Romahn | Zwei Augenblicke Glück | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 302 Seiten

Romahn Zwei Augenblicke Glück

Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96148-448-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 302 Seiten

ISBN: 978-3-96148-448-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Halte fest, was du liebst ... Der einfühlsame Liebesroman »Zwei Augenblicke Glück« von Michael Romahn jetzt als eBook bei dotbooks. Wann hört man auf, vom Glück zu träumen? Das Leben hat es nicht immer gut mit Brian Davis gemeint - doch eines hat er nie vergessen: wie glücklich er sich damals fühlte, wenn er mit Norma auf die raue See hinaus fuhr, um Orcas zu beobachten. Norma, die Frau, an die er einst sein Herz verlor ... und die er seit Jahrzehnten nicht gesehen hat. Als Brian, der inzwischen in einem Pflegeheim lebt, dem jungen Pfleger Tom davon erzählt, macht der ihm einen schicksalhaften Vorschlag. Und so machen sich die beiden auf die Suche nach Brians großer Liebe - im Gepäck ein Geständnis, das schon viel zu lange ungesagt blieb ... Michael Romahn entführt seine Leser auf eine berührende Reise von San Francisco bis in das malerische Campbell River an der Westküste Kanadas und schenkt einer verlorenen Liebe neue Hoffnung! Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der faszinierende Liebesroman »Zwei Augenblicke Glück« - für die Fans von Nicholas Sparks Bestseller »Wie ein einziger Tag«. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Michael Romahn wurde 1959 in Stade geboren und lebt seit vielen Jahren mit seiner Familie im niedersächsischen Harsefeld. Er arbeitet als technischer Redakteur im Flugzeugbau, seine Liebe jedoch gehört der Schriftstellerei. Michael Romahn veröffentlicht bei dotbooks: »Die Melodie der Sehnsucht« »Zwei Augenblicke Glück« Die Website des Autors: www.michael-romahn.de Der Autor im Internet: www.facebook.com/michael.romahn.7
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Kapitel 1


San Francisco, August 1999

Wie ein verschwommenes Gemälde stieg die Golden Gate Bridge an diesem Augustmorgen aus dem weißen Nebel hervor, und das schimmernde Blau des Himmels drängte sich mehr und mehr durch die zerrissenen Wolken. Die Luft roch immer noch nach dem Regen der vergangenen Nacht, aber es versprach ein sonniger Tag zu werden.

Schon seit Tagen hockte der alte Mann auf der hölzernen Bank am Ufer der Bucht und starrte mit verlorenem Blick vor sich hin. Der schleichende Nebel verwischte die klaren Konturen des Nordufers. Der weiße Schleier trieb in dünnen, übereinander liegenden Schwaden über das Wasser, und es sah so aus, als würde die Brücke mit ihren roten, stählernen Pfeilern auf Watte getragen. Ihre schwermütige Schönheit hielt ihn gefangen, aber sie war nicht greifbar und zerfloss, sobald er die Hände nach ihr ausstreckte. »Denk mit dem Herzen«, mahnt ein altes indianisches Sprichwort. Doch wie, in Gottes Namen, fragte er sich wie so oft in den letzten Jahren, kann ein blutendes Herz einen klaren Gedanken fassen? Er schloss die Augen und sehnte sich danach, bis zur Mitte der Brücke zu gehen und von ihrem höchsten Punkt über der Bucht in eine unbekannte Welt zu springen. Dann malte er sich aus, wie sein alter Körper an der tiefsten Stelle ins kalte Wasser sank und still und unbeachtet unterging. Verbrauchte Luft würde seinem Mund entweichen und in sprudelnden Bläschen dem Tageslicht entgegensteigen. Nur die Augen würden durch die Wasseroberfläche dringen und sehen, wie die Sonne in Myriaden von funkelnden Sternen auf den Wellen trieb. In Gedanken versunken, hob er den Kopf aus dem Wasser, durchbrach das friedliche Spiegelbild der weißen Wolken und atmete die kalte, klare Luft des Morgens ein. Allein die Vorstellung, dass ein Teil seines Geistes bereit war, dem trostlosen Leben ein Ende zu machen, brachte sein träges Blut in Wallung, aber so sehr sich seine kranke Seele auch wünschte, der alternden Hülle für immer zu entschweben, der Selbsterhaltungstrieb des Menschen war stärker, als er geglaubt hatte. Der Alte fingerte das zerknitterte Foto aus der Manteltasche und betrachtete es lange. Es zeigte ein prächtiges Orcaweibchen, das umhüllt von glitzernden Schleiern durch die Wasseroberfläche brach und sich dem klaren, weiten Himmel entgegenstreckte. Normas Schrift auf der Rückseite war kaum noch zu entziffern.

