E-Book, Deutsch, Band 26, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 26: Sicherheitsfaktor III
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5073-9
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 26, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5073-9
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die 'Geheime Wissenschaftliche Abwehr' gerät in Panik! Unglaubliches geschieht -- eine Kennmarke wird gefälscht, ein aktiver Agent wird von einer unbekannten Macht erpreßt und schließlich entführt. Bedroht das Erbe des Mars nun auch die mächtigste Organisation der Erde? Die ZBV-Agenten Konnat und Utan nehmen mit einem Spezial-U-Boot die Verfolgung auf und geraten in einen Strudel unglaublicher Ereignisse.
Autoren/Hrsg.
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8.
Das Boot ruhte auf dem Grund der Korea-Bucht, in nicht mehr als 25 Faden Tiefe. Es war licht ringsum. Ich sah die Felsmasse, die vor mir in die Höhe ragte. Der Absorptionsfilter verschluckte die Luftblasen, die aus der Sauerstoffapparatur aufstiegen. Mit nicht mehr Geräusch, als ein Fisch beim Schwimmen verursachte, bewegte ich mich durch das klare, helle Wasser.
Vor mir, in der pflanzenüberwucherten Felswand, gähnte eine finstere Öffnung. Ich glitt hinein und gelangte in einen röhrenartigen Stollen, der sich allmählich nach oben neigte. Zeitweise war es pechschwarz ringsum, dann sah ich vor mir ein Licht schimmern, Sekunden später durchstieß ich die Wasseroberfläche. Ich befand mich in einem kleinen, ovalen, ringsum von Felsen eingeschlossenen Raum. Unter der kuppelförmigen Decke brannte eine grelle Lampe. In meiner Blickrichtung wurde der Rand des Bassins, in dem ich schwamm, von einer kaum zwei Meter breiten Felsleiste gebildet. Dahinter führte ein matt erleuchteter Stollen weiter in das Innere des Inselfelsens.
Am Ufer kauerte eine kleine Gestalt. Ich erkannte Hannibal. Er musterte mich mißtrauisch durch die Scheibe des Taucherhelms. Ich sah, wie er sich umwandte, und hörte ihn schreien: »He, ist der Gefangene noch an Ort und Stelle?« Aus dem Stollen kam Antwort. »Er ist hier, Sir!«
Der Kleine streckte mir die Hand entgegen und half mir beim Anlandklettern.
»Man kann nie vorsichtig genug sein«, knurrte er. »Du siehst genauso aus wie der Kerl, den wir da hinten eingesperrt haben.«
Ich verstand seine Besorgnis und die stille Aufforderung.
»Okay, sieh mich an!« offerierte ich, und eine Sekunde später spürte ich, wie sich sein Bewußtsein in das meine bohrte. Er grinste.
»Nichts für ungut, Großer! Wenn man so oft die Gesichter wechselt wie du, muß man einiges in Kauf nehmen, nicht wahr?«
Er half mir beim Abstreifen der Tauchermontur. Darunter kam das zerschlissene Gewand des großasiatischen Geheimdienstes zum Vorschein. Hannibal musterte mich von allen Seiten, dann stieß er einen anerkennenden, halblauten Pfiff aus. »Sie haben dich tüchtig hergenommen, wie?«
»Ich denke lieber nicht mehr daran«, knurrte ich. »Wie war das mit Wang?«
»Ich kam zwei Stunden nach seinem Absturz hier an. Alles planmäßig. Der Pilot wurde vor knapp vier Stunden in der Nähe von Chengtzutuan an Land gespült. Man hat mindestens zwei Stunden gebraucht, um ihn zum Sprechen zu bringen. Mit dem Eintreffen der ersten Suchfahrzeuge muß jeden Augenblick gerechnet werden.«
Hoffentlich hat sich das U-Boot rechtzeitig abgesetzt, schoß es mir durch den Sinn. »Und der Gefangene?« erkundigte ich mich.
