E-Book, Deutsch, Band 2, 290 Seiten
Reihe: Chicago-Devils-Reihe
Rothert Chicago Devils - Alles, was zählt
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7363-1160-2
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 290 Seiten
Reihe: Chicago-Devils-Reihe
ISBN: 978-3-7363-1160-2
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn aus einer Nacht so viel mehr wird ...
Für Luca gab es genau zwei Dinge im Leben: Eishockey und Frauen. Bis sein Bruder bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, und Luca das Sorgerecht für seine kleinen Nichten und Neffen übertragen wurde. Sie sind nun seine oberste Priorität - egal wie schwer es ihm fällt, die richtige Balance zwischen seiner Rolle als alleinerziehender Vater und Eishockey-Superstar der 'Chicago Devils' zu finden. Ablenkung ist das letzte, was er jetzt gebrauchen kann - und doch geht ihm Abby Daniels seit seiner leidenschaftlichen Nacht mit ihr nicht mehr aus dem Kopf ...
'Einzigartige Geschichten und tolle Charaktere, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben!' DEVILISHLY DELICIOUS BOOK REVIEWS
Band 2 der Sports-Romance-Reihe CHICAGO DEVILS von Bestseller-Autorin Brenda Rothert
Weitere Infos & Material
1
Abby
Ich könnte den Wecker mit bloßen Händen in Stücke schlagen – ich bräuchte nicht mal einen Vorschlaghammer. Wie bei Alles Routine ist mein Unterbewusstsein bereit, kurzen Prozess mit dem schwarzen Kasten zu machen, der auf der gegenüberliegenden Seite meines Schlafzimmers rhythmisch und durchdringend plärrt.
Nachdem ich mich aus dem Bett gewälzt habe, streiche ich mir benommen die wirren blonden Haare aus dem Gesicht, stolpere durchs Zimmer und bringe den Wecker zum Schweigen. Vor der dunklen Holzkommode, auf der die Uhr steht, bleibe ich stehen und sammele mich. Ich bin noch so müde.
So ist das morgens meistens. Gelegentlich wache ich ohne das dumpfe Hämmern in meinem Kopf auf, mit dem mein Körper mir zu sagen versucht, dass vier oder fünf Stunden Schlaf nicht genug seien. Aber an den meisten Tagen sind die Kopfschmerzen da. Es macht mir nichts aus. So lange ich mich groggy fühle und der Kopf wehtut, weiß ich, dass ich genug geschlafen habe, um es durch den Tag zu schaffen, aber nicht genug, um Albträume zu haben. Oder überhaupt irgendwelche Träume. Seit fast drei Jahren ist es sowieso immer derselbe unerträgliche Albtraum.
Ich gehe kurz ins Badezimmer und dann in die Küche, wo eine volle Kaffeekanne auf mich wartet. Kaffeemaschinen mit Timer – die beste Erfindung aller Zeiten.
Jeden Tag um 3:52 Uhr nehme ich mir einen Becher Kaffee und kippe die Hälfte davon hinunter. Ich kriege gerade genug Koffein, dass das Hämmern in meinem Kopf aufhört. Dann trete ich in den begehbaren Kleiderschrank in meinem Schlafzimmer und ziehe mir Sport-BH, Leggings, T-Shirt, Socken und Trainingsschuhe an. Ich binde mir das Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen, schnappe mir meine Sporttasche und fahre mit dem Aufzug in die schicke, mit Marmorböden ausgestattete Lobby des Gebäudes hinunter und sage dem Türsteher, der gerade Dienst hat, Guten Morgen.
Von montags bis freitags ist es Chase. Samstags ist es Larry. Und sonntags ist es Diana. Die Gesichter mögen wechseln, aber ich gehe jeden Morgen durch die offene Tür und steige um 4:06 Uhr in der Frühe in einen wartenden SUV.
»Morgen, Ms Daniels«, sagt mein Fahrer.
»Guten Morgen, Ben. Wie geht es Ihnen?«
»Ich kann nicht klagen, Ma’am.«
Selbst in Manhattan ist der Verkehr zu dieser Stunde nicht besonders dicht, und Ben zieht den SUV auf die Fahrspur, ohne warten zu müssen. Genau wie jeden Tag. Dies ist unser übliches Gespräch, und da es jetzt vorüber ist, nehme ich mein Telefon aus der Sporttasche und öffne die E-Mail-App.
