E-Book, Deutsch, Band 20, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 20: Programmierung Ausgeschlossen
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5067-8
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 20, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5067-8
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Strom der technischen Lieferungen aus dem All muß aufhören! Die 'Geheime Wissenschaftliche Abwehr' will den unbekannten Nachschubplaneten im Zentrum der Galaxis außer Betrieb setzen. Unter dem Kommando von Spezialagent Thor Konnat startet ein Marsraumschiff auf eine gefährliche Expedition. Am Ziel angekommen, scheint nur ein verwegener Bluff zum Erfolg zu führen. Thor Konnat wagt das Äußerste!
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6.
Wir entfernten uns aus dem Sonnensystem mit aberwitziger, ständig wachsender Geschwindigkeit. Schon längst hatten sich relativistische Effekte bemerkbar gemacht. Die Sterne vor uns glänzten in grellem Violett, die hinter uns glühten in dunklem Rot. Zu beiden Seiten, über und unter uns waren alle Farben des sichtbaren Spektrums vertreten. Das Universum hatte sich in einen Regenbogen verwandelt, der uns auf allen Seiten umgab.
Unsere Geschwindigkeit unterschied sich nur noch um weniges von der Geschwindigkeit des Lichts. Diese Information hatten wir von unseren eigenen Meßgeräten, die wir mitgebracht und an Bord installiert hatten. Die Akzelerometer freilich funktionierten nicht. Da der Andruckabsorber den Beschleunigungsandruck völlig absorbierte, lieferten die Meßgeräte keinerlei Anzeige. Nach ihrer Aussage hatten wir uns um keinen Zentimeter von der Stelle bewegt. Aber es gab andere Methoden, unsere Geschwindigkeit zu ermitteln. Wir besaßen ein recht kompliziertes Gerät, auf das unsere Abteilung für wissenschaftliche Feinwerktechnik mit Recht stolz war. Es benutzte die Sonne und Sirius als Fixpunkte und ermittelte unsere Bewegungsgrößen, indem es die scheinbaren Abstände der beiden Himmelskörper mehrmals pro Sekunde maß und die Veränderung ermittelte. Das allein wäre noch keine sonderliche Leistung gewesen. Aber an das Gerät war ein Minicomputer angeschlossen, der auf iterative Weise den Effekt der relativistischen Verzerrung ermittelte und ihn bei der Auswertung der Meßdaten berücksichtigte. Denn Sonne und Sirius standen für unsere Augen nicht da, wo ein unbewegter Beobachter sie gesehen hätte. Je höher unsere Geschwindigkeit, desto bedeutsamer wurde die Abweichung. Der Kleinstrechner kompensierte sie und lieferte uns jeweils die richtigen Daten.
Seit dem Start war rund eine Stunde vergangen. Die Sonne war zu einem Stern geschrumpft, der sich kaum noch von der Fülle der übrigen Sterne unterschied. So weit wie diesmal war noch keiner unserer Testflieger ins All vorgestoßen. Wir hatten das Sonnensystem längst verlassen. Wir hatten die Grenzen durchstoßen, die dem Menschen bislang gesetzt waren. Wir waren auf dem Weg hinaus in den interstellaren Raum. Meine Angst, die atavistische Furcht vor dem Unbekannten, hatte sich gelegt. Von Zeit zu Zeit öffnete ich behutsam den mentalen Schirm, der andere Menschen davor bewahrte, daß ihre Bewußtseinsinhalte wie ein aufgeschlagenes Buch vor mir lagen. Ich wollte nicht ihre Gedanken belauschen. Ich wollte wissen, wie sie empfanden. Und da bemerkte ich, daß bei ihnen dieselbe Wandlung eingesetzt hatte wie bei mir. Die Furcht war geschwunden, oder doch wenigstens geringer geworden. Der Geist des großen Abenteuers begann, die Männer und Frauen der Besatzung zu beseelen. Es kam ihnen zu Bewußtsein, was die Angst bisher vor ihnen verborgen hatte, nämlich daß wir Ungeheuerliches taten, daß wir Pionierarbeit leisteten, daß der Mensch der Erde zum ersten Mal den Griff nicht nach den Planeten des eigenen Sonnensystems, sondern nach anderen Sonnen wagte.
