E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
Rolls Nur ein einziger Kuss, Mylord?
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6475-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7337-6475-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Beim Brombeerpflücken hat Christy sich in den Ranken verfangen. Vergeblich kämpft sie gegen die dornige Umklammerung, da eilt ihr schon Julian, Lord Braybrook, zu Hilfe. Und ehe sie sich besinnen kann, sind es plötzlich seine starken Arme, die zärtlich umfangen halten, seine Lippen, die sie sanft liebkosen. Ein kurzer, berauschender Moment des Glücks. Mehr kann ? und darf es nicht sein. Niemals würde der Viscount Braybrook gesellschaftlichen Umgang mit einer Gouvernante pflegen ? oder sie gar zur Frau nehmen. So bleiben Christy nur ihre Träume, in denen alles möglich ist ?...
Elizabeth Rolls, Tochter eines Diplomaten, wurde zwar in England geboren, kam aber schon im zarten Alter von 15 Monaten in die australische Heimat ihrer Eltern. In ihrer Jugend, die sie überwiegend in Melbourne verbrachte, interessierte sie sich in erster Linie für Tiere - Hunde, Katzen und Pferde - las viel und schrieb kleine Geschichten. Mit 14 trat sie in den Schulchor ein und entdeckte ihre Leidenschaft für Musik. Sie nahm Klavier- und Gesangsstunden und studierte schließlich Musikwissenschaft an der Universität von Melbourne, um anschließend als Musiklehrerin zu arbeiten. Zwischenzeitlich heiratete sie den Nuklearphysiker Paul, bekam zwei Söhne - und entdeckte ihre Lust am Schreiben neu. Angeregt von ihrer Freundin Meg, verfasste sie ihren ersten historischen Liebesroman, der einen englischen Verleger fand: Mills & Boon. Elizabeth war überglücklich und schwebte wie auf Wolken. Nun verbringt sie ihre gesamte Freizeit damit, weitere Romane zu verfassen. Sie entspannt sich am liebsten bei einer guten Tasse Tee - nicht aus dem Beutel, sondern in einer kleinen Zeremonie auf die traditionelle englische Art zubereitet.
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1. KAPITEL
Julian Trentham, Viscount Braybrook, biss sich – wenn auch freilich im übertragenen Sinne des Wortes – auf die Zunge und rief sich in Erinnerung, dass Serena, seine Stiefmutter, ihn dazu angehalten hatte, im Umgang mit seiner ungebärdigen Halbschwester Feingefühl walten zu lassen. Und wenn er Lissy nun erklärte, sie klinge wie eine zweitklassige Schauspielerin in einer schlechten Tragödie, wäre das nicht sonderlich taktvoll.
„Es ist einfach nicht gerecht, Mama!“, protestierte Alicia Trentham aufgebracht. „Julian hat gestern kaum fünf Minuten mit Harry gesprochen und …“
„Eine halbe Stunde“, korrigierte ihr Bruder und nahm auf der Chaiselongue Platz. „Lange genug, um mich zu vergewissern, dass er bis auf seinen Posten als Sekretär von Sir John keinerlei Zukunftsaussichten hat.“ Aus dem Augenwinkel beobachtete Julian die getigerte Katze, die auf Serenas Schoß saß. Die verwünschte Kreatur schien überzeugt, dass er ihresgleichen mochte. Sie hätte sich nicht gründlicher irren können.
„Fünf Minuten!“, beharrte Lissy. „Und danach hast du den armen Harry für unpassend erklärt. Was immer das heißen mag.“
„Unter anderem, dass der Bursche deinetwegen binnen eines Monats pleite wäre“, erwiderte Julian ungerührt. „Sei vernünftig, Lissy.“
Die Katze streckte sich und fixierte ihn mit ihren schillernden grünen Augen.
„Wäre er nicht!“ Lissy blitzte ihn an.
