E-Book, Deutsch, 367 Seiten
Schneider Northern Sky
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-138-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman. Rosenborg-Saga, Band 3 | Dunkle Geheimnisse, Intrigen und tiefe Gefühle - die Rosenborg-Saga geht weiter
E-Book, Deutsch, 367 Seiten
ISBN: 978-3-98952-138-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Inga Schneider hat »Hygge« im Blut. Sie arbeitet als Journalistin in Dänemark und Schleswig-Holstein. Seit 2021 veröffentlichte sie bereits mehrere erfolgreiche Cosy-Crime- sowie Liebes- und Feel-Good-Romane. Die Website der Autorin: https://www.inga-schneider.de/ Die Autorin bei Facebook: ingaschneider.autorin/ Die Autorin auf Instagram: @ingaschneider.autorin Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre »Rosenborg-Saga« sowie ihre Cosy-Crime-Reihe »Annie Gade und die Fördemorde«. Alle Titel sind bei SAGA-Egmont auch als Hörbuch- und Printausgabe erhältlich.
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 1
Kopenhagen. Sechs Monate später.
Wo zum Teufel war er?
Frederik blinzelte einige Male gegen das Sonnenlicht, das an diesem Morgen, für seinen Geschmack ein wenig zu hell, durch die cremefarbenen Vorhänge ins Schlafzimmer fiel. Er rieb sich die Augen. Die Erinnerung an die vergangene Nacht war nahezu ausgelöscht.
Um mehr über seinen Aufenthaltsort zu erfahren, drehte er seinen Kopf vom Fenster weg und wartete, bis die Welt um ihn herum aufgehört hatte zu schwanken. Wenn man bedachte, dass er jede Menge Alkohol getrunken und wahrscheinlich nur wenige Stunden geschlafen hatte, ging’s ihm gar nicht mal so übel.
Zumindest hatte er keine Kopfschmerzen. Auf dem Nachttisch entdeckte er sein Handy. Er griff danach und sah auf die Uhr. Es war kurz nach neun.
Frederik setzte sich auf und lauschte. Den Geräuschen nach zu urteilen, musste er sich irgendwo in der Nähe des Hafens befinden. Vielleicht im NOVA, dem exklusiven Hotel seines großen Bruders, in dem er eine kleine Suite zur privaten Nutzung hielt. Aber hatten die Vorhänge dort nicht eine andere Farbe?
Vorsichtig checkte er die Fakten. Er war nackt und verkatert in einem riesigen Bett, mindestens King-Size, aufgewacht. Um ihn herum war alles in Creme und Beige gehalten, die Spiegel waren mit Gold umrandet, und an der Decke über dem Bett hing ein großer Kronleuchter. Ach du Scheiße! War er etwa hier?
Unbeabsichtigt musste er schmunzeln. Der Gedanke daran, dass er mit seiner Eroberung ausgerechnet im Luxus-Hotel seines herrischen Vaters abgestiegen war, hatte etwas.
Er konzentrierte sich und versuchte, die Bruchstücke der vergangenen zehn Stunden zusammenzusetzen. Zuerst war er mit ein paar Freunden im NOMA essen gegangen und hatte Champagner und vollmundigen Rotwein zu dem sündhaft-teuren Menü getrunken. Anschließend war er mit einem Kumpel weitergezogen. Zunächst in irgendeine Bar in Vesterbro, dann ins Luzifer, wo er Unmengen an Cocktails getrunken hatte. Letztlich war er im High Club, in dem er selbstverständlich Mitglied war, und bei diversen anderen Drinks gelandet, als er sie getroffen hatte.
Schwarze Haare bis zum Po, traumhafter Körper, leicht mandelförmige Augen …
Frederik fuhr sich durch die blonden, kinnlangen Haare. Er hatte sie beeindrucken wollen.
Und ein Hotel wie das Rosenborg war definitiv beeindruckend. Er hatte ihr die Dachterrasse des Hotels und den berühmten schwarzgefliesten Pool, der sich darauf befand, gezeigt. Und dann waren sie schwimmen gegangen. Nackt. Mit nichts als schwarz schimmerndem Wasser um sich herum und Millionen von Sternen über sich. Wer würde da nicht schwach werden?
