Rylee | gestatten: Jessy | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 293 Seiten

Rylee gestatten: Jessy

Schutzengel
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96465-094-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Schutzengel

E-Book, Deutsch, 293 Seiten

ISBN: 978-3-96465-094-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Nach ihrem Tod erhält Jessy im Himmel eine Ausbildung zum Schutzengel. Aber ein Schutzengel, der Angst vor dem Fliegen hat? Das schafft Probleme und setzt Jessy dem Hohn der Mitschüler aus. Dennoch wird ihr der ungewöhnliche Auftrag erteilt, Wendel auf der Erde zu beschützen. Keine leichte Aufgabe, denn der unberechenbare Junge ist das Kind übermenschlicher Wesen und lässt sich nicht gern in menschliche Normen zwängen. Jessys Auftrag wird zur Existenzfrage, als sie Wendels Seele retten muss, da finstere Mächte mit allen Mitteln versuchen, ihren Erfolg zu verhindern.

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Der Chronist
»Hallo? Wo bin ich denn hier? Halloooo?« Jessy blickte sich um. Um sie herum schien alles in ein gelbes Licht getaucht zu sein, das eine angenehme Wärme ausstrahlte. Obwohl sie allein war, verspürte sie keine Angst, dennoch war ihr etwas mulmig zumute. Seltsam. Während weitere Minuten verstrichen, machte Jessy vorsichtig einen Schritt nach dem anderen. Sie wusste nicht, wohin sie überhaupt ging. Alles sah gleich aus. Es gab keine Straßen. Keine Bäume oder Häuser. Es gab nichts, was ihr einen Hinweis darauf hätte geben können, wo sie sich befand. »Ist hier jemand?« Ihre Frage kam zögerlich. Als niemand antwortete, sackten ihre Schultern betroffen hinab. Die Neugierde wuchs, sodass Angst keine Chance hatte, von ihr Besitz zu ergreifen. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich hierhergekommen bin. Bin ich etwa gestorben? Aber ... vielleicht bin ich gar nicht tot? Nur ... wo bin ich dann? Sie schob die Unterlippe vor, um die Locke aus ihrer Stirn zu pusten. Plötzlich hielt sie inne. Ihre Augen spähten in die Ferne. Ein seichtes Gemurmel klang in ihren Ohren. Noch immer konnte sie nichts erkennen. Also lief sie in die Richtung, von der sie glaubte, dass sich dort Menschen aufhielten. Es wunderte sie, dass sie ihre Schritte nicht hörte. Abrupt stoppte Jessy. Wenn ich mich hier so umschaue ... Ich befinde mich in ... Tja, in was? Es ist kein Raum, denn hier sind nirgends Wände. Auch keine Türen oder Fenster. Fünfzig Meter entfernt bewegte sich etwas. Augenscheinlich bin ich nicht allein. Ist das hier ein Kindergarten? »Hallo? Ihr da!« Die grauen Silhouetten reagierten nicht. Jessy versuchte, auf sie zuzulaufen, doch der Abstand verringerte sich nicht um einen Meter. Wer sind diese vielen seltsamen Gestalten? Alle sehen so blass aus. Ihre Körper wirken leblos. Nicht der Hauch eines Lebensfunkens scheint in ihnen zu stecken. Komisch. Sollte dies das Ende sein, so hatte ich es mir irgendwie anders vorgestellt. »Du bist zwar gestorben, Jesajah, doch du bist nicht tot.« Sie wirbelte herum. Nanu? Sie kannte die Stimme nicht, die eindeutig einem Mann gehörte, suchte aber dennoch nach ihrem Ursprung. »Wer ist da? Woher kennst du meinen Namen?« Sie drehte sich mehrmals um die eigene Achse. »Wer hat da eben zu mir gesprochen? Los! Raus mit der Sprache! Und zeig dich endlich.« Jessy war noch nie ein ängstliches Mädchen gewesen. Bereits in frühen Jahren musste sie hart arbeiten. Angst war bei der Feldarbeit und den zu entrichtenden Hausarbeiten fehl am Platz. Trotz ihrer acht Jahre hatte sie sich immer um ihren jüngeren Bruder Joshua gekümmert. All das lag nun hinter ihr, doch Jessy konnte sich an dieses Leben nicht mehr erinnern.   Ein Mann mit kurzen dunklen Haaren und lockigem Vollbart löste sich aus der Menge. Selbstbewusst schritt er auf Jessy zu. Seine stolze Haltung ließ sie vor Ehrfurcht fast erstarren.
In einem für sie angenehmen Abstand hielt er an. Große meerblaue Augen musterten ihn. Allem voran fiel ihr der wache Ausdruck auf, der sein Gesicht beherrschte. Er überragte sie um einen Kopf, sodass sie aufschauen musste. Jessy hätte ihm am liebsten etwas zu Essen besorgt, denn seine schmale Statur ließ darauf schließen, dass er am Verhungern war. Er trug eine griechische Toga, deren Saum goldene Kästchen zierten. Unter der linken Achselhöhle klemmte eine Papyrusrolle. Um den Hals trug er eine Kette aus Hanf, an der eine Phiole mit einer Schreibfeder baumelte. »Wer bist du?«, fragte sie zaudernd. Ihre Augen verwandeln sich in schmale Schlitze, als würde sie eine Sehhilfe benötigen, um zu erkennen, wer vor ihr stand. Jessys Stirn schlug tiefe Falten. Krampfhaft überlegte sie, ging in Gedanken all ihre Bekannten und Freunde durch, doch da war nichts. Ihre Erinnerungen … wie ausgelöscht. »Mein Name ist Xenophon.« Jessy schüttelte den Kopf, sodass ihre Korkenzieherlocken umherflogen. »Den Namen habe ich noch nie gehört«, entgegnete sie mit einer Überzeugung in der Stimme, die sie selbst überraschte, denn in ihrem Kopf gähnte eine Leere, die sie sich nicht erklären konnte. Xenophon schien weder verwundert noch verärgert zu sein. »Oh. Ich erwarte nicht, dass du mich kennst. Erlaube mir, dir einige Informationen zu meiner Person zu geben. Ich war einst ein griechischer Politiker, Feldherr sowie ein Schüler des Sokrates.«
