Ruppert | Obendrüber da schneit es | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Ruppert Obendrüber da schneit es

Ein Weihnachts-Familienroman
17001. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96048-120-1
Verlag: Econ
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Weihnachts-Familienroman

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-96048-120-1
Verlag: Econ
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vom Zauber eines Weihnachtsabends In einem Mietshaus herrschen zu Weihnachten Hektik, Ärger und Einsamkeit. Und alles, was nur schiefgehen kann, geht schief. Doch es ist Heiligabend, und ein kleines Wunder sorgt dafür, dass alle zusammen plötzlich viel weniger allein sind ... Eine berührende Weihnachtsgeschichte über das Glück der Freundschaft. 'Astrid Ruppert lässt den Traum von Weihnachten wahr werden - Dickens hätte es nicht besser gekonnt.' Rhein-Neckar-Zeitung Von Astrid Ruppert sind bei den Ullstein Buchverlagen bereits erschienen: Ziemlich beste Freundinnen Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn's am schönsten ist

Astrid Ruppert lebt mit ihrem Mann im Vogelsberg, wo sie Romane und Drehbücher schreibt.
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Sabrina war fast fertig mit aufräumen. Nicht, dass es besonders unordentlich gewesen wäre, aber sie hatte es eben gern nett, und besonders an Weihnachten. Vielleicht käme ja auch Besuch vorbei. Dann war es immer besser, wenn man aufgeräumt hatte. Sie straffte den Stoff der Hussen, die sie über ihre Esszimmerstühle gezogen hatte und band die Schleifen neu, die den Stoff an den Rücken der Lehnen zusammenhielten. Sie gab neue Kerzen in alle Kerzenständer und änderte die Anordnung der Dekoration auf der Fensterbank. Sie legte einen neuen Tischläufer auf ihren Esstisch und suchte nach den passenden Servietten, die sie auf der Kommode neben dem Esstisch bereitlegte. So war es perfekt.

Sie füllte den Plätzchenteller neu mit allem, was sie gebacken hatte. Die süßen Augen, die sie mit dem Johannisbeergelee in der Mitte anfunkelten, die Kokosmakronen, die genau richtig geworden waren dieses Jahr, ganz weich, nur gerade außen so ganz leicht knusprig, die Vanillekipferl, die herrlich mürbe waren und fast zerschmolzen auf der Zunge, na ja, es war ja auch wirklich genug Butter drin. Und echte Vanille. Das war einfach ein Unterschied. Sie ertappte sich dabei, dass sie schon das dritte Kipferl in den Mund schob, während sie den Teller dekorierte. Jetzt noch die Zimtsterne und die kleinen Schokonussgebirge, aus gerösteten Nüssen und Mandeln, die sie erst in goldenen Karamell und dann in feinste Zartbitter-Schokolade getaucht hatte. Vielleicht würde ja mal jemand vorbeikommen über die Feiertage, es würde klingeln, und dann würde sie sagen, o, komm doch rein, und dann könnten sie zusammen alle Plätzchen durchprobieren und lachen. In den Fernsehserien, die sie gerne sah, klingelte es immer an der Tür, und irgendwelche Freunde kamen völlig unerwartet. Und oft auch völlig ungelegen. Die meisten Frauen im Fernsehen hatten nie etwas im Kühlschrank. Ihr Kühlschrank war dagegen immer gut gefüllt, sie kochte und backte, und oft nahm sie dann Essen mit ins Büro, damit es nicht verkam. Es klingelte so selten bei ihr. Dabei könnte sie immer viele unerwartete Gäste verköstigen. Sie sah auf die Uhr. Es war zwar noch Zeit bis zur Chorprobe, aber sie konnte sich ja schon mal ihre Kleider zurechtlegen, dachte sie. Am besten gleich anprobieren. Sie schob sich noch ein Schokomandelhäufchen zwischen die Lippen. Anprobieren, damit auch nichts schiefging in letzter Minute. Sie musste ja gut angezogen sein heute. Sie würde ihm heute das Geschenk geben. O mein Gott! Das Herz schlug ihr schon beim bloßen Gedanken daran bis zum Hals! Ihr eigener Engel stand neben ihrem Bett auf dem Nachttisch. Der Zwillingsengel aus dem gleichen Holz befand sich – in rotes Seidenpapier gehüllt und mit einer dunkelroten Schleife verbunden – auf dem Wohnzimmertisch, wo sie ihn gestern Abend noch verpackt hatte. Mehrfach, wenn sie ehrlich war. Es hatte ihr nie gefallen. Die Goldfolie hatte so protzig gewirkt, das blaue Papier war wiederum so fest, dass sich damit nur Bücher oder andere eckige Gegenstände verpacken ließen, und die Engelsflügel hatten sich gleich durch das steife Papier gebohrt, als ob sie ein Eigenleben hätten. Mit dem roten Papier war sie zufrieden. Es sah schön aus. Geschmackvoll, aber nicht protzig, sie fand, dass man neugierig wurde, wenn man es sah. Und wenn er es auspackte, würde sie ihn einladen, einmal bei ihr vorbeizukommen, sie würde erwähnen, dass sie gerne Besuch bekäme an den Feiertagen, und ihm deutlich machen, dass er nicht stören würde, dass sie nicht zu den Leuten gehörte, die sich an Weihnachten abschotteten, weil sie das Fest nur im engen Familienkreis feierten. Sie würde ihm ein Zeichen geben.

