Sahrhage | Werwolfmorde? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 268 Seiten

Sahrhage Werwolfmorde?

Kommissar Helmke ermittelt
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-4580-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kommissar Helmke ermittelt

E-Book, Deutsch, 268 Seiten

ISBN: 978-3-7557-4580-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mai 1947: Ein ehemaliger Ortsgruppenleiter der NSDAP wird erschossen vor seiner Haustür aufgefunden. Der Bielefelder Kommissar Walter Helmke übernimmt den Fall im dörflichen Jöllenbeck. Der letzte Mord in dem Dorf liegt bereits einige Jahre zurück - kurz nach Kriegsende wurde ein anderer überzeugter Nazi erschossen. Verdächtigt, ihn getötet zu haben, wurde damals eine Werwolf-Gruppe. Könnte zwischen beiden Fällen ein Zusammenhang bestehen? Die Ermittlungen führen Helmke zurück in die Zeit des Nationalismus und des Zweiten Weltkrieges. Es scheinen noch offene Rechnungen zu bestehen, die jetzt, nach Kriegsende, beglichen werden sollen. Ein französischer Kriegsgefangener kam damals unter ungeklärten Umständen ums Leben. Und auch ehemalige Widerstandskämpfer könnten Selbstjustiz ausüben. Helmke steht unter Druck. Er soll Ergebnisse liefern und er weiß nicht, ob noch weitere Morde geplant sind. Die sorgfältig recherchierte Geschichte bildet einen idealen Rahmen für einen tiefgründigen historischen Krimi um Schuld und späte Rache.

Norbert Sahrhage wurde 1951 in Spenge geboren. Er studierte an der Universität Bielefeld Geschichte, Sozialwissenschaften und Sport. Von 1979 bis 2015 arbeitete er als Lehrer an einem Gymnasium. Promotion 2004. Seit 2010 Veröffentlichung mehrerer Kriminalromane.