Er wartete. Als er erkannte, dass bei Jessy noch immer kein Licht aufging, fuhr er fort. »Zudem bin ich ein Schriftsteller. Ich habe die Worte des Sokrates aufgeschrieben, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Nun bin ich hier, um deine Geschichte zu schreiben.« Jessys Augen wurden groß und feucht, sodass das Meerblau darin zu glänzen begann. »Meine Geschichte?« Mit dem Handrücken wischte sie unter der Nase entlang. Dabei ertönte ein leises Schniefen. »Genau. Als dein Chronist werde ich Aufzeichnungen über dich anfertigen, damit jeder weiß, wer du bist. Deine Taten könnten dich berühmt machen.« Er streckte die schmale Brust heraus, was die Phiole zum Baumeln brachte. Jessy setzte sich im Schneidersitz hin. Erwartungsvoll schaute sie zu ihm auf. »Was tust du da, Jesajah?« Xenophon rieb sich mit der Hand über den Bart. »Ich mache es mir gemütlich, damit ich meiner Geschichte lauschen kann. Ich erinnere mich nicht an das, was geschehen ist.« Sie rutschte noch einmal auf ihrem Po hin und her. Als sie bequem saß, strich sie mit den Händen den Rock ihres Kleides glatt, bevor sie sich wieder dem Chronisten widmete. »Also. Schieß los«, forderte sie ihn freudestrahlend auf. Während er die freie Hand in die Hüfte legte, holte Xenophon tief Luft. »Ich muss dich enttäuschen. Ich werde die Geschichte erzählen, die erst noch vor dir liegt. Deine Vergangenheit kenne ich ebenso wenig wie du.« Enttäuscht senkte Jessy den Kopf. »Deine Taten als Schutzengel sind die Ereignisse, über die ich berichten möchte.« Sie schwieg, während sie mit dem Zeigefinger Kreise auf dem flauschig wirkenden Boden zeichnete, der zäh wie Knetmasse war. Dennoch verschwand der tellergroße Bogen wieder, kaum dass Jessy ihre Zeichnung vollendet hatte. »Dann bin ich also so richtig tot«, sinnierte sie. Abrupt hob sie den Kopf. »Und im Himmel?« »Ja und nein.« »Hä?« »Du bist gestorben, aber nicht im Himmel.« »Hä?« »Du bist in … Hm, wie soll ich es dir am einfachsten erklären?« Er kratzte sich mit dem Griffel an der Schläfe. »Nun, wir nennen es die Obere Ebene.« Noch immer schaute sie ihn entgeistert an. »Der Himmel, wie du ihn nennst, also der Kosmos ...« »Kos … was?« Bisher hatte der Chronist nur die Geschichten von Philosophen oder Feldherrn aufgeschrieben, nie jedoch die eines Kindes, das kurz davor stand, ein Schutzengel zu werden. Er hoffte, dass ihn dieses Projekt nicht überfordern würde. »Kosmos. Das wirst du alles noch lernen. Erst einmal schicke ich dich auf die E.n.G.E.l.« »Und du willst Schriftsteller sein?« Verwirrt starrte sie ihn an. Xenophon schaute dumm aus der Wäsche, da ihm der Zusammenhang gerade nicht klar war. »Das heißt ›zu den Engeln‹ und nicht ›auf die Engel‹.« Diese kecke Art war er nicht gewohnt, sodass er den Oberkörper streckte. Oh je, sie ist auch noch eine Klugscheißerin. Er legte den Kopf in den Nacken, den Blick nach oben gewandt. Das wird anstrengend, dachte er. Dann schaute er auf Jessy hinab. »Komm.« Väterlich reichte Xenophon ihr die Hand. Jessys kindliches Lächeln verzauberte den Schriftsteller. Sie schien sich wirklich zu freuen. Mit einem beherzten Ruck zog er sie auf die Beine. »Kleine Jesajah, für dein Alter bist du ganz schön altklug. E.n.G.E.l. steht für ›Einweisungsstelle neuer Guardians im Exil‹.« Verblüfft blieb Jessy stehen. Ein Ruck fuhr durch Xenophon, der ihn verharren ließ. »Du schickst mich ins Exil? Habe ich etwas verbrochen? Bin ich schlecht?« »Keine Sorge«, entgegnete der Chronist mit einem Schmunzeln. »Als Exil bezeichnen wir die Erde. Die E.n.G.E.l. ist die himmlische Akademie. Sobald du deine Ausbildung beendet hast, wird man dich zurück zur Erde schicken. Man wird dir einen Menschen zuweisen, um den du dich kümmern musst. Deine Aufgabe wird es sein, ihn zu beschützen und ihn anzuleiten, damit an seinem Ende die Seele zu uns findet.« »Mehr muss ich nicht tun?« »Nein.« Jessys Unbeschwertheit bereitete ihm sichtlich Freude. »Doch glaube mir, das ist keine leichte Aufgabe.« »Was ist so schwierig daran? Wenn mir mein Schutzengel begegnen würde, wäre ich total entzückt und aus dem Häuschen«, sagte sie freudig, doch sofort wurde sie ernst. »Hatte ich auch einen Schutzengel? Und wo war er, als...



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