Scheer | ZBV 9: Überfällig | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 9, 200 Seiten

Reihe: ZBV

Scheer ZBV 9: Überfällig


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5056-2
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 9, 200 Seiten

Reihe: ZBV

ISBN: 978-3-8328-5056-2
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Maschinerie der 'Geheimen Wissenschaftlichen Abwehr' läuft auf Hochtouren. Major HC-9 und Leutnant MA-23 starten zum Mond, wo eine außerirdische Macht droht. Major Thor Konnat stößt auf Intelligenzwesen, die 187.000 Jahre biologisch geschlafen haben und zu neuem Leben erwachen. Er kennt nun seinen Gegner, aber noch ist dieser nicht geschlagen.

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6.


Die Stimme hatte sich überschlagen. Uns waren Anweisungen zugebrüllt worden, die wir unvorbereitet niemals verstanden hätten. Der Ausfall der wichtigsten Kommandogeräte war so überraschend gekommen, daß die Männer den Kopf verloren.

Wahrscheinlich wäre dieser Zustand niemals eingetreten, wenn der Kommandant wenigstens auf individuelle Steuerung hätte umschalten können.

Ich sah, wie er fluchend an den Schaltern zerrte und immer wieder auf den rotmarkierten Hebel schlug, der grundsätzlich sämtliche Automatstromkreise unterbrechen mußte. Diesmal tat er es nicht. Wir rasten im immer steiler werdenden Sturzwinkel auf die Oberfläche des Mondes zu.

TS-19 hatte meine Fußfessel sofort gelöst, damit ich in den Raumanzug schlüpfen konnte. Es wäre im echten Notfall seine Pflicht gewesen, so daß es bei einer späteren Untersuchung nicht auffallen konnte.

Wir wußten aus den Belehrungen, daß wir knapp dreieinhalb Minuten Zeit hatten, um die Schutzkleidung über die Körper zu streifen. Zu meiner großen Erleichterung konnte ich sehen, daß die Männer in der Kanzel mit wenigen geübten Bewegungen ein Gleiches taten und bereits die Klapphelme schlossen.

Miller wurde nach mir fertig. Ich lag schon festgeschnallt auf dem Konturlager, als ich seine Magnetverschlüsse einrasten hörte.

Für genaue Kontrollen der Sauerstoff- und Klimaanlagen war keine Zeit mehr. Das Schiebeluk stand noch offen, und so konnte ich einen kleinen Ausschnitt jener Landschaft sehen, auf die wir nun zurasten.

Die Rufe der Piloten wurden plötzlich von eher anderen Stimme überlagert. Jemand schrie durchdringend: »SS-235 - Schiff SS-235 - hier Fernlenkstation Luna-Port. Wir haben Sie im Tasterstrahl. Sie stürzen. Sie weichen vom Landekurs ab. Schalten Sie sofort auf Fernsteuerung um. Sofort umschalten! Kommandant, Befehl von Luna-Port, sofort auf bodengebundene Fernsteuerung umschalten. Was ist bei Ihnen los? Melden, bitte melden, sofort melden. Sie stürzen.«

Die Stimme dröhnte explosionsartig in meinem Helm. Die Funkempfänger der Raumanzüge lagen auf der gleichen Sprechfrequenz wie die des Schiffes. Wir hatten Lina-Fort also längst überflogen, und auch das gekörte zum Programm.

Unser Chefpilot gewann seine Ruhe zurück. Der Mann hatte Nerven.

»Captain Rächet an Luna-Port. Melde Ausfall Robotsteuerung und Ausfall Fernsteueranlage. Es ist trotz aller Bemühungen unmöglich, auf Individualbetrieb umzuschalten. Gesamte Anlage blockiert. Grund unverständlich und rätselhaft. Vermute Sabotageakt, da alle Geschehnisse zu augenfällig zusammentreffen. Ende der Meldung. Wir können nur noch hoffen. An eine Beseitigung der Schäden ist nach der Sachlage nicht zu denken. Es dürfte gleich eine saubere Himmelfahrt gelben.«

Dann schaltete er einfach ab. Ich konnte nur noch. staunen. Im Helm zischte der Sauerstoff. Es war ein beruhigendes Gefühl zu wissen, daß eine Beschädigung der Außenzelle nicht mehr den unmittelbaren Tod zur Folge haben körnte.

