E-Book, Deutsch, Band 48, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 48: Symbiose Herbstgewitter
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5096-8
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 48, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5096-8
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
GWA-Schatten HC-9 und MA-23 werden plötzlich von einem wichtigen Forschungsauftrag im Weltraum abgezogen und zur Erde zurückbeordert. GWA-Chef General Reling -- er spielt nicht länger den toten Mann -- braucht seine Staragenten für eine neue, riskante Mission. Thor Konnat und Hannibal Utan sollen klären, was es mit dem spurlosen Verschwinden einer großen Anzahl von Babys auf sich hat. Die Tatsache, daß Konnat und Utan offiziell als tot gelten, ist deren Lebensversicherung.
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6.
Wir hatten erfahren, daß der Geheimdienstchef des Großasiatischen Staatenbundes, Huang-Ho Feng, schon bei der Aushebung der unterseeischen Stadt Calthurion gewisse Bedenken gehabt hatte. Die politische Einflußposition der Wissenschaftspriester innerhalb des GAS hatte Huang dabei als relativ bedeutungslos eingestuft. Das, so meinte er, konnte man immer und in jedem Falle regeln. Die politischen Fühler zum Ausland waren schon schwieriger auszuschalten gewesen. Es war zu Interventionen und Protesten gekommen.
Auch das hatte Huang-Ho Feng »verkraften« können, wie sich Hannibal ausdrückte.
Viel schwerwiegender war die wirtschaftliche Macht der Calthur-Priester. Vor ihrer Verhaftung herrschten sie über die wahrscheinlich letzten großen Erdölvorkommen des Planeten Erde. Sie hatten schon viele Jahre zuvor die Erdöllager westlich der Teeinsel Ceylon, genauer gesagt - im Golf von Manar, entdeckt und mit Probebohrungen begonnen.
Sie waren überraschend schnell fündig geworden, und von dem Augenblick an hatte die ölhungrige Welt aufgehorcht.
Für die Calthur-Priester war es seit der Zeit eine Kleinigkeit gewesen, sich auf dem internationalen Kapitalmarkt die vielen Milliarden zu besorgen, die zur Installation der unterseeischen Bohrstationen und Bohrinseln notwendig gewesen waren.
Sie waren zu einer anerkannten Rohstoff-Großmacht geworden, mit der man in Ruhe und Frieden Geschäfte machen wollte.
All das hatte Huang-Ho Feng genau gewußt.
Wir, die GWA-Schatten, kamen daher nicht umhin, ihm eine gewisse Bewunderung zu zollen. Zudem waren wir uns darüber klar, daß die Aushebung einer solchen Machtgruppe im Bereich der westlichen Welt unendlich problematisch gewesen wäre.
In Großasien sah es anders aus. Hier hatte Huangs Nachweis genügt, daß die Wissenschaftspriester des Sehenden Calthur unter dem Deckmantel einer regulären Geschäftsabwicklung mit anarchistischen Methoden nach der Weltherrschaft strebten.
Sie hatten ihre Ölmilliarden benutzt, um die geheime Niederlassung Neo-Calthurion zu errichten. Dort waren marsianische Gerätschaften und Maschinen installiert worden, die man vorher mit einem enormen Aufwand an Kapital und willigen Helfern aus der marsianischen Nachschubwüste Australiens und der Antarktis gestohlen hatte.
Dinge dieser Art konnte überhaupt nur jemand veranlassen, der mit einem Federstrich Milliardenüberweisungen zu bewilligen und außerdem eine beachtliche Flotte aus Luft- und Unterwasserfahrzeugen bereitzustellen vermochte.
Zudem mußte man noch über das entsprechende Wissen verfügen, um mit marsianischen Maschinen etwas anfangen zu können.
Es war Huang-Ho Fengs Glück, daß er diese Faktoren einwandfrei beweisen konnte - bis jetzt! Seine Regierung drängte; mehr und mehr beunruhigt durch die Forderungen vieler Vertragspartner und den Energiehunger der gesamten Welt.
