Saul | NATHANIEL | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 322 Seiten

Saul NATHANIEL

Ein Horror-Roman
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-6148-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Horror-Roman

E-Book, Deutsch, 322 Seiten

ISBN: 978-3-7438-6148-0
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Seit über hundert Jahren haben die Menschen von Prairie Bend seinen Namen nur hinter vorgehaltener Hand und erfüllt von Furcht geflüstert: Nathaniel. Einige behaupten, er existiere nur in der Phantasie - wieder andere schwören, er sei ein böser Geist, gekommen, um die Vergangenheit zu rächen. Doch schon bald werden die Bewohner von Prairie Bend erkennen, dass Nathaniel, der Prophet des Unheils, noch immer am Leben ist - in jenem alten, verfallenen Schuppen, den niemand zu betreten wagt... Nathaniel, John Sauls siebter Roman (und erstmals im Jahre 1984 erschienen), gilt zu Recht als Meisterwerk und Klassiker der modernen Horror-Literatur. Der Apex-Verlag veröffentlicht den Roman in seiner Reihe APEX HORROR als neu übersetzte Neuausgabe.

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  Prolog
      Wie etwas Lebendiges brach die Nacht herein, ihre warme Feuchtigkeit durchtränkte das Haus mit einer bedrückenden Stimmung, die auf das Mädchen, das in dem kleinen vorderen Wohnzimmer saß, bedrohlich wirkte. Es lag ein wenig in der Luft, das sie beinahe mit den Händen zu greifen vermochte; und während sie dasaß und wartete, überkam sie eine Gänsehaut mit diesem eigentümlichen Kribbeln, das sie im Spätsommer immer befiel. Sie rutschte unruhig auf dem Mohair-Sofa hin und her, aber es half nichts - ihr Baumwollkleid klebte an ihr fest wie nasses Zellophan. Draußen wurde der Wind stärker, und einen Moment lang verspürte das Mädchen Erleichterung. Zum ersten Mal seit Stunden war die zornige Stimme ihres Vaters verstummt, vom Wind überdeckt, so dass sie, wenn sie sich große Mühe gab, beinahe so tun konnte, als sei sie ein Teil des aufziehenden Sturmes und nicht ein Beweis für die Raserei ihres Vaters und das Entsetzen ihrer Mutter. Dann erschien die Gestalt ihres Vaters drohend in der Tür - seine Augen stechend, sein Zorn plötzlich gegen sie gerichtet. Sie duckte sich auf dem Sofa zusammen; vielleicht würde er sie nicht sehen, wenn sie sich ganz klein machte. »Ab in den Keller«, sagte ihr Vater mit leiser, aber nicht weniger drohender Stimme. »Ich hab' gesagt, du sollst in den Keller gehen.« »Vater...« »Sturm kommt auf. Im Keller bist du sicherer. Und jetzt geh!« Zögernd stand das Kind auf und drängte sich an ihm vorbei zur Küchentür, blinzelte einmal mit den Augen und verließ ihren Vater, wie er sich zornig umblickte und die Tür hinter sich musterte, die Tür des Zimmers, in dem ihre Mutter mit den Wehen kämpfte. »Sie wird es überstehen«, sagte er. Nicht aus Erleichterung, sondern in dem Wissen, dass Widerspruch die Wut ihres Vaters nur vergrößern würde, nahm das Mädchen eine Jacke vom Haken und mühte sich mit den Armen durch die verdrehten Ärmel. Dann verließ sie das Haus, mit dem rechten Arm sich die Augen vor dem brausenden Wind schützend, und hastete über den Hof zu dem sturmsicheren Keller, der schon vor vielen Jahren aus dem unnachgiebigen Prärie-Boden ausgehoben worden war. Einmal blickte sie mit zusammengekniffenen Augen in den beißenden Staubwirbel hinein. In der Ferne sah sie gerade noch, fast unsichtbar in dem Wolkenwirbel, die Ausläufer der wütend rotierenden Windhose. Nun doch mehr vom Sturm als vom Zorn ihres Vaters erschreckt, ergriff