Vor dem Kleiderschrank seufzte sie. Gut, die Auswahl war schon recht eingeschränkt heute Abend, schließlich musste sie schwarz-weiß erscheinen, der Chor sang immer in schwarz-weiß. Trotzdem, sie hatte einiges zum Kombinieren und sie wollte hübsch aussehen. Hübsch, hübsch, hübsch, hörte sie ihre innere Stimme raunen. Du und hübsch. Ach verdammt. So hübsch es eben geht, sagte sie laut und nahm drei Blusen aus dem Schrank. Mit ihrer Frisur musste sie dringend noch etwas unternehmen. Hochstecken? Das sah so elegant aus. Offen lassen? Das machte sie so jung. Vielleicht offen lassen mit den Spangen an der Seite. Das würde sie gleich probieren. Jetzt musste sie erst einmal entscheiden, welche Bluse es sein sollte. Sie hielt sich die erste vor den Oberkörper. Ach nein, bei der war der Stehkragen so eng, das war ungemütlich beim Singen. Dann doch die andere? Die war so durchsichtig. Das sah doof aus. Na ja, nicht bei allen, aber bei ihr schon. Dann die dritte. Die war ziemlich schmal geschnitten und Sabrina fand, dass sie streckte. Ja, die war gut, nicht zu durchsichtig, nicht zu kurz, nicht zu lang. Und dazu den schwarzen, schmalen Rock, der fast bis zum Knöchel ging. Perfekt. Sie wollte sie kurz überziehen, um zu kontrollieren, dass sie inzwischen auch nirgends spannte, öffnete die Knöpfe und schrie auf. An der Knopfleiste gleich oben prangte ein dicker Schokoladenfleck. Sie schaute auf ihre Hände. Die Schokonussgebirge. Was für ein Mist. Sie lief schnell ins Bad und versuchte den Fleck herauszuwaschen, doch das machte es nur noch schlimmer. Der Fleck verschmierte und dehnte sich aus. Vielleicht wurde er etwas heller, so ein unappetitliches Hellbraun, das auch nicht wirklich weiterhalf. Die Bluse war hin. Zumindest für diesen Abend. Entmutigt ließ sie die Bluse fallen, setzte sich auf den Toilettendeckel und lehnte den Kopf ans Waschbecken. So ist das eben, wenn du dich mal hübsch machen willst, sagte sie sich, es klappt einfach nicht.

Als das Telefon klingelte, richtete sie sich auf und ging ins Wohnzimmer, wo das Telefon immer auf einem kleinen Tischchen neben der Tür lag, damit sie es gleich fand.

»Wir wollten dir frohe Weihnachten wünschen, Klößchen!« Die Stimme ihres Vaters drang gut gelaunt an ihr Ohr. Klößchen. Konnte er sie nicht beim Namen nennen? Warum hatte sie überhaupt einen, wenn er sie doch immer nur Klößchen nannte.

»Prima«, sagte sie ins Telefon und versuchte zu lächeln, weil sie gelesen hatte, dass man überzeugender klingt, wenn man beim Telefonieren lächelt.

»Feierst du schön heute Abend?«, fragte er.

