Robinson Nimitz Class
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-18404-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-18404-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Patrick Robinson, geboren in Kent/England, schrieb zahlreiche Sachbücher zum Thema Seefahrt und schaffte mit seinem aufsehenerregenden Debüt "Nimitz Class" auf Anhieb den Durchbruch als Romanautor. Mit den folgenden U-Boot-Thrillern, die zu internationalen Erfolgen wurden und alle bei Heyne erschienen sind, konnte er sich im Genre Technothriller etablieren. Patrick Robinson lebt heute in Irland und den USA.
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VORBEMERKUNG DES AUTORS
Stellen Sie sich das New Yorker Empire State Building vor, wie es, flach auf die Seite gelegt, mit rund 55 Stundenkilometern über den Ozean kreuzt und dabei mit seinem Radioturm eine gewaltige weiße Bugwelle aufschäumt, und Sie kommen dem Anblick eines amerikanischen 100 000-Tonnen-Flugzeugträgers auf Patrouillenfahrt ziemlich nah.
Das gewaltige, vier Milliarden Dollar teure Kriegsschiff ist rund 335 Meter lang und wird von einem eigenen Atomkraftwerk mit Energie versorgt.
Bei diesem Koloß handelt es sich m einen Flugzeugträger der Nimitz-Klasse, die nach dem in Texas geborenen Admiral Chester W. Nimitz benannt ist, der im Zweiten Weltkrieg jenen Hinterhalt ersann und leitete, durch den die Seemacht der Japaner gebrochen wurde, als im Juni 1942 in der Schlacht um Midway vier von Admiral Yamamotos besten Flugzeugträgern versenkt und 332 seiner Flugzeuge zerstört wurden.
Heute durchstreifen diese modernen US-Flugzeugträger die Meere in seinem Namen und beherrschen in einem Radius von rund 800 Kilometern Luft, Meer und Festland, wo immer sie hinkommen. Aber die Giganten der Nimitz-Klasse reisen nicht allein. Sie werden normalerweise von einer kleinen Flottille von Lenkwaffenkreuzern, Zerstörern und Fregatten sowie zwei Jagd-Unterseebooten begleitet. Diese in klassischer Formation locker arrangierte Trägerkampfgruppe ist bei der Navy unter der Abkürzung CVBG (von Carrier Battle Group) bekannt.
Die Gruppe ist der unangefochtene Herr des Himmels, der Meere und der dunklen, bedrohlichen Königreiche unter den Wellen. Von der Brücke blickt der Admiral, der die Gruppe befehligt, auf das größte, schnellste, tödlichste Kriegsschiff herab, das je gebaut wurde. Er ist der Kriegsherr des 21. Jahrhunderts.
Im Zentrum seiner zehn Oberflächenschiffe umfassenden Gruppe sind 80 Jagdbomber an Deck aufgereiht, und die Lenkwaffen-Eskorten halten sich in der näheren Umgebung auf. Die Atom-Unterseeboote des Admirals bilden weit voraus die Vorhut.
Kleineren Ländern mit militärischem Etat und militärischer Erfahrung – Großbritannien, Frankreich, Deutschland – fehlen die Mittel, auch nur eine einzige vergleichbare Streitmacht aufzustellen. Nicht einmal Rußland mit seiner gigantischen, moribunden Marine kann mit der Macht der amerikanischen Trägerkampfgruppe mithalten. Die USA unterhalten zwölf davon, wobei allein der Unterhalt der Flugzeugträger 440 Millionen Dollar pro Jahr und Schiff kostet.
Fünfundfünfzig Prozent des Geldes, das jährlich von allen Ländern der Welt zusammengenommen für Verteidigungszwecke ausgegeben wird, wendet das Pentagon auf. Jeder Flugzeugträger besitzt eine riesige seefahrende Besatzung von 6000 Mann mit nahezu 600 Offizieren.