Die Regierungen einiger Industrienationen waren mit der geplanten Verstaatlichung der Erdölfelder von Manar überhaupt nicht einverstanden.
Man bestand auf den vertraglichen Abkommen, garantierten Preisen und vielen anderen Dingen mehr. Huang-Ho Feng hatte mir mit einem bitteren Lächeln mitgeteilt, ein Juristenkonsortium der Großabnehmer würde die Gesetze des GAS beinahe besser kennen als die dafür verantwortlichen Personen selbst.
Unter solchen Vorzeichen war es nicht verwunderlich, daß Huang unruhig wurde. Wenn wir es riskiert hätten, uns als die beiden angeblich toten GWA-Telepathen vorzustellen, hätte er garantiert nichts dagegen gehabt. Das hatten wir aber zu spät erfahren.
Peking bemühte sich indes, die vertraglichen Garantien einzuhalten - und das gelang auch!
Es wurde niemand benachteiligt und niemand bevorteilt.
Jeder Partner bekam sein Rohöl in den ausgehandelten Mengen zum vertraglich festgelegten Preis. Für uns war es daher bestürzend, zu hören, daß einige Gruppen nach wie vor versuchten, die in der Tat verbrecherisch und weltfeindlich eingestellten Machthaber aus den Reihen der Calthur-Priester auf freien Fuß zu setzen.
Das hatte mit ideologischen Überzeugungen oder ungünstig verlaufenden Geschäftsabwicklungen nichts mehr zu tun, denn besonders der letzte Faktor war einwandfrei geregelt.
Wir hatten daher einigen Grund, anzunehmen, daß andere Anarchistengruppen aus dem dunkeln heraus agierten, mit dem Ziel, den gefangenen Wirtschaftspriestern die Freiheit zu verschaffen. Warum man das versuchte, war uns ebenfalls klar.
Diese Leute waren Spitzenkönner. Sie hatten Erkenntnisse gewonnen, die anderen Experten dieser Welt noch unlösbar erscheinende Rätsel aufgaben.
Jemand, der sicherlich nicht zum Wohl der endlich vereinten Menschheit zu handeln bereit war, versuchte mit allen Mitteln, diesen Verbrechern die Gefängnistore zu öffnen.
Wir hatten unsere weiterführende Planung entsprechend besprochen und uns auf den Faktor eingerichtet.
Die Schlüsselfigur blieb nach wie vor Dr. Haskin Davanger, der in den Reihen der führenden Calthur-Priester eindeutig noch eine bedeutende Nebenrolle gespielt hatte.
Psychologisch betrachtet, lag sein Fall klar vor uns. Davanger war nicht bereit gewesen, sein Dasein unter dem Kommando eines Naahrgar zu beenden. Er selbst wäre nie zum federführenden und handlungsbevollmächtigten Oberhaupt der Sekte avanciert, das stand fest. Was lag für uns näher, als ihn mit Percelli in Verbindung zu bringen? Er hatte den Mediziner zu einer anderen Gruppe geschickt; wahrscheinlich deshalb, weil er Percellis Qualitäten erkannt hatte. Der junge Arzt hatte sich brennend für genetische Probleme interessiert und darum gebeten, dahingehend ausgebildet zu werden. All das mußte Davanger gewußt haben. Seine Hilfskraft war bei Unternehmen solcher Art Franco Sadonelli gewesen.
Er hatte in seiner Eigenschaft als Erster Ordnungshüter, identisch mit dem Amt des Sicherheitschefs, entscheidende Maßnahmen schnell und unauffällig einleiten können. Dr. Angelo Percelli war auch über ihn »gestolpert«, wie Hannibal meinte.
Für uns ergab sich eine solche Fülle von Tatsachen und Verdachtsmomenten, daß der Einsatz immer schwieriger wurde. Wir hatten zweigleisig zu denken und noch mehrgleisiger zu handeln. Huang-Ho Feng hatte sich schon vor Wochen unter dem Druck der Beschwerden entschlossen, den Untersuchungshäftlingen einige Freiheiten zu gewähren. Für uns war das ein großes Glück.