Allmählich verbreitete sich gedämpfte Begeisterung in unserem Raumschiff. Man redete sich ein, daß im Grunde genommen dies alles doch gar nicht so schwierig und gefährlich war. Man begann an den Rechnungen zu zweifeln, die besagten, daß unsere Überlebenschance zwischen zehn und zwanzig Prozent lag. Man sprach aufeinander ein und versuchte sich gegenseitig zu überzeugen, daß das gefürchtete Selbstmordunternehmen wohl eher ein abenteuerlicher Spaziergang werden würde. Ich ließ die Leute gewähren. Ich wußte, daß uns noch Schweres bevorstand, bevor wir unserem Ziel überhaupt nahe kamen. Sie wußten es auch, aber nach der Art kleiner Kinder, die sich vor dem schwarzen Mann erst fürchten, wenn sie schon an der Kellertür stehen, sahen sie darüber hinweg. Ich war gerade dabei, ein viertes oder fünftes Mal herumzuhorchen, als ich plötzlich einen kräftigen Impuls empfing, der Panik ausdrückte. Ich horchte auf. Das war Dr. Snofers Mentalstimme! Was hatte er? War der Augenblick schon gekommen, in dem wir zum zweiten Mal unserer Angst Herr werden mußten?
Ein kleiner Bildschirm leuchtete auf. Snofers Gesicht erschien, schweißbedeckt und vor Angst verzerrt.
»Etwas geht vor, Sir!« stieß er keuchend hervor. »Die Anzeigen sehen plötzlich anders aus als bisher. Alles spielt verrückt. Geräte sind plötzlich zum Leben erwacht, die bislang keinen Mucks von sich gegeben haben!«
Er war völlig außer sich.
»Sie wissen, worauf wir alle warten«, antwortete ich. »Dieses Raumschiff kann eine Entfernung von vierundzwanzigtausend Lichtjahren nicht zurücklegen, indem es sich im relativistischen Flug durch unser vierdimensionales Kontinuum bewegt, nicht wahr? Das würde bedeuten, daß bei unserer Rückkehr zur Erde dort annähernd achtundvierzigtausend Jahre vergangen sein würden. Die Marsianer beherrschten ohne Zweifel den überlichtschnellen Flug durch den - na, sagen wir - Hyperraum. Könnten die Anzeigen etwas damit zu tun haben, daß die BAPURA sich vorbereitet, in den Hyperraum vorzustoßen?«
Er raufte sich die Haare. Er war verzweifelt.
»Ich weiß es nicht, Sir!« jammerte er. »Ich kann diese verdammten Leuchtanzeigen nicht deuten. Es gibt hier unten ein paar stationäre Roboter. Sie verstehen und sprechen Englisch. Ich habe sie gefragt, aber alles, was sie antworten, ist: »Eine Beantwortung Ihrer Frage ist unmöglich, da sie auf falschen Voraussetzungen beruht.«
Ich traf einen raschen Entschluß. Snofer war nahe daran, seelisch zu zerbrechen. Er brauchte Gesellschaft, die ihm Mut zureden konnte.
»Ich schicke Ihnen Aich und Scheuning«, sagte ich. »Inzwischen schließen Sie die Augen und sehen sich die Anzeigen nicht mehr an. Das ist ein Befehl!«
Ich schaltete ab. Wenige Augenblick später gellte meine Stimme über den Rundsprech durch sämtliche Räume, Gänge und Decks des riesigen Schiffes: »Die Herren Aich und Scheuning begeben sich bitte zu Captain Snofers Unterstützung in die Triebwerkszentrale!«
Ich wiederholte den Ruf zweimal, dann lehnte ich mich in meinen Sessel zurück und harrte der Dinge, die nun geschehen sollten. Ein kurzer mentaler Rundblick genügte mir, mich zu überzeugen, daß seit meinem Aufruf die Spannung an Bord wieder gestiegen war.
