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E-Book

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: Eva Brenner und Gerhard Vollrath

Roth Remsmord

Kriminalroman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96041-618-0
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 304 Seiten

Reihe: Eva Brenner und Gerhard Vollrath

ISBN: 978-3-96041-618-0
Verlag: Emons Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Mafiöse Strukturen auf der Ostalb In einem historischen Fluchtgang in Schwäbisch Gmünd wird ein Toter gefunden. Fatale Mutprobe oder kalkulierter Mord? Die Spur führt Eva Brenner und Gerhard Vollrath von der Kripo Aalen in die regionale Drogenszene und zu einem Motorradclub, der Verbindungen zum organisierten Verbrechen hat. Die Ermittlungen gegen die gewaltbereiten Bandenmitglieder werden für die Polizisten schnell lebensgefährlich, und dann gibt es einen weiteren Toten ...

Nach einer Ausbildung in der Gastronomie studierte Tanja Roth in Schwäbisch Gmünd Kommunikationsdesign und hat später unter anderem in Orléans, Rom und München gelebt. Schreiben hat bei ihr schon in der Kindheit dazugehört. Inspiration findet sie sowohl im Alltag als auch in der Phantasie oder bei ihren Hobbys, z.B. Archäologie, Bogenschießen und Reisen.
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EINS


Die frisch ernannte Kriminalhauptkommissarin Eva Brenner zupfte am Ärmel ihrer Bluse und spähte durch den Türschlitz. Aus dem Wohnzimmer drang Mareilles leises Flüstern, doch sie konnte nichts verstehen. In diesem Moment kam die kleine Emma aus dem Kinderzimmer gestapft und hielt ihr einen orangefarbenen Plastikbagger hin. »Spielen kommen!«, befahl sie.

Eva nahm das Händchen, das sich ihr entgegenreckte, und ließ sich bereitwillig mitziehen. Spielen war wenigstens eine Aufgabe, die sie von ihrem schlechten Gewissen ablenkte. Wann war sie das letzte Mal hier gewesen?

Sie ließ sich neben Emma auf den bunten Teppich gleiten und wurde in ihre Aufgabe eingewiesen. Eigentlich bestand ihr Part nur darin, den Fuhrpark zu bewundern und angemessen zu loben, wie ordentlich die Fahrzeuge die aufgezeichneten Straßen entlangfuhren.

»Brummmm, brumm!« Emmas Augen glänzten, als sie Eva einen Kran ohne Schaufel entgegenstreckte. »Im Kindergarten binni Kranfahrerin!«

Eva fand die Schaufel auf dem Parkplatz und drückte sie wieder auf die Vorrichtung. Die Kleine strahlte. Sie war Björn wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten. Das feste braune Haar ihres Vaters fiel in wilden Wellen auf ihre Schultern, während die hellblauen Augen ihrer Mama aus ihrem runden Gesichtchen leuchteten. Dreieinhalb war sie jetzt. Wie die Zeit verging.

»Schießen die da, wo du arbeitest?«, fragte Emma unvermittelt und musterte sie mit wachem Blick.

Was hatten Mareille und Björn dem Mädchen erzählt? Eva spürte, wie ihr der Schweiß auf die Stirn trat. Sie streichelte über Emmas Arm. »Wir … fangen die Bösen, damit die nicht schießen können.« Dann zwang sie sich zu einem Lächeln und schloss einen Moment lang die Augen. Sie wartete auf die nächste Frage: Warum habt ihr sie nicht gefangen, bevor sie auf Papa schießen konnten?

Doch nichts dergleichen passierte. Natürlich. Und natürlich hatten sie mit der Kleinen nicht über Björns Unfall gesprochen.

»Eva?« Erst jetzt nahm Eva Mareilles leise Stimme wahr. Sie stand mit warmem Blick im Türrahmen und hatte sie beide wohl beobachtet. Von hier unten am Boden waren die Ringe unter ihren Augen gut zu sehen. Das letzte Mal hatte sie besser ausgesehen, das war um die Zeit gewesen, als es auch mit Björn endlich aufwärtsgegangen war. Wie lange mochte das jetzt her sein, drei Monate?

Um Weihnachten herum hatte Eva ein Geschenk der Kollegen vorbeigebracht. Natürlich musste die Situation nach wie vor schwer sein für Mareille. Eine große Herausforderung, sich so hingebungsvoll um ihren traumatisierten Mann zu kümmern. Dazu ein kleines Kind liebevoll umsorgen und Geld verdienen, damit alles weiterlief. Mit einem Mal fühlte Eva sich fürchterlich, dass sie sich so selten gemeldet hatte.

