Scheer | ZBV 7: Großeinsatz Morgenröte | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 7, 200 Seiten

Reihe: ZBV

Scheer ZBV 7: Großeinsatz Morgenröte


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5054-8
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 7, 200 Seiten

Reihe: ZBV

ISBN: 978-3-8328-5054-8
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In einem geheimen Atomwerk von Kanada hat sich eine fatale Panne ereignet. Ohne Wissen der Regierung wurde die erste Marsrakete gestartet. Statt in den USA landet sie bei ihrer Rückkehr jedoch in Ostasien. Major Thor Konnat, Agent ZBV, wird nach Tibet entsandt, um zu verhindern, daß das Raumschiff in falsche Hände gerät.

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1.


Man hatte mir einen veralteten Flugschrauber mit automatischer Rotorversenkung gegeben, dessen Staustrahltriebwerk bereits im Jahre 1993 gebaut worden war.

Maschinen mit tropfenförmiger Zelle habe ich aus einem mir selbst nicht verständlichen Grunde noch nie sehr gern geflogen. Vielleicht lag dies an meiner Aversion gegen volltransparente Flugzeugkanzeln, in denen ich mich immer beobachtet und schutzlos fühlte.

Nun ist kein GWA-Agent sonderlich daran interessiert, von anderen Leuten angestarrt, geschweige denn überhaupt bemerkt zu werden.

Meine vorschriftsmäßige Dienstmaske war eine perfekte zweite Haut. Ein durchschnittlicher Bürger der Staaten wäre kaum fähig gewesen, die lebensechte Folie als solche zu erkennen. Trotzdem lebte ich mit den Warnungen, die man meinen Kollegen und mir zwölf Jahre lang Stunde für Stunde und Tag für Tag suggeriert hatte.

Es war das Mißtrauen; das ständige Mißtrauen gegen jedermann.

Ich drosselte die Einspritzpumpe des Triebwerks. Die Geschwindigkeit sank unter die Schallgrenze. Plötzlich konnte ich das Röhren des Aggregates hören. Die scharfgepfeilten Tragflächen der Kombinationsmaschine begannen wieder zu flattern, wie es im unmittelbaren Bereich der Schallgrenze für diese Maschine typisch war.

Das gefiel mir nicht! Andere Modelle waren weitaus besser durchkonstruiert. Die Höchstgeschwindigkeit der BE-C-25i8 lag bei nur drei Mach. Das war ein Wert, der keinem normalen Menschen des Jahres 2003 ungewöhnlich erscheinen konnte. Vielleicht hatte mir der Chef deshalb die alte Belmont gegeben.

Auf dem Reliefschirm des Ortungspeilers leuchtete der mattgrüne Punkt einer Überwachungsstation auf. Je näher ich kam, desto intensiver wurde der Farbton. Als er giftgrün schillerte, ertönte die Anfrage:

»Einflug-Kontrollstation Saskatchewan Nord, PQ-Zirkel Oscar. Drosseln Sie Ihre Geschwindigkeit auf hundert Meilen. Kreisen Sie über der Station.«

Ich schaltete auf Sendung und nahm das Mikrophon vor den Mund. Eine grüne Kontrollampe zeigte die Aufnahmebereitschaft der Fernsehoptik an. Unten hatte man nun mich und die Kabine auf dem Bildschirm.

»Verstanden. Laut Anweisung habe ich zwei verschiedenartige Kode-Begriffe durchzugeben. Sind Sie informiert, Captain?«

Der Kanadier nickte reserviert.

»Sie müssen trotzdem warten. Kode durchgeben.«

Ein ironisches Lächeln umspielte meine Mundwinkel. Ob sich der Mann nur so wichtig vorkam? »Die Nummer meiner Maschine und den Typ sehen Sie selbst. Kode ist Sonne Spica im Sternbild der Jungfrau. Dazu das heutige Datum: 28. April 2003. Das wäre alles.«

»Kreisen Sie weiter«, ordnete er gelassen an.

In seinen farblich gut wiedergegebenen blauen Augen war nicht einmal die Spur verhaltener Ironie erkennbar. Nein - dieser Mann fühlte sich nicht wichtig! Er schien jedoch eine große Verantwortung zu tragen.