Etwa zehn Minuten später meldete sich Scheuning. Er war ein älterer Mann, das physikalische As der Erde und keineswegs der Typ, der sich in der Ecke verkroch, um nur seinen Studien nachzuhängen. Damals, als wir die BAPURA zum erstenmal starteten, um den anfliegenden Hypnos entgegenzugehen, war er als Sprecher der wissenschaftlichen Gemeinde aufgetreten, die meine Taktik bemängelte.
Er wirkte ruhig und überlegen wie immer.
»Wir sind unserer Sache alles andere als sicher«, erklärte er, »aber Ihre Vermutung ist wahrscheinlich richtig. Die BAPURA schickt sich an, in den Hyperraum zu gehen. Ich habe hier unten ein paar Meßgeräte installiert, die mir im Augenblick des Übertritts hoffentlich ein paar Daten liefern, aus denen wir auf das Prinzip des marsianischen Überlichtflugs schließen können.«
Josua Aich schob sich von links ins Bild. »Das ist auch meine Meinung, Sir«, sagte er. »Snofer ...?« fragte ich einfach.
»Ist in Ordnung«, nickte Scheuning. »Er brauchte wirklich nur Gesellschaft. Ich bleibe selbstverständlich hier, bis wir das Schlimmste überstanden haben.«
»Ich auch«, schloß Aich sich an.
»Noch etwas«, begann Scheuning von neuem. »Die Theorie der Automata gibt keine eindeutige Auskunft darüber, ob dieser Eintritt in den Hyperraum, wenn wir den Namen schon einmal gebrauchen wollen, von dem Autopiloten in eigener Machtvollkommenheit eingeleitet wird, oder ob er dazu ein Kommando braucht. Weisen Sie bitte die Piloten an, darauf zu achten, ob auf ihren Konsolen irgendwo eine neue und wahrscheinlich besonders auffallende Leuchtmarkierung erscheint. Was sie dann zu tun haben, das überlasse ich Ihrer Entscheidung.« Ich nickte.
»Okay, bleiben Sie im Bild!«
Die Bildfläche blieb angeschaltet. Scheuning und Aich machten sich an den Meßgeräten zu schaffen, die sie im Triebwerksraum aufgebaut hatten. Hinter ihnen sah ich die mächtigen Metalldome fremder Maschinen, die die für die Triebwerke benötigten, ungeheuren Energien nach unbekannten Prinzipien erzeugten. Die beiden Professoren entfernten sich von dem Aufnahmegerät, bis ich ihre Stimmen nicht mehr hören konnte. Snofer war nirgendwo zu sehen. Wahrscheinlich ruhte er sich aus.
Ich sah auf dem Bildschirm einen kleinen Ausschnitt des Wandteils, der ausschließlich den Anzeigen marsianischer Meßinstrumente vorbehalten war. Es war das übliche Bild. Das Wahrnehmungsvermögen der alten Marsianer mußte auf einem anderen Prinzip beruht haben als das unsere. Unsere Instrumente hatten Zeiger, die auf einen Zahlenwert deuteten, oder zeigten in digitaler Ausführung die Zahl selbst. Die Marsianer schienen nichts von Zahlen gehalten zu haben. Bei ihnen übermittelte die Farbe eines Lichtsignals die gewünschte Information. Farben hatten für die Herren dieser uralten Technologie dieselbe Bedeutung wie für uns Zahlen. Ihr Sehvermögen mußte eine fast unglaubliche Fähigkeit besessen haben, selbst die geringfügigsten Farbvariationen voneinander zu unterscheiden. Das sichtbare Spektrum der elektromagnetischen Strahlung umfaßte den Längenwellenbereich von 4000 bis 7000 Angströmeinheiten. Nach monatelanger Beobachtung der marsianischen Meßanzeigen waren unsere Wissenschaftler zu der Ansicht gelangt? daß die Marsianer zwei Farben, deren Wellenlängen nur um zehn Angström auseinander lagen, eindeutig voneinander zu unterscheiden gewußt hatten. Wo das unempfindliche menschliche Auge nur die sechs Grundfarben wahrnahm,...




