E-Book, Deutsch, 280 Seiten
Rückert / Eibisch Der Heiland
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7504-7351-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Leben Jesu Christi nach den vier Evangelien in einer Dichtung
E-Book, Deutsch, 280 Seiten
ISBN: 978-3-7504-7351-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Friedrich Rückerts "Leben Jesu Christi", ist eine Evangelienharmonie in der Tradition des altsächsischen Heliand - ein wahres Meisterwerk der religiösen Dichtkunst.
Autoren/Hrsg.
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1. Hauptstück.
I.
Im Anfang war das Wort, vom Anfang immerfort
War da bei Gott das Wort, und Gott war dieses Wort.
Nichts, was entstanden ist, ist ohne es entstanden,
Und was vorhanden ist, ist nur durch es vorhanden.
Das Leben war in ihm, das war der Menschen Licht,
Das in die Finstre schien, die Finstre faßt’ es nicht.
Ein Mann, von Gott gesandt, Johannes zubenannt,
Der zeugte, daß die Welt dem Licht sei zugewandt.
Das Licht selbst war er nicht, er zeugte nur vom Licht;
Das Licht kam in die Welt, und sie erkannt es nicht.
Der eigne Herr ist in sein Eigentum gekommen,
Von seinem eignen Volk ward er nicht aufgenommen.
Doch die ihn nahmen auf, die hat er auserwählt,
Im Glauben sich vermählt, den Kindern zugezählt.
Das Wort ward Fleisch, wir sahn’s, das unter uns gewohnt,
Und sehn die Herrlichkeit, in der es ewig thront.
II.
Als im Judäerland Herodes König war,
Erfüllte sich das Wort des Höchsten wunderbar.
Im jüdischen Gebirg da wohnte Zacharia
Genannt ein Priester von der Priesterzunft Abia.
Von Aarons Töchtern war sein Weib Elisabeth;
Die beiden lebten fromm und eifrig im Gebet.
Vorm Herren wandelten sie in Gerechtigkeit,
Gebot und Satzungen treu haltend allezeit.
Doch hatten sie kein Kind, unfruchtbar war das Weib,
Und beiden Gatten war gealtert schon der Leib.
Als nun auf eine Zeit des Opferdienstes Reihe
An Zacharia kam, begab er sich in Weihe
Zum Tempel hin, und dort nach priesterlichem Brauch
Ging er ins Heiligtum, zu streuen Opferrauch.
Den Weihrauch streut er da, zum Rauchaltare tretend,
Und draußen wartete des Volkes Menge betend.
Da sah er und erschrak, er sah, wie an dem Rand
Des Altars rechter Hand ein Engel Gottes stand.
Der sprach: Nicht fürchte dich! erhört ist dein Gebet,
Und einen Sohn gebiert dein Weib Elisabeth.
Johannes, also sollst du nennen dessen Namen,
Dein Trost sei und dein Stolz der gottverliehne Samen.
Und viele werden einst sich des Gebornen freun,
Die er zur Buße ruft, die Sünden zu bereun.
Groß wird er sein vorm Herrn, vom heil’gen Geist erfüllt,
Von Wein und Rauschtrank fern, in strenge Zucht gehüllt.
Der Söhne Israels bekehren wird er viele
Zum Herren ihrem Gott, und lenken zu dem Ziele.
Die Widerspenstigkeit der Herzen wird er schlichten,
Um ein bereites Volk dem Herren zuzurichten.
Im Geist und in der Kraft Eliä, des Propheten,
Wird er im Pfad des Heils einher ein Mahner treten.
Doch Zacharia sprach zum Engel unverzagt:
Woran erkenn’ ich dies, was du mir vorgesagt?
Denn ich bin alt, und auch mein Weib ist wohlbetagt.
Da sprach der Engel: Ich bin Gabriel, und stand
Vorm Angesicht des Herrn, von dem ich bin gesandt.
Doch siehe, stumm wirst du der Rede sein beraubt,
Weil du der Botschaft, die ich brachte, nicht geglaubt.
Und erst wenn alles ist erfüllt, wirst du gewinnen
Die Rede wieder. So sprach er und schwand von hinnen.
Nun wartete das Volk auch draußen, und es nahm
Sie alle Wunder, daß nicht Zacharia kam.
Sie wußten nicht, warum er säumt’ im Heiligtum,
Und als er kam heraus zu ihnen, war er stumm.
Er konnte zu dem Volk nicht sprechen einen Laut,
Da merkten sie, daß er drin ein Gesicht geschaut.
Doch mit Gebärden hub er ihnen an zu deuten,
Zu winken, aber stumm verblieb er vor den Leuten.
Im Heiligtume ging er stumm nun ein und aus,
Und als des Dienstes Frist war um, ging er nach Haus,
Nach dieser Zeit empfing Elisabeth, sein Weib,
Vom fünften Monat an verbarg sie ihren Leib.
Sie sprach im Herzen: So hat mir der Herr getan,
Da mit Barmherzigkeit er sah mein Alter an.
Gelobt sei seine Huld, die über mich gekommen,
Und hat vor meinem Volk von mir die Schmach genommen.
III.
Im sechsten Monde ward derselbe Bot’ entsandt
Von Gott nach Nazareth im Galiläerland,
An eine Jungfrau, die verlobt war einem Manne,
Der Josef hieß und war entstammt von Davids Stamme.
Maria aber war der Jungfrau Name, die
Aufsuchte Gabriel, und also grüßt er sie:
Gegrüßet seist du Hochbegnadigte, vor allen
Gesegnete, mit dir ist Gottes Wohlgefallen.