Trotz der fraglos bestehenden Verdunkelungsgefahr war es den Inhaftierten gestattet worden, gemeinsam zu speisen. Dort fanden wir einen Angriffspunkt.
Die Häftlinge konnten ferner ungestört und auch unbelauscht ihre Verteidiger empfangen und ehemalige Geschäftspartner anhören.
Mehr konnte die GAS-Abwehr mit dem besten Willen nicht erlauben. Der Sensationsprozeß stand gewissermaßen vor der Tür. Vor einer ähnlich illusorischen Tür lag aber auch der ausgemergelte Körper eines jungen Mannes, der ohne jeden Zweifel das Opfer eines genetischen Versuches von höchster Tragweite geworden war.
Zudem standen noch die rätselhaften Kindesentführungen in den bevölkerungsreichsten Ländern des asiatischen Riesenkontinents an.
Auch das war zu klären. Unsere Aufgabe war nicht leicht zu lösen.
Am 20. April 2011 waren Hannibal und ich in die Untersuchungshaftanstalt des GAS-Geheimdiensts eingewiesen worden.
Nun schrieben wir den 22. August 2011. Es war 12.30 Uhr, als wir durch die Tür des Speisesaals für hohe und ehemals höchste Persönlichkeiten schritten.
Bisher hatten wir nie versucht, mit den Untersuchungshäftlingen Kontakt aufzunehmen. Wir hatten sie übersehen; sozusagen als schlechte Luft behandelt.
Das sollte sich nun ändern. Nein - es mußte sich sogar ändern. Wir hatten keine Zeit mehr, uns mit solchen »Scherzen« aufzuhalten.
Der Speiseraum lag etwa zweihundert Meter unter der Erdoberfläche. Als Bestandteil der Haftanstalt, die innerhalb dieser riesigen Festung nochmals eine Festung war, war er fensterlos, dafür aber recht geräumig und tadellos belüftet.
Selbstverständlich war die elektronische Überwachung allgegenwärtig. Man konnte keine Handbewegung machen und kein Wort sprechen, ohne nicht irgendwie oder von irgend etwas beobachtet oder belauscht zu werden.
Vor etwa einer Stunde hatte mir Kao Ming-Hoa mitgeteilt, einige elektronische Mikro-Abhörgeräte wären erstaunlicherweise ausgefallen, und zwar im Speiseraum.
Wir hatten uns darüber nicht gewundert. Jeder der hier inhaftierten Calthur-Wissenschaftler war eine Kapazität. Für Leute dieser Art waren Abhörgeräte keine weltbewegenden Neuigkeiten, sondern schlichtweg Dinge, mit denen man rechnete; die man daher auch entdecken und unschädlich machen konnte.
Die sogenannten »Wanzen« waren an vier Tischen ausgefallen; natürlich ganz zufällig, was sonst! Erstaunlich war, daß die Geräte auch an dem Tisch nicht mehr funktionierten, den die Wachen für uns reserviert hatten.
Ich war daher der Auffassung, daß jemand, der auf keinen Fall abgehört werden wollte, den Plan gefaßt hatte, sich mit uns, den sogenannten »Erhobenen«, in Verbindung zu setzen.
Kao war meiner Bitte sofort nachgekommen - das heißt, er hatte die Mikrosender nicht erneuern lassen.
Auf seinen Vorhalt, das müßte von den Spitzenwissenschaftlern der ehemaligen Calthur-Sekte eigentlich bemerkt werden, hatte ich eine plausible Erklärung gefunden. Wir waren seit zwei Tagen in der Haftanstalt der Abwehr.
Viermal täglich hatten wir uns, ebenso wie alle anderen Gefangenen, in den Speiseraum zu begeben. Dabei hatten wir aber nie ein lautes Wort vernommen.
Diese Leute besaßen exakt funktionierende Gehirne und ein feines Gespür für Gefahren aller...




