Rylee | Das Dienstverhältnis | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 211 Seiten

Rylee Das Dienstverhältnis

Thriller
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-4131-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 211 Seiten

ISBN: 978-3-7438-4131-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Mia arbeitet in einem Theater in Hamburg. Eines Abends entdeckt sie eine Rose, die hinter dem Scheibenwischer ihres Wagens klemmt. Anfangs ist sie von dieser Geste des heimlichen Verehrers angetan. Doch bei der Rose bleibt es nicht ...

Rylee Das Dienstverhältnis jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Der Unfall
Bevor der Trubel beginnen würde, machte ich noch einen Spaziergang um das Theater. An der Elbe blieb ich stehen und schaute hinüber zum anderen Ufer. Es war die Ruhe vor dem Sturm, bevor die ersten Künstler, gefolgt von den Zuschauern, diese Seite der Elbe betreten würden. Ich sinnierte wieder über den mysteriösen Verehrer mit der Rose. Eine Gänsehaut überzog meinen Körper, als der Wind auffrischte und mir einige Strähnen ins Gesicht wehte. Ich wischte sie weg, versuchte, sie hinter das Ohr zu klemmen, doch die Haare fanden immer wieder einen Weg, die Sicht zu beeinträchtigen. Das Gefühl, beobachtet zu werden, wuchs in mir heran. Immer wieder suchte mein Blick die Umgebung ab, doch es war nichts Ungewöhnliches zu sehen. Langsam machte ich mich auf den Weg zurück ins Büro. Der Vorfall vor zwei Tagen sickerte wieder in meinen Kopf. Es war wie eine Teerschicht, die sich nur mit viel Mühe entfernen ließ, und man hinterher noch immer das Gefühl hatte, sie sei vorhanden. Ich konnte es einfach nicht verdrängen. Allein die Tatsache, dass ich hier war, hinterließ einen schalen Geschmack in meiner Mundhöhle. Montags war spielfrei. Unter dem Vorwand einer Migräne hatte ich mir den gestrigen Tag freigenommen, um meine Gefühle zu ordnen und zu sondieren, was dieser Vorfall zu bedeuten hatte. Meine Assistentin Biggi sprang für mich ein und übernahm beide Schichten. Da wir nur zu zweit waren, war dies nicht anders zu bewerkstelligen. Zum Ausgleich übernahm ich heute ihre Schicht. Kurzum fasste ich den Entschluss, dass ich mit jemandem darüber sprechen musste. Sofort kam mir Ollie in den Sinn. Ich fluchte und steckte das Smartphone in die Tasche zurück – da ich vergessen hatte, es aufzuladen. Es brauchte dringend einen neuen Akku, denn es zeigte gerade noch sieben Prozent an. Zu wenig, um ein vernünftiges Gespräch zu führen. Im Aktenschrank suchte ich in seiner Personalakte die Telefonnummer von ihm heraus. Da er viel unterwegs war, hatten wir in den letzten drei Wochen keinen Kontakt gehabt. Schließlich wollten wir uns geschäftlich zusammentun; wir planten, eine kleine Show auf die Beine zu stellen. Es war an der Zeit, dass ich mich bei ihm meldete, um den Zwischenstand in Erfahrung zu bringen.   Aus dem Lautsprecher lauschte ich der Vorstellung. Ein Schwarz-Weiß-Monitor, in der Ecke über der Tür angebracht, übertrug die aktuelle Bühnenshow. So konnte ich live miterleben, ob die Darsteller ihre Auftritte wahrnahmen. Die Show lief gut. Bisher gab es noch keine Patzer, Versprecher oder verpasste Auftritte. Ich wählte Ollies Nummer, bekam aber nur den Anrufbeantworter zu fassen. Vermutlich stand er gerade in einer anderen Show auf der Bühne. Also legte ich wieder auf und setzte mich an den Computer, als es hektisch an meiner Tür klopfte. »Komm nur rein«, rief ich zur Tür, ohne zu wissen, wer dahinterstand. Die Tür ging auf und Theo, einer unserer Bühnentechniker, platzte hinein. Die enge schwarze Jeans und der schwarze Pullover ließen ihn fast zerbrechlich erscheinen. Manchmal macht Schwarz schlanker, als es einem guttat. »Mia, wir brauchen dringend einen Arzt. Eine der Tänzerinnen hat sich gerade hinter der Bühne den Fuß verknackst.« Ich blickte auf, leicht angespannt. »Wer ist es?« Der Geruch von Schweiß trat mir in die Nase, als der Bühnentechniker vor meinem Schreibtisch stoppte. »Valerie.« »Oh, Mann! Ausgerechnet Valerie.« Genervt legte ich den Kopf in die Hände. Unsere französische Diva. Die einzige Person aus dem Ensemble, mit der ich meine Schwierigkeiten hatte. Wir waren und würden nie beste Freundinnen werden. Ihrer arroganten Art konnte ich einfach nichts abgewinnen. Doch sie war eine der besten Tänzerinnen, die unser Ensemble hatte – mit hervorragender Bühnenpräsenz. Und das war es letztendlich, was zählte. »Nicht schon wieder ein Ausfall bei den Tänzern«, murrte ich. »Hatte sie am Warm-up vor der Show teilgenommen?« Theo nickte. »Hat sie. Ich war selbst dabei.«
