Scheerer | Ex oriente pax 2 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 460 Seiten

Scheerer Ex oriente pax 2

Eine Geschichte der Christlichen Friedenskonferenz
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-5592-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Geschichte der Christlichen Friedenskonferenz

E-Book, Deutsch, 460 Seiten

ISBN: 978-3-7534-5592-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gegenstand dieser Arbeit sind die Christliche Friedenskonferenz (CFK) und der Prager Systematiker Josef L. Hromádka, der als der geistige und geistliche Vater der CFK zu gelten hat. Vor allem ihm (aber auch Männern und Frauen wie Hans-Joachim Iwand, Erich Müller-Gangloff, Renate Riemeck, Werner Schmauch und Wolfgang Schweitzer) ist es zu danken, dass in der Christlichen Friedenskonferenz stets klar war, dass diese Welt nicht aus Engeln und Teufeln, sondern aus Menschen besteht; dass wir, wo es um Gut und Böse, um Recht und Unrecht, um Leben und Tod geht, alle auf derselben Seite stehen; und dass wir nicht in Sicherheit voreinander, sondern nur im Frieden miteinander eine Zukunft haben.

Dr. Reinhard Scheerer war lange Jahre als theologischer Lehrer tätig, zunächst als Dozent für neuere Kirchengeschichte an der Freien Universität Norddeutschland mit Sitz in Seevetal bei Hamburg, dann als Professor für Theologie und Philosophie am Nile Theological College in Khartum, Sudan.

