Schmid | Die Unwesentlichkeit der Welt | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 330 Seiten

Schmid Die Unwesentlichkeit der Welt

Der neue Faschismus und seine antiken Wurzeln. Und wie man ihm entkommen könnte.
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7562-6666-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der neue Faschismus und seine antiken Wurzeln. Und wie man ihm entkommen könnte.

E-Book, Deutsch, 330 Seiten

ISBN: 978-3-7562-6666-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In den zurückliegenden Jahren hat in den führenden demokratischen Gesellschaften der Staat in einem Ausmass Macht über seine Bürgerschaften ausgeübt, das man sonst nur in totalitären Gesellschaften kennt. Er tat dies, indem er sich zu einer lebensrettenden "Wissenschaft" bekannte und wurde medial durch Experten sekundiert, die ihn zugleich mit der Autorität des unzweifelhaft "Rationalen" berieten. Dieses Buch möchte das "neufaschistische" Gebaren der sich aktuell besonders "westlich" gerierenden Demokratien auf eine proto-totalitäre Wurzel aller Wissenschaften als Komplizen politisch organisierter Herrschaft über Welt und Leben in der griechischen Antike zurückführen. Der Nachweis der antiken Herkunft moderner Weltverneinung lässt die Vermengung ideologischer Plausibilitäten - von Menschenzucht bis zum "neuen Normal" - mit industriellem Fortschritt und umfassend staatlich organisierter Wissenschaft als internes oder "strukturelles" Problem der Demokratien sichtbar werden. Damit als ein Problem, das durch Reformen und Massnahmen nur oberflächlich tangiert werden kann. Erst über die Einsicht in das totalitäre Fundament einer Welt und Leben reduzierenden Rationalität lässt sich fundiert die Frage nach Alternativen stellen: nach einem Entkommen aus dem Gefängnis einer normiert wesenlosen Gegen-Welt.

Alfred Schmid war Hilfsarbeiter in diversen Branchen, Astrologielehrer und zuletzt Althistoriker mit Lehre und Forschung an verschiedenen schweizerischen und deutschen Universitäten. Ein Kapitel seiner Dissertation von 2005, mit einer Deutung der ara Pacis in Rom, wurde 2023 ins Englische übersetzt und in eine Oxforder Reihe bemerkenswerter Beiträge zur römischen Religionsgeschichte aufgenommen, womit er wohl aus Versehen unter die Olympier seines Faches geraten ist. Er lebt in Lauwil in der Schweiz.