Tief in den unteren Decks des Schiffes bereiten die Köche pro Tag 18 000 Mahlzeiten zu, dazu noch den Imbiß für die Mitternachtswache. Dreimal täglich schrillt die Bootsmannspfeife, und man beginnt in einer nahezu unglaublichen Größenordnung, Lebensmittel aus Kisten und Kartons auszuladen. Mitunter werfen die Auspacker mit geübter Hand Hunderte großer, glänzender Dosen voller Ravioli oder Fleischklopse auf einmal den Küchenhelfern zu, und diese geben sie weiter an die Köche.
Ein großer Flugzeugträger ist vom Kiel bis zur Mastspitze ungefähr 24 Stockwerke hoch, besitzt ein rund 80 Meter breites Flugdeck und hat einen Tiefgang von etwa zwölf Metern. Er wird von zwei bei General Electric gebauten Druckwasser-Reaktoren angetrieben; seine Reichweite und die Zeit, die er auf See verbringen kann, ist nahezu unbegrenzt und wird allein durch die Ausdauer der Besatzung eingeschränkt. Zusätzlich gibt es vier Dampfturbinen, die rund 260 000 PS erzeugen. Vier Schraubenwellen, jede so groß wie ein hundert Jahre alter kalifornischer Redwood-Baum, treiben den Träger an.
Von seinen 6000 Besatzungsmitgliedern sind 3184 allein damit beschäftigt, das gigantische Kriegsschiff sicher durch die Meere zu bringen. Das fliegende und fliegertechnische Personal an Bord, das für die Flugoperationen und die Wartung der Maschinen verantwortlich ist, umfaßt 2800 Mann. Der Admiral, dessen Angelegenheit die Strategie und Taktik der Kampfgruppe, die Effizienz der Waffensysteme und die Überwachung eines potentiellen Feindes ist, reist mit einem Stab von 25 Offizieren und 45 Mannschaftsdienstgraden. Seine Operationszentrale ist der Ort, wo das Angriffs- und Verteidigungskonzept der US Navy greifbare Wirklichkeit wird.
Der Admiral kann nach Belieben geballte amerikanische Macht näher an die Grenzen eines Feindes heranbewegen als jeder andere Befehlshaber der Weltgeschichte. Sein Träger ist absolut mobil, autark und für jeden Gegner tödlich. Im Bauch des Schiffes lagern Raketen mit Atomsprengköpfen.
Der Träger wird von AEGIS-Raketenkreuzern flankiert, deren computergesteuerte Waffen anfliegende Angreifer mit bis zu doppelter Schallgeschwindigkeit treffen und vernichten können. Die Zerstörer der Kampfgruppe können mit jeglicher Bedrohung aus der Luft, von der Oberfläche oder aus der Meerestiefe fertig werden. Die Lenkwaffenfregatten mit ihren LAMPS-Helikoptern stellen ein Anti-Unterseeboot-Schleppnetz bereit, das sich in jeder Richtung Hunderte Kilometer weit erstrecken kann.
Die Jagd-Unterseeboote, die nötigenfalls jahrelang unter Wasser bleiben können, patrouillieren Hunderte von Seemeilen ab und machen dem Träger und seinen Begleitern den Weg frei. Ausgerüstet mit teuflisch präzisen drahtgesteuerten Torpedos und Cruise Missiles, sind sie in erster Linie darauf aus, ihre Pendants auf feindlicher Seite zu vernichten.
Ein gewaltiges Elektroniksystem hält die Gruppe in einem dichten Kommunikationsnetzwerk zusammen und meldet von Minute zu Minute, von Operationszentrale zu Operationszentrale, von Schiff zu Schiff den Einsatzzustand dieser beweglichen Zelle fast unvorstellbarer Macht. Die Trägerkampfgruppe ist ohne weiteres in der Lage, gleichzeitig Bedrohungen aus der Luft, von der Meeresoberfläche und aus der Tiefe auszuschalten.
