E-Book, Deutsch, Band 5, 200 Seiten
Reihe: ZBV
Scheer ZBV 5: CC-5 streng geheim
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5052-4
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 5, 200 Seiten
Reihe: ZBV
ISBN: 978-3-8328-5052-4
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Captain Thor Konnat, Spezialagent ZBV der 'Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr', erhält Ende des Jahres 2002 einen Auftrag, der ihn in die Hölle führt. Er soll herausfinden, mit wem irdische Machtgruppen zusammenarbeiten. In der vulkanischen Unterwelt von Montana explodieren Thermo-Rakgeschosse. Sie öffnen den Weg in die Freiheit.
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5.
Es war alles großartig vorbereitet. Der schwere Transporter startete sofort wieder, als wir auf den Boden gesprungen waren. Augenblicke später tauchte aus der Dunkelheit der Hubschrauber auf, bei dem es sich um ein handelsübliches Modell handelte. Wir erregten kein Aufsehen, denn diese kleinen Maschinen gehörten zum Alltagsbild.
Wir wurden von einem schweigsamen Kollegen abgeholt. Dabei passierte es erstmalig in der Geschichte der GWA, daß wir die Gesichter von Außenbeamten sahen. Der Alte hatte uns wirklich allerhand Konzessionen gemacht. Auch wir hatten unsere Masken abgelegt, da es nichts zu verbergen gab. Wir mußten mit den Männern auf Gedeih und Verderb zusammenarbeiten.
Ich konnte nicht erkannt werden, doch Hannibals Gesicht war nicht so entscheidend verändert. Dem flüchtigen Grinsen meines Kollegen glaubte ich jedoch zu entnehmen, daß er das faltige Gesicht des Kleinen für eine chirurgische Maske hielt. Die Zauberkünste unserer Experten, die in der Abteilung »Verwandlung« arbeiteten, waren jedem GWA-Agenten bekannt.
Hannibal amüsierte sich köstlich. Ihm schien die Sache langsam Spaß zu machen. Ich atmete innerlich auf, denn mit einem deprimierten Mitarbeiter wäre mir nicht gedient gewesen. Hannibal hatte schon immer als mein Gegenpol fungiert. Wenn ich mürrisch war, sorgte er mit seinem bissigen Humor für den Ausgleich. Ich war deshalb froh, daß er allmählich wieder zu der Nervensäge wurde, die ich seltsamerweise gern hatte.
Ich saß neben dem Piloten, der sich als Leutnant SG-44 vorgestellt hatte. Mehr wollte und brauchte ich nicht zu wissen.
»Okay, das hat geklappt. Wir sind hier in einer ziemlichen Bergwildnis. Da drüben, die hellerleuchtete Stadt, ist das Kalispell?«
»Jawohl, Sir. Das Gewässer, das südlich davor liegt, ist der große Flathead-See. Die Autobahn, die wir gerade überfliegen, führt nach Norden. Sie verbindet die amerikanischen Südstaaten mit Kanada, vordringlich mit dem Knotenpunkt Edmonton. Die westwärts verlaufende Autobahn geht nach Seattle und Tacoma hinüber. Da drüben, die riesigen Bauten nehmen das neue Atom-Kraftwerk auf, von dem der Nordwesten mit Energie versorgt wird. Außerdem gibt es hier wichtige Raumschiff-Fabriken und Zubehörindustrien, die in der Nähe der Stromquellen erbaut worden sind. Die vor dreißig Jahren noch unbedeutende Bergstadt Kalispell hat heute über eine halbe Million Einwohner. Das umliegende Land ist aber immer noch ein ausgesprochenes Viehzucht-Gelände. Einen besseren Platz hätten wir zur Errichtung einer Scheinzentrale nicht finden können. Erstens gibt es hier genug zu spionieren, und zweitens sind wir in unmittelbarer Nähe des Glacier-National-Parks, der uns besonders interessiert.« Der Kollege flog absichtlich langsam, um mir die Landschaft zu zeigen.
