Schmidt | Ich bin das Volk | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 136 Seiten

Schmidt Ich bin das Volk

Von der Unerträglichkeit der modernen Egozentrik
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-2860-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Von der Unerträglichkeit der modernen Egozentrik

E-Book, Deutsch, 136 Seiten

ISBN: 978-3-6951-2860-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Einigkeit und Recht und Selbstmitleid! Ist unsere selbstverliebte und durch eine pathologische Opferolle definierte Gesellschaft wirklich das Modell der Zukunft? Wie konnte sich Deutschland, das einst stolze und starke Land der Dichter und Denker innerhalb kürzester Zeit in ein Moloch kognitiv teilmöblierter Jammerlappen entwickeln? Wieso werde ausschließlich ich unfair behandelt und seit wann stellt jede persönliche Meinung die alleinige und unumstößliche Wahrheit dar? Diesen und weiteren Fragen geht der Philanthrop Tobias Schmidt in seiner bisher wichtigsten Arbeit auf den Grund. Ehrlich, provokant und verletzend - eine wahrlich meisterhafte Streitschrift

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2.Einleitung


Wir alle kennen die tragische Geschichte des Narziss, jenem schönen und holden Jüngling aus der griechischen Mythologie, der die ihm entgegengebrachte Liebe seiner Mitmenschen stets ins Ferne von sich wies und sich an einer idyllisch gelegenen, einsamen Quelle in sein eigenes, im Wasser gespiegeltes Antlitz, verliebte.

Seit Jahren erdulden wir tagtäglich aufs Neue unseren alles überragenden Vorgesetzten, für den es die richtige, die falsche und seine Art (und damit die Richtige) gibt, um unsere, von seiner erhabenen Exzellenz aufgetragenen Arbeiten zu erledigen und ohne dessen selbstloses Engagement und fundiertes Fachwissen kein Betrieb zu einem dreistelligen Umsatz fähig wäre.

Beinahe im Sekundentakt erscheinen uns gestählte Oberarme oder Bauchmuskeln und vorteilhaft in Szene gesetzte, prall trainierte Hinterteile inklusive angewinkeltem Vorderhuf auf unseren Smartphone-Bildschirmen, wenn wir zum dreißigsten Mal in zweiunddreißig Minuten unsere Social Media Feeds aktualisieren.

Und es wird niemandes Hund mehr in der Pfanne verrückt, wenn wir die feudalen und hedonistischen Urlaubsbilder unseres Nachbarn gesendet bekommen, auf denen der fleißige Schreibtischsklave des kleinstädtischen Bauvermessungsamtes auf der Motorhaube eines edlen Sportwagens in Dubai posiert, den er sich aufgrund seines nimmersatten Erfolgsmindsets für 6 Stunden zu mieten vermochte. Wir haben uns mit den Eigenarten unserer Mitmenschen angefreundet, haben gelernt mit den selbstverliebten und stellenweise ignoranten Eigenarten unserer Mitmenschen umzugehen.

Zuvorkommend und freundlich geben wir unseren aufmerksamkeitsbedürftigen Mitstreitern und Mitstreiterinnen im Rennen um die begehrten „Love Yourself “ – Trophäen der heutigen Zeit die Anerkennung, die sie sich so erbittert herbeisehnen. Wir stellen unsere eigene Genervtheit hintan und atmen tief durch, um sowohl die Gefühle als auch die körperliche Unversehrtheit dieser herausragenden Individuen zu schützen, auch wenn wir innerlich einer nuklearen Kernschmelze nahe sind.

Aber was, wenn all dies überhandnimmt in unserem Leben?

Wenn es nicht mehr reicht, der antiken Sagenwelt durch das Zuklappen des Buches zu entfliehen und in Sekundenschnelle in die warme, geborgene und von Liebe und Zuneigung geprägte Umgebung seines Sofas zurückzukehren.

