E-Book, Deutsch, Band 21, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 21: Marsversorger ALPHA VI
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5068-5
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 21, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5068-5
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Spezialagent Thor Konnat und 3.000 Mann sind in die Tiefen der Galaxis vorgestoßen. Kaum haben sie den Marsversorger ausgeschaltet, als neue Gefahren auftauchen. Die Hypnos -- die schon die Erde heimsuchten -- haben den Transmitter angepeilt. Wieder steht die 'Geheime Wissenschaftliche Abwehr' dem übermächtigen Volk der Orghs gegenüber. Doch diesmal gilt es den Bluff auf intergalaktischer Ebene durchzustehen!
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6.
Sie wußten jetzt schon, daß sie uns unterschätzt hatten! Snofer hatte einen unverantwortlichen Fehler begangen.
Als die für die Triebwerkssektoren und die vierzehn Großkraftwerke zuständigen Farbsymbolschirme meines Hauptsteuerstandes über die Werte grün, blau, gelb bis zum tiefen Dunkelrot wechselten, war mir der Angstschweiß ausgebrochen.
Dr.-Ing. Snofer hatte geschaltet wie ein Mann, der mit den komplizierten Anlagen bestens vertraut ist. Er war es aber nicht!
Seine Maßnahmen wurden von der Bordpositronik respektiert. Sie hatte sich nicht dagegen aufgelehnt, obwohl die tiefrote Farbsymbolisierung nachdrücklich eine Überbelastung anzeigte. In dem Augenblick waren überall im Schiff optische und akustische Warnungen hörbar und sichtbar geworden. Snofer hatte die BAPURA bis zur äußersten Grenze beansprucht.
Ich traute meinen Ohren nicht, als mir die Bremsbeschleunigungswerte von der mathematischen Abteilung mitgeteilt wurden!
Wir hatten bei dieser Höchstbelastung mit einer Leistung von vierhundertzehn Kilometer pro Sekundenquadrat gebremst. Das ungeheure Tosen der in dem Ringwulst eingebauten Triebwerke hatte uns trotz Ohrenschützer und der aufgebauten Geräusch-Dämpfungsfelder beinahe taub werden lassen. Zusätzlich zu diesem unvorstellbar machtvollen Orgeln ertönte noch das Tosen der insgesamt vierzehn Riesen-Atomkraftwerke. In jedem standen dreißig Großreaktoren marsianischer Bauweise. Wir hatten bei unseren Nachforschungen herausgefunden, daß diese Energieerzeuger längst nicht mehr auf der Basis von Kernverschmelzungsreaktionen, also nach dem Kernfusionsprinzip einer technisch beherrschbaren Wasserstoffbombe liefen.
Dieses kalte Kernverschmelzungsverfahren hatte die irdische Physik soeben erst entwickelt. Für die Marsianer war das schon vor 187.000 Jahren ein fossiler Vorgang gewesen.
Ihre Meiler und Triebwerke, genau definiert ebenfalls Reaktoren von besonderer Bauweise, arbeiteten mit der höchsten, physikalisch überhaupt vorstellbaren Leistungsausbeute, nämlich nach dem Prinzip des gepulsten Protonenstrahles und der Nutzbarmachung des damit verbundenen Antimaterie-Effektes.
Die Folge davon war ein gegen die Fahrtrichtung gelenkter Schubeffekt gewesen, der anscheinend derart ungeheuerliche Beharrungskräfte erzeugt hatte, daß die Kapazität aller vierzehn Großkraftwerke, die insgesamt vierhundertzwanzig Riesenreaktoren enthielten, erforderlich war, um die Zerreißprobe zwischen der vorandrängenden Masse des Schiffes und den stoppenden Partikel- Schubfluten bestehen zu können.
Kein Wunder, daß sämtliche Anzeigen in den Dunkelrot-Sektor ausgewandert waren.
Die beiden Orghs hatten dieses Gewaltmanöver bei weitem nicht mitmachen können. Sie waren mit hoher Fahrt an uns vorbeigeschossen und hatten uns im Sinne des Wortes überholt, ohne ihr Schiff schnell genug abbremsen zu können.