Er lächelte, als sich langsam mehr und mehr schemenhafte Erinnerungen an die vergangene Nacht zurück in sein Gedächtnis schlichen. Nach dem Schwimmen hatte eins das andere ergeben. Und so waren sie schließlich im Bett gelandet.
Frederik schloss die Augen. Sie war toll gewesen. Fantastisch. Er hatte zuvor noch nie etwas mit einer Grönländerin gehabt und war überrascht davon, wie feurig und leidenschaftlich sie gewesen war und … dass sie noch immer neben ihm lag. Mist! Ihre schwarzen langen Haare lugten unter der Decke hervor, die sie sich, trotz der sommerlichen Temperaturen draußen, bis unter das Kinn gezogen hatte.
Ilva. Oder Ida? Irgendwas mit I … Es war nicht das erste Mal, dass er sich nicht an den Namen der Frau erinnern konnte, mit der er die Nacht verbracht hatte. Seiner Ansicht nach wurden Namen eh überbewertet. Was war schon ein Name? Nichts weiter als eine Hülle, hinter der die Menschen ihr Innerstes vor der Welt verstecken konnten.
Frederik betrachtete sie ein weiteres Mal und glitt so leise wie möglich aus dem Bett. Auf keinen Fall wollte er riskieren, dass sie jetzt aufwachte.
Für den Morgen danach war er einfach nicht geschaffen. Sosehr er die Nächte auch genoss, sosehr hasste er das Aufwachen am Tag danach. Man konnte sich nie sicher sein, ob es auch wirklich bei dem ungezwungenen Spaß bleiben würde, den man sich in der Nacht versprochen hatte, oder ob der Spaß am Ende nicht doch höheren Erwartungen gewichen war, die er weder erfüllen konnte noch erfüllen wollte.
Er war kein Mann für eine feste Bindung, auch wenn manche seiner One-Night-Stands durchaus Potential dazu gehabt hätten. Aber um ihn herum gab es zu viele hübsche Frauen, als dass er sich dauerhaft an eine einzige hätte binden können. Wo würde denn da der Spaß bleiben?
Frederik bückte sich und hob eilig seine Klamotten vom Boden auf, die überall im Zimmer verstreut waren. Anschließend zog er sich das Hemd und die Hose an und schlich aus dem Schlafzimmer in den angrenzenden Wohnbereich der Juniorsuite, wo er sich hastig Socken und Schuhe überstreifte, bevor er, ohne sich noch ein weiteres Mal umzusehen, aus dem Zimmer verschwand.
Auf dem Weg nach unten zückte er sein Handy, und während er auf den Aufzug wartete, bestellte er über den Zimmerservice ein reichhaltiges Frühstück, über das sich Ivalo – ja genau so hieß sie! – nach dem Aufwachen sicher freuen würde. Kurz überlegte er, ob er ihr auch eine Nachricht zukommen lassen sollte, eine Art Dankeschön für die gemeinsamen, zweifellos schönen Stunden.
Aber er war kein Fan dieser abgedroschenen Nachrichten, die Männer ihren Liebhaberinnen schickten. Davon hatte niemand etwas. Auch Ivalo nicht. Zwischen ihnen beiden war alles geklärt, sie hatten die Regeln bereits gestern Abend festgelegt. Hätte Ivalo diesen nicht zugestimmt, wäre es zu dieser gemeinsamen Nacht gar nicht erst gekommen. Alles war gesagt und bedurfte keinen weiteren Erklärungen. Es würde alles eh nur komplizierter machen. Und er konnte alles, was kompliziert war, nicht ausstehen.
Die Lifttüren öffneten sich, und Frederik gesellte sich zu einem älteren Ehepaar, das ihn freundlich grüßte und ebenfalls auf dem Weg nach unten zu sein schien. Frederik nickte ihnen zu. Als er sich vor sie stellte, bemerkte er im Augenwinkel, wie beide die Köpfe zusammensteckten und zu tuscheln begannen.