sie die schwere Kellerluke aus Holz und hob sie ein Stück an, gerade so hoch, dass sie durch den Spalt schlüpfen konnte. Sie kletterte die steilen Stufen hinunter und ließ die Luke wieder hinter sich zufallen. Es erschien ihr wie eine Ewigkeit, so lange saß sie in der fast völligen Finsternis des Kellers, ihre Ohren nur vom Geräusch des tobenden Sturms erfüllt. Aber manchmal, wenn das Heulen des Sturms für einen Moment nachließ, glaubte sie etwas anderes noch zu hören: Ihre Mutter, die nach ihr rief und die sie flehentlich bat, zu kommen und ihr zu helfen. Das Mädchen versuchte, diese Geräusche zu überhören - es war unmöglich, dass die Stimme der Mutter den Sturm bis hierher durchdringen konnte. Außerdem wusste sie, was mit ihrer Mutter gerade geschah und dass sie nichts für sie tun konnte. Sobald das Baby da war und der Sturm aufgehört hatte, würde jemand - ihr Vater oder ihr Bruder - kommen und sie holen. Bis dahin würde sie bleiben, wo sie war, und sich einzureden versuchen, dass sie sich nicht fürchtete. Sie verkroch sich in einer Ecke des Kellers und kämpfte mit festem Blick gegen die Dunkelheit und die Furcht an.   Sie wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, wusste nur, dass sie es nicht länger aushielt, nicht mehr allein im Keller bleiben konnte. Sie horchte nach draußen, versuchte, die Gefährlichkeit des Windes abzuschätzen, aber schließlich zog sie die Jacke fest um ihren dürren Körper und drückte mühsam die Luke nach oben. Der Wind riss sie ihr aus der Hand, brach sie aus den Angeln heraus und wehte sie durch den Hof. Das Mädchen kauerte sich eine kurze Weile am Ende der Leiter zusammen. Im Haus war jetzt Licht, nicht die hellen Lichter, die sie gewohnt war, sondern der Schein einer Laterne, und so wusste sie, dass der Strom ausgefallen war. Das flackernde Lampenlicht zog sie an wie eine Motte, und sie stemmte sich in den tosenden Wind, lehnte sich in ihn hinein, während sie über den Hof zum Haus zurückging. Sie wusste, dass sie ungehorsam war, aber sogar Vaters Zorn war ihr nun lieber, als noch länger allein zu sein. Dennoch brachte sie es nicht über sich, hineinzugehen, als sie das Haus erreicht hatte, denn sogar durch den heulenden Wind konnte sie die Stimme ihres Vaters hören. Was er sagte, war nicht zu verstehen, aber sein Zorn war furchterregend. Das Mädchen schlich um die Ecke des Hauses und duckte sich tief, bis sie unter dem Fenster des Zimmers war, in dem ihre Mutter lag. Langsam richtete sie sich auf, bis sie in das Zimmer sehen konnte. Auf dem Nachttisch stand eine Öllampe mit niedrig gestelltem Docht, deren fahlgelbes Licht seltsame Schatten warf. Ihre Mutter wirkte fast leblos, gegen ein Kissen gelehnt, ihr Haar feucht an der blassen Haut klebend, ihre Augen weit geöffnet und von Hass erfüllt die hochaufragende Gestalt des Vaters anstarrend. Und jetzt konnte sie auch die Worte verstehen. »Du hast ihn umgebracht.« »Nein«, entgegnete ihr Vater. »Er ist tot zur Welt gekommen.« Das kleine Mädchen sah dabei zu, wie ihre Mutter den Kopf langsam schüttelte und dabei die Augen schloss. »Nein. Mein Baby war noch am Leben. Ich spürte, wie es sich bewegte. Es war noch am Leben, und du hast es umgebracht.« Eine Bewegung lenkte das Mädchen ab, und ihre Augen verließen das von Qualen gezeichnete Gesicht ihrer Mutter. Es stand noch jemand im Zimmer, aber das Mädchen konnte ihn nicht erkennen, bis er sich umdrehte. Es war der Doktor, und in seinen Armen lag ein kleines, von Decken umwickeltes Bündel. Eine Falte von der Decke sank herunter, und das Mädchen konnte das Gesicht des Babys sehen - seine Augen waren geschlossen, seine runzlige Gestalt war kaum zu sehen im Flackerlicht der Lampe. An seiner Regungslosigkeit erkannte sie, dass es tot war. »Geben Sie es mir!