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2: Der neue Faschismus
„Überall träumen die Regierenden von China.“ Anonym, Das konspirationistische Manifest, Berlin 2022, S. 20. „Es genügt, das menschliche Subjekt zu isolieren, alle seine Gewohnheiten zu unterbinden, es mit Schrecken zu erfüllen, um es jeden Kontakt zu sich selbst verlieren zu lassen, um es zu depersonalisieren und es nach Belieben formbar zu machen.“ Ebd. S.26 1. Mit jedem Menschen beginnt und endet eine Epoche, nämlich die einmalige Zeitspanne zwischen Geburt und Tod. Alles was in dieser Zeit geschieht, sofern es sich für, mit, durch oder über einen ereignet, das wird als zugehörig zum eigenen Leben erachtet. Als wäre dieses Leben ein Ensemble, ein Zusammenhang oder Konglomerat, das von innen wie ein Kontinuum durch Erinnerungen und Aussichten zusammengehalten wird. Die stetige Verschiedenheit aller Lebensmomente bildet doch immer nur Teile eines Ganzen der Identität, als einer Gewissheit, dass alles Erlebte, Getane, Erlittene oder gar Verfehlte unseres Lebens uns irgendwie meint, angeht mit einer Bestimmtheit, die uns so fraglos für sich vereinnahmt, wie eben die Geburt, die wir nicht wählen und nicht abgeben können, auch nicht durch den Tod, den wir zwar wählen können,2 aber eben auch nur als Tod, und zwar als unseren, den wir in seiner Tödlichkeit niemandem zu überlassen vermögen. Oder könnten wir’s doch, den Tod abgeben, indem wir etwa andere töteten? – Diese Verfügbarkeit des Todes durch den vorsätzlichen Mörder kommt in den stolzen Versen des John Donne vor („Death, be not proud, though some have called thee Mighty and dreadful, for thou art not so“), denn: “Thou art slave to fate, chance, kings, and desperate men, And dost with poison, war, and sickness dwell” Wie kann der Tod, den man mit nun moderner Waffentechnik fast nach Belieben herbeiführen und vervielfachen kann, der sich also so leicht instrumentalisieren lässt, so achtunggebietend sein? – Nun ja, Donne sah in ihm den kurzen Schlaf, dem ewiges Erwachen folgt (man lese es nach), doch für die meisten von uns bleibt er das unnahbar Unbekannte. Wir sind nie gestorben und müssen doch bestimmt sterben. Wir sind zu diesem unbekannten Tod verurteilt, und wer weiss denn wirklich, warum – und wer weiss schon, warum er lebt – und könnte man nicht auch nicht leben? Aber wenn man auch nicht leben könnte, dann wäre „man“ doch wieder etwas. Gäbe es dieses bestimmte „man“ auch als blosse Möglichkeit, etwas zu sein? Vielleicht als Embryo, das ungeboren in sich die ganze mögliche Fülle eines Lebens enthält? Doch auch als diese Möglichkeit wäre das Embryo nur, was es wäre, als die Möglichkeit zu einer bestimmten Lebensspanne zwischen Geburt und Tod. Kurz: es gibt etwas Durchgehendes in der Diversität der Ereignisse, also in der chronischen Eventualität unseres Lebens. Und niemand übernimmt es für uns, wie unseren Schmerz, unsere Angst und unser Versagen, auch unser Glück, so wie niemand die Landschaften, die Gesichter, Stimmen, Töne und Gerüche unserer ersten Erinnerungen kennen kann: als den ersten greifbaren Kontakt von uns zur Welt oder von der Welt zu uns, von der umgeben wir ja nur die Lebenden sind. Was immer wir sind, als der lebenslang durchgehaltene Horizont unseres Erlebens, den wir als unverlierbare Identität mit „Eigennamen“ bezeichnen – wer sollte sonst unseren Geburtstag feiern – das sind wir ja nur in der Welt, als weltlicher Teil dieser Welt, und doch im bestimmten Gegenüber zu ihr. Das Ich, das unserer Identität als Etwas und Jemand zugrundeliegt, ist offenbar, was in ein Gegenüber der Welt gesetzt ist. Und womöglich rührt die offenbar zuverlässige Bestimmtheit unseres So-Seins, das ja selbst immer kommt und verschwindet wie das Wasser unter der Brücke, von der unaufhebbaren Wirklichkeit dieser Welt her, der wir angehören mit allem was wir sind; und von der zuverlässig irreversiblen Tatsache, als „Voraussetzung“, dass wir Geborene in diese Welt sind. 2. Was denn eigentlich „Identität“ ausmache, das ist eine Frage, zu der es ausführliche wissenschaftliche Debatten, Definitionen, Kontroversen etc. gibt. Das Thema scheint im Übrigen sehr in Mode zu sein. Ich bin darauf gestossen noch in meiner Tätigkeit als Wissenschaftler, doch den Wissenschaftsbereich habe ich, nach 20 Jahren bestallter „Lehre und Forschung“, mittlerweile wieder verlassen. Ich bekenne mich zum Essay und