»Du kannst zu ihm rein. Ihm geht’s gut.«

»Frau Kranfahrerin, baust du mir ein Haus, solange ich mit Papa rede?« Eva erhob sich und strich Emma noch einmal über den Kopf, dann folgte sie Mareille zur Tür hinaus. »Wie fasst sie es auf?«

»Sie war ja erst ein Jahr, als es passiert ist.« Mareille blieb im Flur stehen; sie flüsterte immer noch, während sie mit ihrer gravierten Herzchenkette spielte, einem Verlobungsgeschenk von Björn. »Sie ist total anhänglich. Jede Nacht will sie sich an den Papa kuscheln, wie um ihn zu beschützen.«

»Aber dir liegt noch etwas anderes auf dem Herzen …« Eva legte den Arm um Mareilles schmale Schultern.

»Geh erst mal zu ihm rein. Er freut sich über jede Ablenkung.«

Björn saß an einem hellen Platz am Esstisch in dem zur Küche hin offenen Wohnzimmer. Der Blick aus dem Fenster ging in die Nachbarsgärten. Vor ihm lagen eine Tageszeitung und ein Buch. »Kompromisslos verhandeln – Die Strategien und Methoden des Verhandlungsführers des FBI.« Aha.

Er schaute hoch, natürlich hatte er sie schon erwartet. Langsam verzog sich sein Mund zu einem Lächeln. Eva klopfte ihm vorsichtig auf den Rücken. »Na, altes Haus?«

»Du brauchst immer noch nicht aufzupassen. Bin unkaputtbar. Was zu trinken?«

Sie nickte und setzte sich. Natürlich, die Wunde war schon lange verheilt. Nur an seine bedachte Stimme hatte sie sich noch nicht gewöhnt. Björn wählte seine Worte, als müsse er sie bei jedem Satz erst zusammensuchen. Ansonsten wirkte er vollkommen normal, wenn man ihn nicht kannte. Nur für seine Familie, die Freunde und Kollegen waren die Veränderungen sichtbar.

Diese Verbrecher hatten ihnen den alten Kameraden genommen. Gut zwanzig Kilo hatte der aktive und groß gewachsene Mann abgenommen. Seine Schultern hingen, die Haut war blass. Wenn er nicht bald anfing, an sich zu arbeiten, würde der Muskelabbau bleibende Spuren hinterlassen. Dazu zitterten seine Hände, als er jetzt nach dem Glas griff und es mit Wasser füllte. Sogar sein Haar wirkte stumpf. Angststörung, Psychotrauma lautete die medizinische Definition seines Leidens. Ob der Tremor wieder besser würde, wusste sie nicht. Vermutlich war er eine Nebenwirkung der Medikamente, die er gegen die Schmerzen und seine wiederkehrenden Träume nahm.

Kaum hatten sie ein paar Floskeln gewechselt, entspannte er sich merklich. Mareille war bei Emma im Kinderzimmer geblieben, spürte wohl, dass es ihm guttun würde, eine Weile allein mit seiner langjährigen Kollegin zu reden.

Eva zeigte auf das Buch, das vor ihm lag. »Bildest du dich weiter?«

Björns Blick verfinsterte sich kurz, und er ging nicht weiter auf ihre Frage ein. Stattdessen umklammerte seine Hand die Zeitung. Was hatte sie falsch gemacht?

»Wir vermissen dich«, schob sie schnell hinterher und atmete tief durch. »Ohne dich ist es einfach nicht mehr dasselbe. Mein neuer Kollege, Gerhard, du weißt ja, der vom Betrug zu uns gewechselt ist, hat sich prima eingearbeitet, fast vom ersten Tag an. Manchmal ist er ein ziemlicher Erbsenzähler, aber ein netter. Mit dem hättest du deinen Spaß. Aber wir vermissen dich alle. Sie fragen dauernd nach dir. Sogar Willner ist nicht mehr derselbe.«

»Ach, der Willner.« Ihr Kollege ließ ein Schnauben erklingen und hatte offenbar auch auf dieses Thema keine Lust. Wirklich komisch, normal hob sich seine Stimmung, wenn sie auf das Thema kam. Björn sprach gern übers Dezernat und Geschichten aus dem Präsidium. Und er hatte sich doch immer auf seine Rückkehr gefreut. Ob sie es ansprechen sollte?