Ich runzelte nachdenklich die Stirn. Die hauchdünne Biosynth-Folie meiner Dienstmaske folgte der Hautbewegung naturgetreu.

Das Tosen meines Staustrahltriebwerks vermischte sich mit dem hellen Arbeitston der anlaufenden Gasturbine. Bei achttausend Umdrehungen wurden die gegenläufigen Kränze der Rotoren aus dem Rückenwulst ausgefahren. Bei Zwölftausend Touren wurden sie von dem Robotautomaten auf die Turbinenwelle gekuppelt.

Über mir klang das Rauschen der rotierenden Hubkränze auf. Sekunden später verstummte das Triebwerk für den schnellen Reiseflug. Meine Belmont war endgültig zu einem Hubschrauber geworden.

Mit nur hundert Meilen Fahrt umkurvte ich die Luftraum-Überwachungsstation. Sie war in einigen schmucklosen Betongebäuden untergebracht, auf denen Radartaster-Antennen kreisten.

Die Anlage war inmitten der düsteren, jedoch prachtvollen Berge der kanadischen Rocky Mountains erbaut worden. Direkt unter mir schäumte der Saskatchewan nordwärts, um dann weiter oben nach Osten abzubiegen.

Westlich von meiner Position, geborgen zwischen gigantischen Bergketten und schneebedeckten Gipfeln, mußte der kanadische Jasper-National-Park liegen. Die beiden höchsten Erhebungen des Mt. Hooker und Mt. Columbia waren nicht zu übersehen.

Dort lag mein eigentliches Ziel; aber ich hatte noch keine Ahnung, welche Aufgabe sich damit verband. Der GWA-Chef war wieder sehr geheimnisvoll gewesen. Nach meinen Erfahrungen war das ein schlechtes Vorzeichen.

Vor acht Stunden hatte ich noch in meinem Büro gesessen. Plötzlich war der Marschbefehl eingetroffen. Vier-Sterne-General Arnold G. Reling hatte ich nur zwei Minuten lang gesehen, aber die kurze Begegnung hatte mir viel verraten!

Er rauchte nur dann Zigarren, wenn ei in den Ministerien Washingtons eine Pleite erlebt hatte. Diesmal hatte er sogar eine schwarze Brasil zerbissen!

Knapp und abweisend hatte er mir den Kode bekanntgegeben. Ich sollte den Kontrollpunkt Saskatchewan Nord, PQ-Zirkel Oscar, anfliegen und dort warten.

Adler dieser Andeutung wußte ich nur aus streng geheimen Informationen, daß in den Bergen nahe dem Naturschutzgebiet ein großes Werk zur Entwicklung und Fertigung völlig neuartiger Atomtriebwerke für die militärische Luft- und Raumfahrt liegen sollte. Wo das aber genau war, hatte man mir nicht gesagt.

Der Alte war zwei Stunden vor mir abgeflogen. Sein schneller Jagdbomber mußte ihn in einer knappen halben Stunde nach Kanada gebracht haben.

Ich schreckte aus meinen Gedanken auf, als ich von einer harten Druckwelle erfaßt wurde. Die alte BE-C-2518 drehte sich mit aufheulender Rotorturbine derart schnell um ihre Hochachse, daß ich fluchend auf den Kontaktschalter der Robotsteuerung schlug. Damit bekam ich die Hände frei. Die Maschine wurde präzise aufgefangen.

Ehe ich mich umsehen konnte, machten sich die physikalischen Nachwirkungen des vorbeigerasten Ato-Raumjägers bereits bemerkbar. Es waren relativ langsame Schallwellen, die mich wie mit Titanenfäusten erfaßten. Die in das entstandene Vakuum zurückstürzenden Luftmassen drohten meinen Schrauber zu zerreißen.

Es donnerte so heftig, daß ich verzweifelt den Mund aufriß, um einen Druckausgleich zu erzielen. Wahrscheinlich hatte ich einige wenig liebenswürdige Worte in das Mikrophon geschrien, denn fast im gleichen Augenblick tauchte auf meiner Bildfläche das Gesicht eines jungen Leutnants der kanadischen Raumabwehr auf. Seine Belustigung war nicht zu übersehen.