„Lissy, mein Liebes“, mischte Serena sich ein, „so charmant und angenehm Mr. Daventry auch sein mag …“ Sie wollte die Katze festhalten, doch das Tier war ihr bereits vom Schoß gesprungen. „Oje. Wo war ich? Ach ja, Mr. Daventry. Ich bin sicher, er ist nicht sehr wohlhabend, daher …“
„Was bedeutet schon Geld?“, fiel Lissy ihr ins Wort. „Und überhaupt – er hat schließlich ein Einkommen!“
„Zweihundert im Jahr?“ Julian unterdrückte ein verächtliches Schnauben. „Und natürlich spielt Geld keine Rolle. Sofern du lernst, ohne es auszukommen. Andernfalls wirst du die Erfahrung machen, dass es ziemlich wichtig ist. Jedenfalls wenn der Gerichtsvollzieher deine Möbel beschlagnahmt und der Vermieter dich vor die Tür setzt.“
„Harry besitzt ein eigenes Haus“, erklärte Lissy voller Genugtuung. „In Bristol. Das hat er mir selbst erzählt.“
„Aha. Ein Mann mit Liegenschaften also.“ Julian ließ die Katze, die mit beleidigendem Selbstvertrauen auf ihn zu stolzierte, nicht aus den Augen. Seine Setterhündin Juno, die zu seinen Füßen lag, hob den Kopf, winselte klagend und senkte die Schnauze wieder auf ihre Pfoten.
„Ich würde Lissy nicht heiraten“, meldete sich der sechsjährige Davy aus seiner Ecke des Salons, wo er das Puzzle einer Europakarte legte. „Ich will Mama heiraten.“
Irgendwie gelang es Julian, eine unbewegte Miene aufzusetzen. „Prima Idee, Kleiner“, erwiderte er. „Jedenfalls wenn du unbedingt im Newgate-Gefängnis landen möchtest.“
Lissy sah aus, als hätte sie am liebsten losgekichert, wäre sie nicht so beschäftigt gewesen, tief gekränkt auszusehen.
Die Katze sprang auf Julians Schoß und fand den Platz offenbar bequem. So bequem, dass sie, bebend vor Wohlbehagen, ihre Krallen in seine Hirschlederbreeches schlug.
„Schon gut, Davy“, wandte sich Lady Braybrook an ihren jüngsten Sohn. „Wenn du in dem Alter bist, wirst du mich sowieso nicht mehr heiraten wollen.“
„Natürlich nicht“, pflichtete Julian ihr bei. „Schließlich will Lissy mich ja auch nicht mehr heiraten, oder?“
„Das wollte ich nie!“, explodierte seine Halbschwester.
„Du hast mir einen Antrag gemacht, als du so etwa fünf warst“, erinnerte Julian sich grinsend. „Es war rührend.“ Er drehte sich zu Davy um. „Warum läufst du nicht in die Küche und lässt dir von Ellie etwas Leckeres zu essen geben?“
Der Junge sprang auf die Füße und war aus dem Zimmer, ehe seine Mutter der vortrefflichen Idee erzieherische Einwände wie mangelnden Appetit oder Magenverstimmung entgegensetzen konnte.
„Es ist nicht gerecht, Julian!“, brach es abermals aus Lissy hervor, kaum dass sich die Tür hinter ihrem jüngsten Bruder geschlossen hatte. „Und überhaupt – wie kommst du dazu, mir Vorschriften zu machen?“
„Vermutlich in meiner Eigenschaft als dein Vormund“, lautete die trockene Antwort, „was Strafe genug ist. Und nun beruhige dich, Lissy. Du bist viel zu jung, um an eine Ehe zu denken.“
„Ich werde bald achtzehn!“ Aus ihrem Mund klang der Satz wie ein Todesurteil.
„Du bist vor knapp einem Vierteljahr siebzehn geworden“, stellte Julian sachlich fest. „Kein Alter, in dem eine Frau zum alten Eisen gehört.“
„Und was, wenn es einer deiner reichen Freunde mit Titel wäre?“, entgegnete Lissy. „Zum Beispiel Lord Blackhurst?“
Julian verengte die Augen. „Da er verheiratet ist, würde ich ihn zum Duell fordern. Und ob du es glaubst oder nicht – bis mindestens nächstes Jahr wirst du von mir keine Erlaubnis zu einer Verlobung erhalten.“ Die Katze auf seinem Schoß rollte sich auf den Rücken und bot ihm ihren pelzigen Bauch dar. Schicksalsergeben kraulte er das schamlose Geschöpf.
Lissy starrte ihn an. „Aber warum nicht?“
„Weil du zu jung bist“, antwortete er. „Und erzähl mir nicht noch einmal, dass du fast achtzehn wärst.“
„Aber wir lieben uns“, sagte sie verzweifelt. „Es ist einfach nicht gerecht. Bloß weil Harry nicht begütert …“
„Lissy“, Julian bemühte sich um Geduld und unterdrückte die zynische Bemerkung, die ihm auf der Zunge lag, „Daventry kann sich eine Ehe mit dir nicht leisten! Nicht wenn ihm Rechnungen ins Haus flattern wie die, die ich letzten Monat aus Bath erhielt.“
Seine Schwester wurde rot. Anscheinend waren einige seiner bissigen Kommentare hinsichtlich der Notwendigkeit, Geldausgaben im Auge zu behalten, bei ihr angekommen.