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Einleitung
Man kann die Geschichte der CFK auch so beschreiben, wie ihr erster Generalsekretär, Jaroslav N. Ondra, das verschiedentlich getan hat1 - als eine Erfolgsgeschichte, die ihrer eigenen Logik folgt. An der Tagung des Beratenden Ausschusses für die Fortsetzung der Arbeit (BAFA) der Christlichen Friedenskonferenz vom 13. - 17. Oktober 1965 in Budapest führte er aus: Am Anfang stand der Kampf gegen die Atombombe. Das war das Thema der ersten Konferenz. Dann der Kampf gegen den Kalten Krieg: die zweite Konferenz. Dann kamen die positiven Aufgaben, die Vorbereitung der Ersten Allchristlichen Friedensversammlung (ACFV): die dritte Konferenz. Die konkrete Formulierung ihrer Stellung zur Abrüstung: die I. ACFV. Das Streben nach friedlicher Koexistenz in einer Zeit, in der allein die Erwähnung der Worte „friedliche Koexistenz“ als kommunistische Propaganda galt: die II. ACFV. Dann der Kampf gegen Kolonialismus und Neokolonialismus und für Solidarität und Zusammenarbeit für Gerechtigkeit und Frieden. So habe die CFK immer ihre Linie gehabt und sich als eine Avantgarde in der Friedensarbeit der Christenheit erwiesen, wurde das alles doch eins nach dem anderen im Weltkirchenrat, ja sogar in der UNO aufgegriffen. Denn auch diese Beschreibung hatte und hat ihren Wert. Statt dessen erzähle ich hier die Geschichte der Auseinandersetzungen innerhalb der CFK und hebe die kontroversen Themen hervor, die die CFK oft genug auf eine Zerreißprobe stellten. Solche Themen gab es mehr als genug. Das konnte aber auch gar nicht anders sein; zu unterschiedlich war die Motivation ihrer Mitarbeiter: Einige kamen, weil sie dachten, dass es wichtig sei, dass Christen etwas für den Frieden tun; andere dachten, die Beschäftigung mit der Friedensfrage sei der Preis, den die Christen im Osten den Kommunisten zahlen müssten, um die Möglichkeit ökumenischer Kontakte zu erhalten. Die westlichen Mitarbeiter schätzten die CFK vor allem als Ort west-östlicher Kontakte; manche von ihnen kamen auch als die Reichen, um die armen Verwandten zu besuchen. Ebenso unterschiedlich war ihre theologische Prägung; sie reichte von den Quäkern über die klassischen protestantischen Kirchen bis hin zu den orthodoxen Kirchen und dem römischen Katholizismus. Und dann trafen sich in Prag Menschen aus Moskau und Washington, aus BRD und DDR, aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Wenig überraschend ist die Geschichte der CFK deshalb auch die Geschichte einer beschwerlichen, mitunter als zu beschwerlich empfundenen Suche nach dem Verbindenden, die ihre Mitarbeiter trotz aller Unterschiede das Gemeinsame des christlichen Glaubens, die Nachfolge Jesu im Dienst an der Menschheit, immer wieder neu entdecken ließ. Nicht die Verlautbarungen der CFK, nicht ihre Botschaften, Resolutionen2 oder Briefe an die verantwortlichen Staatsmänner sind deshalb von besonderem Interesse, sondern die Diskussionen, die sich in ihnen spiegelten. Schon Ondra betonte, es genüge nicht, nur zur Kenntnis zu nehmen, was beschlossen wurde. Viel wichtiger sei, die gesamte Atmosphäre und vor allem die schwierigen Situationen zu erfassen, die die Konferenzen bestimmten. Erst dadurch werde deutlich, wie auf den Konferenzen etwas wachse, unter Schmerzen wachse, und dass die Menschen nicht kämen, um über etwas abzustimmen, das vorher schon vorbereitet war. In diesem Sinne wies der Präsident der CFK, Josef Lukl Hromádka, immer wieder darauf hin, dass jeder Mitarbeiter der CFK von seiner Umwelt gezeichnet sei, dass seine Ansichten einseitig seien und dass deshalb alle zu Vorurteilen und Verdächtigungen neigten. Es gehe auch gar nicht anders. Die Gefahr liege deshalb nicht in ihrer Einseitigkeit, sondern darin, dass sie ihre Einseitigkeit nicht zugeben wollten und ihre Ansichten für den alleinigen Maßstab für die Beurteilung anderer Menschen hielten. Hromádka folgerte: „In dem Augenblick, da sich jeder von uns der Tatsache seiner Einseitigkeit bewusst wird, haben wir schon einen entscheidenden Schritt vorwärts getan.