E-Book, Deutsch, 336 Seiten, 1-farbig
Salzgeber So lebst du deinen Flow
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98609-610-6
Verlag: FinanzBuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für Spitzenleistung, Glück und Erfolg. Mehr Fokus, Lebensfreude, Aufmerksamkeit, Kreativität, Resilienz, Energie und Wohlbefinden im Beruf und Alltag
E-Book, Deutsch, 336 Seiten, 1-farbig
ISBN: 978-3-98609-610-6
Verlag: FinanzBuch
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Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nils Salzgeber ist Autor von drei Büchern und Mitbegründer von NJlifehacks, einer Plattform, die sich auf die Integration von alter Weisheit und moderner Wissenschaft zur Förderung des Wohlbefindens konzentriert. Nils hat einen Abschluss in Psychologie von der Universität Bern. In seiner Freizeit ist er sportlich aktiv - sei es beim Fußball, Tennis oder Spikeball - und genießt es, zu wandern und zu lesen. Er lebt in Thun, Schweiz.
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Kapitel 4
Die drei Bedingungen für Flow
Klare Ziele, relevantes Feedback und ein Gleichgewicht zwischen Herausforderungen und Fähigkeiten fördern ungeteilte und maximale Aufmerksamkeit.32
Mihály Csíkszentmihályi
Wie im vorherigen Kapitel besprochen, wird Flow üblicherweise als facettenreiche Erfahrung definiert, die aus neun Elementen besteht. Drei dieser Elemente sind Bedingungen und sechs sind erfahrungsbezogene Komponenten, die beschreiben, wie sich Flow anfühlt. Die ersten drei beschreiben, was ihn entstehen lässt. Drei Bedingungen müssen für den Flow erfüllt sein: (1) klare Ziele, (2) unmittelbares Feedback und (3) ein Gleichgewicht zwischen der Herausforderung und den vorhandenen Fähigkeiten.
Was genau sind jedoch klare Ziele? Warum muss Feedback direkt sein? Wie können sich die Herausforderung und die Fähigkeiten die Waage halten?
1. Klare Ziele
Flow stellt sich in der Regel ein, wenn die Aktivität, der man nachgeht, klare Ziele vorgibt. Diese erhalten das Interesse, die Konzentration und die Hingabe aufrecht. Eine der charakteristischen Komponenten von Flow ist die intensive Konzentration auf die anstehende Aufgabe, die durch klare Ziele gefördert wird.
Wir sprechen hier nicht von langfristigen Zielen, sondern eher von den vielen kleinen Schritten, die auf dem Weg zur Erfüllung der Aufgabe notwendig sind. Wenn ich Tennis spiele, muss ich den Ball über das Netz schlagen, mich dann in eine gute Position bringen und beobachten, wo der nächste Schlag meines Gegners landen wird, zu dieser Stelle laufen, den Ball zurückschlagen, wieder eine gute Position einnehmen et cetera. Ständig ergeben sich neue Ziele, und diese fesseln meine Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt. Sie sorgen dafür, dass ich mich auf die vor mir liegende Aufgabe konzentriere. Abstrakte und entfernte Ziele wie »meinen Gegner zu schlagen«, »das Tennismatch zu gewinnen« oder »das Turnier zu gewinnen« tragen nur wenig dazu bei, dass ich während des gesamten Spiels bei der Sache bleibe.