Ich starrte Theo an. Nachdem ich diese Nachricht verdaut hatte und sie mir auf der Zunge zergehen ließ, konnte ich nicht mehr an mich halten und prustete los. »Du? Du hast am Warm-up teilgenommen?« Ein herzhaftes Lachen war nun nicht mehr zu unterdrücken. Theo blickte mich unsicher an. Sofort versuchte ich, mich zu beherrschen, presste die Lippen fest aufeinander, hatte aber so meine Schwierigkeiten damit. »Entschuldigung. Ich wollte dich nicht auslachen.« Ich tat alles mir in der Macht stehende, die Situation noch zu retten, doch es war bereits zu spät. »Lisa sagte, dass jeder, der an der Show teilnimmt, egal ob Tänzer, Sänger, Schauspieler oder Techniker, am Warm-up teilnehmen soll. Für das Gemeinschaftsgefühl.« Ich schluckte und räusperte mich. »Sorry. Das ist mein Ernst. Lisa hat nicht ganz unrecht mit dieser Theorie. Als rechte Hand der Choreografin weiß sie, wie man eine Gruppe zusammenschweißt.« Unvermittelt drehte ich mich von ihm weg, denn in meinem Kopf spukten wieder die Bilder unserer Bühnentechniker herum, die beim klassischen Tanz Warm-up versuchten, Schritt zu halten. Gestandene Männer, die dieser Art von Tanz nichts abgewinnen konnten. Zum Glück stand das Telefon auf dem Aktenschrank neben mir. So konnte Theo mein Gesicht nicht sehen, während ich die Nummer des Notarztes wählte. »Ich muss wieder runter zur Bühne!« Ich hob die Hand zum Zeichen, dass ich verstand. Kaum war Theo verschwunden, kam Lisa durch die Tür gehetzt. »Hast du schon gehört? Valerie hat sich verletzt. Ich komme gerade aus ihrer Garderobe.« Mit erhobenem Zeigefinger signalisierte ich ihr, dass sie warten sollte. »Wir brauchen dringend einen Arzt!«, rief sie schwer atmend.  Nachdem ich den Hörer aufgelegt hatte, wandte ich mich Lisa zu. »Hab gerade mit ihm telefoniert. Der Notarzt müsste gleich hier sein. Hast du die Besetzung schon umgestellt?« Lisa nickte eifrig. »Ich springe ein und übernehme die Parts von Valerie.« »In Ordnung. Ich kümmere mich dann um den Rest.«   Ich besuchte Valerie in der Garderobe. Die Glühlampen entlang der Umrandung an den Schminkspiegeln erhellten als einzige Lichtquelle den Raum. Die Perücke neben sich auf dem Tisch deponiert, doch immer noch im Kostüm, saß Valerie auf ihrem Stuhl, den verletzten Fuß auf einem Hocker abgelegt. Den Knöchel hatte jemand mit einem Küchentuch notdürftig bandagiert, in dem zusätzlich ein Eispack eingewickelt war. Valerie war von zarter Statur, mit langen hellblonden Haaren und normalerweise strahlend blauen Augen – und mit einer Arroganz gesegnet, wie sie sich nur Superstars leisten. Nun waren ihre Augen gerötet, während sie leise vor sich hin weinte. Erst einmal blieb ich im Türrahmen stehen. Eine reine Vorsichtsmaßnahme. Einen Künstler, der gerade von der Bühne gekommen war, musste man mit Samthandschuhen anfassen. Und Valerie gehört zu der Sorte Tänzerinnen, denen Hysterie in die Wiege gelegt worden war. Sogar im normalen Alltag schubste sie alles und jeden vor sich her. Kurz gesagt, sie war eine schwierige Person. »Valerie? Was ist passiert?« Ich fragte ganz vorsichtig. »Err at misch einfach fallen gelassen ...«, schluchzte sie und vergrub den Kopf in den Händen. »Dieserr Idiot! Err sagte noch vorr derr Show zu mirr, isch sei su dig. Iiiiesch!« Ihr französischer Akzent war einfach entzückend und zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht. Valerie verstand es falsch und quittierte es umgehend mit einem wütenden Blick. »Findest du das witzisch?« Sofort riss ich mich zusammen und wurde ernst. »Äh. Nein. Natürlich nicht, Valerie.« Irgendwie schaffte sie es immer wieder, dass ich mich schuldig fühlte. »Du bist zu dick?« Oh je! Das hätte ich vielleicht nicht wiederholen sollen. Tänzerinnen waren ja so sensibel, wenn es um das eigene Körpergewicht ging. Außer Zigaretten, Kaffee und gelegentlich mal einem Salatblatt nahmen sie nicht viel zu sich. »Du glaubst auch, isch sei su dig!« Vorwurf und Wut lagen in ihrer Stimme. Fieberhaft suchte ich nach einem Weg aus diesem Schlamassel. »Das habe ich so nicht gesagt«, kam es stotternd über meine Lippen. Meine Geduld begann langsam aber sicher abzunehmen. Bevor das Gespräch eskalierte, wechselte ich das Thema. »Der Arzt kommt gleich. Der schaut sich deinen Fuß an.« Kaum hatte ich den Satz beendet, betrat der Notarzt die Garderobe und ging auf die weinende Valerie zu. Die Diagnose war schnell gestellt. »Sie hat eine Bänderüberdehnung oder einen Bänderriss. Sie muss ins Krankenhaus. Das muss geröntgt werden.« Ich schluckte und Valerie schniefte erneut ihr markerschütterndes Geschluchze. Diesmal noch lauter und klagender als vorher, während nun zusätzlich dicke Tränen ihre Wangen herunterliefen. Ich sah mich um und erblickte die Box mit den Papiertüchern auf einem der Schminktische, griff nach einem Tuch und reichte es ihr. Sie riss es mir förmlich aus der Hand und...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.