Ich spüre ein sonderbares Gefühl tief in meinem Inneren,
und ich will nicht, dass es von mir weicht,
bevor ich nicht weiß, was es ist.
Norma

Jedes Wort hatte sich fest in sein Gehirn gebrannt, und dennoch wanderte sein Blick immer wieder über diese Zeilen. In diesem Moment kam ihm sein Leben wie eine einzige Sinneswandlung vor. Mit einem Mal sah er alles mit einer unbeschreiblichen Klarheit vor sich: Campbell River, das verträumte Fischerdorf mit seinen Holzhäusern, die schwankenden Boote am Pier, das leuchtende Blau in Normas Augen, ihr stilles, in sich gekehrtes Lächeln an jenem Nachmittag an Bord der Antonia. Normas Bild, das er vor sich sah, war so vollkommen, dass ihm ein kalter Schauer über den Rücken lief. Sie war ihm plötzlich so nah, dass er glaubte die warme Haut ihres Körpers spüren zu können. Er steckte das Foto wieder ein und hob langsam den Kopf. Ein junges Mädchen joggte zu den hämmernden Rhythmen ihres Walkmans an ihm vorbei. Sie verlangsamte ihre Schritte und streifte ihn kurz mit ihrem Blick, aber es reichte, um in ihren rehbraunen Augen zu versinken. Sie war hübsch. Ihr langes weiches Haar fiel wie fließendes Wasser über ihre Schultern. Eine Weile sah er ihren wiegenden Hüften hinterher, dann verschwand sie wieder aus seinem Leben. Seine Augen entdeckten ein Pärchen, das eng umschlungen über den Uferweg schlenderte, verliebte Stimmen und Blicke, die ineinander verschmolzen. Er kümmerte sich nicht weiter um sie. Er hatte gelernt, allein zu sein.

Am Tag machte ihm die Einsamkeit nichts aus, denn das hektische Treiben der ruhelosen Stadt blendete mehr und mehr seine Sinne. Er zog ruhelos durch die Straßen, lebte von dem Geld, das ihm Fremde für ihre aufdringlichen Blicke zu Füßen warfen, und nahm im Getümmel Chinatowns ein paar Bissen zu sich. Erst in der Nacht, wenn die Leute in ihre Häuser zurückkehrten, spürte er, wie die Wärme aus seinen Gliedern kroch und eine erkaltete Hülle zurückließ. Er hatte es aufgegeben, die Tage zu zählen. Nichts erschien ihm mehr von solcher Wichtigkeit, dass es sich lohnen würde, seine schwindenden Kräfte dafür zu vergeuden. Seine harten Gesichtszüge früherer Jahre waren erschlafft, und tiefe, ineinander laufende Furchen gruben sich in seine Haut. Die dünnen Beine, die ihn mehr als fünfundsechzig Jahre durchs Leben getragen hatten, waren von dicken, schmerzenden Krampfadern durchzogen. Sie schlängelten sich wie ausgelaufene schwarze Tinte unter der Haut entlang und ließen jeden Schritt zur Qual werden. Aber es war nichts Besonderes in diesem Stadium seines Lebens. Er würde sterben, hier, an diesem Ort, an dem er niemals zu Hause war.

Wie an den Tagen zuvor hing das fleckige Hemd über den alten Jeans. Der zerschlissene Mantel und die ausgetragenen Stiefel halfen nur noch wenig gegen den rauen Pazifikwind. Wäre sein Vater noch am Leben, hätte er seinen erbärmlichen Anblick womöglich mit außergewöhnlicher Zufriedenheit zur Kenntnis genommen. Er war seit jeher davon überzeugt gewesen, dass sein Sohn es nie zu etwas bringen würde.

An diesem Punkt seines Lebens besaß er nichts weiter als das, was er am Leibe trug, und seinen Hund No Name. Der Mischling streckte die Vorderbeine von sich, stieß einen tiefen Seufzer aus und rollte sich wieder zusammen. Wenigstens er schien im Einklang mit sich selbst zu sein. Er hatte den Hund hinter den Müllcontainern einer Tankstelle gefunden, irgendwo nördlich von Sacramento, abgemagert, namenlos und vergessen wie er selbst. Und da ihm kein passender Name einfallen wollte, beschloss er, es auch dabei zu belassen. No Name war nicht viel größer als die Reifen eines gewöhnlichen Pick-ups, und sein Fell war so grau wie erkaltete Asche. Die Finger des alten Mannes gruben sich in das zottelige Fell, und No Name schien es zu genießen, denn er hob seinen Kopf, als wollte er den Mond anheulen, und legte die Ohren genussvoll an.