„Trotzdem ist es nicht gerecht“, beharrte sie. „Und wenn ich ihn nicht mehr sehen darf, werde ich …“
„Ich habe ihm den Umgang mit dir nicht verboten“, fiel Julian ihr gereizt ins Wort. „Herrgott noch mal, Lissy! Führ dich nicht auf, als wären wir hier in einem schlechten Theaterstück.“
Serena hüstelte, und er biss die Zähne zusammen. Richtig, Feingefühl, hatte sie gesagt. „Daventry scheint ein netter junger Mann zu sein“, bemühte er sich ruhig fortzufahren, „und ich glaube, er würde die Grenzen des Erlaubten nicht überschreiten.“
„Heißt das, wir dürfen uns sehen?“
Er fixierte seine Halbschwester mit einem stählernen Blick. „Wenn ihr zu den gleichen Veranstaltungen eingeladen seid, selbstverständlich. Ich habe auch nichts dagegen, dass er dir die Aufwartung macht. Gelegentlich. Aber du wirst dich auf keinen Fall ohne Anstandsperson mit ihm treffen oder Briefe mit ihm wechseln. Und das gilt für jeden jungen Gentleman, der dich umwirbt, selbst wenn er König Midas persönlich wäre.“
„Du hältst dich wahrscheinlich für äußerst großzügig.“
Julian nickte. „Richtig. Jetzt, wo du es erwähnst, ja. Und“, setzte er hinzu, „wenn du je auf die Idee kommen solltest, mich für einen gefühllosen Tyrannen zu halten, denk daran, dass unser Vater Daventry mit der Peitsche verjagt, ihm die Hunde auf den Hals gehetzt, sich bei seinem Dienstherrn beschwert und dich zu einem Monat Zimmerarrest verdonnert hätte. Mindestens. Überleg dir außerdem, dass ich, sobald du einundzwanzig bist, keine Möglichkeit mehr habe, dir eine Heirat zu verbieten.“
Um Lissys Mund erschien ein aufrührerischer Zug. „Wenn du auch nur die geringste Ahnung von Liebe hättest, Julian, wüsstest du, wie quälend es ist, warten zu müssen!“
Sie sprang auf und stürmte aus dem Salon.
„Ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt, taktvoll zu sein“, sagte seine Stiefmutter ruhig.
Julian ließ ein geringschätziges Schnauben hören. „Taktvoll?
Was Lissy braucht, ist, dass man ihr den Kopf zurechtsetzt.“ Er gab der Katze auf seinem Schoß einen Schubs. „Weißt du, welche Bücher sie gerade liest, Serena?“
Seine Stiefmutter ignorierte die Frage und musterte ihn stattdessen eingehend. „Als du siebzehn warst …“
„Ja. Gut. In Ordnung“, beeilte sich Julian zu antworten, da ihm etliche seiner Jugendsünden einfielen. Er wandte den Blick von der Katze ab, die ihn entrüstet anstarrte. „Aber wenigstens wollte ich keine von ihnen heiraten.“
Serenas ersticktes Lachen ließ ihn erröten. Die Katze nutzte seine Ablenkung und war mit einem geschmeidigen Satz zurück auf seinem Schoß.
„Das stimmt“, erwiderte Serena amüsiert. „Wird Tybalt dir lästig? Verscheuch ihn einfach.“
Julian verzog das Gesicht. „Ich werde es überleben.“ Auch wenn der Kater seine Krallen erneut ausfuhr und in seinen Breeches versenkte. Serena mochte das Tier. „Habe ich euch damals viel Ärger verursacht?“
„Mehr als du dir vorstellen kannst“, versicherte sie ihm. „Wenn dein Vater hörte, was du wieder angestellt hattest, traf ihn jedes Mal fast der Schlag.“ Sie lächelte bei der Erinnerung. „Am schlimmsten war es, als uns zu Ohren kam, dass Worcester dich fordern wollte, weil du Hariette Wilson zu viel Aufmerksamkeit geschenkt hattest.“
Julian blinzelte verwundert. „Zum Teufel, Serena. Woher wusstest ihr davon?“
...