Sahrhage Werwolfmorde? jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


2. Kapitel
Montag, 12. Mai 1947 Der Tote war knapp zwei Stunden nach dem Mord gefunden worden, jedenfalls hatte Dr. Maßmann, der herbeigerufene Dorfarzt, den Todeszeitpunkt auf etwa 23:00 Uhr geschätzt. Der tote Anton Goll war von seinem Nachbarn, der am Ende der Straße wohnte, entdeckt worden. Der Nachbar war kurz nach Mitternacht aus einem Wirtshaus gekommen und hatte Goll, der vor der erleuchteten Eingangstür seines Hauses lag, gesehen, dann flüchtig begutachtet und dabei das Blut und die Wunde bemerkt. Daraufhin hatte er sich wieder auf sein Fahrrad geschwungen und war zur örtlichen Polizeiwache gefahren, wo er den Ortspolizisten herausgeklingelt hatte. Kurze Zeit später waren der Polizist, ein älterer, leicht kurzatmiger Mann mit Bauchansatz und schütterem Haar, und Dr. Maßmann am Tatort erschienen. Der Dorfarzt hatte nur noch den Tod des vor der Haustür liegenden Mannes feststellen können. Inzwischen wurde es langsam hell. Der Regen war weniger geworden und hatte schließlich ganz aufgehört. Kommissar Walter Helmke von der Bielefelder Kriminalpolizei, der von dem Ortspolizisten angefordert worden war, hatte die Leitung vor Ort übernommen. Helmke, ein baumlanger Mann mit zurückgekämmten dunkelblonden Haaren, hatte in dieser Nacht Bereitschaftsdienst gehabt und war deshalb sofort nach Jöllenbeck gefahren. Kurze Zeit später waren auch zwei Leute von der Spurensicherung eingetroffen, die sich sofort an die Arbeit machten. Der Dorfpolizist, der Helmke schon einen kurzen Lagebericht gegeben hatte, stand jetzt auf Anweisung des Kommissars vor der Buchenhecke, die das Grundstück des Ermordeten zur Straße hin abgrenzte, um neugierige Nachbarn davon abzuhalten, den Tatortbereich zu betreten. Es war kurz vor 4:00 Uhr. Erstaunlicherweise hatten einige Bewohner der umliegenden Häuser mitbekommen, dass auf der Straße und in der Nachbarschaft etwas Ungewöhnliches geschehen sein musste. Ein Mann und eine Frau standen in Morgenmänteln neben dem Dorfpolizisten und sprachen mit ihm. Helmke betrachtete den auf dem Rücken liegenden Toten. Es handelte sich um einen etwa 50 Jahre alten Mann, rothaarig, bartlos, Stirnglatze. Seine Augen waren geöffnet. Er trug ein kariertes Hemd und eine vom Regen durchnässte braune Cordhose. Seine Füße steckten in grauen, verschlissenen Pantoffeln, die ebenfalls vom Regen durchweicht waren. Die Brust des Mannes zierte ein großer roter Fleck. Der Ermordete schien arglos an die Haustür gekommen zu sein und war hier seinem Mörder begegnet. Helmke winkte den Nachbarn des Ermordeten zu sich, der auf Anweisung des Dorfpolizisten an der Buchenhecke gewartet hatte. „Wie heißen Sie?“ „Wiegand, Reinhold Wiegand. Ich wohne in dem Haus da drüben.“ Der ältere Mann wies auf das Nachbarhaus, das am Ende der Straße lag. Helmke roch den Alkohol, den Wiegand noch vor kurzer Zeit getrunken haben musste. „Sie kennen den Ermordeten?“ Wiegand nickte. „Ja, sicher. Wir sind Nachbarn, seit fast 50 Jahren. Wir sind beide hier in dieser Straße aufgewachsen.“ „Wie sind Sie auf den Ermordeten aufmerksam geworden?“ Wiegand wies auf den Kirchturm, der von ihrem Standort aus zu sehen war. „Ich kam aus dem Gasthof zum Adler, da neben der Kirche. Hatte da mit ein paar Bekannten Skat gespielt, machen wir jeden Sonntag. Heute Abend war‘s ein bisschen spät geworden. Als ich die Straße herunterfuhr, fiel mir auf, dass bei Anton an der Vordertür noch Licht brannte. Und da sah ich ihn durch die Hecke auf der Erde liegen. Zuerst dachte ich, er sei gestürzt, und … ich wollte ihm helfen. Aber dann bemerkte ich das viele Blut und habe die Polizei informiert.“ „Wann war das?“ „Etwa um Mitternacht.“ Helmke notierte die Aussage in Stichworten. „Haben Sie jemanden in der Nähe des Hauses gesehen oder ist Ihnen auf der Straße jemand entgegengekommen?“ „Nein.“ Wiegand schüttelte den Kopf. „War ja schon spät.“ Helmke nickte. „Was war Ihr Nachbar für ein Mensch?“ Wiegand zuckte mit den Achseln. „Ein ganz normaler Nachbar, wie die übrigen hier in der Straße auch.“ Helmke war damit nicht zufrieden. „Irgendetwas muss ihn aber von den übrigen Nachbarn unterschieden haben. Schließlich ist er ermordet worden.