“3 Denn diese Einsicht sei die Voraussetzung für jeden Dialog. Dialog heiße Aufgeschlossenheit für den anderen Menschen, der andere Ansichten habe, heiße Bereitschaft von ihm zu lernen und auch dort eine gemeinsame Basis zu suchen, wo man auf den ersten Blick fast unmöglich von einer solchen Basis sprechen könne. Und genau darin liege der eigentliche Sinn der Christlichen Friedenskonferenz. Denn diese Bewegung sei eine Gemeinschaft, deren Glieder zwar durch den gemeinsamen Glauben an das Evangelium Jesu von Nazareth miteinander verbunden seien, die aber verschiedenen politischen, sozialen, nationalen und kulturellen Bereichen entstammten. So müsse die Bewegung immer wieder neu geschaffen und geläutert werden - durch das Evangelium. Denn „Das Evangelium spricht einen jeden von uns in seinen persönlichen Schmerzen und Nöten an, bringt ihm die Botschaft von der Vergebung und Versöhnung und schafft ein Band, das uns umschließt, aus welcher Welt wir auch kommen mögen, durch welche politische oder kulturelle Gebilde wir geformt sind und welche Ansichten von der Welt, der Geschichte, der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und der Zukunft wir auch immer haben mögen. Und das wird gerade ein Beweis auch für die Lebendigkeit unseres Friedensstrebens, unserer Christlichen Friedenskonferenz sein, wenn wir uns die Wirklichkeit des Kommens Gottes in unser Leben in Jesus von Nazareth lebendig zu Bewusstsein bringen und wenn wir einander in Seinem Licht sehen werden.“4 Schon während der Tagung des Beratenden Ausschusses vom 4. - 9. Juni 1963 in Prag hatte die Theologische Kommission der internationalen CFK diese nicht eben leicht zu ertragende Spannung reflektiert und daraus - voreilig, wie sich nach der Militärintervention der Warschauer-Pakt-Staaten in der Tschechoslowakei im August 1968 zeigte - den Schluss gezogen: „Weil wir zur Jüngerschaft des Herrn Jesus Christus gehören, vertrauen wir auch dann einander, wenn jeder an seinem Ort Entscheidungen fällt, die der Bruder nicht versteht.“5 Die Orte, an denen sich diese Unterschiede am klarsten zeigten, waren die Regionalkonferenzen und -ausschüsse der CFK. Entsprechend breiten Raum nehmen sie hier ein; skizziert werden die ältesten der seinerzeit mehr als 40 Freundeskreise und Regionalkonferenzen der CFK weltweit. Mehrheitlich waren dies (west)europäische Kreise. Darin spiegelt sich, dass die CFK noch in den 1960er Jahren eine vordringlich von dem Ost-West-Gegensatz bewegte und auf Europa fokussierte Bewegung war. Zwar hatte sie von Anfang an auch ein weiteres, auf den Nord-Süd-Gegensatz gerichtetes Interesse - so sprachen an der 2. CFK André Trocmé über Französische Christen und das Problem der unentwickelten Völker, an der 1. ACFV Jacob S. A. Stephens über Friede und die neuen Staaten, und an der 2. ACFV Emilio Castro und Richard Adriamanjato über Hunger und wirtschaftliche Unabhängigkeit beziehungsweise Freiheit und Einheit. Und sie nahm immer wieder auch Stellung zu ausgewählten, den europäischen Horizont übersteigenden Themen und Ereignissen. Das galt zunächst für den Nahostkonflikt, den ihr Präsident Josef L. Hromádka in seinem Hauptvortrag an der I. ACFV 1961 einführte. Er nahm damit nicht nur das seit dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 1958 in München allmählich in Gang kommende christlich-jüdische Gespräch auf; er reagierte damit auch auf das Elend der palästinensischen Flüchtlinge. Und er hörte die Stimme arabischer Christen, die die bedingungslose Unterstützung der Gründung des Staates Israel durch Europäer und Nordamerikaner auf deren Schuldgefühl den Juden gegenüber zurückführten und klagten, im Zuge ihrer Wiedergutmachung des an Juden geschehenen Unrechts täten Europäer und Nordamerikaner Buße nicht auf eigene, sondern auf fremde Kosten. Darüber müsse gearbeitet werden, mahnte einer der Vizepräsidenten der internationalen CFK, der Franzose Georges Casalis, nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967. Statt dessen kam es zum Bruch mit Helmut Gollwitzer und einer Reihe weiterer westdeutscher Theologen - vordergründig aus politischen Gründen, wegen einer vermeintlich pro-palästinensischen, anti-israelischen Parteinahme der CFK im Nahost-Konflikt, im letzten aber über die theologische Frage, ob der Staat Israel für Christen ein säkularer Staat ist wie jeder andere auch. Als ebenso spannungsgeladen erwies sich die Besinnung auf den Themenkreis Friede und die Volksrepublik China. Zwar hatte die CFK seit ihrer Gründung immer wieder deren Aufnahme in die UNO gefordert. Als volkschinesische Christen 1961 an der I. ACFV teilnahmen, war das jedoch nicht nur ihr erster, sondern auch ihr letzter Besuch in Prag. Die westlichen Tagungsteilnehmer waren der Konfrontation mit ihren volkschinesischen Brüdern und der von ihnen vertretenen Sicht der US-Außenpolitik nicht gewachsen, so dass sie, statt in eine sachliche Auseinandersetzung über die angeschnittenen Fragen einzutreten, einen persönlichen Angriff auf die Brüder führten. Auf besondere Resonanz stieß in der CFK dagegen das Interesse Volkschinas an dem neuen...



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