Wenn bei der Arbeit nichts Dringendes anliegt, schaue ich nach zehn Uhr abends nicht mehr nach Mails. Aber wegen der verschiedenen Zeitzonen warten morgens immer neue E-Mails auf mich.
Einige davon leite ich an meinen Assistenten weiter, auf ein paar andere antworte ich und spare mir den Rest für später auf. Als ich die Betreffzeile »Chicagoer Fiasko« sehe, lächele ich. Ich habe einen erfahrenen Projektmanager eingestellt, der den Aufbau meiner Firma in Chicago überwacht, und er ist jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Herausforderungen, vor die uns die drei Läden stellen, die wir dort bauen, sind größtenteils amtlicher Natur – bauplanungsrechtliche und designspezifische Fragen. Darum fahre ich auch heute wieder dorthin. Stephen ist ein sehr tüchtiger Projektmanager, aber ich mag es, in jedem Bereich meines Unternehmens mitzuwirken. So habe ich Cypress Lane in weniger als drei Jahren zu einem der erfolgreichsten Unternehmen in der Branche für Einrichtungsgegenstände aufgebaut.
»Neunundzwanzig und auf dem Gipfel des Erfolgs«, lautete die Schlagzeile der Titelstory über mich in einem bekannten Wirtschaftsmagazin.
Ich bin neunundzwanzig Jahre alt, da haben sie recht. Aber ich bin weit davon entfernt, auf irgendeinem Gipfel zu stehen. Vielmehr strampele ich im tiefsten, entlegensten Ozean der Welt im Kreis herum. Doch das mache ich sehr gut.
Ben setzt mich an der Tür meines Fitnessstudios ab, wo die getreue Schar der Sporttreibenden, die ich jeden Morgen sehe, bereits Gewichte stemmt und die Geschwindigkeit der Laufbänder hochschaltet.
»Guten Morgen, meine Liebe«, begrüßt mich meine Trainerin Percy, als ich auf eine Matte in der Ecke des Raums zusteuere.
»Morgen«, brumme ich meinerseits.
Sie reicht mir eine Edelstahlflasche, die mit Eis und Wasser gefüllt ist. Automatisch nehme ich daraus einen tiefen Zug.
»Du siehst erschöpft aus, Abby.« Percy zieht die Brauen zusammen und sieht mich finster an.
»Nur gut, dass ich dich nicht dafür bezahle, mir zu sagen, wie ich aussehe«, murre ich.
Sie seufzt und verschränkt die Arme vor der Brust. »Wie oft muss ich dir noch erklären, dass Fitness nicht nur etwas Körperliches ist? Du wirst nichts erreichen, wenn du Körper, Geist und Seele nicht als Einheit siehst.«
Wir haben dieses Gespräch schon viele Male geführt in den sechs Monaten, seit ich mit Percy trainiere, einer ehemaligen Olympialäuferin. Und jedes Mal geht es mir auf die Nerven.
»Meine Arbeit fordert mich sehr«, verteidige ich mich.
»Manchmal muss man Forderungen zum Schweigen bringen, damit man etwas Zeit für sich selbst hat.«
Ich rufe mir ins Gedächtnis, dass sie es gut meint. Percy ist eine atemberaubende Frau mit makelloser, mokkafarbener Haut, kurzen Zöpfen und goldbraunen Augen. Sie ist so schlank und schön, dass sie ihren Lebensunterhalt sehr gut als Model verdienen könnte. Oder damit, Motivationsreden zu halten. Aber das Training ist ihre Leidenschaft. Obwohl ich ihr jedes Honorar zahlen würde, war es verdammt schwer, privat Termine bei ihr zu ergattern.
»Ich verstehe, was du sagst«, antworte ich in der Hoffnung, sie zu beschwichtigen. »Ich bemühe mich, alles unterzubringen, aber das Schlafen zieht meist den Kürzeren. Aber ich esse gut.«
Sie schüttelt den Kopf, die Lippen streng zusammengepresst. »Dein Körper braucht Zeit, sich zu erholen. Fitness braucht ein Fundament aus Ernährung und ausreichendem Schlaf.«
»Ich werde mir mehr Mühe geben«, verspreche ich.
