E-Book, Deutsch, Band 15, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 15: Kodezeichen Großer Bär
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5062-3
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 15, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5062-3
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
General Reling, Chef der 'Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr', ist spurlos verschwunden. Die beiden GWA-Schatten HC-9 und MA-23 verfolgen eine heiße Spur. Oberstleutnant Thor Konnat vollführt ein gewagtes Täuschungsmanöver -- und landet mitten in der Zentrale des gesuchten Gegners.
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8.
Wir waren vor zwei Stunden aus der Offizierskantine zurückgekommen. Es war niemand erschienen. Befehlsgemäß hatte ich mir am rechten Oberschenkel wieder einige Einstiche beigebracht. Wenn Dolvetis Sucht nicht schon früher bemerkt worden war, so lag das nur daran, weil die Mediziner bei den Untersuchungen diese gewisse Körperstelle gewöhnlich nicht entblößten. Dort wurden nicht einmal Sonden zur Kreislauf-, Atmungs- und Herzkontrolle angeschlossen. Dolveti hatte sich auch gehütet, seine Arme zu zerstechen. Dort hatte er höchstens einmal in einer Notlage während eines Raumfluges die Spritze angesetzt. Ein einzelner Einstich fiel aber kaum auf, zumal ich in seinem Apothekenschrank eine hervorragende Bioplast-Salbe entdeckt hatte, die so kleine Hautverletzungen in wenigen Stunden restlos abheilte.
Dann, vor etwa drei Minuten, hatte ich die zarten Stromstöße in meinem Bein gespürt. Jemand morste auf meiner Körpersender-Frequenz das Zeichen QQLR, das nach dem ausgemachten Kode bedeutete, daß man eine Nachricht für mich hatte.
Noch konnte ich es riskieren, ein kleines Supultra-Bildsprechgerät mit mir zu führen. Sobald ich das Haus endgültig verließ, durfte ich es nicht mehr mitnehmen.
Hannibal war mit gezogener Dienstwaffe an die Tür geeilt. Ich beobachtete ihn durch die spaltweit geöffnete Tür des Arbeitszimmers. Er nickte beruhigend.
Ich schaltete das GWA-Gerät ein und meldete mich mit meiner Agentennummer.
Der winzige Bildschirm erhellte sich. Ich war völlig überrascht, als ich Mousers Gesicht erkannte. »Sind Sie allein?« klang es leise aus dem Mikrolautsprecher.
Ich bestätigte, gespannt, was der stellvertretende GWA-Chef persönlich wollte.
»Achtung, Gefahrenstufe I. Ich befinde mich in einem GWA-Bomber hundert Kilometer über dem TESCO-Gelände. Verstehen Sie mich gut?«
»Ausgezeichnet, Sir. Bisher keine besonderen Vorkommnisse. Meine Maschine ist aufgetankt.« Hannibal schaute für eine Sekunde ins Zimmer. Als er Mousers Gesicht sah, stieß er eine unhörbare Verwünschung aus. Ich sah Schwierigkeiten auf mich zukommen.
»Kreuzer 1418 unter TS-19 hat vor fünf Stunden ein unerlaubt startendes Raumschiff vom Kurierboot-Typ nahe der Zwölf-Stunden-Kreisbahn abgeschossen. Das Boot war mit irrsinnigen Beschleunigungswerten in den Raum gerast und der Raumjagdflotte schon entkommen, als der Kreuzer angriff. Es wurden gewöhnliche Lenkraketen mit chemischen Sprengköpfen verwendet. Drei Tote konnten, im Raum treibend, aufgefischt werden. Zwei der Leichen sind kaum noch identifizierbar, jedoch deutet die erste Untersuchung im HQ darauf hin, daß einer der Toten General Reling ist. Uniform, Ausrüstung, Papiere, Gebiß usw. könnten ihm gehören. Wir zweifeln aber daran.«
Ich glaubte zu ersticken! Der Chef tot!
Mousers Stimme kam wieder durch. Sie klang verstört.