»Ist bei Bewußtsein. Man hat ihm gesagt, was wir vorhaben. Aber er glaubt es noch nicht ganz.« Ich nickte. Ewald Hrdlicka hatten wir hypnotisieren müssen, um ihn zu hindern, an für uns ungeeigneter Stelle von seinem Mißgeschick zu sprechen und dadurch die GWA, auf die der Verdacht über kurz oder lang fallen würde, in Mißkredit zu bringen. Hier jedoch, im Machtbereich des großasiatischen Geheimdienstes, war eine andere Handlungsweise geboten. Allein dadurch, daß Wang Tse Liao dem Feind in die Hand gefallen war, galt seine Ehre als schwer geschädigt. Selbst wenn er sich in diesem Augenblick hätte befreien und seinem Vorgesetzten von unserem Vorhaben hätte berichten können, wäre ihm ein erheblicher Gesichtsverlust nicht erspart geblieben. In diesem Fall konnten wir unsere Vorbereitungen unter den Augen des Gefangenen treffen. Denn nachdem wir ihn freigelassen hatten, würde er sich lieber die Zunge abbeißen, als über das Abenteuer zu berichten, das er soeben durchgestanden hatte. Seine einzige Hoffnung bestand darin, daß der kurzzeitige Austausch des Oberstleutnants Wang Tse Liao gegen einen Agenten eines feindlichen Geheimdienstes niemals ans Tageslicht kam. Das war chinesische Mentalität. Damit mußten wir rechnen.
Hannibal führte mich in den Stollen. Die kleine Felseninsel war ein oft genutzter Stützpunkt der Geheimen-Wissenschaftlichen-Abwehr. Wir unterhielten hier keine ständige Besatzung, aber wenigstens dreimal im Jahr drangen unsere Leute bis hierher vor, um Beobachtungen auf dem nahegelegenen Festland anzustellen - besonders dann, wenn die Chinesen einen ihrer gewaltigen Rauchgeneratoren in Betrieb setzten, der verhindern sollte, daß unsere Satelliten erkannten, was da auf der strategisch wichtigen Halbinsel Liaotung vorging. Die nordchinesischen Grenzprovinzen hatten seit der Jahrtausendwende immer mehr an Bedeutung gewonnen. Zwischen dem Großasiatischen Staatenblock und der Sowjetunion bestanden dieser Tage ähnliche Spannungen wie in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Man befehdete einander mit Hilfe der öffentlichen Kommunikationsmedien und befestigte die Grenzen, so gut es ging. Diesem Trend folgend, war der sowjetische Geheimdienst vor nicht allzu langer Zeit von Moskau nach Irkutsk, also in unmittelbare Nähe der großasiatischen Grenze, übersiedelt. Und vor wenigen Tagen war ihm der Abwehrdienst des großasiatischen Blocks gefolgt, indem er seinerseits das Hauptquartier von Peking nach Mutanchiang, einer mandschurischen Stadt am Ufer eines Nebenflusses des Amur (oder Heilung, wie die Chinesen ihn nannten), verlegte. Diese Umzüge waren von der Öffentlichkeit unbemerkt vor sich gegangen. Nur in den Zentren der Spionageabwehr wußte man davon.
Der Stollen führte etwa zwanzig Meter weit in den natürlich gewachsenen Fels hinein, bevor sich zur rechten Hand eine Öffnung zeigte. Ich trat in einen Raum, dessen Boden man mit einer rasch erstarrenden Plastikmasse überzogen hatte, um auf diese Weise wenigstens eine verläßliche Horizontale für die Aufstellung von Meßgeräten zu erhalten. Das Mobiliar war äußerst dürftig. Es gab einen Tisch und eine Reihe von Stühlen, bei deren Anblick man Angst bekam, sich eine Sparre in die Haut zu rammen, wenn man sich darauf setzte. Auf einem dieser Stühle hing mehr, als daß er saß, Oberstleutnant Wang Tse Liao, mein Ebenbild. Man hatte mit Hilfe einer Injektion seine Beinmuskulatur deaktiviert, so daß er uns nicht entkommen konnte. Sonst aber war er durchaus bei Kräften.
Er zuckte unwillkürlich zusammen, als er mich erblickte. Ich sah, wie er die Lider zusammenkniff, um sie wenige Sekunden später wieder zu öffnen. Er musterte mich mit dem Ausdruck reinen Entsetzens. Schließlich stieß er hervor: »Wer ... wer sind Sie ?« Er sprach chinesisch.