Meine Blicke hingen förmlich auf der Spezialuhr. Nach drei Zehntelsekunden mußte das Triebwerk mit vollster Wucht einsetzen, sonst sahen wir uns den Trabanten in der Tat von innen an.

TS-19 rief mir etwas zu, was ich nicht verstehen konnte. Oben brüllte nämlich der Navigator schreckliche Flüche und Verwünschungen. Er reagierte seine >letzten Minuten« so ab, wie es seiner Art entsprach.

Die drei Zehntelsekunden waren um. Ich fühlte schon meinen Angstschweiß ausbrechen, als es geschah.

Mit einem fürchterlichen Tosen wurde der bisher flatternde Arbeitston der Plasma-Brennkammer stabil. Nein - er wurde mehr als stabil!

Was uns da zugemutet wurde, hatte man in den Instituten nur versuchshalber und für wenige Sekunden erprobt. Wir bremsten mit wenigstens achtzehn Gravos, was uns mit einer solchen Wucht auf die Lager preßte, daß die stabilen Federaufhängungen kreischend auf den Boden drückten.

Es dauerte nur wenige Augenblicke, doch die mußten sein. Laut Plan sollte das Triebwerk zehn Meter über dem Boden zum endgültigen Brennschluß kommen und das Schiff die restliche Strecke frei fallen. Unter Berücksichtigung der geringen Mondschwere, der Gesamtmasse der Rakete und unserer noch nicht aufgezehrten Restfahrt mußten wir mit etwa einhundert-zwanzig Kilometer pro Stunde mit dem Heck voran und in einem Winkel von 41,5 Grad aufschlagen. Das ausgesuchte Gelände war dort abfallend, was den Aufschlag durch die sofort beginnende Gleitbewegung erheblich dämpfen mußte.

Mußte! Sollte! Das berühmte Wenn!

Es wurde totenstill. Unter mir röhrte der auslaufende Strommeiler. Dann war es soweit.

Eine Titanenfaust riß mich nach unten. Komprimierte Luft wimmerte in meinem Drucklager, das ich mit dem vielmals gesteigerten Normal-Körpergewicht bis zur äußersten Belastungsgrenze durchdrückte.

Draußen war ein einziges Krachen und Bersten. Material zerfetzte unter kreischenden Mißtönen. Das kleine Schiff wurde mit brutaler Gewalt auf den Boden geschleudert.

Das Heck stauchte ein, riß unter der nachschiebenden Aufschlagswucht des gesamten Flugkörpers durch den stiebenden Grund, und dann schlug das schrägliegende Schiff mit der Breitseite auf. Diesmal wollte es mich mit den Füßen nach vorn vom Lager reißen. Die Gurte waren doch nicht fest genug angezogen. Sie gaben etwas nach, und ich rutschte bis zum Halbkugelhelm an die Brusthalterung.

Teuflisch schlingernd, unter einem wahren Höllengetöse, so schlitterten wir weiterhin über den steinigen Boden des Mondes hin. Ich wurde herumgewirbelt und fast aus den Gurten gerissen. Das Konturlager hatte immer wieder harte Stöße zu absorbieren. Es ging nur durch den schrägen

Aufprallwinkel einigermaßen gut. Wären wir mit einhundertzwanzig Sachen pro stunde genau senkrecht aufgeschlagen, hätten ins auch die Luftpolster nicht mehr viel geholfen.

Ein letztes Aufbäumen, ein letztes Dröhnen - dann herrschte plötzlich eine beinahe ehrfurchteinflößende Stille, die aber schon wenige Augenblicke später von knisternden und peitschenden Lauten unterbrochen wurde.

Das völlig zertrümmerte Triebwerk erwachte zu einem, eigenen Leben, und wenn der Stromreaktor undicht geworden war, dann hagelte es jetzt schon harte Strahlungsimpulse.