»Wir nehmen an, daß der Unbekannte versuchte, uns auf eine falsche Spur zu locken. Die Obduktion läuft. Anschließend werden biochemische Untersuchungen vorgenommen. Wir setzen voraus, daß es sich bei dem Toten nicht um den Chef handelt. Der zweite Mann ist unbekannt. Der Pilot konnte dagegen sofort identifiziert werden. Wir haben ihn in der Zentralkartei. Achtung, wichtig für Sie.« Störgeräusche kamen durch. Sofort darauf war die Tonqualität wieder gut.
»Es handelt sich um Captain Roman Perani, sechsunddreißig Jahre, ehemals Pilot in der US-Flotte. Vor zwei Jahren wegen einer Rauschgiftaffäre verabschiedet, dann sechs Monate Gefängnis. Er versumpfte und trat in Kreise ein, die das FBI als >Nebelsyndikat< kennt. Eine weltumspannende Verbrecherorganisation, getarnt hinter guten Firmennamen und zwielichtigen Persönlichkeiten. Das Nebelsyndikat hatte sich in das europäische Katalyse-Programm eingeschaltet. Achtung: Es war Roman Perani, der Dolveti das erste Rauschgift zuführte. Anscheinend in höherem Auftrag, um den langsam süchtig werdenden Testpiloten gefügig zu machen. Sie kennen also einen ehemaligen Captain Perani. Hier das Bild!«
Auf meinem Schirm erschien die farbige Fotografie eines drahtigen, dunkelhaarigen Mannes mit einer breiten Narbe auf der linken Wange. »Okay, eingeprägt«, gab ich rauh durch.
»Damit wurde klar«, fuhr Mouser fort, »daß dieses Nebelsyndikat seine Hände im Spiel hat. Hier die wichtigste Information, soeben vom Großasiatischen Geheimdienst eingegangen: Ein japanischer Mutant, geboren nach der Hiroshima-Bombenexplosion von 1945, linkes Bein, linker Arm verkrüppelt, Kahlkopf, bucklige Stirn, dem GAS-Geheimdienst bekannt durch Verbrechen wie rätselhafter Bankraub usw., wird verdächtigt, Chef des Nebelsyndikats zu sein. Hat sich allen Polizeizugriffen durch seine suggestiven, anscheinend auch telepathischen Fähigkeiten entzogen. Die Verbindung Perani-Mutant gilt als erwiesen. Name nach japanischen Polizeiakten lautet Akera Siuto, geboren 13. 8. 1947. Wurde einmal verhaftet, entkam aber wieder. Wir nehmen an, daß Sie mit dem Mann zu tun bekommen. Fraglos ist er es, der Manzo ausgeschaltet, den Chef überwältigt und die Flucht mit Oberst Minhoes Maschine bewerkstelligt hat. Das ist alles. Passen Sie um Himmels willen auf!
Noch etwas: Das von Kreuzer 1418 abgeschossene Kurierboot startete offenbar in der Gegend der Gilbert-Inseln, Pazifik. Ich lasse drei Atomflugzeugträger der Navy auslaufen. Die Schiffe gehen offiziell zur Übung von Hawaii nach den Philippinen. Noch Fragen?«
Nein, ich hatte keine besonderen Fragen mehr. Die Ereignisse drohten mir über den Kopf zu wachsen. Das waren direkt unheimliche Verwicklungen.
General Mouser schaltete ab. Ich verstaute das Sup-Ultra-Gerät im Panzerfach des Schreibtisches und erhob mich langsam aus dem Drehstuhl.
Hannibal stand in der Tür und schaute mich ernst an. »Jemand will, daß wir den Chef für tot halten, was?«.
Dolvetis Schreibtischuhr zeigte die zehnte Abendstunde an. »Vielleicht«, überlegte ich laut. »Vielleicht auch nicht. Der Unbekannte muß wissen, daß die Identifizierung von Captain Perani auf dieses große Syndikat hinweist. Kann er sich das erlauben?
Wahrscheinlich kann er! Er ist auch klug genug, um zu erkennen, daß ein Fremder in Relings Uniform nicht ausreicht, um die GVVA zu täuschen. Also sieht es beinahe so aus, als hätte man drei Leute geopfert, um Dolveti in Bedrängnis zu bringen.«
»Äh?«
»Es sieht so aus«, wiederholte ich. »Der Unbekannte muß doch gewußt haben, daß er mit einem Kurierboot nicht unsere Raumsperren durchstoßen kann. Das geht nur mit dem neuen Jäger. Also sind die drei Leute geopfert worden.
