie ihn.
Er drehte den Kopf, während er Teller und Kaffee auf einem Tablett zum Tisch in der Sitzecke trug. »Ich dachte, heute wäre Nichtstun angesagt.«
»Entweder das oder eben etwas anderes. Ich habe gestern ausgewählt, da stand schon jede Menge Nichtstun auf dem Programm. Wahrscheinlich gibt es irgendeine Eheregel, die besagt, dass du heute auswählen kannst.«
»Ah ja, die berühmten Regeln.« Er stellte das Essen auf den Tisch. »Selbst in deiner Freizeit merkt man dir die Polizistin an.«
Galahad kam angeschlichen und beäugte die gefüllten Teller, als hätte er vor Tagen zum letzten Mal etwas im Bauch gehabt. Roarke aber hob mahnend einen Finger, und so wandte sich der Kater angewidert ab und putzte sich das Fell.
»Dann darf ich also entscheiden?« Er schnitt in sein Spiegelei und dachte nach. »Tja, lass mich überlegen. Es ist ein wunderbarer Tag im Juni.«
»Mist.«
Er zog die Brauen hoch. »Hast du ein Problem damit, dass Juni ist, oder damit, dass die Sonne scheint?«
»Nein. Mist. Juni. Charles und Louise.« Stirnrunzelnd kaute sie auf ihrem Speck herum. »Hochzeit. Hier.«
»Ja, nächsten Samstag, wobei meines Wissens alles unter Kontrolle ist.«
»Peabody hat gesagt, dass ich Louise als ihre Trauzeugin diese Woche jeden Tag anrufen soll, um sie zu fragen, ob ich ihr auf irgendeine Weise helfen kann.« Eves Stirnrunzeln verstärkte sich bei dem Gedanken an die Mahnung ihrer Partnerin. »Aber das kann doch wohl nicht ihr Ernst sein, oder? Jeden Tag? Meine Güte. Außerdem, was zum Teufel könnte sie schon von mir wollen?«
»Vielleicht, dass du irgendwelche Besorgungen für ihre Feier machst?«
Sie hörte auf zu kauen und sah ihn aus zusammengekniffenen Augen an. »Besorgungen? Was meinst du mit Besorgungen?«
»Tja, nun, genau weiß ich das nicht, weil ich schließlich noch nie eine Braut gewesen bin, aber ich könnte mir vorstellen, dass du beispielsweise den Floristen oder den Partyservice anrufen sollst, um letzte Einzelheiten zu besprechen, dass du mit ihr Schuhe für die Hochzeit oder Sachen für die Flitterwochen oder …«
»Warum tust du so etwas?«, fragte sie mit einer Stimme, die genauso unglücklich wie ihre Miene war. »Warum sagst du solche Sachen, nachdem du zweimal an einem Vormittag von mir glücklich gemacht worden bist? Das ist einfach gemein.«
»Ich schätze einfach die Situation realistisch ein. Doch wie ich Louise kenne, dürfte...




