E-Book, Deutsch, Band 29, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 29: Marsrevolte problematisch
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5076-0
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 29, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5076-0
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Erbe der Marsianer verweigert den Dienst! Stehen Außerirdische hinter dem Chaos in der Marsmaschinerie? Die 'Geheime Wissenschaftliche Abwehr' schickt ihre Sonderagenten Thor Konnat und Hannibal Utan in eine Verzweiflungsaktion: Sie gehen in den Untergrund und versuchen den vermuteten Gegner aus der Reserve zu locken. Aber es sieht aus, als hätte man sich verrechnet ...
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5.
Wir lauerten jeder auf seine Weise auf einen Gegner, den wir nicht kannten und den wir nicht einschätzen konnten.
Wir wußten nur, daß er einmal erschienen war und dabei ein hohes technisch-wissenschaftliches Können nachgewiesen hatte.
Wenn man Allison glauben wollte, saßen wir tatsächlich im verkehrten Boot. Er hatte zwei Stunden lang geredet und bewiesen, schließlich getobt, wieder bewiesen und theoretisiert.
Er hatte fünf Programmpunkte aus dem Großrechner der GWA herausgeholt. Ich glaubte ihm jedes Wort! Er sprach genau das aus, was ich mir ebenfalls überlegt hatte.
Eigentlich war es verwunderlich, daß man einem Genie wie Dr. Allison ewig und immer argwöhnisch gegenübertrat.
Daran war aber nur die Art schuld, wie er seine Argumente vortrug. Er konnte nicht überzeugend dozieren, oder ruhig und gelassen sein. Wenn er sprach und wenn er etwas behauptete, wurde er allein durch seine Hektik unglaubwürdig.
Wenn er darüber hinaus tollkühne Berechnungen präsentierte und so tat, als wäre das die einfachste Sache der Welt, hatte er endgültig verloren. Aber das entsprach Framus G. Allisons Mentalität. Er würde nie aus seiner Haut schlüpfen können.
Draußen, unterhalb der Steilhänge, zogen die letzten Einheiten der afrikanischen Wachdivision ab. Das Heulen der Panzerturbinen drang bis zu uns empor.
World-TV-International hatte die Truppenbewegungen übertragen. Unsere Kameramänner hatten sich allerdings gehütet, die schwerbewaffneten Spezialisten der militärischen GWA auch dann noch auf den Bildschirm zu bannen, wenn sie nach dem Passieren der Kameras kehrtmachten, um auf ihre Einsatzpositionen innerhalb der Fluchtburg zurückzukehren.
Als die Frist von drei Stunden abgelaufen war, gab es in dieser Gegend angeblich keinen Uniformierten mehr.
Die 1418 schwebte mit tosenden Triebwerken in das weite Tal ein und blieb im Schütze ihrer aufgebauten Abwehrschirme auf dem Plateau unterhalb der Steilhänge stehen. Lobral hatte den vierzig Meter durchmessenden Kreuzer exakt gelandet.
Ich befand mich in Ruhestellung. Hannibal lag neben mir auf einem Feldbett. Sein zerschundenes Gesicht war angespannt und fahl. Er konzentrierte sich schon länger als ich.
Mein aktiviertes Extrahirn sprach an. Jemand näherte sich. Ich identifizierte die Impulse von Allison. Er war erregt, dachte lediglich an sein Vorhaben und wollte mich als eine Art von Rettungsanker benutzen.
Ich erkannte, daß er über unsere Parafähigkeit informiert war. Ein Mann wie er hatte das längst herausgefunden.
Er war ein neuer und vielleicht gefährlicher Mitwisser; es gab überhaupt schon zu viele Leute, die unsere Psi-Gaben kannten. Mich störte es nicht mehr sonderlich; vorausgesetzt, aus der Tatsache unserer übersinnlichen Fähigkeiten resultierte nicht wieder eine Art von Hexenwahn.
Wir hatten es erlebt. Selbst die engsten Vertrauten im Führungsstab der GWA hatte an unserer Loyalität leise Zweifel gehegt. Man hatte sich bedroht gefühlt, weil man unsere Psi-Macht falsch einstufte.