Und Snofer hatte dazu noch befriedigt gelacht! Er hatte alles riskiert! Diesmal hatte er es wissen wollen; auf Kosten unserer Nerven.
Mit der Maßnahme, so technisch bedeutungsvoll sie auch sein mochte, hatte er meine Pläne gründlich durchkreuzt. Ich hatte den Hypnos Gelegenheit zum schnellen, aber vorsichtigen Aufschließen geben wollen. Ich hatte sie verleiten wollen, nach dem Erreichen eines ihnen günstig erscheinenden Abstandes zwischen den drei Schiffen mit ihrem Paraüberfall zu beginnen.
Sie hatten es nicht getan! Sie hatten, wie von Professor Scheuning vorausgesagt, unsere Maschinenleistung weit unterschätzt. Jetzt aber mußten sie über die tatsächlichen Werte orientiert sein.
Auch das war mir nicht willkommen! Sie wußten jetzt schon so viel, daß ich sie - wenn ich die Lage rein logisch überdachte - nicht mehr ruhigen Gewissens nach Hause fliegen lassen durfte.
Naru Kenonewe und Stepan Tronsskij - sie kontrollierten die wichtigen Schaltkonsolen der beiden Chefpiloten - drehten sich betroffen um. Die beiden Orghs wurden auf den Schirmen der Zenitgalerie immer kleiner, obwohl sie auf Grund unserer Meßergebnisse mit allen verfügbaren Werten bremsten. Ich drückte auf den Schalter der BzB-Anlage. Das Tosen und Donnern von Triebwerken und Kraftversorgern war verhallt. Wir flogen im freien Fall durch den Raum eines für uns fremden Sternsystems.
»Dr.-Ing. Snofer - wegen dieser eigenmächtigen und für unsere Gesamtplanung gefährlichen Handlung werde ich Sie nach unserer Rückkehr zur Erde anklagen und eine kriegsgerichtliche Verhandlung fordern. Sollten Sie sich ein derart eigenmächtiges Vorgehen während des Einsatzes nochmals erlauben, entbinde ich Sie augenblicklich Ihres Kommandos und stelle Sie vor ein Bordgericht. Das wäre alles.
Major Kenonewe - halten Sie den Kurs und schließen Sie auf Aktionsbereich auf. Warten, bis die Orghs so weit abgebremst haben, daß wir sie mit unserer jetzigen Fahrtstufe einholen können.« Nach einer kurzen Beratung mit den Bordwissenschaftlern hatte ich mich entschlossen, die Orghs zu provozieren.
Die Psychologen hatten zwar behauptet, lediglich wegen der nunmehr richtigen Einschätzung unserer Maschinen- und Triebwerksleistung würden sich die Hypnos nicht zu einer panikartigen Flucht verleiten lassen ; aber ich traute den Aussagen nicht.
Bestimmt würden sie mit ihrer angeborenen Hartnäckigkeit versuchen, den Gegner zuerst hypnosuggestiv zu übernehmen. Die Tatsache, daß sie die BAPURA falsch eingestuft hatten, würde daran nicht viel ändern. Außerdem hatten sie ihre hohe Überholfahrt nun so weitgehend gedrosselt, daß wir mit unserem Tempo - es betrug noch ein Zehntel der einfachen Lichtgeschwindigkeit - recht schnell auf schlössen.
Trotzdem warnte mich ein Instinkt. Wir durften sie nicht entkommen lassen, ohne ihnen vorher planmäßig »verraten« zu haben, wie viel mächtiger wir sonst noch waren. Hier ging es nicht nur um die Über- oder Unterschätzung einer Maschinenleistung.
Ich wollte sie demoralisieren! Ich wollte eine zweite Gruppe von Orghs davon überzeugen, wie gefährlich es für sie war, die ferne Erde anzufliegen. Außerdem wollte ich versuchen, die galaktischen Positionsdaten ihres Heimatsystems herauszufinden.
TECHNO hatte bereits entsprechend reagiert. Seine Spezialroboter, die Datenspürer vom Typ ASGAMMON, waren per Transmitter auf Yedocekon eingetroffen.
