E-Book, Deutsch, Band 17, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 17: Offensive Minotaurus
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5064-7
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 17, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5064-7
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Fremde Wesen aus dem Weltraum sind auf der Erde gelandet. Die 'Geheime Wissenschaftliche Abwehr' tappt im dunkeln, denn die gnadenlosen Eroberer sind der Menschheit technisch weit überlegen. Da macht Spezialagent Thor Konnat eine phantastische Entdeckung. Sie ist die letzte Chance für die Bewohner der Erde. Die Agenten der GWA wagen zusammen mit dem russischen Geheimdienst ein verwegenes Spiel.
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7.
Ich hatte mich durch vorschnelles Handeln in eine Rolle hineingedrängt, die mir nun Schwierigkeiten bereitete. Wenn ich doch nur nicht auf den Wolf geschossen hätte!
Sicherlich wäre es niemals dazu gekommen, wenn ich zu diesem Zeitpunkt bereits gewußt hätte, daß der »harmlose Ausflug« nach Sibirien zu einem Großeinsatz führen würde.
Es war verständlich, daß man mir nun besondere Aufmerksamkeit schenkte. Die relative Unempfindlichkeit gegen die suggestiven Impulse konnte gleichbedeutend mit einem Todesurteil sein. Die Mentalität der Unheimlichen war mir unbekannt. Wenn sie aber auf Logik ohne gefühlsbedingte Hemmungen aufgebaut war, gab es nur noch eine Möglichkeit, mein Leben zu retten.
Ich mußte die Rolle als bedeutender Waffenphysiker weiterspielen und derart glaubhafte Angaben über die Waffen machen, daß der Gegner mein Wissen wertvoller einstufen würde als meine Normabweichung.
Trotzdem gab es noch genügend Probleme, die ich nicht übersehen konnte.
Vor wenigen Sekunden hatte sich das Schott des Zellenraumes geöffnet. Ludinow und ich waren aufgesprungen. Mit dem Rücken an das Gitter des anderen Käfigs gelehnt, sahen wir gebannt nach vorn.
Der Bär tobte stärker. Sein Instinkt schien ihm die drohende Gefahr zu vermitteln. Der Mongole schien plötzlich ernüchtert zu sein. Er saß auf dem Boden und schwieg. Sein Gesichtsausdruck zeugte von seinem Entsetzen.
Zuerst bemerkten wir das fluoreszierende Auge. Ich kannte es bereits, denn auch Stanas Zwerg hatte es besessen. Da es jedoch nur eine Reproduktion von Stanas krankem Gehirn gewesen war, hatte ich die wirklichen Umrisse nicht sehen können.
Das, was nun den Zellenraum betrat, war kein verwachsener Zwerg. Seine Hautfarbe war auch nicht grün.
Stana Sergejewitsch Imorgin konnte die Schreckensgestalt, die ihn durch eine suggestive Beeinflussung zur Schizophrenie getrieben hatte, nur schattenhaft in der Erinnerung gehabt haben. Meine Hände verkrampften sich. Nikolai stieß einen Schrei aus. Ich war auf viele Dinge vorbereitet gewesen, darauf jedoch nicht!
Der Fremde war hochgewachsen und breit gebaut. Sein Körper glich ungefähr dem eines Menschen - aber nur ungefähr!
Die Unterschiede fielen schon bei den hohen, muskulösen Beinen auf. Sie besaßen zwei Kniegelenke. Vier Arme, paarweise in je einem Schultergelenk gelagert, unterstrichen das Nichtmenschliche noch deutlicher. Die Arme wirkten im Verhältnis zu den Beinen schwach und verkümmert.
Anstelle eines Gesichtes mit Nase, Mund, Augen und Kinn erblickte ich lediglich dieses riesenhafte Organ, das wahrscheinlich nicht nur ein Auge war. Eine Mundöffnung konnte ich nicht entdecken. »Ich träume!« sagte Nikolai aufstöhnend. »Wir alle träumen.«
Der Mongole begann zu schreien. Der Bär rannte gegen das Maschengitter an.
