E-Book, Deutsch, Band 11, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 11: Zutritt verboten
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5058-6
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 11, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5058-6
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Deneber haben einen teuflischen Plan. Sie verschleppen tierhafte Monstermutanten aus dem radioaktiv verseuchten Sibirien auf den Mars, um sie für ihre Zwecke zu mißbrauchen. Der Menschheit droht höchste Gefahr. Die GWA und der russische Geheimdienst starten einen Großeinsatz. Die Agenten HC-9 und MA-23 setzen alles auf eine Karte und gewinnen das Spiel.
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6.
»Anschnallen, verdammt«, brüllte der Astronavigator der einstufigen Transportrakete. »Wie stellt ihr euch eigentlich die Raumfahrt vor, he? Ein Mittel zur Säuglingspflege ist das nicht. Auch ihr habt nur Knochen. Wenn du mir beim Start auf die Platten schlägst, könntest du einen Kopf verlieren.« Jetzt grinste der schlanke Mann in der dunkelblauen Kunststoffuniform. Auf dem linken Ärmel trug er einen goldgefaßten Winkel. Also hatte er die Strecke Erde-Mond schon wenigstens hundertmal zurückgelegt.
Wir hatten zusammen mit dem Doppelkopfmutanten eine Kabine erhalten. Alles war spartanisch ausgelegt, auf Zweckdienlichkeit abgestimmt. Nur die Konturlager waren in Ordnung, das heißt, für die seltsamen Gebrüder Torby und Ralph wollte es einfach nicht passen.
Der kontrollierende Astronavigator geriet ins Schwitzen. Er schien nicht genau zu wissen, wie er die beiden Köpfe auf der weichen Stütze unterbringen sollte.
Fluchend hantierte er an den Stellschrauben herum. Das Liegebett für hohe Andrücke verlängerte sich endlich.
Jetzt paßte es für unsere Reisegefährten einigermaßen, nur beschwerten sich die Köpfe über die festen Gurte.
»Mund halten«, brummte der Mann. »Seid froh, daß wir auf solche Fälle eingerichtet sind. Die Wilden liegen verpackt in Spezialkisten. Entweder du machst, was ich will, oder du kommst auch hinein. Also, wollt ihr nun die Köpfe richtig hinlegen oder nicht?«
Er drückte sie zusammen und schnallte sie mit den Nackenstützen fest. Ralph blickte so böse, daß ich mich gespannt aufrichtete. Es war in der Tat ein Problem, den riesigen Körper sicher zu befestigen. Als sich der Astronavigator wieder zu den Stellschrauben beugte, verlor er plötzlich den Boden unter den Füßen. Es war, als hätte ihm jemand mit voller Kraft gegen die Beine getreten. Wütend fuhr er auf.
»Wer war das?«
Mit vor Zorn funkelnden Augen blickte er sich um, doch er sah nur drei festangeschnallte Körper. Sogar die Arme waren befestigt. Es war vollkommen unmöglich, daß ihn jemand von uns berührt hatte. Das schien er auch einzusehen.
»Was war das?« fragte er nochmals, nur viel unsicherer. Er rieb sich den schmerzenden Kopf. »Was denn?« fragte Ralph unschuldig. »Sie sind gefallen, wie?«
Höllenbande«, sagte der Mann bleich. »Das war ein schmutziger Trick eurer Monstergehirne. Wie habt ihr das gemacht? Los, redet schon, oder ich erstatte Meldung.«
»Sie sind ausgerutscht«, warf Hannibal besänftigend ein. »Ich habe es von hier aus sehen können.«
»Hoffentlich erstickt ihr beim Start«, sagte er zähneknirschend. Mit geballten Händen stand er in der Kabine, in der wir eng nebeneinander lagen.