Doch sie erschrak, da sie des Boten Gruß ermaß,
Und sprach in ihrem Sinn: Was für ein Gruß ist das?
Der Engel aber sprach: Maria, fürchte nicht!
Denn Gnade fandest du vor Gottes Angesicht.
Und sieh, du wirst empfahn in deinem Leib und tragen
Ein Kind, das Jesus wird genannt in seinen Tagen.
Groß wird derselbe sein und heißen Gottes Sohn,
Der Herr, der Höchste, wird ihm geben Davids Thron.
Dem Hause Jakobs wird er ihn zum König senden,
Es wird sein Königreich in Ewigkeit nicht enden.
Zum Engel sprach hierauf Maria: Wie doch kann
Geschehen solches, da ich weiß von keinem Mann?
Er sprach: Es wird der Geist der Heiligkeit sich gatten
Zu dir, und dich die Kraft des Höchsten überschatten.
Und der Geborene wird heilig sein davon,
Deswegen wird er auch genannt sein Gottes Sohn.
Und sieh, Elisabeth auch, deine Anverwandte,
Ist schwanger eines Sohns, die unfruchtbar genannte.
Dies ist der sechste Mond, nachdem sie ihn empfing,
Im Alter; denn bei Gott unmöglich ist kein Ding.
Da sprach Maria: Sieh, ich bin des Herren Magd,
Geschehen möge mir, als wie du hast gesagt.
IV.
Der Engel ging von ihr, da stand Maria auf,
Das jüdische Gebirg zog sie in Eil hinauf.
Daselbst in eine Stadt von Juda kam Maria,
Da kehrete sie ein im Haus des Zacharia,
Und grüßt’ Elisabeth. Als die den Gruß vernahm,
Empfand sie, wie das Kind in ihr zu hüpfen kam.
Da ward des Geistes voll Elisabeth, und laut
Rief sie: Gesegnete der Weiber, Gottes Braut!
Gesegnete du selbst und deines Leibes Frucht!
Die Mutter meines Herrn, wie hat sie mich besucht?
Denn siehe, wie dein Gruß zu meinen Ohren kam,
Da hüpft in mir vor Lust das Kind, das ihn vernahm.
Wohl dir auf immer, weil du hast geglaubt im stillen,
Es wird an dir des Herrn Verheißung sich erfüllen.
Maria nun tat auf den Mund: Mein Herze preist
Den Herrn, und es frohlockt dem Heil von Gott mein Geist,
Daß er die Niedrigkeit anblickte seiner Magd,
Von nun an wird mein Heil in aller Welt gesagt.
Denn Großes tat er mir, der Heilige, es freuen
Sich ewig seiner Huld, die seinen Namen scheuen.
Stark macht er seinen Arm, Hochfärt’ge zu zerstreuen.
Er stößt den Stolz vom Thron, Demut erhöhet er,
Die Armen werden satt, und ausgehn Reiche leer.
Er will sich Israels annehmen, seines Knechtes,
Wie er verheißen hat den Vätern des Geschlechtes,
Der Gnaden eingedenk, die er einst Abrahamen
Auf ewig zugesagt und allem seinem Samen.
Gelobt in Ewigkeit sei Gottes Namen! Amen!
Drei Monde weilte nun dort bei Elisabeth
Maria, dann zurück kam sie nach Nazareth.
V.
Nun für Elisabeth war an der Zeit es schon,
Daß sie gebären sollt’, und sie gebar den Sohn,
Das höreten die Freund und Nachbarn rings, und priesen
Des Herren große Huld, die sich an ihr bewiesen.
Darauf am achten Tag, da sie zum Feste kamen
Des Kindes, nannten sie’s nach seines Vaters Namen.
Da sprach die Mutter: Nein! Johannes sei’s genannt.
Doch sie erwiderten: Es ist uns nicht bekannt,
Daß also jemand heißt, der mit dir ist verwandt.
Sie aber sprach, daß er nicht anders heißen sollte.
Dem Vater winkten sie, wie er ihn nennen wollte?
Er nahm ein Täfelchen, und schrieb zu jedermannes
Verwunderung darauf: Sein Name sei Johannes.
Da tat alsbald sein Mund sich auf und seine Zunge,
Und Gott zu preisen hub er an mit hohem Schwunge,
Und alle stauneten, die’s hörten, alt und junge.
Rings im judäischen Gebirge ward es kund,
Wie Gott erst zu, dann auf tat Zacharia’s Mund.
Und alle fragten mit verwunderten Gebärden,
Die’s höreten: Was wird aus diesem Kinde werden?
Und sichtlich mit dem Kind, vom Tage da’s gebar
Die Mutter, war die Hand des Herren wunderbar.
Doch Zacharia war des heil’gen Geistes voll,
Und prophezeiete vom Heil, das kommen soll:
Gepriesen sei der Herr, der Schirmer Israels,
Der uns von Davids Haus aufrichtet einen Fels,
Wie durch Prophetenmund vor alters er versprach,
Indem er seinen Bund nicht unsern Vätern brach,
Den Schwur, den Abraham er schwor und hielt hernach,
Zu wenden unsre Not, zu enden unsre Schmach;
Auf daß wir furchtlos aus der Feinde Hand gerettet,
Ihm dienen freudig, von der Knechtschaft Band entkettet,
Vor seinem Angesicht, in seiner Huld gebettet.
Du aber, Kindlein, wirst dem Höchsten ein...