Seine Zähne schimmerten hinter der geschlossenen Kunststoffscheibe des Druckhelmes. Mit der vom Gelenkhandschuh verhüllten rechten Hand tippte er lässig an die Stelle, wo unter dem Polsterwulst des Helmes seine Stirn sein mußte.

»Hallo, sind Sie der ältere Herr aus Washington? Freut mich!«

Was man als Spezialagent ZBV der Geheimen-Wissenschaftlichen-Abwehr nicht alles erleben kann! Sein riskantes Flugmanöver dicht über meiner wenig widerstandsfähigen Maschine hatte ich schon als Provokation empfunden. Der >ältere Herr< brachte mich jetzt in Weißglut, da ich natürlich zu spät an meine Kopfmaske dachte. Danach glich ich tatsächlich einem älteren Herrn mit grauen Haaren und pergamentähnlicher Haut. Es war nun einmal nicht zu umgehen, daß GWA-Schatten im Einsatz niemals ihr wahres Gesicht zeigen durften.

Ich brüllte einige Verwünschungen in das Mikrophon, die dem Leutnant vorübergehend die Sprache verschlugen. Wenn diese übermütigen Luftakrobaten gedacht hatten, sie könnten nur allein fluchen, so wurden sie in diesen Minuten eines besseren belehrt.

Zwei weitere Stimmen klangen in meinem Lautsprecher auf. Das konnten nur die Piloten der beiden anderen Maschinen sein, die außerdem über dem Kontrollpunkt die Luft unsicher machten. Die Männer johlten wie Gassenbuben. >Mein< Leutnant holte tief Luft.

»... abschließend möchte ich wissen, Atomkutscher, wo ich eigentlich landen soll«, beendete ich meine >dezente< Ansprache.

»Allerhand«, wunderte sich jemand, den ich nicht sehen konnte. »Ich schätze, Kettensträfling, du kannst von dem Mann aus Washington manches lernen. Hast du zufällig Befehle?«

Ich begann verhalten zu schmunzeln. Der Umgangston unter den Piloten der Raumabwehr-Garde war schon immer sehr frei gewesen. Mit >Kettensträfling< konnten sie nur ihren Vorgesetzten meinen, dessen Gesicht ich auf meinem Schirm sah.

»Was heißt hier Befehle«, brummte eine Baßstimme. »Soll erst mal höflich anfragen, ob wir auch gewillt sind.«

Wieder Gelächter. >Mein< Leutnant gewann die Sprache zurück.

»Okay, alter Herr, Sie können jetzt auf Kurs gehen. Wir bleiben mit kleinstmöglicher Fahrt über Ihnen. Sie kommen doch hoffentlich nicht auf den dummen Gedanken, über dem Werk eine Atombombe in Miniaturausgabe zu verlieren?«

Er lachte, aber seine Augen waren kalt und forschend.

»Das tun Sie nicht, nicht wahr! Wir haben wirksame Robotraketen unter den Tragflächen hängen. Eigentlich müßten Sie ja zur Überprüfung landen.«

»Eigentlich?« wiederholte ich erbost.

»Sicher. Sie scheinen aber ein hohes Tier zu sein. Sie dürfen direkt weiterfliegen.«

»Säugetier bitte«, belehrte der Sprecher mit der Baßstimme. »Klingt vornehmer und hat etwas mit Intelligenz zu tun.«

Lassen Sie sich niemals mit Piloten der Raumgarde ein! Diese Männer sind ausgezeichnete Kameraden und hochqualifizierte Könner. Es ist nur erstaunlich, daß sie ihre hundertprozentige Disziplin und Hilfsbereitschaft hinter einem so burschikosen Ton zu verbergen versuchen.

In der Raumabwehr-Garde der westlichen Welt hatte es noch niemals ein disziplinarisches Strafverfahren von ernsthafter Bedeutung gegeben - und das will etwas heißen! Der >alte Herr< machte mir allmählich...



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