Wenn es nicht mehr reicht, nach einer geharnischten Standpauke des Vorgesetzten zu denken, man liese seine Worte zu einem Ohr in den Kopf hinein- und zum anderen Ohr wieder hinausströmen und er möge einen herzhaft am (ungeputzten) Arsch lecken?

Wenn es nicht mehr reicht, den Oberflächlichkeiten der virtuellen Welt durch einfaches Weiterscrollen oder durch das Verfassen von aufgesetzten Belobigungskommentaren wie „Bruder krass, einfach Maschine“ oder „OMG so wichtig und mutig, wie du deine Kimme in die Kamera streckst Maus“ zu entkommen? Oder wenn es einfach nicht mehr genug ist, dem (vermeintlich) erfolgreichen Nachbarn zu seinen großartigen, neuen Anschaffungen und Errungenschaften, welche er einem so heißblütig und leidenschaftlich unter die Nase reibt, (vermeintlich) zu beglückwünschen, obwohl man ihn für einen aufschneiderischen Hochstapler sondergleichen hält?

Was, wenn diese Selbstverliebtheit, die uns tagtäglich in verschiedensten Formen und unbestimmter Häufigkeit begegnet, nicht mehr auf einzelne Vorfälle oder Personen zu beschränken ist?

Wenn sich diese immer dagewesene Ich-Bezogenheit schleichend und leise zu einer permanenten Gefährdung empathischen und zwischenmenschlichen Zusammenlebens gemausert hat und das Verhalten unserer heutigen Gesellschaft wie kein anderes Übel dominiert?

Selbstverständlich dürfen wir eine positive Einstellung zu seinem Selbst, unter kosmopolitischen Zeitgenossen auch unter dem Begriff „Selfcare“ bekannt, nicht mit dem schon beinahe pathologischen Egoismus gleichsetzen, dem wir mittlerweile tagtäglich ausgesetzt sind und zu händeln verstehen müssen.

Sich selbst als etwas Wertvolleres als eine bloße Crashdummy-Figur der Gesellschaft zu sehen und sich nicht einzig und allein dem schnöden Mammon oder dem Willen anderer Menschen zu beugen, wurde viel zu lange vernachlässigt und verpönt. Sich Zeit für sich selbst zu nehmen, anstatt sich widerstandslos für das Kapital fremder Menschen krumm zu buckeln und sich Dingen zu widmen, die einem Frohsinn und Erfüllung spenden, anstatt einem das pure Kotzen zu entlocken, stößt bei dem absoluten Großteil der Menschen auf große Zustimmung (mit Ausnahme der FDP, ehemals Partei im deutschen Bundestag und Kontra K, deutscher Sprechsänger). Die wohlverdiente Wertschätzung der eigenen Person sorgt für eine gesunde und positive Einstellung zum Leben und lässt uns zufriedener und ausgeglichener durch den Tag gehen. Wir sind glücklicher und erfolgreicher, wir frohlocken und begegnen sich uns in den Weg stellenden Problemen mit einem lauten „Ja komm doch her, wenn du was willst!“ und geballter Faust.

Manch einer bekommt von dieser Selbstliebe gar nicht genug, sodass er seine Passion zu seinem Beruf macht und seinen Mitmenschen als sogenannter Lifestylecoach oder Mindsettrainer auf Instagram erklärt, wie man richtig glücklich und empowert wird und was auf dem langen Weg zur innerlichen Verzückung nicht erlaubt ist. Man muss nur in die Gruppe kommen.