Das werde ich nicht tun. Aber Percy nickt und leitet mich bei der Reihe von Dehnübungen an, mit denen wir unsere Work-outs an sechs Tagen der Woche beginnen. Sonntags soll ich mich eigentlich ausruhen, aber da trainiere ich allein. Das behalte ich allerdings für mich.
Ich bin keine Fitness-Fanatikerin. Ich habe Sport nie gemocht, doch ich liebe die fordernden Bewegungsabläufe, die Percy mir abverlangt. Ich mache Kickboxen, stemme Gewichte, mache Wheel-Flips mit Autoreifen und laufe Sprints, und mein Programm ist jeden Tag ein klein wenig anders. Es kostet mich meine ganze Energie und Konzentration, ihre rigorosen Work-outs durchzustehen.
»Richtig durchstrecken!«, brüllt sie, während ich gegen einen schweren Sack boxe, und ihr hübsches Gesicht ist jetzt verzerrt. »Fester, Abby!«
Während ich die jeweiligen Übungseinheiten zu Ende bringe, schnappe ich immer wieder hastig nach Luft. Ich mache Liegestützsprünge, Unterarmstützen und Kniebeugen, bis mein Körper sich anfühlt wie ein nasser Lappen. Percy macht keinen Small Talk während meiner Work-outs. Sie reicht mir einfach alle paar Minuten die Wasserflasche und überwacht meine Flüssigkeitszufuhr.
Am Ende unserer sechzigminütigen Sitzung wirft sie mir ein Handtuch zu, damit ich mir das Gesicht abwischen kann.
»Sieh zu, dass du heute Nacht mindestens sieben Stunden schläfst«, verlangt sie. »Wenn du morgen mit diesen violetten Ringen unter den Augen hier auftauchst, schicke ich deine Wenigkeit wieder nach Hause.«
Nickend wische ich mir den Schweiß von der Stirn und von der Brust.
»Ich muss das hier nicht machen, Abby«, mahnt Percy mich. »Ich habe eine Warteliste mit Klienten, die bereit sind, alles zu geben.«
»Verstanden.«
Ich schnappe mir meine Sporttasche und gehe angewidert zur Tür. Es ist meine eigene verdammte Angelegenheit, wie viel Schlaf ich bekomme. Ich habe nicht vor, Profisportlerin zu werden oder so etwas.
»Wie war Ihr Training, Ms Daniels?«, fragt Ben, als ich hinten in den Wagen steige. Er mustert mich im Rückspiegel.
»Es war gut, danke.« Ich begegne seinem Blick und schenke ihm mein übliches nichtssagendes Lächeln.
Ben ist ein netter Mann – ein pensionierter Feuerwehrmann, der unter der Woche als Fahrer für mich arbeitet. Er hat mein Verlangen nach Privatsphäre schnell begriffen und stellt niemals neugierige Fragen.
Wieder in meiner Wohnung dusche ich, trinke eine frische Tasse Kaffee und föhne mir das Haar. Dann frisiere ich es zu einem Nackenknoten, trage etwas Make-up auf und schlüpfe in ein anthrazitfarbenes Kostüm mit einer hellblauen Bluse darunter. Ich ziehe hochhackige Schuhe an, schnappe mir meine Tasche und gehe wieder hinunter zum Aufzug.
Auf der Fahrt ins Büro wende ich mich erneut meinen E-Mails zu, und als wir da sind und ich aus dem Wagen steige, verabschiedet Ben sich wie immer: »Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Ms Daniels.«
Früher hat er versucht, um den Wagen herumzurennen und mir die Tür zu öffnen, aber ich war jedes Mal bereits ausgestiegen und ein paar Schritte weitergegangen, wenn er dort ankam, also hat er es aufgegeben. Auch in meinem früheren Leben mochte ich es nie, mich bedienen zu lassen. Und jetzt, da ich die Mittel dazu habe, heuere ich nur Hilfen an, um mir Zeit zu sparen.
In dem jüngsten Zeitschriftenartikel über mich wurde ich als »gnadenlose Verhandlungspartnerin, die...