Erstaunlicherweise war ich weniger entsetzt, als ich selbst angenommen hatte. Nachdem ich die Erkenntnis gewonnen hatte, bemühte ich mich sofort, Erschrecken zu heucheln. Ich zog mich noch weiter in die Ecke zurück und schlug die Hände vor die Augen.
Der Kopf faszinierte mich. Die Natur hatte damit ein Phänomen erschaffen. Womit sprachen, sahen und hörten diese Monstren? Wie aßen sie? Es mußte doch eine Körperöffnung zur Aufnahme der Nahrung existieren. Stanas Zwerg hatte einen runden Mund unter dem Riesenauge besessen. Ich konnte nichts dergleichen erkennen.
In einem seltsam wiegenden Gang kam der Fremde näher. Nikolai starrte in das schillernde Auge. Anscheinend empfand er den suggestiven Strom, obwohl sich der Unbekannte keine Mühe gab, eine Willensbeeinflussung herbeizuführen.
Ich erkannte es klar durch das vorsichtige Öffnen meiner Parasinne. Trotzdem strahlte er bannende Impulse aus. Von da an glaubte ich, daß die paramentalen Fähigkeiten des Gegners zu seinem Naturell gehörten. Sie waren ihm schon in fernen Urzeiten mitgegeben worden.
Das Geschöpf blieb vor dem Gitter stehen und richtete sein Gesichtsorgan auf den Braunbären. Jetzt konnte ich den Kopf von der Seite betrachten.
Das Leuchtorgan wölbte sich stark hervor. Es ersetzte das menschliche Gesicht. Der Kopf selbst war rund und völlig haarlos. Auch jetzt konnte ich keine Ohren entdecken. Die bläuliche Haut war schlaff und lederartig.
Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf die Kleidung. Gern hätte ich das Wesen in seiner natürlichen Gestalt gesehen. Es trug jedoch eine farblose Kombination, die wohl einen Raumanzug darstellte. Bei den Symbolen auf dem Bruststück der Kleidung handelte es sich anscheinend um Rangabzeichen. Es waren alles nur Vermutungen, die mir nicht weiterhalfen. Meine Bekanntschaft mit den Invasoren war zu kurz, um sie genauer einstufen zu können.
Ein zweiter Besatzungsangehöriger trat ein. Auch er bewegte sich in dem schaukelnden Gang, der wohl auf die beiden Mittelgelenke zurückzuführen war. Eine Reihe von Tönen ließ mich zusammenfahren. Sie klangen hohl und unmoduliert. Die Quelle dieser Laute war zweifellos das Organ, das ich bisher als Auge bezeichnet hatte. Ob es sich dabei um eine Kombination von verschiedenartigen Sinnen handelte?
Der zuerst aufgetauchte Fremde antwortete. Seine vier Arme bewegten sich auffordernd. Zwei Sekunden später war der Braunbär tot. Fassungslos sah ich zu dem Kadaver hinüber. In der Brust des Tieres klaffte eine faustgroße Schußöffnung. Eine Hitzewelle breitete sich aus.
Nikolai drängte sich gegen mich. In dieser Haltung sahen wir zu den monströsen Geschöpfen hinüber. Wahrscheinlich waren wir für ihre Begriffe ebenfalls Ungeheuer, nur schienen sie an den Anblick fremdartiger Lebewesen besser gewöhnt zu sein als wir.
Ich war in Speziallehrgängen der GWA auf die Begegnung mit Andersartigen vorbereitet worden. Unsere Forscher hatten ausdrücklich erwähnt, daß die äußere Gestalt eines intelligenten Wesens durchaus nicht der des Menschen zu gleichen brauchte. Dennoch war ich jetzt schockiert.
Weshalb hatten sie das Tier getötet, nachdem sie es vorher eingefangen hatten? War es ihnen /.u gefährlich geworden?
Wenn meine Überlegungen stimmten, dann waren sie äußerst vorsichtig und gingen kein Risiko ein. Darauf deutete auch ihr Vorgehen auf der Erde hin. Sie waren nicht offen aufgetreten, obwohl sie zweifellos die Waffen besaßen, um Terra zu beherrschen. Dagegen hatten sie unschuldige Menschen so beeinflußt, daß sie zu Spionen und Saboteuren wurden. Meine Lage war kritisch! Ich fühlte mich in dem Augenblick gefährdeter als jemals zuvor.