Noch entscheidender für meinen Entschluß, die Hypnos zu provozieren, war Kinys Meldung. Es war ihr gelungen, beim Vorbeiflug der beiden Schiffe den Bewußtseinsinhalt zahlreicher Besatzungsmitglieder klar zu erfassen. Sie hatte mich gewarnt.
An Bord der Hypno-Raumschiffe gab es mindestens zwanzig Personen der wissenschaftlichen Crew, die ihren Kommandeur auf unser Versteckspiel aufmerksam gemacht hatten.
Wenn diese Wissenschaftler schon argwöhnisch wurden, nur weil ihre Ortungsergebnisse über unsere Maschinenleistung eindeutig falsch ausgewertet wurden, dann war die Zeit zum Handeln gekommen.
Dr.-Ing. Snofer hatte sich offiziell entschuldigt. Mit ihm wären »die Gäule durchgegangen« hatte er zerknirscht durchgegeben.
Seine Einsicht und Begründung stießen bei mir auf Verständnis. Ein Mann, der Monate benötigt hatte, die Schaltfunktion zahlloser Knöpfe, Kippschalter und Handflächen-Wärmeabdruckregler begreifen zu lernen, konnte in einer solchen Situation schon der Verführung unterliegen, sein erworbenes Wissen in die Praxis umzusetzen.
Weitere Vorwürfe wären daher psychologisch falsch gewesen. Die Tatsachen ließen sich ohnehin nicht mehr ändern.
Auf Grund meines Argwohns und Kinys Esper-Auswertung hatte ich vor einer Sekunde den Feuerbefehl gegeben.
Die Orghs standen noch knapp eine Million Kilometer vor uns. Wir holten rasch auf, denn sie hatten ihre Fahrt bis auf 15 000 km/sec reduziert. Das entsprach etwa dem zwanzigsten Teil der einfachen LG. Wir hatten noch die doppelte Fahrt.
Ich rechnete damit, daß sie bei einer weiteren Annäherung der BAPURA erneut beschleunigen würden, um ihr Tempo dem unseren anzupassen. Das hätte jener Situation entsprochen, die Listerman als »laufendes Gefecht« bezeichnete. Dieser uralte Begriff stammte aus der maritimen Geschichte der seefahrenden Erdenvölker.
Darauf wollte ich es nicht ankommen lassen, noch weniger auf eine Fluchtreaktion der Hypnos. Aus diesem Grunde hatte ich das Feuer eröffnen lassen, allerdings mit der Maßgabe, »gezielt« vorbeizuschießen!
Die ständig zusammenschrumpfende Distanz bedeutete für die Hochenergiegeschütze der BAPURA etwa so viel, wie für einen Meisterschützen das Treffen eines Elefanten mit Hilfe einer Zielfernrohr- Präzisionsbüchse auf zwanzig Meter.
Der scharfgebündelte, sonnenheiße Thermostrahl einer marsianischen Kanone fächerte sich bei einer Zielentfernung von »nur« einer Million Kilometer kaum über die Toleranzgrenze von vier Meter auf. Das bedeutete im Ernstfall, daß der Gegner die durch Hochenergiefelder gebündelte und gleichgerichtete Abstrahlenergie eines gepulsten Protonenstrahl-Effektes in vollster Mündungsdichte mit der damit verbundenen Auftreffwucht und einer strahlinternen Temperatur von etwa sechs Millionen Grad Celsius zu »verdauen« hatte.
Thermoschüsse dieser Art, entfernt vergleichbar mit unseren irdischen Laserstrahlen, erzeugten in gegnerischen Schutzschirmen allein durch die überaus hohe Temperatur Effekte, die nicht genau vorhersehbar waren. Es kam immer auf die Art dieser Schutzschirme an.
Wenn sie für eine Kernreaktion ansprechbar waren, verwandelten sie sich gegen den Willen ihrer Erzeuger in eine spontan reagierende Wasserstoffbombe. Waren sie gegen solche Reaktionen unempfindlich, wurden sie meistens durchschlagen.
In diesem Falle traf der Hochenergiestrahl die nackte...