Eine leise Stimme warnte Eva, es heute besser nicht zu tun. Irgendetwas lag in der Luft, und sie konnte die Stimmung nicht deuten. Also lenkte sie das Gespräch auf Emma, und Björn taute tatsächlich ein klein wenig auf, erzählte von einem Ausflug in die Limestherme und darüber, dass er mit ihr angeln gehen wollte. Vielleicht war seine kleine Tochter der Hoffnungsschimmer auf seinem Weg zurück ins Leben.

Eva erzählte dem allzu stillen Björn nun doch ein paar Anekdoten aus dem Präsidium. Vielleicht konnte sie ihm so Lust machen, bald wieder zurückzukommen. Sie ließ auch das aktuelle Kompetenzgerangel zwischen ihrem Chef und dem neuen Leiter der Spurensicherung nicht aus. Ihr Lieblingsstreitthema hieß Kriminalstatistiken und unentdeckte Morde. Der Neue steckte vorbildliche Summen in die Fortbildung seiner Mitarbeiter und interessierte sich für aktuelle Erkenntnisse, während dieses allzu moderne Gebaren ihrem Chef ein Dorn im Auge zu sein schien. Dabei waren manche Techniken der Kollegen in den USA durchaus genauerer Betrachtung wert, nur leider mussten sie bislang außerhalb der üblichen Personalentwicklungsmaßnahmen aus eigener Tasche bezahlt werden.

Willner schimpfte, bezeichnete das als überambitionierten Schnickschnack eines Quacksalbers, der sich weder auf Erfahrung noch auf sein Bauchgefühl verlassen konnte. Billige Taschenspielertricks waren für ihn alles, was aus Übersee herüberschwappte. Es ginge nicht, dass der andere Geld für die Kriminaltechnik einstrich, das seinem Dezernat ja auch geholfen hätte, und so ließ er nun seinerseits nichts unversucht, ebenfalls an diese Geldtöpfe zu gelangen und mangels eigener Finanzierungsideen zugleich das Engagement des Kollegen in Zweifel zu ziehen.

Na also, langsam begann sogar Björn, über die Bürothemen zu lächeln.

Eva legte ihm einen Berliner auf den Teller und schwärmte von den verschiedenen Sorten, die die hiesigen Bäcker einen Monat zuvor zu Fasching in den Auslagen gehabt hatten. »Da gab es zum ersten Mal Schoko-Chili. Das ist mal lecker!«

»Vanille!«, mampfte Björn, und Eva konterte mit: »Baileys!«

»Himbeere, wie immer«, erklärte Mareille, die hereingekommen war, um das Abendessen vorzubereiten. »Magst du bleiben, Eva? Ich habe noch Hackbraten übrig.«

»Klingt verlockend! Aber ich treffe mich in einer Stunde mit Tom in Sulzbach zum Essen.«

»Dein neuer Freund?«, fragte Björn, sein Mundwinkel zuckte. Vermutlich versuchte er zu zwinkern. Eine seiner typischen Gesten, zumindest früher, vor der Schießerei bei der Geiselnahme, bei der er so schwer verwundet worden war, dass er über ein Jahr allein dafür gebraucht hatte, wieder laufen zu lernen.

»Na ja, neu … eher zweiter Anlauf. Er kann nicht mit mir und meinen Arbeitszeiten …«

»… und er kann nicht ohne dich. Und deine Arbeitszeiten«, vollendete Mareille den Satz. »Woher kennen wir das?« Liebevoll streichelte sie über Björns Schulter.

Eva bemerkte den Blick, mit dem er seine Frau streifte. Ja, hier lag etwas in der Luft. Nur was? Sie schielte auf die Uhr. Vermutlich war es nur, weil sie mit ihrem Besuch den Betrieb aufhielt. Und sie würde auch zu spät zum Abendessen mit Tom kommen, wenn sie nicht bald aufbrach.

Also verabschiedete sie sich von Björn, während seine Frau den Braten zum Aufwärmen in den Ofen...


Nach einer Ausbildung in der Gastronomie studierte Tanja Roth in Schwäbisch Gmünd Kommunikationsdesign und hat später unter anderem in Orléans, Rom und München gelebt. Schreiben hat bei ihr schon in der Kindheit dazugehört. Inspiration findet sie sowohl im Alltag als auch in der Phantasie oder bei ihren Hobbys, z.B. Archäologie, Bogenschießen und Reisen.



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