Csíkszentmihályi betont: »Es kommt nicht darauf an, dass das übergeordnete Ziel der Aktivität klar ist, sondern dass die Aktivität ein klares Ziel für den nächsten Schritt in der Handlungssequenz vorgibt, und dann für den nächsten et cetera, bis das übergeordnete Ziel erreicht ist. Ein Bergsteiger richtet seinen Fokus nicht darauf, den Gipfel zu erreichen, sondern darauf, welchen Felsvorsprung er für den nächsten Griff nutzen und wo er die Schuhspitze platzieren soll. Die Aufmerksamkeit eines Schachspielers ist nicht auf den Sieg gerichtet – dieses Ziel ist zu weit entfernt –, sondern auf die nächsten Züge. Ein Pianist konzentriert sich nicht auf das Ziel, das Stück zu Ende zu spielen, sondern darauf, den nächsten Akkord oder die nächste Notengruppe genau richtig zu spielen.«33
Klare Ziele fördern also die für Flow charakteristische, aufgabenorientierte Aufmerksamkeit. Ohne klare Ziele für jeden einzelnen Moment schweift die Aufmerksamkeit leicht von der Aufgabe ab. Statt uns auf das zu konzentrieren, was gerade vor uns liegt, denken wir über die Zukunft nach oder grübeln über die Vergangenheit. Klare Ziele halten uns bei der Stange. Ohne sie ist es unwahrscheinlich, dass wir in den Flow-Zustand kommen. Deshalb sind sie eine Bedingung oder Vorstufe dafür.
2. Unmittelbares Feedback
Unmittelbares Feedback ist die nächste Grundvoraussetzung für Flow. »Klare Ziele können die Aufmerksamkeit nur aufrechterhalten, wenn die Aktivität auch unmittelbares Feedback liefert«, erklärt Csíkszentmihályi.34 »Wenn ich beispielsweise mein eigenes Klavierspiel nicht hören kann, schweift meine Aufmerksamkeit leicht ab. Warum sollte ich bei der Sache sein, wenn es keinen merklichen Unterschied macht, was ich tue? […] Wenn wir Informationen darüber erhalten, wie erfolgreich unser Handeln ist, wird sich unsere Aufmerksamkeit spontan auf unser gegenwärtiges Tun richten. Der Kletterer erhält dadurch Feedback, dass er mit jedem Zug dem oberen Ende der Felswand näher kommt. Der Schachspieler sieht, wie sich durch jeden seiner Züge die strategische Lage auf dem Brett verändert. Operationen bereiten Chirurgen Freude, da sie augenblicklich die Effekte ihres Wirkens sehen können – wenn sich die Kavität mit Blut füllt, muss das Skalpell wohl abgerutscht sein.«
Mit jedem Schlag im Tennis erhalte ich Informationen darüber, wie gut ich den Ball getroffen habe, wo er landet und ob mein Gegner ihn zurückschlagen kann. Mein Handeln ist an unmittelbares Feedback gekoppelt. Ich weiß immer, wie gut meine Leistung ist, und kann mein Handeln dementsprechend anpassen. Durch das Feedback bleibe ich engagiert, interessiert und konzentriert.
Wenn ich nie Informationen darüber erhalten würde, wo der Ball aufgetroffen ist, den ich gerade geschlagen habe – wenn er einfach in einem schwarzen Loch verschwinden würde –, dann würde ich mich auf der Stelle langweilen. Wie Csíkszentmihályi es ausdrückte: Warum sollte ich aufmerksam sein, wenn ich nicht sehen kann, was mein Handeln bewirkt? Ähnlich verhält es sich, wenn Sie sich eine alternative Version von Tennis ausmalen, bei der man erst 60 Sekunden nach einem Schlag sehen kann, wo der Ball aufgetroffen ist. Ungeduld und Frustration wären die Folge und man würde schon bald das Interesse verlieren. Das Feedback würde nicht schnell genug eintreffen.
Ohne unmittelbares Feedback schweift unsere Aufmerksamkeit leicht von der zu erledigenden Aufgabe ab. Statt uns darauf zu konzentrieren, schalten wir ab, und es fällt uns schwer, die für Flow charakteristische aufgabenbezogene Aufmerksamkeit beizubehalten.
3. Optimale Beanspruchung
Die ersten beiden Voraussetzungen genügen in der Regel noch nicht, um Flow zu erzeugen. Beim Geschirrspülen gibt es klare Ziele und unmittelbares Feedback, aber es versetzt wohl kaum in einen Flow-Zustand. Noch fehlt die Dritte: das Gleichgewicht zwischen der Herausforderung und den vorhandenen Fähigkeiten.