Es wunderte ihn nicht, dass sie wussten, wer er war. Ganz Dänemark kannte ihn. Seiner Familie gehörte das größte und exklusivste Hotel-Imperium des Landes. Von Geburt an verkehrte er in den höchsten Kreisen der Kopenhagener Gesellschaft. Er war es gewohnt, dass die Augen auf ihn gerichtet waren, wenn er einen Raum betrat. Und er genoss es. Auch wenn das öffentliche Leben nicht nur Vorteile mit sich brachte.
Zum ersten Mal an diesem Tag warf er einen flüchtigen Blick in den Spiegel, während sich der Aufzug rasant in Bewegung setzte.
»Sahst auch schon mal besser aus«, murmelte er leise bei dem Anblick, der sich ihm bot. Verkatert, mit dunklen Ringen unter den Augen und ein wenig blass um die Nase. Tuschelten die älteren Leute deshalb über ihn?
Ihm blieb kaum Zeit, darüber nachzudenken, mal abgesehen davon, dass es ihn nicht juckte. Schon wenige Sekunden später stoppte der Fahrstuhl, und die Aufzugtüren glitten lautlos wieder auf.
Das grelle Licht der hellerleuchteten Lobby traf ihn wie ein Blitz. Instinktiv kniff er die Augen zusammen und suchte in der Tasche seines Jacketts nach seiner Sonnenbrille.
»Haben Sie noch einen schönen Tag«, sagte die ältere Frau, als sie sich an ihm vorbei in die Lobby schob.
»Danke, das wünsche ich Ihnen auch«, antwortete Frederik höflich und schenkte ihr ein blendendes Lächeln, bevor er sich die Sonnenbrille aufsetzte und den Fahrstuhl ebenfalls verließ.
Sanfte Klaviermusik begleitete ihn auf dem Weg durch die Lobby in Richtung Ausgang. Auch wenn er in dem Hotel mehr als seine halbe Kindheit verbracht hatte, kam er nicht umhin, sich einzugestehen, dass ihn der Prunk, der sich im Rosenborg beinahe in jeder Ecke zeigte, jedes Mal aufs Neue beeindruckte. In punkto Luxus hatten sich seine Eltern bei der Einrichtung des Rosenborg Kopenhagen wirklich nicht lumpen lassen.
Wohin er auch schaute, überall schimmerte es in sanften Beige- und Goldtönen. Große, goldumrandete Spiegel an den Wänden ließen die Empfangshalle noch größer erscheinen. Und obwohl er es eilig hatte, sich möglichst unerkannt davonzuschleichen, schritt er förmlich über den Boden aus cremeweißem Perlino-Marmor, den seine Eltern einst extra aus Italien hatten einfliegen lassen.
Frederik senkte den Kopf und ging weiter. Beinahe wäre er in einen Pagen gelaufen, der mit einem großen Kofferwagen die Drehtür am Eingang blockierte. Er schaffte es gerade noch an ihm vorbei in eines der Drehfelder der Tür zu huschen und gelangte so nach draußen, bevor die Tür endgültig festsaß.
Draußen nahm er sich eines der Taxen, die vor dem Rosenborg hielten. Er stieg ein und ignorierte das penetrante Klingeln seines Handys. Wer auch immer es war, könnte eine Nachricht auf der Mailbox hinterlassen oder einfach wieder anrufen. Im Moment hatte er keine Lust, mit jemandem zu reden.
Frederik lehnte sich zurück und schloss die Augen. Zu Hause würde er erst einmal die Klamotten wechseln und joggen gehen, um sich die Spuren der vergangenen Nacht aus dem Leib zu schwitzen. Ja, das war eine gute Idee. Er betrachtete sein verkatertes Gesicht im Rückspiegel des Fahrers. Eine Dusche und eine frische Rasur würden ihn schon wieder auf Trab bringen. Schließlich war er Frederik Bjerregaard, und das Leben liebte ihn. Wäre doch gelacht, wenn er das nicht wieder hinkriegen würde.
Er beugte sich zum Fahrer vor. »Setzen Sie mich bitte am NOVA ab«, bat er, woraufhin der Fahrer kurz nickte und den Blinker setzte. Kurz darauf setzte sich das Taxi in Bewegung.
Über die Knibbelsbro fuhren sie hinüber auf die andere Seite des Hafens, vorbei an Børsen, der historischen Börse mit...