Die Speerspitze ihres Angriffs bildet ihre Bomberflotte – 20 tödlich präzise Allwetter-Flugzeuge, die Erzfeinde jedes den Vereinigten Staaten feindlich gesonnenen Schiffes, dazu 20 überschallschnelle Jagdbomber vom Typ FA-18 Hornet. Um die Kampfgruppe zu verteidigen und/oder den Bombern Jagdschutz zu geben, stehen weitere 20 Jäger bereit – in erster Linie mit Lenkflugkörpern und einer großkalibrigen Kanone bewaffnete F-14 Tomcats und überschallschnelle F-14D Super Tomcats. In einem Notfall können mit den gewaltigen dampfbetriebenen Katapulten zwei dieser Maschinen zugleich vom zwei Hektar großen Flugdeck gestartet werden – von 0 auf 240 Stundenkilometer in zwei Sekunden.
Dazu kommen gewöhnlich vier EA-6B Prowlers, die ebenfalls empfindliche Schläge austeilen können und die einzigartige Fähigkeit besitzen, mit ihren Störimpulsen feindliches Radar vollkommen lahmzulegen und damit jeden Gegner zur leichten Beute zu machen, die somit einem amerikanischen Luftangriff hilflos ausgeliefert ist. Ein weiterer großer Elektronik-Spezialist an Deck ist die S3 Viking, ein Such- und Angriffsflugzeug, das aus der Luft die Meerestiefe sondieren und mit seinen Torpedos ein feindliches Unterseeboot Hunderte Seemeilen von der Hauptgruppe entfernt zerstören kann.
Auf Deck und in den Hangars darunter befindet sich gewöhnlich eine Flotte von acht Helikoptern – Cobra-Kampfhubschrauber, Sea Kings und üblicherweise ein schwergewichtiger CH-53-Transporter, der Angriffs- oder Rettungsteams von bis zu 55 Marineinfanteristen transportieren und absetzen kann.
Der Flugzeugträger selbst ist mit Raketen und Geschützen ausgerüstet; zudem sind die Giganten der Nimitz-Klasse die am schwersten gepanzerten Kriegsschiffe der Welt. Ihr Doppelrumpf und massiv abgeschottete Luftkammern entlang der Wasserlinie machen sie schlicht zu den überlebensfähigsten Kriegsschiffen in der Geschichte der Seefahrt.
Jede Sportmannschaft hat ihren Spielführer: In der CVBG werden die entscheidenden Spielzüge von der E2C Hawkeye angesagt, dem Frühwarn- und Feuerleitflugzeug. Mit seiner gewaltigen linsenförmigen Radarantenne, die über der computerisierten Operationszentrale der Maschine ihre elektronischen Strahlenbündel sendet und empfängt, macht es dieses schwergewichtige Marineflugzeug jeglichem Feind so gut wie unmöglich, sich unentdeckt in einem Umkreis von 1000 Meilen um den Träger zu bewegen.
Die Angriffsmaschinen des Trägers können weit und schnell fliegen; auf der Oberfläche vermag das Schiff selbst bis zu 500 Seemeilen am Tag zurückzulegen und dabei das Meer zu beherrschen, wo immer es hinfährt. Angesichts dessen, daß 40 von 42 Verbündeten der USA durch verschiedene Meere vom amerikanischen Festland getrennt sind, trifft es sich gut, daß 85 Prozent allen Landes auf diesem Planeten und 95 Prozent der Weltbevölkerung in Reichweite einer amerikanischen Trägerkampfgruppe liegen.
Und dennoch vergegenwärtigen sich nur wenige dieser Hunderte Millionen Menschen, daß sie ihr vergleichsweise friedliches und sicheres Leben der eisernen Faust und der Verteidigungskapazität der US Navy zu verdanken haben. Die meisten glauben, diese Sicherheit sei von den Vereinten Nationen geschaffen worden oder von der NATO oder von irgendeinem quasi-europäischen Verteidigungsprojekt. Aber wenn es hart auf hart kommt, ist es die amerikanische Trägerkampfgruppe, die schwimmende Festung, was zählt. Sie ist die Macht, die vermutlich vor den Stränden potentieller Aggressoren auftauchen wird.
Unerreichbar für Angriffe aus der Luft oder von See, mit konventionellen...