»Das ist aber ein unfreundlicher Wunsch«, lachte Torby. »Wir haben Ihnen doch nichts getan. Sagen Sie, wird das Schiff wirklich achtzehn Stunden brauchen, um den Mond zu erreichen? Jemand sagte es.«
»Noch viel zu schnell für euch«, entgegnete der Astronavigator noch immer aufgebracht. »Ich ließe euch wochenlang im schwerelosen Zustand ausharren.«
»Achtzehn Stunden?« stöhnte ich. »Mann - in der Zeit laufe ich hin. Da haben Sie aber eine uralte Mühle.«
»Davon hast du gar keine Ahnung«, fuhr er gekränkt auf.
»Äh, ich habe gehört, andere Leute sollten bessere Schiffe haben«, stichelte der Kleine. Diese Bemerkung beleidigte seinen Berufs- und Nationalstolz.
»Ach nein! Wer war denn zuerst auf dem Mond, he?« schrie er. »Am 13. September 1959 landete die erste ferngesteuerte Raketenspitze auf dem Trabanten, und die hatten wir abgeschossen! Wir haben auch jetzt noch die besseren und schnelleren Schiffe, die besseren Triebwerke und die besseren Forscher. Für euch langt der Transporter, der immerhin schon ein Plasma-Triebwerk hat. Ach, was soll ich mich denn überhaupt mit euch herumstreiten.«
Fluchend verließ er die Kabine und ließ das dünne Schott dröhnend ins Schloß gleiten. Ralph lachte. Nachdenklich sah ich ihn an.
»Beinahe hättest du dich verraten, Freund. Beinahe! Du hast ihm die Beine unter dem Leib weggezogen, weil du ärgerlich warst. Ist das eure positive Gabe?« Sie drehten beide den Kopf. Torby schien Angst zu haben.
»Du wirst uns doch nicht verraten?« flüsterte er. »Brüderchen, tu es lieber nicht.«
»Kein Wort wird man von uns hören. Wir haben auch nicht alles gesagt«, beruhigte ich ihn. »Also, was seid ihr eigentlich? Telepathen?«
»Unsinn«, murrte der rechte Kopf. »Gedanken können wir nicht lesen, und Hypnos sind wir auch nicht. Ich kann so einem Kerl aber durch geistige Kräfte einen Felsblock auf den Kopf fallen lassen.«
»Und ich kann Bäume aus dem Boden reißen«, behauptete Torby stolz. »Wir brauchen nur daran zu denken - und schon passiert es. Ich weiß aber nicht, wie das die Wissenschaftler bezeichnen.« Ich war verblüfft. Das also war das Geheimnis des Zweiköpfigen.
»Telekinese sagen sie dazu«, warf Hannibal ein. »Eine Parapsi-Eigenschaft. Die Bewegung materiell stabiler Körper durch reine Geisteskräfte. Das sind parapsychische und paraphysikalische Effekte, die sich normale Leute überhaupt nicht erklären können. Was fühlt ihr, wenn ihr die Gabe anwendet?«
»Nicht viel. Es sticht im Kopf, das ist alles. Aber ich habe wirklich schon Bäume ausgerissen.«
»Ja, wenn ich dir half«, fiel Ralph ein. »Allein schaffst du es auch nicht. Dazu braucht man nämlich viel Kraft«, sagte er zu uns gewendet. »Wenn wir auf die Jagd gingen, haben wir große Tiere einfach auf dem gleichen Fleck festgehalten. Sie konnten nichts machen. Die Fänger hätten wir auch erledigen können, aber wir wollten einmal wissen, wie es auf der anderen Seite aussieht. Ich denke, wir haben keinen schlechten Tausch gemacht. Ihr müßt aber den Mund halten, ja?« Sein Blick war zwingend. Ich nickte so gut mir das in dieser Lage gelang.
Minuten später liefen die beiden schweren Strommeiler des Transporters an. Die Gleichrichtungs- Schirmfelder innerhalb der materiellen Plasma-Düsen wurden aufgebaut und die Werte koordiniert.
Es heulte durch das Schiff, daß die Zelle erbebte. Neben uns klang ein gellender Schrei auf. Das mußte der positive Mutant mit dem vogelähnlichen Kopf sein. Er konnte nur piepsig sprechen. Ansonsten hatte er die hageren Beine eines tierhaften Schnelläufers. Wir wußten auch nicht genau, welche besonderen Eigenschaften er besaß. Jedenfalls war er gefangen worden.