Gerade noch rechtzeitig öffnete ich meinen Willensblock. Ich mußte grundsätzlich über den sinngemäßen Wortlaut der Suggestivbefehle informiert bleiben.
»Hinlegen ...!« empfing ich eine Anweisung. Das Auge schien zu glühen. Ich glaubte, ein kreisendes Feuerrad zu erblicken.
Stöhnend ließ ich mich zu Boden fallen.
Ein Impuls der Zufriedenheit erreichte mich. Von da an wagte ich es in meiner Verzweiflung, den Bewußtseinsinhalt der Fremden zu belauschen. Wenn ich mich richtig verhalten wollte, mußte ich wissen, was sie mit ihren Experimenten bezweckten. Wahrscheinlich wollten sie den Grad meiner Unempfindlichkeit testen.
»Aufspringen, schreien, hüpfen ...!« Nikolai wich fluchtartig zurück, als ich mich wie ein Tollwütiger zu benehmen begann.
Ich erhob mich, benutzte die elastische Unterlage als Sprungbrett, schrie und schlug mit den Armen um mich. Wahrscheinlich bot ich keinen sehr menschenwürdigen Anblick.
Ein Bewußtseinsimpuls, der eindeutig Gelächter vermittelte, brachte mich an den Rand meiner Beherrschung.
Ich sprang so lange in dem Käfig herum, bis ich den Suggestivbefehl erhielt, den Bären zu verspeisen!
Mir blieb keine andere Wahl, als nach Möglichkeit auf die unsinnige Forderung einzugehen. Ich konnte die Ungeheuer jetzt einwandfrei belauschen. Ihr Gedankengut war klar, zeugte von hoher Intelligenz und Bösartigkeit. Ja - sie waren gekommen, um mich zu untersuchen. Von dem Ergebnis hing mein Leben ab.
Ich überlegte flüchtig. Gleichzeitig hüpfte ich nochmals hoch und ließ mich flach auf den Boden fallen. Wieder wurde mir befohlen, den Bären zu verzehren. Über die Aufnahmefähigkeit eines menschlichen Magens schien man sich keine Gedanken zu machen. Außerdem war ich eingesperrt. Sie wollten feststellen, ob ich wirklich unter ihrer Gewalt stand. Natürlich wußten sie, daß ich das Gitter nicht durchbrechen konnte.
Eine Zusatzanweisung zwang mich, wie ein ausgehungerter Wolf zu sein!
Ich begann zu heulen und ging auf das Gitter los. Zerrend und fauchend versuchte ich, das Material zu zerfetzen.
Ich riß mir die Hände auf. Da ich auch die Zähne verwendete, begann mein Zahnfleisch zu bluten. Das Schauspiel dauerte so lange, bis mir bedeutet wurde, die Flucht zu ergreifen.
Ich ließ von dem Gitter ab und verzichtete darauf, weiterhin zu überlegen. Mein Umherrennen fand ein Ende, als die suggestive Beeinflussung erlosch.
Eine Sekunde zögerte ich. Wie sollte ich mich nun verhalten? Sofort wieder normal werden? Ich entschloß mich, einige Augenblicke verstreichen zu lassen. Erst dann ließ ich mich erschöpft zu Boden fallen und rief nach Nikolai.
Vor den Beobachtern wich ich bis in die äußerste Ecke des Käfigs zurück. Wenn sie jetzt nicht davon überzeugt waren, daß ich ihren Kräften unterlag, dann gab es keine Rettung mehr.
Die Waffe verschwand im Kombigürtel des seltsamen Raumanzuges. Zugleich stellte ich fest, daß ich seit Minuten vergessen hatte, meinen Bewußtseinsblock vorzulegen. Meine Gedanken hatten infolgedessen offen vor den Unbekannten gelegen. Ich hatte sie verflucht und meinen Haßgefühlen keinen Zwang angetan. Trotzdem unterhielten sie sich...