«, hörte sie ihre Mutter verlangen. Dann, mit flehentlicher Stimme: »Bitte, so geben Sie es mir doch...« Aber der Doktor sagte nichts, sondern legte die Decke wieder um das Gesicht des Babys und wandte sich ab. Dann erfüllten die Schreie ihrer Mutter die Nacht, und als das Mädchen kurz darauf wieder nach dem Doktor schaute, hatte er das Zimmer bereits verlassen. Jetzt, da sie wieder allein waren, warf ihr Vater ihrer Mutter einen durchdringenden Blick zu. »Ich habe dich gewarnt«, sagte er. »Ich habe dich gewarnt, dass Gott dich strafen würde - und er hat es getan.« »Du bist es gewesen«, widersprach ihre Mutter, und ihre Stimme war vor Schmerz und Verzweiflung ganz schwach geworden. »Es war nicht die Strafe Gottes, du warst es.« Ihre Stimme brach, und sie begann hemmungslos zu schluchzen, ohne sich die Tränen aus den Augen zu wischen. »Es hat gelebt, und du hast es umgebracht. Du hattest nicht das Recht dazu - du hattest kein Recht...« Das Mädchen sah, wie sich plötzlich die Tür öffnete und ihr Bruder eintrat. Er stand einen Moment lang unbeweglich da und starrte auf ihre Mutter. Er wollte etwas sagen, aber bevor er ein einziges Wort aussprechen konnte, stürzte sein Vater auf ihn zu. »Hinaus!« Dann sah das Mädchen, wie ihr Vater zum Schlag ausholte und ihren Bruder mit der Faust seitlich am Kopf traf, so dass ihn die Wucht des Schlages gegen die Wand prallen ließ. Ihr Bruder sank zusammengekrümmt zu Boden. Eine Zeitlang, die dem Mädchen endlos vorkam, lag er reglos da. Niemand sprach. Dann erhob er sich langsam und blickte ihren Vater an. Er öffnete den Mund zum Sprechen, aber kein Wort kam hervor. Seine Augen glühten vor Hass, als er seinen Vater anstarrte. Dann wandte er sich um und stolperte aus dem Zimmer. Das Mädchen zog sich vom Fenster zurück, sie nahm den Sturm, der ihr immer noch heftig zusetzte, nicht mehr wahr, so sehr waren ihre Gedanken mit dem Gesehenen und Gehörten beschäftigt, von dem sie instinktiv begriff, dass es nicht für ihre Augen und Ohren bestimmt gewesen war. Sie hätte auf ihren Vater hören und im Keller bleiben sollen, bis jemand sie abgeholt hätte. Sie machte sich auf den Weg zurück zum Keller. Vielleicht konnte sie, wenn sie sich große Mühe gab, alles aus ihrer Erinnerung auslöschen, so tun, als hätte sie nichts davon gesehen oder gehört, sich davon überzeugen, dass sie niemals den Keller verlassen, niemals die Qualen ihrer Mutter und den Zorn ihres Vaters miterlebt hatte. Und dann sah sie, nur wenige Meter von sich entfernt, ihren Bruder und rief nach ihm. Er wandte ihr das Gesicht zu, aber sie wusste, er sah sie nicht. Seine Augen waren stumpf, und er schien an ihr vorbeizuschauen, hinaus in den Sturm und die Nacht. »Bitte«, flüsterte das Mädchen. »Hilf mir. Bitte hilf mir...« Aber wenn sie ihr Bruder gehört hatte, gab er es nicht zu erkennen. Stattdessen drehte er sich um, als ob er dem Ruf einer anderen Stimme folgte, die das Mädchen nicht hören konnte, verließ das Haus, den Hof und verschwand in der Prärie. Gleich darauf war er verschluckt vom Sturm und von der Nacht. Allein ging das Mädchen zum Sturmkeller zurück. Sie kletterte die Stufen durch das Loch hinab, auf dem zuvor die Luke gelegen hatte, und ging in ihre Ecke zurück. Sie zog die Jacke fest um sich, aber weder die Jacke noch der offene...



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