zur dezidierten Skepsis gegenüber der charakterlosen, scheinüberlegenen, karrieregeil-machtlüsternen und auf banale Weise käuflichen Heerschar von Konformistinnen und Konformisten (um das korrekt auszudrücken) die sich heute „Wissenschaftler“ nennt. – Gewiss gibt es viele, die den Wissenschaftsbetrieb und seine inneren Mechanismen viel besser kennen als ich, der ich stets die Position eines Hinzugekommenen behielt. Aber die Art und Weise, wie man in den letzten Jahren „Wissenschaft“ dazu benutzen konnte, um die Aufhebung von Verfassungsrechten und Bürgerfreiheiten zu rechtfertigen und gar zu begründen, weist ohne weiteres auf ein fundamentales Übel in der Wissenschaft selbst hin. Wissenschaft ist öffentlich und schamlos autoritär zu einer Stütze für ausserordentliche Staatsmacht geworden; sie lässt sich medial als Instanz inszenieren, die fraglose Gefolgschaft verlangt und erhält. Für das korrekte Verhalten der Gefolgschaft sorgt der Staat, genauer vielleicht: die Medien, die sich von Lautsprechern der Staatsmacht immer weniger unterscheiden lassen. Die Medien als eifernde Polizei des Staates. – Aber die „Wissenschaft“ (was sich gerade dafür hält) scheint auch schon in religiösen Dimensionen zu schweben. Wer „gegen die Wissenschaft“, d. h. gegen ein aktuelles Glaubens-Dogma, argumentiert, wird gerade schnell zum Staats- oder Demokratiefeind erklärt. Und von da aus noch schneller zum Nazi; als ob ausgerechnet „die Wissenschaft“ – die sich doch noch zum Komplizen jedweder Gemeinheit angedient hat – zum Leuchtturm des Kampfes gegen „den Faschismus“ dienen könnte. Ich erinnere mich, meinem studentischen Publikum eines Einführungskurses in historische Methodik einmal die rhetorische Frage gestellt zu haben: Was denn wohl als die mächtigste, einflussreichste, tödlichste und zugleich weltweit unangefochtenste Instanz des Aberglaubens anzusehen sei. Nicht den Islamismus, nein, auch nicht das Christentum erdreistete ich mich den verlegen Grinsenden zur Antwort zu nennen, sondern „Die Wissenschaft“. Kein Aberglaube ist nämlich bisher in vergleichbarem Ausmass zerstörerisch gewesen. – Ich wollte damit übrigens gegenüber dem studentischen Publikum betonen, dass ein Historiker an gar nichts einfach glauben dürfe – da schon Herodot herausgefunden habe, dass alle lügen können –, und schon gar nicht an „die Wissenschaft“. 3. Der Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend, der auch ausgebildeter Physiker war, hat den Hang der Wissenschaft zu dem, was er kritisch „Mythen“ nannte, stets betont. Gerade in der modernen, methodisch so selbstbewusst „empirischen“ und evidenzbasierten Natur-Wissenschaft sah er mittelalterliche Dogmatik am Werk; ja, er zögerte nicht, moderne Konsens-Maximen mit dem Hexenglauben zu vergleichen, denn auch dessen durch den intellektuellen Klerus rational systematisierte „Beobachtungsergebnisse sprachen für den Mythos, denn sie wurden in seiner Sprache formuliert, und es gab weit und breit keine andere Formulierung. Es schien, als sei die Wahrheit endlich gefunden. Und doch liegt es auf der Hand, dass jede Verbindung zur Welt verlorengegangen war und dass die erzielte Stabilität, der Anschein absoluter Wahrheit, der sich im Denken wie in der Wahrnehmung äusserte, nichts anders war, als das Ergebnis eines absoluten Konformismus.“.3 – Wenn eine erfolgreiche Methode sich einmal etabliert hat, wird sie regelmässig zum alleinseligmachenden Dogma, denn nun verlassen sich die Heerscharen der Gläubigen und Adepten auf sie – und nicht zuletzt wird sie im organisierten Betrieb zur Bedingung von Anstellung, Sicherheit, Ruhm und Zugehörigkeit. – Zum alten und neuen Hexenglauben meinte Feyerabend weiter: „Denn wie kann man wohl eine Theorie prüfen oder ihre Grundsätze verbessern, die so gebaut ist, dass sich jedes denkbare Ereignis mit ihr beschreiben und jede denkbare Schwierigkeit mit ihrer Hilfe erklären lässt? Die einzige Möglichkeit der Prüfung einer solchen Theorie wäre der Vergleich mit einer anderen, ebenso umfassenden Theorie – doch dieser Weg ist ja von Anfang an ausgeschlossen worden. Der Mythos hat daher keine objektive Bedeutung; er lebt allein durch die Bemühungen der Gemeinde der Gläubigen und ihrer Führer fort, seien diese Führer nun Priester oder Nobelpreisträger. Dieses Ergebnis halte ich für das entscheidende Argument gegen jede...



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