»Klar«, sagte sie und zog die Mundwinkel nach oben. »Nachher ist Chorprobe, und dann singen wir in der Vesper, und dann feiern wir alle zusammen mit dem Chor Weihnachten!« Es stimmte zumindest ein bisschen. Sie trafen sich immer noch nach der Christmette in der Sakristei auf ein Glas Wein und stießen zusammen auf Weihnachten an. Aber sie hatte das für ihre Eltern etwas ausgeschmückt. Sie sollten nicht wissen, dass sie alleine sein würde zwischen den Choreinsätzen. Aber vielleicht wäre sie auch gar nicht alleine. Vielleicht würde jemand mitkommen. Vielleicht würde er mitkommen, weil der Engel ihn zu ihr führte. Sie konnte nicht nach Hause zu ihren Eltern.

»Vati«, hörte sie die Mutter im Hintergrund raunen, »du sollst nicht Klößchen sagen, das mag sie doch nicht.«

»Hast du denn was Hübsches zum Anziehen für deinen großen Abend?«, fragte die Mutter sie später, als Sabrina mit ihr sprach. »Wenigstens könnt ihr Schwarz anziehen, das streckt ja immer so ein bisschen.« Danke Mama, dachte Sabrina. Danke Mama und danke Papa, dass ihr mir so Mut macht. Danke, sagte sie laut, als sie vor den Spiegel trat und sich betrachtete, in der durchsichtigen Bluse, unter der man genau sah, wie die Speckröllchen über den Rockbund quollen. Niemals würde sie die anziehen. Dann schon lieber die Ungemütliche mit dem steifen Stehkragen. Obwohl die auch ein bisschen spannte um die Hüften. Sie hatte einfach nichts anzuziehen. Sie würde überhaupt nicht in die Kirche gehen. Sie sah in allem, was sie im Schrank hatte, bescheuert aus. Wie ein Kloß. Wie ein fetter runder Kloß. Papa war ja noch nett, wenn er Klößchen sagte. Das klang richtig süß. So süß war sie gar nicht. Sie passte nicht in Blusen. Was an anderen Frauen toll wirkte, sah an ihr grauenhaft aus. Wie eine Pellwurst kam sie daher. Deswegen hatte sie ja auch keinen Mann. Wer wollte schon einen Kloß küssen. Wer würde sich jemals in einen Kloß verlieben. Mit Speckröllchen über dem Rockbund. Sie tat sich so leid. Sie würde nicht mitsingen. Sie würde gar nicht hingehen. Sie würde sich jetzt hier aufs Sofa legen und nicht mehr aufstehen. Nie mehr.

***

»Und was willst du den Kindern sagen?« Achim starrte seine Frau fassungslos an. »Nur weil ich gestern vergessen habe, das Tier abzuholen? Heute ist es da. Hier!«

Er knallte die Gans in der durchsichtigen Tüte, in der sie steckte, vor Waltraud auf den Tisch. Bleich und groß lag die Gans zwischen ihnen. Sie starrten beide auf das Tier.

Es hat Gänsehaut, dachte er. Es sieht aus wie ich, wenn ich friere. Er war kurz davor zu lachen, aber irgendwie versickerte sein Lachen auf halbem Wege. Das war absurd. Was war nur mit Waldi los? Er hatte gedacht, die Wechseljahre wären mittlerweile vorbei und die Launen, die damit einhergegangen waren, auch. Waltraud starrte jetzt angestrengt aus dem Fenster. Was gab es da denn jetzt zu sehen? Was war nur los mit ihr? Bald würden die Kinder kommen. Na gut. Wenn Waltraud meinte, sie müsste streiken, dann würde er sich eben um Weihnachten kümmern. Es war ja noch ein bisschen Zeit. Kochbücher hatten sie einige. Lesen konnte er schließlich auch. Und während die Gans im Ofen briet, könnte er den Baum schmücken. Das konnte ja wohl alles nicht so schwierig sein. »Dann mach ich dieses Jahr Weihnachten!«, sagte er entschlossen und ging zu dem Regal, in dem die Kochbücher standen. Gänsebraten, Rotkohl und Klöße. Das müsste er doch eigentlich hinkriegen.

Waltraud sah ihn...


Ruppert, Astrid
Astrid Ruppert lebt mit ihrem Mann im Vogelsberg, wo sie Romane und Drehbücher schreibt.



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