»Ich bin der, von dem man Ihnen berichtet hat«, antwortete ich. »Ich werde vorläufig Ihre Position einnehmen. Ich bedaure, dies tun zu müssen, aber die Staatsräson zwingt mich dazu. Ich versichere Ihnen, daß ich niemand persönlichen Schaden zufügen und daß ich spurlos verschwinden werde, sobald mein Auftrag erledigt ist.«
Ich war sein Gegner, aber meine Worte mußten ihm die Ehrsamkeit meiner Absichten bekunden. Er neigte leicht den Kopf und antwortete: »Ich bedauere die Entwicklung der Dinge, die mich in diese Lage brachte. Aber ich erkenne, daß mir keine andere Wahl bleibt, als mich vorläufig in Ihre Gewalt zu fügen, und ich bin gewillt, Sie als einen ehrenhaften Feind zu betrachten, wenn Sie sich wirklich an die Maßregeln halten, die Sie eben genannt haben.«
»Seien Sie dessen versichert«, erwiderte ich ernsthaft und verneigte mich ebenfalls. Irgendwo summte es hell und durchdringend. Ein Lautsprecher fing an zu plärren: »Luftfahrzeuge landauswärts. Ein hochfliegendes Schwebeboot, etwa dreißig Hubschrauber.« Der Kleine sah mich an.
»Das sind sie«, sagte er. »Du mußt dich oben sehen lassen.«
Ich warf einen Blick auf die Uhr. Wang Tse Liao war vor mehr als zehn Stunden abgestürzt. Über eine Stunde hatte er im Schlauchboot mit den Wellen gekämpft, bis das Boot an den scharfkantigen Felsen der Insel zerrissen war und er hatte an Land klettern müssen. Es war ihm nicht übelzunehmen, wenn er vorübergehend in einen Schlaf der Erschöpfung versank. Ich brauchte mich dort oben nicht beim ersten Surren der Motoren zu zeigen.
Auf meinen Wink folgte mir der Kleine. Wir traten hinaus in den Stollen.
»Halte die Leute von mir fern!« raunte ich ihm zu. Er schien zu verstehen, was ich meinte. Ich öffnete den Mentalblock und sah mich um. Es waren nicht allzu viele Menschen in meiner Nähe. Ich hatte keine Mühe, Wang Tse Liaos Gedanken aus den anderen hervorzusortieren. Ein Blick genügte: Sein Denkprozeß konzentrierte sich auf den Komplex persönlicher Schande, die ihm widerfahren war, weil er sich hatte gefangen nehmen lassen. Ich drang bis in die tiefsten Schichten seines Bewußtseins vor, ohne auch nur den geringsten Hinweis auf die Torpentouf-Affäre zu finden. Wang Tse Liao wußte von nichts. Obwohl er zu Fo-Tiengs engsten Mitarbeitern gehörte, bedeutete dies leider nichts. Eine Sache wie die Entführung der Drillinge würde der Verantwortliche nur den Leuten mitteilen, die unbedingt davon wissen mußten. Und zu diesen brauchte Wang Tse Liao nicht unbedingt zu gehören.
Ich kehrte in die Realwelt zurück. Der Kleine musterte mich aufmerksam. Er sah meinen Blick und schüttelte den Kopf. »Nichts?«
»Nichts«, antwortete ich. Er zuckte die Achseln.
»Bestätigt meine Beobachtung«, meinte er. »Mich beunruhigt allerdings noch etwas anderes.«
»Was ist das?«
»Er weiß nicht, wo sich Fo-Tieng im Augenblick aufhält.«
Das kam mir bedenklich vor, aber man ließ mir keine Zeit, darüber nachzudenken. Die Warnanlage summte zum zweiten Mal. Ungeduldiger als zuvor drängte die Stimme aus dem Lautsprecher: »Die Hubschrauber sind in der Nähe, das Schwebeboot steht unmittelbar über der Insel. Es wird Zeit, daß sich oben jemand sehen läßt!«
Dieser Jemand war ich. Hannibal...