In die Startvorbereitungen mischte sich das dumpfe Dröhnen der Strombänke. Ein Zeichen dafür, daß der reine Plasma-Kernprozeß in den Reaktorbrennkammern begonnen hatte.
Die thermische Energie des schnellen und dichten Partikelstroms brauchte nicht unbedingt nutzlos im Raum zu verpuffen. So wurde von den Schirmfeldern innerhalb der abstrahlenden Gleichrichtungskammern ein Teil der frei werdenden Reaktionswärme aufgenommen und von separaten Umwandlern an die Strombänke weitergeleitet. Damit war die Energieversorgung der zahlreichen Nebenaggregate gesichert. Trotzdem reichte es nicht aus, um die stromfressenden Kraftfelder der Plasmadüsen zu versorgen. Deshalb mußten die speziellen Stromreaktoren nach wie vor weiterlaufen.
Der Kernprozeß nahm heftigere Formen an. Wahrscheinlich war er robotgesteuert, wie das seit Jahren üblich war. Die roten Kontrollampen begannen zu zucken, bis sie allmählich mit einem hellen Pfeifton konstant leuchteten. Das war der Start.
Wildes Brausen brandete in unsere Ohren. Der Plasma-Partikelstrom raste mit einer Strahlgeschwindigkeit von zehnlausend Meter pro Sekunde aus den einengenden Kraftfeld-Düsen. Das machte sich in einer gegengerichteten Schubkraft bemerkbar.
Der Transporter hatte wahrscheinlich ein Startgewicht von etwa dreitausend Tonnen. Sehr viel mehr leistete auch das Triebwerk nicht. Der Rumpf begann stärker zu zittern.
Der Andruck war relativ sanft. Mehr als sechs Gravos erreichte diese Maschine nicht. Ich dachte an den damit verbundenen Plasmaverbrauch. Es war reine Verschwendung, die dichten und zerrenden Luftschichten mit diesen geringen Anfangswerten zu durchstoßen. Das kostete Energie, aber die schienen die Russen ja zu haben.
Man blieb bei 6 g, und dabei fühlte ich mich noch recht wohl. Die Injektionen entfalteten jetzt ihre Wirkung, auch wenn ich keinen Finger mehr bewegen konnte.
Wenigstens blieb der Kreislauf absolut stabil, und die Atembeschwerden waren erträglich. Vor den Augen machte sich nur ein unwesentliches Flimmern bemerkbar. Wir hatten in den Zentrifugen der GWA schon 16 und mehr Gravos erlebt.
Die Rak donnerte in den winterlichen Himmel. Wir vernahmen nur noch das Arbeitsgeräusch der Meiler und Strombänke. Das helle Surren dicht über uns schien von den hochtourigen E-Motoren der Kreisel-Stabilisatoren zu stammen.
Unser Doppelkopfmutant hatte sozusagen abgeschaltet. So stark er auch war, diese Belastung war für ihn völlig ungewohnt. Vielleicht hatte er auch erhebliche Schwierigkeiten mit dem komplizierten Kreislauf seines Körpers.
Nun ging mir ein Licht auf, warum die Russen nicht höher als bis auf sechs Gravos gingen. Es mochte da schon allerlei geschehen sein.
Mein Gesicht war unter dem Andruck etwas verzerrt. Die Zähne waren sichtbar geworden; die Wangen gehorchten den Muskeln nicht mehr.
Zwischen den einzelnen Perioden der Beschleunigungen wurden wir schwerelos. Dann kam wieder der Andruck, immer konstant bleibend mit höchstens 6 g.
Als wir längst die irdische Fluchtgeschwindigkeit überschritten hatten, mäßigte sich das Arbeitsgeräusch zu einem dumpfen Brausen. Die normale Schwere kehrte zurück. Der Andruck verschwand endgültig.
Anscheinend flogen wir noch einige Zeit mit Beschleunigungswert...