Es muß ihm auch klar geworden sein, daß die GWA von Peranis Person auf Sherman Dolveti Rückschlüsse zieht. Freund, wenn ich der echte Dolveti wäre, dann würde ich mich jetzt nach einer Maschinenwaffe, einem guten Raumanzug und einem noch besseren Plasmajäger umsehen. Da ich aber Dolveti darstelle, bleibt mir gar keine andere Wahl, als das zu tun, was ich soeben erwähnte.« Hannibal pfiff laut und falsch. Seine roten Haare leuchteten im milden Licht der Wandlampen. »Etwas unlogisch«, meinte er dann mit trügerischer Sanftmut, »sehr unlogisch sogar! Er brauchte Dolveti nur mit dem Morphiumentzug zu drohen, oder mit einem beweiskräftigen Verrat an die TESCO-Behörden. Weshalb sollte er ihn durch ein derart großzügig angelegtes Manöver noch weiterhin in Nöte bringen? Ganz im Gegenteil hat der Unbekannte damit doch nur erreicht, daß wir auf das Nebelsyndikat aufmerksam wurden. Siehst du das ein?«
Ich hätte verrückt sein müssen, wenn ich es nicht getan hätte. Wo lag hier der wahre Grund? Plötzlich kam mir ein Gedanke. Ich fuhr hoch. Hannibals Haltung wirkte verkrampft. »Und?« fragte er atemlos, »... und?«
»Ablenkung der GWA vom eigentlichen Brennpunkt, der heute und morgen noch TESCO-Werk heißt! Spuren auslegen, auf denen wir uns totlaufen sollen. Hinhaltend versuchen, General Reling als erschossen erscheinen zu lassen, auch wenn es nur für einige Stunden ist! Die Untersuchungen kosten wertvolle Zeit. Man will den Planungsstab beschäftigen, um zu bewirken, daß hier keine neuen Befehle mit schwerwiegenden Folgen einlaufen. Sinn und Zweck: Rettung des sogenannten Esquire um jeden Preis.«
Hannibal entspannte sich. Es war genau der Augenblick, in dem unsere sorgfältig installierte Infrarot- Ortung zu summen begann. Jemand hatte sich bis auf wenigstens zehn Meter meinem Fertighaus genähert.
Der Summton wurde konstanter. Er kam aus dem Getränkeroboter, in dem auch die Schaltungen für die Tresor-Versenkung untergebracht waren.
Ich ging zu der Maschine hinüber und schaltete den Warner ab. Es war genau zweiundzwanzig Uhr vierzehn, am 15. März 2007.
Wenn wir uns nicht getäuscht hatten, stand jetzt ein Ungeheuer vor unserer Haustür. »Setzen wir uns doch!« sagte Hannibal ausdruckslos. »Sehr gemütlich, wie?« Ja, es war sehr gemütlich!
Wir unterhielten uns. Naturgemäß sprachen wir über die Vorkommnisse des Tages.
Wir saßen im Wohnzimmer, schimpften über das strikte Ausgehverbot und diskutierten die Möglichkeiten eines Detektorverhörs. Er oder es war da, ich wußte es!
Vor einigen Sekunden war der erste Tastversuch erfolgt. Jemand griff mit übersinnlichen, wahrscheinlich telepathischen Fähigkeiten vorsichtig nach meinem Gehirn und versuchte, meine geheimste Gedankenwelt zu erforschen. Das Unausgesprochene im begriff bildenden Sektor des Großhirns schien ihn zu interessieren.
Es konnte eine Vorsichtsmaßnahme sein. Möglicherweise war es aber schon mehr.
Ich bemüht mich, in Dolvetis lebhafter Art zu reden. Hannibal, der sein wahres ich niemals verleugnet hatte, gab sich ganz natürlich. Ein gewisses Verkrampft sein konnten wir aber...