Obwohl es stockdunkel war und dicke Schneeflocken vom Himmel rieselten, sahen wir auf der Fernbildscheibe jede Einzelheit. Ich ließ ihn einige ausgedehnte Kurven fliegen, da ich hier unbedingt Bescheid wissen mußte.
Kalispell, früher schon als Knotenpunkt der wichtigsten Autobahnen beachtenswert, ansonsten aber vollkommen bedeutungslos, hatte sich zu einer Großstadt mit gewaltigen Glaspalästen entwickelt. Weiter nördlich, am Rande der Stadt, erblickte ich die berühmten Hotels, in denen man alles erhalten konnte, was das Herz begehrte.
Landschaftlich war es ein herrliches Gebiet. Auch wir waren beeindruckt von der grandiosen Bergwelt. Überall sah ich die Rundbauten moderner Wohnhäuser. Teilweise lagen sie über hundert Meilen im Umkreis verstreut; aber das spielte heutzutage keine Rolle mehr. Man nahm gern einen viertelstündigen Hubschrauberflug in Kauf, wenn man zur Arbeitsstelle wollte. Die Leute lebten draußen in den Bergen und wundervollen Hochtälern. Kalispell war eine schöne und moderne Stadt. »Okay, ich habe genug gesehen. Fliegen Sie zum Stützpunkt. Ist unser Gepäck schon angekommen?«
»Natürlich, Sir, alles vorbereitet. Wissen Sie genau, wie wir uns eingerichtet haben?«
»Erzählen Sie. Wir können nicht genug wissen.«
»Wir haben eine alte Schaf-Ranch oben in den Bergen bezogen. Die Gebäude blieben bestehen, aber die Hirten werden von Mitgliedern der Bundeskriminalpolizei dargestellt.«
Hannibal lachte schallend. Auch ich konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken, als ich an das Gefühlsleben der Pseudo-Hirten dachte.
Auf Farmen mit verhältnismäßig kleiner Viehzucht benutzte man immer noch das Pferd. Großbetriebe dagegen verwendeten Hubschrauber.
»Die Ranch liegt günstig. Direkt an der Grenze des Naturschutzgebietes. Die Entfernung zur Stadt beträgt knapp fünfzig Meilen Luftlinie. Kalispell ist also leicht zu erreichen. Es erscheint also nach außen hin unbedingt logisch, daß unwillkommene Agenten dort ihre Spionagezentrale eingerichtet haben, in der alle Meldungen aus dem Staat zusammenlaufen. Wenn der Chef das Zeichen gibt, werden sogar in einigen wichtigen Fabriken Angestellte verhaftet. Alles ist vorbereitet. Wir haben in mühevoller Arbeit überall die Leute eingeschleust, damit die Fahndung der Kollegen auch erfolgreich verläuft.
Die Zentrale selbst wurde direkt unter den Gebäuden der alten Ranch eingerichtet. Ein Einsatztrupp der GWA hat enorm schnell gearbeitet.
Wenn die Räume gefilmt werden, wird niemand bezweifeln können, daß dort dunkle Dinge getrieben worden sind. Sie werden überrascht sein.«
»Wie weit ist die Bergvilla des Professors Sintkol entfernt?«
»Knapp fünfzig Meilen Luftlinie nordwestlich. Der Prachtbau liegt im Flußtal des Flathead, direkt an der Grenze des National-Parks. Man könnte fast sagen am Fuße des Mt. Cliveland. Da, sehen Sie!« Er deutete auf die Bildfläche, auf der ein schneebedeckter Gipfel glänzte. Das war der 3.181 Meter hohe Bergriese, der noch zu dem landschaftlich einmaligen Naturschutzgebiet gehörte. Es herrschte hier stets ein enormer Fremdenverkehr. Demnach konnte es wohl kaum Verdacht erregen, wenn sich niemand erinnern konnte, einen gewissen Mr. Meinau gesehen zu haben. Es mußte unbedingt so aussehen, als lebte ich schon seit eineinhalb Jahren auf der Ranch, ohne aufgefallen zu sein. »Sehr gut. Fliegen Sie nun den Stützpunkt an, es wird bald hell.«
»Nicht besonders schlimm, Sir. Ich bin hier schon bekannt. Meine Maschine fällt nicht weiter auf. Ich gelte offiziell als der Besitzer der Ranch. Schwierige Arbeit mit den Schafen, das kann ich Ihnen sagen.«
Hannibal grinste respektlos, während ich den Kollegen mitleidig ansah.