Der Alte blinzelte in die aufsteigende Sonne und stellte sich vor, wie die Frauen an den Gräbern ihrer geliebten Männer trauerten, wie sie das Unkraut jäteten und einmal in der Woche frische Blumen auf die schwarze Erde legten. Eines Tages würde man auch ihn begraben, und auf dem Grabstein würde nur ein belangloser Name stehen, den niemand kannte. Niemand würde je erfahren, was für ein Mensch er wirklich war, welches Leben er gelebt hatte, und das welke Laub der Bäume würde auf sein Grab wehen, vermodern und zerfallen, lange bevor der Winter seine weiße Decke über alles gelegt hätte.

Aus dem alternden Gesicht war das Lächeln gewichen, und das kräftige Grün seiner Augen war stumpf und durchscheinend geworden. Manchmal glaubte er zu spüren, dass ein Teil seines Gehirns allmählich vertrocknete wie ein abgebrochener Zweig. An schlechteren Tagen fiel es ihm sogar schwer, No Names Winseln, den hellen Glockenschlag einer Kirchturmuhr oder das Hupen entfernter Autos wahrzunehmen. Die Welt bestand dann aus gezähmten Tönen, dumpf und ineinander verschlungen wie Donnerschläge in der Ferne.

Der Trailer, in dem er noch vor einigen Wochen übernachtet hatte, war nur noch ein Haufen zusammengepresstes Aluminium. Pete Collins, ein wortkarger Pferdezüchter, den er in einer dunklen Bar in Santa Rosa getroffen hatte, hatte ihm angeboten, seinen Trailer auf dem Grundstück abzustellen. Im Gegenzug hatte sich der Alte ein wenig um die Pferdeställe gekümmert, die Tiere nach den Ausritten gestriegelt und gefüttert. Nach Collins' plötzlichem Tod gab es niemanden mehr, der sich um die Farm kümmerte. Die Bank verkaufte die Überreste einer glorreichen Zeit, um an ihr Geld zu kommen, und der neue Besitzer jagte ihn von einem Tag auf den anderen fort. Acht Wochen war es jetzt her, und in den kühler werdenden Nächten vermisste er den Gaskocher mit seiner bläulichen Flamme, einen Becher heißen Kaffee und ein warmes Essen, das Collins ihm jeden Mittag brachte. Sein Vater hatte Recht behalten. Er hatte versagt, ohne dass er die Gründe dafür benennen konnte.

Die müden Augen des alten Mannes folgten dem lautlosen Flug eines Kormorans. Er schwebte dicht über dem Wasser Richtung Norden, wachsam und bereit, sich im nächsten Moment auf die Beute zu stürzen. Er hatte plötzlich das Gefühl, als würde eine verschollene Erinnerung in sein Bewusstsein zurückkehren, aber es war schon zu lange her, um sie wieder in sich aufzunehmen. Es war so, ah würde er von der nächsten Welle unter Wasser gezogen. Er spürte das salzige Wasser, wie es sich wieder durch seine Kehle in den Körper fraß. Er fühlte stärker denn je, dass ihm das Leben mehr und mehr entglitt, dass es allmählich zerfiel wie ein verrotteter Baumstamm im Dickicht des Regenwaldes.

Plötzlich hörte er murmelnde Stimmen, dann gedämpfte Schritte auf dem weichen Gras, und schließlich spürte er eine kräftige Hand auf seiner Schulter. Officer Landsby, ein schwergewichtiger Koloss mit streichholzkurzen Haaren, baute sich vor ihm auf. Sein Kollege ging zum Streifenwagen, kam mit einer Wolldecke unter dem Arm zurück und legte sie über die Schultern des Alten. Er war ein wenig kleiner als Landsby, aber genauso breit. Er trat ein paar Schritte nach hinten und wartete mit steinerner Miene auf weitere Anweisungen. Landsby fragte freundlich lächelnd nach seinem Namen und wo er wohne, aber der Alte schwieg, sah ihn nicht einmal an. Der Officer wich ein Stück zurück, als hätte er eine...



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