Im Helm vernahm ich ein schweres Stöhnen, ich konnte nicht feststellen, wessen Laute von einem Mikrophon aufgenommen und vom unbeschädigt gebliebenen Kleinsender abgestrahlt wurden. Meine breite Sichtscheibe war blutverschmiert. Anscheinend hatte ich mir die Nase heftig angeschlagen, obwohl mir das jetzt, so kurz nach dem Unheil; schon wieder völlig rätselhaft vorkam. Keine normale Halswirbelsäule konnte sich so weit verbiegen, daß die Nase die Helmscheibe berührte.

Unsere Kabine hatte die Form eines verbogenen Blasebalges , angenommen. Alles war demoliert. Wie es weiter unten und hinten aussehen mochte, konnte ich mir lebhaft verstellen.

Das Material hatte die Hauptwucht abgefangen, Wir konnten uns glücklich schätzen, daß wir unter uns ein stabiles Triebwerk mit allen möglichen Nebenaggregaten gehabt hatten.

TS-19 lag plötzlich dicht neben mir. Sein Konturlager war mitsamt der eingedrückten Wand in meine Richtung geschoben worden.

»Raus, nichts wie raus«, hörte ich seine heisere Stimme.

Kaum war er einigermaßen zu sich gekommen, da dachte er auch schon wieder an die Aufgabe. Es war leicht möglich, daß die Piloten seine Worte verstanden. Diesbezügliche Aussagen von ihrer Seite konnten bei einem späteren Verhör durch die Behörden von Luna-Port nur vorteilhaft sein. So begann er zu schauspielern: »Dr. Tabun, ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ich bei einem Fluchtversuch sofort von meiner Waffe Gebrauch mache. Bleiben Sie still liegen, bis Hilfe kommt. Luna-Port wird unseren ungefähren Absturzort schnell ermitteln. Wir sind geortet worden. Bleiben Sie ruhig liegen.«

Bei den Worten löste ich schon meine Gurte. Auch seine Halterungen schnappten auf. Dann war das Problem zu lösen, in dieser qualvollen Enge in Aktion zu treten. Seine Waffe glitt in meine Rechte. Sie war feuerbereit.

Erst jetzt entdeckte ich den breiten Riß dicht neben meinem Konturlager. Schon während des ersten Aufpralls mußte er entstanden und die Luft schußartig ins Vakuum des Mondes hinausgeschickt haben. Wenn wir zu diesem Zeitpunkt keine Raumanzüge getragen hätten!

Die Knistergeräusche des Materials waren ebenfalls nicht wahrzunehmen gewesen, da die leitende Luft fehlte. Nur unter meinen schweren Sohlen fühlte ich das schwache, jedoch heftiger werdende Zittern des Wracks, das sein eigenes Leben zu entwickeln schien.

Das Innenschott der Luftschleuse war eingedrückt worden. Man konnte sich zur Not durch den entstandenen Spalt pressen, doch dahinter kam das Außenluk. Der Ausstieg konnte nicht schwierig sein, da die Rakete in der Waagerechten lag. Wenn sie jedoch ausgerechnet auf die Öffnung gerutscht war, dann...

Ich wagte nicht weiterzudenken, zumal TS-19 schon eine fieberhafte Aktivität entwickelte. Unter unserem gemeinsamen Zug gab das Innenschott nach.

Ober uns wurde es lebendig. In meinem Helmlautsprecher klang wieder das Stöhnen auf, dem eine fluchende Stimme folgte. Die Laute wurden immer wieder unterbrochen. Die Wortfetzen waren kaum verständlich. Anscheinend war der Navigator bemüht, seinem Piloten auf die Beine zu helfen. Die Notbeleuchtung brannte noch. Mein Blick zum geöffneten Schiebeluk in der ehemaligen Decke, die jetzt Seitenwand war, überzeugte mich davon, daß die beiden Männer recht gut davongekommen waren. Soeben tauchte mein spezieller Freund auf. Mit den Füßen voran, kroch er in die zerbeulte Kabine. Hinter ihm folgte eine schlanke Gestalt,...



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