“ Wiegand schwieg. Helmke setzte noch einmal an: „War Herr Goll verheiratet? Hatte er Kinder?“ Wiegand senkte seine Stimme, als ob er befürchtete, der Tote könnte ihn noch hören: „Er war verheiratet, wurde aber kurz vor Kriegsausbruch geschieden. Kinder hatte er nicht.“ Er grinste und schob nach: „Jedenfalls keine ehelichen.“ „Was meinen Sie damit?“ „Na ja, Anton war kein Kostverächter. Wenn Sie wissen, was ich meine.“ „Lebte er allein in dem Haus?“ „Nein. In der unteren Wohnung ist im letzten Jahr eine Flüchtlingsfamilie einquartiert worden. Soweit ich weiß, sind die Leute zur Zeit aber nicht da. Sie besuchen an diesem Wochenende Verwandte in Hamm. Konrad hat mir erzählt, dass sie da zu einer Hochzeit eingeladen sind.“ Helmke hakte nach: „Wer ist Konrad?“ „Konrad Mellenthin, der Untermieter von Anton.“ „Hatte Herr Goll Feinde? Gab es in letzter Zeit Streit?“ Wiegand überlegte kurz, bevor er sagte: „Nein, glaube ich nicht. Von einem Streit weiß ich nichts.“ Für Helmke klang die Antwort nicht überzeugend, dafür hatte Wiegand einen Augenblick zu lange gezögert. Er nahm sich vor, diese Aussage später noch einmal aufzugreifen. Zuvor wollte er sich aber mit dem Dorfpolizisten absprechen. „Gut, Herr Wiegand“, sagte er, „vielen Dank. Vielleicht werde ich noch einmal auf Sie zurückkommen.“ Walter Helmke, 1,90 Meter groß, der sich während des Gespräches zu dem wesentlich kleineren Wiegand hinuntergebeugt hatte, reckte sich und gab Wiegand damit auch durch seine Körpersprache zu verstehen, dass das Gespräch beendet war. Reinhold Wiegand nickte. „Dann kann ich ja noch ein Stündchen schlafen, bevor ich zur Arbeit muss.“ Leise murmelnd fügte er hinzu: „Hab‘ hier ja lange genug warten müssen.“ Helmke wusste nicht, ob das eine bloße Feststellung oder als eine Beschwerde gemeint war. Als Wiegand das Grundstück verließ, trat Harald Coring, einer der beiden Kollegen von der Spurensicherung auf Helmke zu. Er trug einen unzufriedenen Gesichtsausdruck zur Schau. „Der Regen hat alle Spuren – wenn es überhaupt welche gab – beseitigt. Den Rest hat der Nachbar des Toten erledigt. Wir haben lediglich die Patronenhülse gefunden.“ Helmke zuckte die Achseln. Diesen wenig erfreulichen Befund hatte er erwartet. „Dann kann der Tote gleich abtransportiert werden. Er muss nach Bielefeld zur Obduktion. Ich will wissen, mit welcher Waffe er erschossen worden ist.“ Coring nickte. „Werde ich veranlassen. Wir fahren dann auch.“ Der junge Dorfarzt, der noch immer in der Nähe des Tatortes gestanden hatte, blickte Helmke an. „Brauchen Sie mich noch?“ Helmke schüttelte den Kopf. „Jetzt nicht. Vielen Dank für Ihren Einsatz. Ich komme später noch mal bei Ihnen vorbei. Wünsche Ihnen eine gute Restnachtruhe.“ Während die Kollegen von der Spurensicherung ihre Sachen zusammenpackten, wandte sich Helmke an den Dorfpolizisten, der gerade die neugierigen Nachbarn weggeschickt hatte. Er zog ihn hinter die Hecke und bot ihm eine Zigarette an, die dieser dankend annahm. Während Helmke dem Kollegen Feuer gab, fragte er: „Herr Horstmann, was wissen Sie über den Ermordeten?“ Der Polizist räusperte sich kurz. „Na ja, Goll war nicht ohne. In der Hitlerzeit war er hier Ortsgruppenleiter. Er galt als ‚scharfer Hund‘, als überzeugter Nationalsozialist.“ Helmke nahm einen tiefen Zug und nickte knapp. „Interessant. Hatte Goll Feinde?“ „Bestimmt. Während der Hitlerzeit haben die sich natürlich nicht getraut, etwas gegen ihn zu unternehmen und nach Kriegsende war Goll ja eine Zeitlang verschwunden. Er ist erst seit wenigen Tagen wieder hier.“ „Wo war er?“ Der Dorfpolizist blickte noch einmal auf den Toten. „Er hat fast zwei Jahre lang in Internierungslagern, zuletzt in Eselheide in der Senne, verbracht und ist erst vor kurzem aus dem Lager entlassen worden. Er soll …, ich meine, er sollte sich jetzt einmal monatlich auf der Polizeiwache melden.“ Helmke schnippte die Asche von seiner Zigarette. „Ich hörte eben, Goll war geschieden?“ Horstmann nickte. „Ja, er hatte hier im Ort den Ruf eines Schürzenjägers. Nachdem er Ortsgruppenleiter geworden war, glaubte er, die Frauenwelt liege ihm zu Füßen. Gelegentlich scheint er wohl auch Erfolg gehabt zu haben. Seine Frau hat das irgendwann nicht mehr mitgemacht.“ Helmke nickte verstehend. „Wo ist seine Frau...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.