Allison dachte in dieser Hinsicht viel nüchterner. Für ihn schien es sogar selbstverständlich zu sein, daß man mit den geeigneten Mitteln brachliegende Hirnteile aktivieren konnte. Hannibal drehte langsam den Kopf und starrte mich an. Er sprach lallend.
»Okay, Lage erkannt. Du mußt jetzt handeln. Die Fremden kommen sonst nicht, ich fühle es. Frage nicht wieso - ich fühle es eben.«
»Ich auch, Kleiner«, bestätigte ich gelassen. »Ich ahne es schon seit fünf Tagen.«
»Hast du deinen Einsatzplan fertig?«
»Ja. Allison brachte die letzten Gewißheiten mit. Kannst du voll übernehmen?«
»Ja. Kümmere dich um Allison. Denke notfalls an deine Sondervollmachten. Zu viele Köche verderben den Brei. Reling ist ziemlich willig, aber die anderen wollen nicht mitmachen. Ich schließe kurz.«
Er drehte den Kopf zurück und schloß die Augen.
Ich dagegen löste mich aus meiner Konzentrationsphase. Tausend Stimmen hatte ich gehört und tausend Seelen durchforstet.
Dinge, die mich nichts angingen, waren auf mich eingeströmt und hatten mich teilweise an jenen Ängsten oder Freuden teilnehmen lassen, unter denen die Belauschten litten.
Ein Gefühl der Scham stieg in mir auf, obwohl diese Sondierung eine echte und tatsächlich dienstliche Notwendigkeit war. Wir mußten uns schnellstens mit den Individualschwingungen der hier stationierten Männer vertraut machen, um sie notfalls blitzschnell von Fremdimpulsen unterscheiden zu können.
Der Wissenschaftler blieb vor der Tür stehen. Er zögerte, obwohl die beiden Posten Anweisung hatten, ihn ungefragt passieren zu lassen. Ich hatte mit seinem Besuch gerechnet.
Mit einem prüfenden Blick überflog ich die in unserem »Spürbau« aufgestellten Alarm- und Kommunikationsgeräte. Sie waren alle abgeschaltet.
»Kommen Sie rein, Allison«, rief ich laut.
Er stieß sofort die Holztür auf, schloß sie wieder und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Ausnahmsweise war er ernst. Seine Augen blickten mich forschend an.
»Das war eine hervorragende Leistung«, begann er. Darüber reden wir später einmal ausführlich. Ich hätte einige zündende Ideen.«
»Sie werden sich eines Tages selbst in die Luft blasen«, nörgelte ich. »Nehmen Sie Platz.«
»Danke, ich halte es in der Ruhestellung nicht aus. HC-9, wie ist Ihre Meinung zu dem Fall? Sie haben bei sämtlichen Sitzungen kein Wort gesprochen. Doch - zweimal ,ja' gesagt.«
Ich stand auf und suchte nach einer Zigarette. Allison warf mir ein Paket zu. Ein Feuerzeug folgte. »General, wenn Sie nicht ein Machtwort sprechen, das Sie erwiesenermaßen sprechen können, war alles umsonst. Die Fremden sind identisch mit den Leuten, von denen die Barstruler bedroht werden. Das ist ein Punkt.«
»Der ist uns lange bekannt. Er wird akzeptiert. Es geht um Ihre anderen Theorien.« Er winkte heftig ab, zwang sich dann aber dazu, die Arme vor der Brust zu kreuzen. Ich bemerkte, daß nicht nur seine blonden Haare schweißverklebt waren. »Sie stinken wie ein nasser Fuchs, Doktor.«
»Unwichtig. Keine Zeit gehabt, um ein Bad zu nehmen. Der zweite Punkt lautet, daß der Gegner Ihren Standort kennt, nicht aber den des barstrulischen Kleinraumschiffes.«
»Obwohl es nur ca. fünfzig Meter über uns im Hangar steht?«
»Stimmt. Das sind zwei Paar Schuhe, aber das wollen die Narren nicht einsehen. Helfen Sie mir, Konnat.«
»Ich glaube Ihnen. Das wäre eine plausible Erklärung für das Nichterscheinen. Auch Steamers meint, man wäre an Hannibal und mir nicht interessiert. Moment, nicht unterbrechen. Ich frage mich allerdings, warum man uns ignoriert. Wir haben die 1418 zurückerobert. Wir können auch für die Fremden gefährlich werden.«
»Irrtum. Ab hier geht Ihre Rechnung nicht mehr auf. General, Ihr Kodator, das Feuerwerk und der Kreuzer, der eigentlich gar keiner ist, sondern das Beiboot eines 400-Meter-Schlachtschiffes der Marshu-Klasse, zählen bei den Weltraumlandern soviel wie für Sie die Steinschleuder eines Jungen.«
»Möglich. Ich habe daran gedacht«, gestand ich zögernd ein.