Das soziale Zusammenleben profitiert enorm vom gesteigerten inneren Seelenfrieden und dem Selbstbewusstsein der Erdbevölkerung, sofern man in einem wohlhabenden Teil der Erde zuhause ist. Wer mit sich im Reinen ist, pisst auch nicht seinen Mitmenschen ans Bein. Es könnte alles so wundervoll sein, so friedlich und entspannend, wäre da nicht das altbekannte, ja gar chronische Problem der Menschheit, mit etwas Schönem nicht verantwortungsvoll umgehen zu können. Wer sich auch nur ein wenig mit der Geschichte unserer hochgelobten Spezies beschäftigt hat, weiß, dass Maß zu halten einzig und allein eine Metapher für das Hinunterstürzen großer Mengen Bier aus einem dementsprechenden Gefäß darstellt. Woran an sich erst einmal nichts verwerflich wäre. Ein Stück vom Kuchen war noch niemals genug, es musste immer die ganze Torte gespachtelt werden.

Die Vergangenheit wurde, wie einigen unter uns, die in Zeiten von TikTok noch fähig sind ein Buch zu lesen bekannt, konstant durch Rücksichtslosigkeit und eine starke Ellenbogengesellschaft geprägt. Fressen und gefressen werden

war über Jahrhunderte das Leitmotto aller geknechteten Seelen. Allerdings war dies Umständen und zeitgenössischen Konventionen geschuldet, mit denen wir uns in der heutigen Zeit, zu unser aller Glück, nicht mehr herumzuschlagen brauchen. Dennoch lässt sich in der hochentwickeltsten und vermeintlich fortschrittlichsten aller Epochen ein Egoismus beobachten, der sogar für die Spezies, die die Leibeigenschaft und Versklavung von Mitmenschen für den eigenen Profit für ein gottgegebenes Grundrecht hielt (und leider in Teilen auch heute noch hält, Stichwort: FDP) einzigartig ist. Innerhalb kürzester Zeit hat sich ein Wesenszug den Weg in unseren Alltag gebahnt, der durch eine beispiellose Selbstverliebtheit und den entsprechenden Verhaltensweisen geprägt ist und uns vor eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit stellt.

Gesellschaftliche, politische und zwischenmenschliche Debatten werden auf einem emotionalen Niveau geführt, wie es sie seit dem mittelalterlichen Disput zwischen Geistlichen und Häretikern wohl nicht mehr gegeben hat. Der einzige Unterschied besteht darin, dass man im 21.Jahrhundert auf dem neueren, digitalen Scheiterhaufen der sozialen Medien gegrillt wird. Es ist nicht alles schlecht. Aber wieso haben wir uns nach so einer langen Zeit, in der man Egoisten oftmals mit einem genervten Kopfschütteln oder der Phrase „Ja mei, der ist halt so…“ begegnet war, zu einem kollektiven Haufen unangenehmer und ätzender Arschlöcher gewandelt, welchen entsprechend etwas gegenzusetzen bald einer eigenen Wissenschaft bedarf, obwohl durch den Fortschritt und die soziale Weiterentwicklung alle Zeichen auf Harmonie und Eintracht standen? Wieso haben wir uns in einen paradoxen Wirrwarr aus Selbstbewusstsein und psychischer Stärke auf der einen und Selbstmitleid und unerträglicher Opferrollen-Mentalität auf der anderen Seite manövriert?

Wie soll man in einer Welt, in der sich jeder selbst der Nächste ist, sein Glück machen und wie vermeidet man jahrelange Gefängnisstrafen aufgrund etlicher, durch sinnlose Diskussionen mit nervtötenden Zeitgenossen provozierte Körperverletzungsdelikte?

Warum ist die heutige politische Landschaft ausschließlich in Gut und Böse, in Wahrheit und Lüge, in Meinungsfreiheit und Cancel Culture, in Lichtkrieger für die Demokratie und Systemschergen für die Diktatur gespalten? Und wieso gibt es Menschen, die Julian Reichelt allen Ernstes

als den „einzigen und letzten wahren Journalist Deutschlands“ bezeichnen? Diese und viele weitere Fragen bestimmen den aktuellen Zeitgeist und jene gilt es zu beantworten, um die anstehenden Herausforderungen für ein empathisches Zusammenleben zu meistern. Volksgemeinschaft, internationale...



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