›Herausforderung‹ bezieht sich auf die Anforderungen oder den Schwierigkeitsgrad der Aktivität. Wie bereits im vorherigen Kapitel besprochen, muss beides in einem ausgewogenen Verhältnis zu Ihren Fähigkeiten stehen. Wenn die Herausforderung Ihre Fähigkeiten übersteigt, kann das Ängste auslösen. Im umgekehrten Fall kommt schnell Langeweile auf. In beiden Fällen ist es schwer, die für den Flow-Zustand notwendige, aufgabenbezogene Aufmerksamkeit vollständig beizubehalten. Wenn Sie unterfordert sind, haben Sie zu viel freie Gehirnkapazität und denken wahrscheinlich über Dinge nach, die für die Aufgabe nicht relevant sind. Wenn Sie hingegen überfordert sind, machen Sie sich wahrscheinlich Sorgen, werden unsicher und entwickeln eine mentale Blockade.
Das Oktantenmodell des Flow-Zustands
Abbildung 3: Das Oktantenmodell des Flow-Zustands unterteilt Alltagserfahrungen in acht Zustände, die vom Verhältnis zwischen Herausforderung und Fähigkeiten abhängen. Flow stellt sich ein, wenn beide Variablen maximal ausgeprägt sind. Nach Massimini, Csíkszentmihályi und Carli (1987).35
Damit Flow auftreten kann, müssen sich die Herausforderung und die Fähigkeiten die Waage halten. Genaugenommen müssen sie zudem beide auf einem relativ hohen Niveau sein. Wenn sie wie beim Geschirrspülen auf einem niedrigen Niveau sind, stellt sich viel eher Teilnahmslosigkeit ein als Flow. Dieses Prinzip wird im Oktantenmodell des Flow-Zustands veranschaulicht. Es unterteilt Alltagserfahrungen in acht verschiedene Zustände, die vom Gleichgewicht zwischen Herausforderungen und Fähigkeiten abhängen (Abbildung 3).
Auch wenn das Modell offensichtlich eine grobe Vereinfachung ist, zeigt es deutlich, dass Flow von dieser Balance abhängt. Es hebt zudem hervor, wie Flow in den Alltag passt: Wie andere Zustände auch, kommt und geht Flow aufgrund von situationsbedingten Gegebenheiten. Unser ganzes Leben lang wechseln wir in den Flow-Zustand hinein und wieder heraus. Manchmal sind wir im Flow, dann wieder sind wir gelangweilt, apathisch oder ängstlich, je nachdem, wie die Herausforderungen und unsere Fähigkeiten bei dem, was wir tun, zueinander im Verhältnis stehen.
Natürlich ist dieses Modell nicht perfekt. Es gibt mehr als acht verschiedene Seinszustände und mehr als nur Herausforderungen und Fähigkeiten, die uns beeinflussen. Dennoch ist das Modell nützlich, da es verständlich macht, welche Bedeutung das Verhältnis zwischen Herausforderung und Fähigkeiten hat.
Nachdem wir nun die drei Grundvoraussetzungen behandelt haben, will ich noch auf ein letztes Detail hinweisen: Diese Voraussetzungen beziehen sich sowohl auf objektive Gegebenheiten als auch auf die subjektive Erfahrung. Lassen Sie mich das erklären. Wenn ich gegen meinen jüngeren Bruder (einen ebenbürtigen Gegner) Tennis spiele, gibt mir die Aktivität klare Ziele vor, ich bekomme unmittelbares Feedback und es herrscht ein Gleichgewicht zwischen der Herausforderung und meinen Fähigkeiten. Objektiv betrachtet sind die drei Bedingungen erfüllt. Ob ich jedoch in den Flow komme, hängt letztendlich davon ab, ob ich subjektiv erlebe, dass die drei Voraussetzungen erfüllt sind. Wenn ich beim Tennisspielen an meine Steuererklärung denke, nehme ich die relevanten Ziele und das Feedback...