Ein Lächeln lag auf seinen Lippen. Ich verzichtete auf eine Sondierung seines Gedankeninhaltes, da ich ohnehin fühlte, daß er »Morgenluft« witterte; für seine Ideen natürlich.
»Deshalb läßt man Sie gewähren. Man ist hinter den Barstrulern her. Ich werde Ihnen später verraten, wieso die unbekannten Angreifer und die Barstruler fast gleichzeitig in unserem Sonnensystem und auf der Erde eintrafen. Die barstrulischen Raumschiffe wurden verfolgt. Beide Völker hatten außerdem die Hyperfunksprüche des von Ihnen dargestellten Weltraumbeherrschers Tumadschin Khan aufgefangen und eingepeilt. Man flog ungefähr zur gleichen Zeit los. Das war für die Invasoren ein Kommandounternehmen nach dem Motto: Wohin wollen die Barstruler fliegen?«
»Aufhören, Allison. Das gehört nicht zu Ihren fünf Hauptpunkten.«
»Okay, aber es sollte ebenfalls ausgedrückt werden. Zum besseren Verständnis! Mein drittes Ergebnis beweist, daß die Barstruler erst entdeckt werden konnten, als Sie und Utan mit Ihrem Anarchisten-Gebaren in die Festung eindrangen und sich mit Gnure Wotkmaba verbündeten. Sie hielten das für richtig, aber Sie begingen einen Fehler.«
»Das bezweifle ich, Allison.«
»Keinen taktischen Fehler«, wehrte er heftig ab. »Als GWA-Mann haben Sie prima gehandelt, aber nicht als kosmischer Detektiv.«
»Wir hatten keine Ahnung, daß es außer den Barstrulern noch eine andere Intelligenzform gibt.«
»In der Nähe gibt«, korrigierte der Wissenschaftler. »Das war überhaupt der generelle Fehler. Die Barstruler sind von Natur aus lediglich zur Abwehr fremder Aggressivitäten fähig. Sie besitzen keine Offensivwaffen, nur defensiv wirksame Einrichtungen. Dazu zählt auch der einmalige Anti- Ortungsschirm, den Sie nicht einmal mit Ihren fünfdimensionalen Telepathiekräften durchdringen konnten.«
»Seit wann wissen Sie das?«
»Unwichtig. Ich schweige wie ein Grab. Außerdem bewundere ich Sie. Das ist großartig. Ich werde Ihnen noch allerlei verraten können, denn ich ...«
»Kommen Sie zum Thema.«
»Verzeihen Sie. Punkt drei: Sie haben sich mit den fünf Barstrulern tief unten in den Kerkerräumen getroffen und dort mit ihnen gesprochen. Zur Verständigung wurde ein phantastisches, sofort reagierendes Übersetzungsgerät benutzt. Es stammt von den Barstrulern, die von Gnure Wotkmaba mitsamt dieser Maschine gewaltsam aus dem Raumschiff nach unten gebracht wurden. Dadurch kamen die Barstruler aus dem Abschirmbereich des Anti-Ortungsfeldes heraus. Dann...