Diese Männer hatten wirklich alles getan, um uns einen guten Start zu verschaffen. Es war ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, daß man sich auf sie verlassen konnte.
Trotz des dichter werdenden Schneefalls steuerte wir sicher zwischen den Bergen hindurch. Die Gasturbine hinter uns summte gleichmäßig. Sie trieb den dreiblättrigen Rotor an, der unsere Maschine über die wilde, faszinierende Landschaft hinwegtrug.
Die Großstadt mit ihren gewaltigen Industrien und dem neuen Atom-Kraftwerk war längst hinter uns verschwunden. Ab und zu leuchtete auf dem Armaturenbrett die Radarfackel auf, die uns anzeigte, daß wir uns den Grenzen des Naturschutzgebietes näherten.
Sie durften nicht überflogen werden, da man hier ein Paradies für Tiere geschaffen hatte, die vom Aussterben bedroht waren. Es gab hier sogar noch Büffel und Bären. Die Tiere sollten nicht durch heulende Motoren erschreckt werden.
Wir flogen ziemlich hoch. Während der Robot-Stabilisator eine plötzliche Bö ausglich, tauchte weit unten ein tiefeingeschnittenes Tal auf.
»Der Flathead, Sir«, erklärte der Kollege. »Wir sind gleich da.«
Während östlich des Gebirgsflusses das Hochgebirge begann, erstreckten sich westlich der Ufer flachere Berge mit dichten Nadelwäldern.
Dazwischen wurden große und offene Flächen sichtbar, auf denen in anderen Jahreszeiten das saftige Gras der Bergwelt wuchs.
Angeschmiegt auf einem sanft ansteigenden Hang entdeckte ich einige kleinere Bauten, von denen nur das Wohnhaus aus Stein bestand. Hier war noch alles wie vor fünfzig Jahren.
Der Pilot hielt die Maschine mit summender Turbine über dem Haus an. Augenblicke später setzten wir vor einem großen Holzschuppen auf, vor dem der Schnee geräumt war.
Ich sah einen einzigen Menschen, der fröstelnd vor dem Haus stand. Er trug Schafsfellgosen und eine buntkarierte Wolljacke. Na, wenn der nicht echt wirkte!
Nachdem die beiden Torflügel geöffnet waren, ließ der Leutnant die Maschine hineinrollen. Augenblicke später standen wir auf festem Boden. Der Mann, der uns erwartet hatte, stellte sich als Kollege vor.
Wir eilten durch die Dunkelheit und die wirbelnden Schneeflocken. Der Winter hatte endgültig begonnen. Vielleicht wurde der Einsatz dadurch erschwert.
Wir erreichten das Ranchhaus, das nur aus dem Erdgeschoß und einem Notstockwerk bestand. Die wenigen Räume waren nicht sehr komfortabel eingerichtet, wenn man von modernen Fernsehempfängern und den elektronischen Gerätschaften absah. Es gab nicht einmal eine Infrarot- Küche, sondern man mußte auf Elektrokochplatten das warme Essen zubereiten.
In dem Haus wurden wir von vier reichlich verwahrlost wirkenden Männern begrüßt, die mir als »Schafhirten« vorgestellt wurden. Sie hatten bärtige Gesichter.
Bei diesen Männern handelte es sich um fähige FBI-Beamte, mit denen wir die besten Erfahrungen gemacht hatten. Schließlich war die GWA aus der Bundeskriminalpolizei hervorgegangen.
»Wir sind die 'harmlosen' Aushängeschilder, Sir«, erklärte mir der Offizier. »Wenn Besuch kommt, spielt Ihr Kollege den Eigentümer und wir die rückständigen Schafsbezwinger. Geht alles, man muß nur Geduld...




